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Laser Vision: Grelle Bilder in dunklen Räumen

Mehr Auflösung, mehr Dynamik- und hoher Kontrastumfang mit größeren Farbräumen.



Das Kino ist in der Zwickmühle. Ständig will es sich neu erfinden, um die Besucher um sich zu scharen. Bessere Ausstattung, moderneres Ambiente, größere Leinwand und dreidimensionale Effekte, das alles scheint nicht mehr zu richtig ziehen, denn die jüngere Generation hat längst neue Leidenschaften im Internet bei den Serienfilmen von NETFLIX & Co. entdeckt und geht nicht mehr regelmäßig, sondern nur noch gelegentlich ins Kino.

Zwar konnten die Kinos mit der Generation 50plus neue Besuchergruppen akquirieren, die auch bereit sind höhere Eintrittspreise zu zahlen. Doch wenn das Filmangebot dem keine Rechnung trägt, nutzt das wenig. Allerdings sind die großen Multiplex-Kinos an der Misere selbst schuld. Nur vorwiegend auf amerikanischen Aktion-Klamauk zu setzen und die Arthaus-Filmkunst den kleinen Kiezkinos zu überlassen, wird auf Dauer wenig nutzen, denn in vielen Städten gibt es immer weniger Kommunale-Kinos oder sogenannte Independent-Filmkunsttheater, die unabhängig von vorbestimmten Markttrends ihr Programm individuell fürs Publikum planen können. Die großen Kinoketten dagegen zeigen alle das gleiche Programm, das die Verleiher ihnen aufdrängen.

Tatsächlich müssen oft auch überraschend erfolgreiche Filme für neu terminierte Produktionen wieder Platz machen. Wer in den ersten zwei Wochen seinen Wunschfilm im bevorzugten Kino seiner Wahl verpasst hat und ihn danach womöglich nur noch im überfüllten kleinen Saal der Schachtelkinos auf halb so großer Leinwand sehen muss, der überlegt sich sehr wohl, ob statt eines teuren Kinobesuchs, das Heimkino mit Blu-ray und großem 4K-Bildschirm, nicht die bessere Wahl gewesen wäre. Das Zeitfenster der Kinoauswertung schmilzt sowieso stetig, sodass die Zweitauswertung über VoD oder Disk immer schneller greifbar ist.

Früher wären solch fatale Fehlentscheidungen der Verleiher nicht möglich gewesen. Filme wie der erfolgreiche "Dr. Schiwago" konnten eben nur auf einer übergroßen Cinerama-Leinwand oder im Todd-AO-Verfahren auf 70mm Film laufen. Mehr als 365 Tage stand das Leinwandepos am Berliner Kurfürstendamm vor stetig ausverkauftem Haus im inzwischen beseitigten Royal Palast auf dem Programm, der im Europa Center für einen Saturn Mediamarkt weichen musste.

Kein Wunder wenn IMAX und DOLBY sich sehnsüchtig solche Glanzzeiten des Kinos zurückwünschen, um auf ihren Spezialleinwänden eine exklusive Filmauswahl als Alleinstellungsmerkmal anbieten zu können. Mit "AVATAR", dem ersten richtig gelungenen 3D-Film, hätte es fast geklappt. Leider waren etliche zuvor und auch danach produzierte 3D-Filme oft von unsäglicher Qualität, sodass die Zuschauer schnell wieder die Lust an der Technik mit den unkomfortablen 3D-Brillen verloren. Nur bei den Animationsfilmen, die meist für Kinder gedacht sind, funktioniert es erfreulicherweise etwas besser als gedacht. Meisterwerke der Filmkunst sind allerdings nur äußerst spärlich darunter. Prämierte Festival Werke werden vornehmlich noch klassisch in der zweiten Dimension produziert.

Gründe für das Versagen mancher 3D-Filme gibt es viele. Unsauberes konvertieren eines 2D-Films in die dritte Dimension oder fehlerhafte Parallaxen Einstellung sind nur ein zwei Beispiele für Probleme mit der Technik. Zu dunkle Bilder sind ein weiterer Grund. Mit teurer Doppelprojektion versucht man dem Handikap den Garaus zu machen. IMAX und DOLBY wollen statt dessen auf Laserprojektion setzen, die hellere und kontrastreichere Bilder darstellen können, als je zuvor.

Leider schreitet die Umrüstung der zukunftsweisenden Technik nicht so schnell voran, wie geplant. Vor allem fehlt der Content dafür. Der weit überwiegende Teil unseres aktuellen Bewegtbildkonsums entspricht von der Bildqualität her schon längst nicht mehr dem, was heute technisch möglich wäre. Ein Grund dafür sind uralte technische Standards, die zu Beginn des Fernsehzeitalters auf die Unzulänglichkeiten der Bildröhre abgestimmt werden mussten, um damals überhaupt ein einigermaßen akzeptables Fernsehbild zu ermöglichen. Dieses Erbe wirkt trotz Digitalisierung und HD bis in die Gegenwart nach — und beschneidet die Qualität, die wir auf TV-Schirmen und teilweise auch im Kino sehen.

Warum ist es sinnvoll, den Kontrastumfang zu erweitern?
Die Hoffnungen der Kino- und TV-Branche liegen nun auf HDR (High Dynamic Range), die es für Fotografen schon länger gibt. Auf der NAB2015 rückte der neue Techniktrend auch im Videobereich in den Fokus. Nicht nur der Dynamikumfang auch der Farbraum von Videobildern lässt sich damit gewaltig steigern, was sowohl für die Laser-Projektion im Kino wie auch für Ultra-HD-TV von entscheidender Bedeutung ist.

HDR-Picture by Kane Gladhill / Australia (sample)


Bisher konnte keines der derzeit existierenden Bewegtbildverfahren das gesamte Farbspektrum darstellen, das der Mensch sehen kann, denn ein Monitor oder Projektor zeigt immer nur einen Ausschnitt aus dem Farbspektrum, der in der Natur tatsächlich existiert. Dabei können moderne Kameras schon heute bei der Aufnahme einen größeren Dynamikumfang aufnehmen, als man ihn anschließend mit den etablierten TV- und Kino-Systemen darstellen kann. Es ist also Zeit die Technik der Wiedergabe entscheidend zu verbessern. Mit zwei 4K-Laserprojektoren von Christie aus Toronto soll das im Dolby Vision Kino gelingen. Neben gleichbleibend hoher Helligkeit und einer breiten Farbpalette, locken laserbasierte Systeme außerdem mit geringeren Betriebskosten durch eine längere Lebensdauer als herkömmliche Lampen. Laut Sony bleiben diese jedoch, um den DCI-Spezifikationen zu entsprechen, momentan für die meisten Kinos wirtschaftlich unerschwinglich, benötigen viel Strom und teure Kühlsysteme.

Dolby macht aber einen Vorschlag, wie es gelingen könnte, die Verbesserungen auf der Produktions- und Postproduktionsseite bis zum Endkunden zu transportieren, dabei aber einen ganz harten technologischen Schnitt zu vermeiden und stattdessen einen einigermaßen weichen Übergang anzubieten. Ein größerer Kontrastumfang bringt nämlich realitätsnähere und auch detailreichere Bilder in denen man deutlich feinere Strukturen erkennen kann als bisher.

In Absprache mit Dolby werden deshalb Warner Bros. und Disney - zumindest bei einigen ausgewählten Produktionen - nicht mehr wie bisher auf einem herkömmlichen Referenzmonitor mit 100 Nits und innerhalb der Grenzen von BT.709 graden, sondern auf einem Dolby-Display, das momentan bis zu 4.000 Nits und den DCI-P3-Farbraum darstellen kann. So können Master hergestellt werden, die eine wesentlich höhere Bildqualität in puncto Kontrastumfang und Farbwiedergabe bereitstellen und die für die Wiedergabe mit größerer Maximalhelligkeit optimiert sind.

Auch Paramount will künftig Dolby Cinema offiziell unterstützen. Als erster Streifen wurde "Mission: Impossible — Rogue Nation" vorgestellt. Von Disney war bislang nur "Tomorrowland" und "Inside Out" (Disney/Pixar) in Dolby-Vision verfügbar. Warner konnte zwar mit dem Katastrophenfilm "San Andreas" aufwarten, der Ende Mai bei uns anlief, doch weiteres ist sobald wohl nicht zu erwarten. Hier der Trailer:



Noch gibt es in Deutschland keine Kinos im Dolby-Vision-Format und auch IMAX hat die Umrüstung des Projektionsverfahren bisher nur angekündigt, aber bei uns immer noch nicht durchgeführt. Erste Testinstallationen von Dolby in Europa und den USA basieren auf 4k-Projektoren mit Laser-Technik, High Frame Rate-Unterstützung und einem Dolby Atmos-Soundsystem. Neben dem Filmtheater JT Cinemas im niederländischen Eindhoven sowie einem weiteren Kino in Hilversum bei Amsterdam, soll auch das La Maquinista UCI/Cinesa Kino in Barcelona mit Dolby Cinema-Ausstattung entstehen. Außerdem hat Dolby sechs weitere Dolby-Cinema-Kinos in Österreich angekündigt. Das erste soll noch in diesem Jahr in Linz öffnen, die anderen Häuser sollen irgendwo im Land verteilt zwischen 2016 und 2017 entstehen.

In den USA gibt es schon fünf Dolby Cinemas, zudem sind dort fünf weitere im Aufbau. Größtes Handicap könnten die Ticketpreise werden. Sie sind von rund 12,50 auf 18 USD im Dolby Cinema gestiegen. Außerdem berichteten einige Besucher, dass bei schnell wechselnden Hell-Dunkel-Phasen die Augen durch den höheren Kontrast schneller ermüdeten. Da die Dolby-Kinos komplett in schwarz gehalten sind und offensichtlich sogar die Beleuchtung der Notausgänge während der Vorstellung stärker als üblich abgedunkelt ist, werden die starken Kontraste besonders wahrgenommen.

Für den Heimkino-Fan sollen bis zur Ifa 2015 auch erste HDR-TVs und 4K-Beamer zu sehen sein, die HDR-Bilder und HDR-Videos ebenfalls ohne Einbußen auf neuen, nochmals verbesserten Ultra-HDTV-Geräten darstellen können.

Quellen: FTV | Heise | Areadvd | Golem | Sony Pro | HiFi-Forum

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