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Achtung Berlin - Preise und Gewinner 2014

Festivalnachlese der 10. Jubiläumsausgabe.



Das Publikum war begeistert vom achtung berlin - new berlin film award, dem Berliner Filmfestival, das vom 9.-16. April 2014 in sechs Berliner Kinos stattfand und gestern Abend seine Preise verlieh. Viele Filme, die überwiegend in Berlin oder Brandenburg entstanden sind, waren zwar dem Fachpublikum bereits von anderen, vor allem internationalen Film Festivals her bekannt gewesen, doch für das Berliner Publikum waren die Werke fast durchweg Premieren, die in der Weltstadt offiziell im Kino noch nicht gezeigt worden waren.

Dementsprechend war das Publikum gespannt auf die neuen Filme aus der Region Berlin-Brandenburg. Und der Applaus war zum teil frenetisch. Buhrufe fehlten gänzlich, soweit wir das Festival vor Ort beobachten konnten. Schade nur, dass einige Filme sogar erst zwei Jahre nach der Herstellung in Berlin gezeigt wurden. Diese Werke hätten unserer Meinung nach mindestens eine Ausgabe vorher die Berliner Leinwände erreichen sollen. Dazu gehörte auch der mittellange Film "Come & Play - Komm & Spiel" von Daria Belova. Die dffb Produktion gehörte zu den stärksten Filmen dieses Genre und hat woanders bereits viele Preise gewonnen, ging beim Achtung Berlin Award jedoch leer aus. Mittellange Filme von 30-60 Minuten haben kaum eine Chance im Kino zu laufen. Wer nicht das Glück hat diese Werke auf Festival zu sehen, darf nur darauf hoffen, dass sie irgendwann nachts im Fernsehen nach Mitternacht gezeigt werden, was schade ist. Hier der Teaser des beeindruckenden Antikriegsfilm:

COME AND PLAY (Teaser) from Max Preiss on Vimeo.

In gleicher Rubrik lief auch die Dokumentation "Holanda del Sol" der HFF-Studenten aus Potsdam, Daniel Abma & Florian Lampersberger, über gut situierter niederländischer Rentner in Benidorm, die an langen Sandstränden unter spanischer Sonne ihren Lebensabend verbringen. Der Film gewann den Preis der Zitty Leserjury als bester mittellanger Film. Hier der Trailer:



Bester mittellanger Film der Achtung Berlin Jury wurde "Sunny" von Barbara Ott, die an der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Sie portraitiert den erst 19-jährigen hochgradig aggressiven Hajo, der sich vergeblich um einen Job bemüht, tagsüber aber liebevoll - wenn auch etwas überfordert - das gemeinsame Baby versorgen muss. Hier der Trailer:



Bester Kurzfilm wurde "Circuit" von Robert Gwisdek. Die absurde Spielerei eines elektronisch nachempfundenen Perpetuum Mobiles kommt in dem Trailer leider nicht richtig zur Geltung. Der zum Wahnsinn getriebene Protagonist freute sich über die Entscheidung der Jury dennoch irrsinnig, denn das kurze Werk hat ihn ein Jahr Arbeitszeit gekostet.



Bester langer Dokumentarfilm wurde die Weltpremiere "Wiener Ecke Manteuffel". Eine zwar hoffnungsvolle - aber zugleich auch sehr bedrückende und traurige Geschichte über zwei Aidskranke an der Florian Schewe drei Jahre lang gedreht hat. Der Film wurde zudem von der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

Sarkastisch und sehr direkt war dagegen der fast dokumentarisch gestaltete Spielfilm "Antons Fest" von John Kolya Reichart, den der Verband der deutschen Filmkritik (VDFK) auszeichnete. Auch wir waren von den manchmal klaustrophobisch geschilderten Zuständen der zerrütteten Familienverhältnissen beeindruckt. Nur die unruhige Handkamera im übertriebenen Dogma-Stil war etwas irritierend. Hier der Trailer:



Der Preis der besten Kamera ging an Paolo Calvo für Katarina Schröters Arbeit "The Visitor". Die Berliner Produktion spielt allerdings in fernen Ländern. In Brasilien und im chinesischen Shanghai beobachtet die Kamera den Alltag und dringt dabei nur durch Beobachtung tief in die Seele von Menschen ein, ohne mit ihnen tatsächlich zu sprechen.

Den Preis der besten Produktion wurde Godehard Giese für "Die Geschichte vom Astronauten" zuerkannt, während Nico Sommer in der Kategorie beste Regie den Preis für "Familienfieber" entgegennahm. Bester Spielfilm wurde "Millionen" von Fabian Möhrke, eine mitreißende Tragikomödie über einen Lottogewinner. Wir haben den Film zwar nicht gesehen, fügen den Trailer aber dennoch ein.



Zum Jubiläum schenkte sich das Festival erstmals eine Retrospektive mit Filmen aus und über Berlin der 90er Jahre. Gleich die Eröffnung dazu war ein Knaller. Der Film "OBEN - UNTEN" von von Joseph Orr zeigt Berlin Mitte am Prenzlauer Berg wenige Jahre nach der Wende. Die Stadt beginnt zu pulsieren, überall wird gebaut, und dennoch ist vieles noch aus dem alten Ost-Berlin erhalten, was man heute vergeblich sucht. Mit einer Leichtigkeit und Heiterkeit spielen die Protagonisten in dieser Komödie, worin der Film sich von anderen gezeigten aktuellen Werken kaum unterscheidet. Die zum Teil absurde Comedy konnte nur in Berlin entstehen und trifft hier auf ein ebenso dankbares Publikum. Der Spaß, den offensichtlich auch die Crew beim Dreh hatte, übertrug sich auf die Kinobesucher, die diesen Film von 1994 gerne nochmals im Kino sehen würden, so die einhellige Meinung.

Übrigens gab es auch ein charmantes Gruppenfoto auf der Bühne mit fast allen Beteiligten - nur eben 20 Jahre später.

Link: achtungberlin.de
In der erweiterten Ansicht haben wir die vergebenen Preise nochmals chronologisch aufgelistet und um die Lobenden Erwähnungen ergänzt.

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