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23. Filmfest Hamburg zeigt in China verbotene Filme

Die 23. Ausgabe zeigt Filme vom verbotenen Pekinger Filmfestival.



Vom 01.-10. Oktober 2015 lädt das 23. Filmfest Hamburg in die Kinos Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage, Studio und B-Movie ein und wird wieder über 40.000 Kinofans in zehn Tagen auf elf Leinwänden mit ca. 140 nationalen und internationalen Spiel- und Dokumentarfilmen als Welturaufführung, Europapremiere oder deutsche Erstaufführung begeistern. In zehn festen und weiteren, jährlich wechselnden Sektionen reicht das Programmspektrum von cineastisch anspruchsvollen Arthouse-Filmen bis hin zum innovativen Mainstreamkino.

Albert Wiederspiel, der seit 2003 das Filmfest Hamburg leitet, zeigt in diesem Jahr zudem rund ein Dutzend der Filme, die beim Beijing Independent Film Festival im August vergangenen Jahres ihre Premiere hätten feiern sollen. Die elfte Ausgabe des Pekinger Festivals, auf der 76 unabhängige und kritische Filme gezeigt werden sollten, war von den Veranstaltern kurzfristig abgesagt worden. Zuvor waren sie von den Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben massiv unter Druck gesetzt worden. Einen Tag vor Eröffnung des Festivals habe man sie zur Absage gezwungen.

"Eine wichtige Aufgabe von Filmfestivals ist doch die Förderung des unabhängigen Films, so unterschiedlich der Begriff auch in den verschiedenen Kinokulturen aufgefasst werden mag. Beiträge des unabhängigen chinesischen Kinos in Hamburg präsentieren zu können, empfinde ich es als eine große Bereicherung des Programms. Ich bin sicher, dass wir dadurch neue Einblicke in die zum Teil sehr rauen Realitäten des heutigen Chinas gewinnen können", erklärt Filmfest-Hamburg-Leiter Albert Wiederspiel.

Im Anschluss an die Vorführungen der Filme sind Publikumsgespräche mit den Filmmachern geplant. Neben Li Xianting, der das Beijing Independent Film Festival 2004 gegründet hatte, werden auch andere Festivalverantwortliche in Hamburg erwartet.

Eröffnet wird das Filmfest mit Jaco Van Dormaels "The Brand New Testament". Die Geschichte einer kleinen Familie, bestehend aus Gott, seiner Frau und seiner kleinen Tochter, hatte in Cannes ihre Weltpremiere gefeiert und wird in Hamburg Deutschlandpremiere haben, zu der Van Doermael mit seinen Darstellern persönlich erwartet wird. Dormaels Liebe für die Außenseiter der Gesellschaft schlägt diesmal in eine himmlische Richtung. Gott spielt den Familien-Tyrann, bis seiner Tochter Ea der Kragen platzt, sie Gottes alten Computer hackt und mit einer kurzen Botschaft eine fatale Kettenreaktion auslöst. Gebot Nr. 2231: Ein Unglück kommt selten allein. Herausgekommen ist eine philosophisch-religiöse Farce, die das Herz und den Verstand der Zuschauer verführt. Hier der Trailer:

The Brand New Testament (Trailer) from Chris Webster on Vimeo.


Ebenfalls feiert der Cannes-Gewinner "Dheepan" auf dem Filmfest Hamburg seine Deutschlandpremiere. Jacques Audiards Werk, das die Goldene Palme gewonnen hatte, wird in der Sektion Voilà, die sich auf das frankophone Kino spezialisiert hat, gezeigt. Hier der Trailer:



Insgesamt werden auf dem Filmfest Hamburg 172 Filme aus 52 Ländern zu sehen sein. Darunter in der neuen Sektion für das politische Kino, Veto!, zeigt Abbas Fahdel in "Homeland" eine Dokumentation über seine Familie als Deutschlandpremiere. In Transatlantik, der neuen Sektion für das englischsprachige nordamerikanische Filmschaffen, wird in der Deutschlandpremiere von Dito Montiels "Boulevard", der letzte Film mit Robin Williams in der Hauptrolle gezeigt. Der Schauspieler litt an starken Angstzuständen wegen seiner Parkinson-Erkrankung und hatte sich deshalb im letzten Jahr das Leben genommen.

Zwei weitere Deutschlandpremieren wurden für das Kaleidoskop, den Spiegel des Weltkinos, benannt: Ida Panahandehs "Nahid" und Corneliu Porumboius "The Treasure". In der Sektion Asia Express, die sich Asiens Filmkultur widmet, feiert Hou Hsiao-Hsiens "The Assassin" ebenso seine Deutschlandpremiere wie Frederico Veirojs "The Apostate" in der Sektion Vitrina für das spanisch- und portugiesischsprachige Kino und Hella Joofs "All inclusive" in der Sektion Eurovisuell, die europäische Publikumserfolge zeigt.

Zum Abschluss präsentiert das Filmfest Hamburg die Deutschlandpremiere der iranisch-deutschen Koproduktion "Paradise" von Sina Ataeian Dena. Die Geschichte einer jungen Lehrerin, die gegen ihre innerste Überzeugung gezwungen wird, ihre Schülerinnen mit militärischer Disziplin in strikter Auslegung des Islam zu erziehen, wird von Dena zusammen mit Hauptdarstellerin Dorna Dibaj und dem Berliner Produzenten Amir Hamz präsentiert.

Nicht zuletzt feiert im Rahmen der Hamburger Filmschau, die Hamburger Filmschaffen ein Forum bieten will, Theresa von Eltz' "4 Könige" seine Weltpremiere und das Kinder- und Jugendfilmfest Michel zeigt als Deutschlandpremiere Davis Guggenheims "He Named Me Malala".

Eröffnet wird das MICHEL Kinder- und Jugendfilmfest mit "Song of the Sea" ("Das Lied des Meeres"). Tomm Moores irisch-luxemburgisch-französisch-belgisch-dänische Koproduktion erzählt die Geschichte des kleinen Ben, dem von seiner Mutter nur die Erinnerung und ein Schneckenhaus, in dem er das Meeresrauschen hören kann, geblieben sind. Bens stummes Schwesterchen Saoirse kann dem Schneckenhaus eines Tages eine zauberhaft Melodie entlocken und so öffnet sich für die beiden Kinder eine märchenhafte Welt voller magischer Wesen. Hier der Trailer:



Der Oscar-nominierte Animationsfilm des irischen Regisseurs Moore läuft auch auf dem SCHLINGEL Kinderfilmfest am 5. Oktober 2015 in Chemnitz. In Hamburg konkurriert er ebenso um den mit 5.000 Euro dotierten Michel Filmpreis wie Barbara Brederos "Mister Twister auf der Bühne", Indika Ferdinandos "Meeresrauschen", Stefan Bühlings "Die weiße Schlange", Roberto Duartes "Max' Film" und Arne Toonens "Kleine Gangster". Herzstück des Festivals ist der Wettbewerb, dessen Filme in Zusammenarbeit mit LUCAS - – Internationales Kinderfilmfestival Frankfurt ausgewählt wurden, von dem wir vorgestern berichteten.

Ari Folman kuratiert Länderreihe Israel beim Filmfest Hamburg.
Anlässlich des 50. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel widmet das Filmfest Hamburg seine diesjährige Länderreihe dem Staat Israel. Für die Sektion Israel Deluxe hat der Kurator Ari Folman, neun israelische Filme aus den Jahren 1971 bis 2012 ausgewählt: Ephraim Kishons Oscar-nominiertes Polizeidrama "Schlaf gut, Wachtmeister", Uri Zohars "Peeping Toms", David Perlovs Dokumentarfilm "Diary", Rafi Bukais Anti-Kriegsfilm "Feinde unter sich", der 1986 in Locarno den Goldenen Leoparden gewonnen hatte, Assi Dayans "Nachtaufnahmen", Yoav Shamirs "Checkpoint", Tawfik Abu Waels "Durst", "Shiva" von Ronit und Shlomi Elkabetz sowie Jonathan Gurfinkels "Six Acts".

Zwölf Kandidaten für Hamburger Produzentenpreis.
Im Rahmen der im vergangenen Jahr eingeführten Sektion Freihafen werden diesmal zwölf deutsch-europäische Koproduktionen gezeigt, die um den Hamburger Produzentenpreis konkurrieren. Die Hamburger Kulturbehörde hat hierfür ein Preisgeld von 25.000 Euro zur Verfügung gestellt, das an den deutschen Koproduzenten des Gewinnerfilms geht; der internationale Koproduzent des Gewinnerfilms erhält ein Kino-Grading im Wert von rund 15.000 Euro, das die Hamburger Postproduktionsfirma Optical Art zur Verfügung stellt.

Nominiert sind:
• "Die dunkle Seite des Mondes" (Deutschland/Luxemburg, Regie: Stephan Rick
• "Hasret - Sehnsucht" (Türkei/Deutschland, Regie: Ben Hopkins)
• "In deinen Armen" (Dänemark/Deutschland, Regie: Samanou A. Sahlstrøm)
• "Iona" (Großbritannien/Deutschland, Regie: Scott Graham)
• "Chromium" (Albanien/Kosovo/Deutschland/Griechenland, Regie: Bujar Alimani)
• "Lieber Hans, bester Pjotr" (Deutschland/Russland/Ukraine, Regie: Alexander Mindadze)
• "Memories of the Wind" (Türkei/Frankreich/Deutschland, Regie: Özcan Alper)
• "Mustang" (Frankreich/Deutschland/Türkei/Katar, Regie: Deniz Gamze Ergüven)
• "One Floor Below" (Rumänien/Deutschland/Frankreich/Schweden, Regie: Radu Muntean)
• "Riverbanks" (Griechenland/Deutschland/Türkei, Regie: Panos Karkanevatos)
• "The Petrov File" (Bulgarien/Deutschland/Frankreich, Regie: Georgi Balabanov)
• "Unter dem Sand" (Deutschland/Dänemark, Regie: Martin Zandvliet)

Über den Gewinner entscheidet eine dreiköpfige Jury, bestehend aus Eurimages-Präsident Jobst Plog, Brigitte Winkler-Komar (Filmförderung des Bundeskanzleramts Österreich) sowie Regisseur und Autor Jan Schomburg.

Filmfest Hamburg ehrt Catherine Deneuve.
Catherine Deneuve wird in diesem Jahr mit dem Douglas Sirk Preis ausgezeichnet, mit dem das Filmfest Hamburg seit 1995 eine Persönlichkeit ehrt, die sich um die Filmkultur und die Filmbranche verdient gemacht hat. Deneuve, die das französische Kino nach Ansicht der Filmfestverantwortlichen seit über 50 Jahren so sehr prägt wie keine andere Schauspielerin, wird zur Eröffnung des Filmfest Hamburg am 1. Oktober erwartet. Die Auszeichnung erhält sie anlässlich der Deutschlandpremiere ihres aktuellen Films, Jaco van Dormaels "Das brandneue Testament".

Mit dem Douglas Sirk Preis wurden bis dato u.a. Clint Eastwood, Stephen Frears, Jodie Foster, Wong Kar-wai, Aki Kaurismäki, Isabelle Huppert, François Ozon, David Cronenberg, Atom Egoyan, Julian Schnabel, Andreas Dresen und Peter Rommel, Kim Ki-duk, Tilda Swinton sowie im vergangenen Jahr Fatih Akin ausgezeichnet.

Links: www.filmfesthamburg.de | www.michel-kinderfilmfest.de
Quellen: Filmfest Hamburg | Blickpunkt:Film

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