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Filmherbst NRW versus Medientage München

Nach den Medientagen München folgt der Film- und Kinokongress NRW.



Derzeit wird heftig in der Medienlandschaft gestritten. Die neuen Medien lösen vor allem bei den Jüngeren zunehmend die klassischen Medien ab. Kino muss sich nicht nur gegen TV behaupten, sondern jetzt auch gegen Online-Medien. ARD und ZDF haben deshalb beschlossen den geplanten Jugendkanal (JuKA) als Gegenpol zum Kinderkanal (KiKA) gar nicht erst im TV zu verbreiten, sondern von Anfang an nur Online. Allerdings können dort auch Filme abgerufen werden sowie einige weitere Sendungen ggf. mit dem Hörfunk kooperieren würden.

Das rief natürlich Widerstand beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) auf den Medientagen München hervor, über die wir im Vorfeld am 21. Oktober 2014 berichteten. Die Vereinigung begrüßte zwar die geplante Einstellung von ARD 1Plus und dem ZDF Theaterkanal, doch dass die eingesparten öffentlichen Gebührengelder statt dessen in den geplanten dem Jugendkanal fließen sollen, gefällt dem Privatfunk rein gar nicht. Durch die bundesweiten Crossmedia-Angebote der ARD-Jugendwellen sehen sie ihr eigenes Angebot in der Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Dass der VPRT das öffentlich-rechtliche Rundfunkangebot am liebsten ganz zugunsten der privaten Betreiber abschaffen würde, ist allerdings von Anfang an bekannt. Die Medienkonzentration bei den privaten Zeitungsverlegern sowie die Kürzungen der Berichterstattung aus dem ländlichen Raum und in kleineren Gemeinden sollte aber eine Warnung sein, alles den Privaten zu überlassen.

Der VPRT ist dagegen der Meinung, dass die rund 140 Mitglieder der Interessenvertretung der privaten Rundfunk- und Telemedienunternehmen mit ihren TV-, Radio-, Online- und Mobileangeboten Deutschlands Medienlandschaft durch Vielfalt, Kreativität und Innovation bereichern. Damit das auch in der digitalen Welt so bleibt, müssen die regulatorischen, technologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, so deren Meinung. Ein neue Medienordnung auf europäischer Ebene mit einem einheitlichen Regulierungsrahmen wünschte sich allerdings auch die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, Malu Dreyer, auf dem Panel in München. Dies gelte insbesondere für die Bereiche Daten- und Jugendschutz.

Film und Filmpolitik im digitalen Zeitalter als Leitthema in NRW.
Das Leitthema des vierten Film- und Kinokongress NRW, der am 4. & 5. November 20104 von der Medienstiftung NRW im Kölnischen Kunstverein veranstaltet wird, hat mit der rundfunktechnischen Verbreitung weniger am Hut. Das Thema lautet vielmehr "Film und Filmpolitik im digitalen Zeitalter". Gleich am Anfang steht eine Diskussionsrunde mit der Filmförderungsanstalt Berlin (FFA) über die filmpolitischen Rahmenbedingungen und über bei der anstehenden Novellierung des Filmförderungsgesetzes (FFG). Auch wie Europas Filmbranche den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen und die internationale Verbreitung europäischer Filme optimiert werden kann, soll in einer zweiten Debatte unter dem Titel "Der europäische Film im digitalen Zeitalter" beleuchtet werden. Dazu veröffentlichte die Europäischen Kommission ein Strategiepapier mit Vorschlägen.

Diskussion um digitale Verbreitung in München.
Der zweite Kongresstag in NRW beginnt mit einer Runde, die sich mit der zukünftigen Filmfinanzierung befasst. Ein Thema das auf den Medientagen München keine Rolle spielte. Dort ging es vielmehr um die digitale Verbreitung des Rundfunks im Allgemeinen und um die vorzeitige Abschaltung von UKW sowie des DVB-T Signals im Einzelnen. Wie jetzt bekannt wurde möchte die Bundesnetzagentur die DVB-T-Frequenzen für terrestrisches Fernsehen bereits im zweiten Quartal kommenden Jahres versteigern. Der jetzt vorgestellte Entwurf der Behörde sieht sogar vor DVB-T ab April 2015 zu beenden. Die Digitale Dividende II ist jedoch umstritten - vor allem, weil die öffentlich-rechtlichen Sender so die Erfüllung ihres Auftrags für eine Grundversorgung aller Bundesbürger gefährdet sehen. Nach Angaben des ZDF empfangen elf Prozent der deutschen TV-Haushalte ihr Fernsehen nur über DVB-T. Die Umstellung auf den neuen, HD-fähigen Standard DVB-T2, wollen ARD und ZDF schrittweise erst ab Juni 2016 beginnen.

Bis zum Abschluss des Umstellungsprozesses Mitte 2019 müsse ausreichend Frequenzspektrum zur Verfügung stehen, betonten die Anstalten. Darüber hinaus war die Verbreitung digitalen Rundfunks ein wichtiges Thema in München, denn "Auf die digitale Radio-Agenda gehört auch das Thema 'Must Carry' bzw. 'Must be found' für privates Radio auf digitalen Plattformen", so der VPRT. "Die digitale Zukunft des Radios wird nicht auf einen Übertragungsweg zu reduzieren sein, sondern sollte einen technologieneutralen Multi-Chip beinhalten, der neben UKW und DAB+ auch Internet enthalte."

Zum Auftakt der MEDIENTAGE MÜNCHEN referierte Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, auch das Phänomen Big Data, das eine zentrale Rolle künftig spiele. Der amerikanische Streaming-Dienst Netflix analysiere täglich vier Millionen Kunden-Bewertungen und dreißig Millionen Streams. Auf einer solchen Basis ließen sich personalisierte Multimedia-Angebote schaffen, die Text-, Bild-, Audio- und Video-Elemente kombinieren. Um im globalen Medienwettbewerb mithalten zu können, komme es nicht nur auf Inhalte (Content) an, sondern auch auf gute Empfehlungs-Algorithmen (Recommandation) und auf einfache Bedienbarkeit (Usability). Voraussetzung seien hybride Netze, um verschiedene Technologien wie Rundfunk, WLAN, Festnetz und Mobilfunk zu vereinen.

Sorge um die Zukunft des TV-Films auch in München.
Ein Aspekt, der sich weniger mit technischen Fragen auf den Medientagen München beschäftigte, sondern mit dem Ärger um Produktionsaufträge und Sorge um den TV-Film, dürfte auch beim Filmherbst NRW keine ganz unbedeutende Rolle spielen. Das Thema, nach welchen Kriterien ARD und ZDF Produktionsaufträge vergeben und warum nur wenige große Produktionsgesellschaften und nicht auch kleine unabhängige Produktionsfirmen bei der Vergabe durch die öffentlich-rechtlichen Sender berücksichtigt werden, stand wieder einmal auf der Münchener Tagesordnung.

Der Produzentenverband präsentierte dazu in München eine Markanalyse zum Fernsehfilm und veröffentlichte Zahlen aus einer Studie. Demnach wurden 2013 im deutschen Fernsehen in der Primetime 270 TV-Movies erstausgestrahlt. Diese erreichten im Schnitt - inklusive des quotenstarken Tatorts - 5,48 Mio. Zuschauer, das entspricht einem Marktanteil von 16,6 Prozent. Dabei vergab die ARD die meisten Produktionsaufträge an die eigene Sendertochter Bavaria Film GmbH, während das ZDF seine Sendertochter Network Movie bevorzugte. Das Privatfernsehen habe sich dagegen fast völlig vom Fernsehfilm verabschiedet. Sat.1 strahlte 2013 nur noch 15 TV-Movies aus, bei RTL waren es sogar nur noch vier.

Film- und Kinokongress NRW verleiht Kinoprogrammpreise.
Im Umfeld des vierten Film- und Kinokongresses NRW findet zudem die Verleihung der Kinoprogrammpreise der Film- und Medienstiftung NRW und dem Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) statt.

Verliehen wird der mit 20.000 Euro dotierte Herbert-Strate-Preis an Menschen, "die sich wie der Namensgeber in besonderer Weise um das deutsche Kino verdient gemacht haben".

Die Auszeichnung erhält am 4. November 2014 der allseits bekannte Schauspieler, Regisseur und Produzent Til Schweiger. Am 5. November 2014 können bei der Konferenz "Nachwuchs trifft Experten" den anwesenden Filmemachern vom Publikum Fragen gestellt werden. Erstmals gibt es dieses Jahr außerdem ein Filmprogramm unter der Überschrift "Made in NRW" in diversen Kölner Kinos.

Informationen zur Akkreditierung unter: www.filmherbst-nrw.de
Quellen: Blickpunkt:Film | Golem | VPRT | ots news-aktuell

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Deutscher Kulturrat will zur Medienpolitik Stellung beziehen.
Vor zwei Tagen, am Mittwoch den 29.10.2014, lud der Deutsche Kulturrat - der Spitzenverband im Kulturbereich von mehr als 180 deutschen Kultur-, Film- und Fernsehverbänden - zur Diskussionsrunde in seinen Berliner Räumen ein. Vorgestellt wurde ein Dossier zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter dem provokanten Titel: »Sind wir noch auf Sendung?«

Vor mehr als zwanzig Jahren hatte in NRW der WDR, der als finanzstärkster und größte deutscher ARD-Sender gilt, eine Studie herausgebracht unter dem Titel: "Der WDR als Kultur und Wirtschaftsfaktor". Zu dem bevorstehenden Kinokongress NRW war der Deutsche Kulturrat als unabhängige zivilgesellschaftliche Organisation beauftragt worden, eine Neuauflage zu erstellen, die jetzt unter dem Titel: "Der WDR als Kulturakteur" ebenfalls vorgestellt wurde. Darin wird nochmals die Frage gestellt, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinem Kulturauftrag noch gerecht wird, ob also Kultur im Programm einen angemessenen Stellenwert hat - oder ob die privatwirtschaftlichen Rundfunkanstalten sowie das Internet nicht längst in der Gunst des Publikums weit vorne liegen.

In der Berliner Diskussionsrunde - zu denen Verbände, darunter u.a. der BAF und der Schauspielerverband (BFFS) sowie Pressevertreter geladen worden waren - zeigten sich noch viele offene Fragen, für die hier nicht der Platz reicht. Unstrittig war, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Daseinsberechtigung hat. Ob jedoch der geplante Jugendkanal (JuKA) als Ergänzung zum Kinderkanal (KiKA) nur im Internet verbreitet werden sollte, darüber herrschte geteilte Meinung, wie auch bei vielen anderen Fragen. Der deutsche Kulturrat wird weiterhin seine Mitglieder befragen und mit ihnen eine gemeinsame Strategie erörtern. Erst dann kann öffentlich Stellung bezogen werden, um die daraus resultierenden Ergebnisse als Empfehlung an die Politik weitergeben zu können.

Die Publikationen können beim Deutschen Kulturrat bestellt werden. Das Dossier gibt es auch als PDF-Download.

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