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67. Internationales Filmfestival von Cannes 2014

Filmfest Cannes stellte Programm in Paris vor.



Die 67. Internationalen Filmfestspiele von Cannes finden vom 14. bis 25. Mai 2014 an der Côte d'Azur statt. Der künstlerische Festivalleiter Thierry Fremaux präsentierte das Programm der diesjährigen Filmfestspiele allerdings schon kurz vor Ostern in Paris: Die Altmeister Ken Loach, Mike Leigh und Jean-Luc Godard gehören zu den Regisseuren, die um die Goldene Palme an der Croisette konkurrieren. Junge Talente aber sind in der Unterzahl. Insgesamt gehen 18 Filmemacher mit mehreren politischen und gesellschaftskritischen Themen ins Rennen. Ein deutscher Regisseur ist nicht darunter. Damit haben sich alle Hoffnungen zerschlagen, dass endlich wieder mal auch rein deutsche Beiträge zum internationalen Wettbewerb eingeladen werden.

Im Vorfeld klang die Gerüchteküche noch ganz anders. Von vier möglichen deutschen Kanditen - inklusive Christoph Hochhäuslers neuer Film "Lichtjahre" zum Thema Lobbyismus - war anfänglich die Rede gewesen, doch diese schrumpften nun auf vier deutsche Koproduktionen zusammen. Schließlich hatte auch der Hamburger Regisseur Fatih Akin seinen Film "The Cut" aus persönlichen Gründen für eine mögliche Teilnahme beim Filmfestival in Cannes zurückgezogen. Eine Einreichung von "The Cut" ist nun bei einem der internationalen Herbstfestivals geplant. Ob darunter das 62. Film Festival in San Sebastián im September zu den Auserwählten zählt, oder bereits die 71. Mostra Ende August in Venedig, darf weiter spekuliert werden. "The Cut" startet bundesweit am 16. Oktober 2014 im Verleih von Pandora Film in den deutschen Kinos. Und auch Hochhäuslers "Lichtjahre" startet erst im Herbst 2014.

Zu den vier deutsch-internationalen Koproduktionen, die um die Goldene Palme konkurrieren, gehören:

• „Sils Maria“ von Olivier Assayas mit Juliette Binoche, Kristen Stewart und Daniel Brühl. Es ist eine französisch-deutsch-schweizer Koproduktion an der von deutscher Seite die in Halle ansässige Produktionsfirma Pallas Film beteiligt, die der verstorbene Produzent Karl Baumgartner mit initiiert hat.

• Bei David Cronenbergs bissiger Hollywood-Satire „Map to the Stars“ (MFA), die prominent mit Robert Pattinson, Julianne Moore und John Cusack besetzt ist, zeichnet Alfred Hürmer mit der Berliner Integral Film als deutscher Koproduzent mitverantwortlich.

• An dem in türkisch-deutsch-französischer Koproduktion produzierten Spielfilmdrama „Kis uykusu“ ('Winter‘s Sleep') des türkischen Regisseurs Nuri Bilge Ceylan ist die in Berlin ansässige Bredok Film Productio beteiligt.

• Ebenfalls den Sprung in den Wettbewerb geschafft hat Alice Rohrwacher mit ihrem zweiten Spielfilm „Le Meraviglie“, an dem die Berliner Pola Pandora als deutscher Koproduzent mitwirkte.

Außerdem umfasst der Wettbewerb "Saint Laurent" von Bertrand Bonello, "Deux Jours, Une Nuit" von den Brüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne, "Mommy" von Xavier Dolan, "Captives" von Atom Egoyan, "Adieu au langage" von Jean-Luc Godard, der auch angekündigt, beim Festival anwesend zu sein, "The Search" von Oscar-Gewinner Michel Hazanavicius, "The Homesman" von Tommy Lee Jones, "Zwei Fenster" von Naomi Kawase, "Mr. Turner" von Mike Leigh, "Foxcatcher" von Bennett Miller, "Wild Tales" von Damian Szifron, "Timbuktu" von Abderrahmane Sissako, "Leviathan" von Andrey Zvyagintsev und "Jimmy's Hall" von Altmeister Ken Loach, der damit seinen Abschied vom Filmemachen nehmen will.

Außer Konkurrenz werden "Gui Lai" von Zhang Yimou und die DreamWorks-Animation-Produktion "Drachenzähmen leicht gemacht 2" von Dean Deblois gezeigt, womit der 20. Geburtstag von DreamWorks gefeiert werden soll.

Als Special läuft außerdem im offiziellen Programm der europäische Kompliationsfilm - ein aus bereits vorhandenem (Archiv)-Material montiertes Werk - „The Bridges of Sarajevo“, der sich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren auseinandersetzt. Unter den Filmemachern, die daran beteiligten sind, befindet sich neben Jean Luc Godard, Aida Begic, Cristi Puiu, Pedro Costa, Vincenzo Marra, Ursula Meier und Marc Recha auch die deutsche Regisseurin Angela Schanelec. Als deutscher Produzent an diesem Omnibusfilm hat auch Titus Kreyenberg mit der Kölner Unafilm mitgewirkt. Im Rahmen der Special Screenings werden auch die Dokus "Caricaturistes - Fantassins de la Démocratie" von Stephanie Valloatto, "Red Army" von Polsky Gabe, "Maidan" von Sergei Loznitsa sowie "Eau argentée" von Mohammed Ossama gezeigt.

In den Midnight Screenings kommen "The Rover" von David Michod, "The Target" von Yoon Hong-seung und "The Salvation" von Christian Levering zur Aufführung.

Wim Wenders in der Nebensektion Un Certain Regard.
In der Nebensektion »Un Certain Regard« sieht das Bild ein wenig anders aus. Dort ist die österreichische Filmemacherin Jessica Hausner mit ihrem historischen Film „Amour Fou“ vertreten, der in österreichisch-luxemburgisch-deutscher Koproduktion entstanden ist. Als deutscher Partner ist die Berliner Essential Filmproduktion daran beteiligt. Außerdem wird Wim Wenders mit seiner Künstlerbiografie "The Salt of the Earth" antreten, die er gemeinsam mit Juliano Ribeiro Salgado, dem Sohn des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, gedreht hat. Ebenfalls in dieser Programmsektion ist die israelisch-deutsch-französische Koproduktion „Away from his Absence“ von Keren Yedaya eingeladen, an welcher die Hamburger Riva Filmproduktion von deutscher Seite beteiligt ist.

Außerdem wurden "Jauja" von Lisandro Alonso, "La chambre bleue" von Mathieu Amalric, "Incompresa" von Asia Argento, "Titli" von Kanu Biehl, "Eleanor Rigby" von Ned Benson, der bereits in Toronto gezeigt worden war, "The Bird People" von Pascale Ferran, Ryan Goslings Regiedebüt "Lost River", "Charlie's Country" von Rolf de Heer, "Snow in Paradise" von Andrew Hulme, "Dohee-ya" von July Jung, "Xenia" von Panos Koutras, "Run" von Philippe Lacôte, "Turist" von Ruben Östlund, "Hermosa Juventud" von Jaime Rosales sowie "Fantasia" von Wang Chao und "Harcheck Mi Headro" von Keren Yedaya ausgewählt.

Der Jurypräsident von »Un Certain Regard« stand mit Pablo Trapero bereits frühzeitig fest. Erst kurz vor Ostern wurde auch der Eröffnungsfilm der Cannes-Nebenreihe bekannt gegeben: Die Wahl fiel auf "Party Girl", das Regiedebüt des Trios Marie Amachoukeli-Barsacq, Claire Burger und Samuel Theis mit der Hauptdarstellerin Sonia Theis. Die Geschichte handelt von der 60-jährigen Nachtclub-Hostess Angelique, die zwar nach wie vor Männer liebt und Gefallen an Partys hat, jedoch überraschend einen Seitensprung wagt.

Kurzfilmprogramm mit deutschem No-Budget-Werk.
Der Animationskurzfilm „Tea Time” aus der Fakultät Design der Technischen Hochschule Nürnberg feiert sein Debüt bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes. Die Abschlussarbeit von Marie Kister, Thomas Schienagel, Marcel Knüdeler und Wilfried Pollan im Studienfach Film & Animation und stellt in siebeneinhalb Minuten die Odyssee eines alterskranken Bibliothekars vor. Prof. Jürgen Schopper von der Fakultät Design der TH Nürnberg Film & Animation hatte den Film zu „Next Generation Short Tiger 2014” eingereicht und freut sich mit seinen Studenten über die Chance, den Film in Cannes zu zeigen. Hier der Trailer on Vimeo:



Tea Time” ist eine No-Budget-Produktion, die dennoch mit ihrer Qualität überzeugt. Eine der Herausforderungen bei der Produktion war, die Computer-Animation mit der zur Verfügung stehenden Rechnerleistung umzusetzen.

Pierre Lescure beerbt Gilles Jacob als Präsident in Cannes.
Pierre Lescure, der langjährige Chef des französischen Privatsenders Canal Plus, wird den mittlerweile 83-jährigen Gilles Jacob im Amt des Präsidenten des Festival de Cannes beerben. Entsprechende Gerüchte bestätigte Ex-Arte-Chef Jérôme Clément gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Clément hatte sich eigentlich selbst Hoffnungen auf den prestigeträchtigen Posten gemacht.

Gilles Jacob, der in unterschiedlichen Funktionen fast 40 Jahre für das wichtigste Filmfestival tätig war, hatte im Dezember angekündigt, dass er zum 1. Juli 2014 in den Ruhestand gehen will. Um seine potentielle Nachfolge waren daraufhin wilde Spekulationen entbrannt. Einige prominente Persönlichkeiten hatten ihren Hut in den Ring geworfen - darunter auch Lescure und Clément. Der 68-jährige Lescure gilt als Mann des großen Showbusiness mit einer Vorliebe für Hollywoodfilme, sein Rivale Clément dagegen noch stärler als Verfechter der europäischen Kultur.

Lescure hatte Canal Plus 1984 zusammen mit dem Unternehmer und Politiker André Rousselet gegründet, 1994 stieg er an die Spitze des Senders auf. In seine achtjährigen Amtszeit fiel unter anderem den Kauf der Universal-Studios durch Canal Plus und Vivendi.

Das Festival de Cannes hat eine Doppelspitze, die künstlerische Leitung des Festivals obliegt wie gehabt Thierry Frémaux.

Neunköpfige Cannes-Jury vergibt die »Goldenen Palmen«.
Unter dem Vorsitz der neuseeländischen Filmemacherin Jane Campion urteilen die französische Schauspielerin Carole Bouquet, die US-Regisseurin Sofia Coppola, die iranische Schauspielerin Leila Hatami, die südkoreanische Darstellerin Jeon Do-yeon, der US-Schauspieler Willem Dafoe, sein mexikanischer Kollege Gael Garcia Bernal sowie die Filmemacher Jia Zhangke (China) und Nicolas Winding Refn (Dänemark) bei den 67. Filmfestspielen an der Croisette über die Palmen-Vergabe.

Jane Campion selbst hatte im Jahr 1986 ihren ersten Kurzfilm "Peel" an der Croisette vorgestellt und wurde dafür sowie 1993 für den langen Spielfilm „Das Piano“ als bisher einzige Frau mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Marcello Mastroianni ziert Cannes-Plakat 2014.
Das Poster für das offizielle Festivalplakat 2014 zeigt den italienischen Schauspieler Marcello Mastroianni, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte. Das Bild stammt aus einer Szene von Federico Fellinis "Achteinhalb", in der Mastroianni als Fellinis Alter Ego im Kurpark einer Tagträumerei nachhängt: Die schöne Claudia Cardinale in weißer Schwesterntracht reicht ihm ein Glas Heilwasser. Der Film lief 1963 in Cannes.

"Mit Mastroianni und Fellini feiern wir ein Festival, das frei und weltoffen ist. Gleichzeitig erkennen wir einmal mehr die künstlerische Bedeutung des italienischen und des europäischen Kinos an mit einer seiner brillantesten Figuren", heißt es in der Presseerklärung des Festivals. "In seinen Filmen verkörperte Mastroianni alles, was am Kino innovativ, unangepasst und poetisch ist. Die Art und Weise wie er auf uns über den Rand seiner schwarzen Sonnenbrille schaut, lockt uns direkt zu einem Versprechen globaler cinematografischer Freude", erklärt der Plakat-Designer das Motiv.

Als seine Tochter Chiara Mastroianni das Plakat zu sehen bekam, sagte sie: "Ich bin sehr stolz und es berührt mich, dass Cannes meinem Vater mit dem Plakat diese Ehrerbietung erweist. Ich finde es schön und modern, mit einer leichten Ironie und Distanziertheit. Es ist wirklich durch und durch er!"

Das Festivalplakat wurde von Hervé Chigioni und Gilles Frappier entworfen.

49 Titel im Wettbewerb.
Eröffnet wird das Festival im Grand Théâtre Lumière of the Palais des Festivals mit dem Biopic "Grace de Monaco" mit Nicole Kidman über Fürstin Gracia Patricia. Oliver Dahans Film läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz und porträtiert einen Lebensabschnitt der amerikanischen Schauspielerin Grace Kelly, gespielt von Nicole Kidman, die durch die Heirat mit Fürst Rainer III zur First Lady des Fürstentums Monaco wird. Das Fürstentum ist über die Darstellung nicht sehr erfreut und hat bereits Protest gegen den Film angemeldet.

15 Filme von weiblichen Filmemachern wurden für die offiziellen Reihen ausgewählt, die 49 Titel umfasst. Insgesamt waren 1800 Filme eingereicht worden.

"Bande de Files" eröffnet die Quinzaine in Cannes.
Mit Céline Sciammas "Bande des Files" wird die diesjährige Cannes-Nebenreihe Quinzaine des Réalisateurs eröffnet. Unter den langen Spielfilmen befindet sich zwar kein deutscher Regisseur bzw. keine deutsche Regisseurin, dafür aber zwei deutsche Koproduktionen sowie ein Kurzfilm deutscher Regisseure: "Le procès" von Shlomi und Ronit Elkabetz (deutscher Koproduzent: Riva Filmproduktion) und Diego Lermans "Refugiado" (deutscher Koproduzent: 27 Films Production) sowie der deutsche Kurzfilm "Torn" der Absolventen der internationale Filmschule Köln (ifs) Elmár Imánov und Engin Kundag (deutscher Koproduzent: Color of May). Als Abschlussfilm wird Matthew Warchus' "Pride" gezeigt werden.

Insgesamt werden in der Quinzaine des réalisateurs 18 Lang- und elf Kurzfilme sowie Special Screenings von Tobe Hoopers "Texas Chainsaw Massacre" und Bruno Dumonts "Li'l Quinquin" präsentiert.

Links: www.festival-cannes.com | www.quinzaine-realisateurs.com
Quellen: Blickpunkt:Film | Filmecho | NWZ | Festival de Cannes

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