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Der BAF wird 40 - Glückwünsche und Statements

Im nächsten Jahr feiert der Berliner Arbeitskreis Film seinen 40. Geburtstag.



Das Jahr 2013 neigt zu Ende und wir können mit dem BAF-Blog auf acht erfolgreiche Jahre unseres online Auftrittes zurückblicken. Das war nicht immer so. Nach der Wende bekam der Berliner Arbeitskreis Film e.V. zwar Zulauf durch Filmschaffende aus dem anderen Teil der einst geteilten Stadt Berlin, aber zugleich auch Konkurrenz durch den schon zu DDR-Zeiten existierenden Berliner Film und Fernsehverband. Eine Fusion wurde zwar angestrebt, kam aber nie zustande. Zu unterschiedlich waren die Auffassungen über Politik und Verbandswesen.

Vor 10 Jahren übernahm dann der charismatische Jürgen Kulinski die Geschäftsleitung des BAF. Der ehemalige Gewerkschaftsbeauftragte für Medien, der sich überdurchschnittlich für die Belange der Mitarbeiter in den Berliner Fernsehanstalten eingesetzt hatte, verlies die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf eigenen Wunsch, um sich im Jahre 2000 selbständig zu machen. Mit der von ihm im gleichen Jahr gegründeten Deutschen Schauspielakademie Berlin wollte er die überalterten Strukturen im BAF e.V. mit den aufstrebenden Nachwuchsdarstellern verjüngen. Doch beim Umzug der Schauspielschule von Lichtenberg in das pulsierende Berliner Zentrum der Auguststraße geschah das Unglück. Beim Montieren von Verdunklungsrollos stürzte der 50-jährige im September 2003 aus dem Fenster.

Seinen Schülern hatte er noch vor seinem Tod mit auf den Weg gegeben, "sich auszutauschen und die Kräfte zusammenzuhalten". Weil sich die jungen Schauspieler diesem Motto verpflichtet fühlten, spendeten sie vor 10 Jahren im Dezember 2003 einen Baum in Berlin Mitte. Sie wollten so einen Ort des Gedenkens schaffen. Nach dem Tod des Direktors fand sich allerdings niemand, der die Schule weiterführte.

Auch der BAF e.V. war vorübergehend kopflos. Zudem hatte die Berlinale im Jahre 2000 die alte West-Berliner City, dem Sitz zahlreicher BAF-Mitglieder, verlassen und war an den Potsdamer Platz gezogen. Mit dem Bau des Sony-Centers und dem dortigen Einzug des neuen Kinos "Arsenal" mit dem befreundeten Verein der "Freunde der deutschen Kinemathek", war der vom BAF lang gehegte Wunsch nach einem Filmhaus in Berlin endlich realisiert worden. Auch wenn nicht alle Wünsche für einen offenen Kommunikationstreff der Filmemacher in Erfüllung gegangen sind, so entstand dennoch zu den "Internationalen Filmfestspielen" im Jahr 2000 ein neuer lebendiger Ort der Begegnung aller Filmschaffender aus Ost und West mit neuer Ausrichtung.

Es dauerte lange, ehe sich ein Nachfolger für die Geschäftsleitung des BAF fand. Zahlreiche Mitglieder sahen mittlerweile keine Perspektive mehr im teuren Verbandsleben und traten aus. Die neuen sozialen Netzwerke wie Facebook waren nämlich kostenlos und verbreiteten sich rasend. Allerdings hatte Jürgen Kulinski noch den Grundstein für unseren online Auftritt gelegt. Die Seite musste nur noch aktiviert werden. Als 2005/06 die Bloggerszene auch in Deutschland immer bekannter und beliebter wurde, sah der BAF eine Chance wieder etwas Neues zu schaffen, um sich behaupten zu können.

Im nächsten Jahr feiern wir also unser 40. Jubiläum. 1994, zum 20. Jubiläum, hatte es noch ein Jahrbuch des BAF gegeben. Doch mittlerweile sind die Gründungsmitglieder, darunter zahlreiche ehemalige Absolventen der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), welche die sogenannte Berliner Schule repräsentierten, im Rentenalter oder (*)verstorben. Wir haben die Namen der stets in Erinnerung gebliebenen Filmemacher auf unserer Mitgliederseite verewigt.

Heute können wir einige Grußworte und Erinnerungen an vergangenen Zeiten veröffentlichen:

Grüße zum 40-jährigen Jubiläum

1974 – das war ein Jahr, nachdem Ziegler Film angefangen hat. Gründerzeit. Ich erinnere mich nicht mehr an alles. Aber ich weiß, dass es im BAF um Aufbruch ging. Wir wollten was verändern, am liebsten alles. Und noch lieber jetzt gleich. Daran hat sich eigentlich nichts geändert. Doch die vierzig Jahre sind nicht spurlos an uns vorübergegangen. Wir sehen die Dinge kühler, cooler, kälter. Man sagt dann auch gern: realistischer. Wir sind in die Jahre gekommen. Wir haben Erfahrungen gesammelt. Wir steigen nicht mehr in jede Hose, die man uns hinhält. Aber sind wir deshalb weniger engagiert? Haben wir deshalb weniger Interesse an guten Filmen, kurzen und langen, analogen und digitalen. Bemühen wir uns nicht immer noch um einen Rahmen, in dem das Bild seinen Platz finden kann? Ich wünsche denen, die den BAF heute bestimmen, dass sie den Spirit der Gründung aufnehmen. Es bleibt noch viel Luft nach oben.

Prof. Regina Ziegler

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Der Geist des Films ist frei und unkorrumpierbar. Und wo zwei in seinem Namen zusammenkommen, wird er unter euch sein. Deshalb wird es DEN BAF, EINEN BAF immer geben. 40 Jahre sind erst der Anfang. Für die kommenden wünsche ich von Herzen und aus Überzeugung Mut, Leidenschaft und Unerschütterbarkeit. Erfolg muss ich nicht mehr wünschen, der kommt dann von allein.

[WOP] Wolf Otto Pfeiffer (alias Wolfgang Pfeiffer)

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Der BAF war in den siebziger und achtziger Jahren eine Institution für die Filmleute in der Bundesrepublik. Es war der Filmverband nicht nur in West Berlin, sondern auch deutschlandweit, in dem sich Filmleute engagieren und vertreten lassen konnten.

Über zwei Jahrzehnte durfte ich im Vorstand diesen Verein mitgestalten.

In den letzten zwanzig Jahren ist in allen Kultur- und Kunstbereichen wie in der gesamten Gesellschaft alles unübersichtlicher geworden.

Auch Künstler/innen sind noch mehr als ehedem zu Einzelkämpfern geworden. Es braucht mehr denn je das solidarische Miteinander aller künstlerisch Aktiven.
Für die Filmkünstler/innen stellt der BAF weiterhin ein Forum zur Vertretung ihrer Interessen dar.

Da ich mich inzwischen zurück zu meinen Wurzeln in der bildenden Kunst bewegt habe, bin ich beim BAF in den Hintergrund getreten.

Ich wünsche dem BAF eine neue erfolgreiche Zukunft in der Filmlandschaft von ganzem Herzen.

Rolf Külz-Mackenzie

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Auch wenn ich mich nicht engagieren kann, ist der BAF für mich nach wie vor ein ZUHAUSE.

Ich wünsche noch viele gesunde und gute Jahre!

Herzlich,
Jeanine Meerapfel

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Erinnerung an die BAF-Zeiten vor 40 Jahren
von Angelika Kettelhack

Damals als das Fernsehen noch von Ampex oder Zwei-Zoll sendete, als das Ausgangsmaterial, ein 16mm-Film, erst noch in der Kopieranstalt entwickelt werden musste, ehe er als Original Umkehrfilm (ohne Arbeitskopie) am Schneidetisch zerschnitten werden musste und dann Einstellung für Einstellung neu zusammengeklebt wurde, damals als man einen Schnitt, wenn er falsch war, nicht mehr um ein paar ‚Frames‘ verlängern konnte (weil die Einstellung an den Klebestellen dann hoppelte), als man also nur noch mehr kürzen oder eine andere Bilder-Sequenz dazwischensetzen konnte, damals als man die ausgemusterten Filmstreifen mit ihren Perforationslöschern noch einzeln an den „Galgen“ (eine Holzkonstruktion mit einem Nagelbrett) hängte, damit die Filmstreifen sich schonend in ihrer ganzen Länge in einem mit Samt ausgekleideten Korb ergießen konnten, da wurde der BAF, der BERLINER ARBEITSKREIS FILM gegründet. Wir, Andreas Kettelhack („Der Weg des Hans Monn“) und Angelika Kettelhack („Safi Fay, die erste schwarzafrikanische Filmemacherin“) waren dabei. Damals hieß es: „Im BAF haben sich Regisseure, Autoren, Kameraleute und Produzenten zusammengeschlossen, deren gemeinsames Ziel es ist:
1.) die Situation des deutschen Films zu überdenken und Denkanstöße nach außen zu tragen, und
2.) die spezifische Situation der B e r l i n e r Filmschaffenden zu analysieren und gemeinsame Interessen anzumelden“.

Etwas später als Ursula Ludwig(*) Ulrich Schamoni(*) Christian Ziewer, Robert van Ackeren und ich im Vorstand waren, verkündeten wir stolz: Das wichtigste Ergebnis unserer Arbeit sehen wir darin, dass die totale Vereinzelung vieler Filmschaffender Berlins durchbrochen wurde … Der Erfolg unserer filmpolitischen Arbeit zeigte sich 1978 als Filme von BAF-Mitgliedern nach Paris und London zur jeweils Großen Kunstausstellung: „Berlin – Paris“ und „The seventies need the twenties“ eingeladen wurden.

Damals konnte der BAF noch mit vielen großen Namen aufwarten. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben den bereits erwähnten Vorstandsmitgliedern u. a.: Eugen Alexandrow(*), Michael Böhme, Clara Burckner, Frank Burckner, Rolf Liccini (geb. Deppe*), Wolf Gremm, Andreas Kettelhack, Angelika Kettelhack, Marianne Lüdcke(*), Michael Strauven, Rudolf Thome, Klaus Volkenborn(*), Regina Ziegler und viele andere der ersten Stunde. (*verstorben).

Und damals, um noch etwas Persönliches hinzuzufügen, kaufte ich mir einen ersten Anrufbeantworter – in den 70ern etwa so groß wie eine drittel Waschmaschine – um neben dem Babybaden und Haushalt, zu dem monatelang auch ein afrikanischer Asylbewerber gehörte, auf die vielen BAF-Anfragen zu reagieren, wenn ich dazu mal die Zeit fand. Über das jetzt ebenfalls vierzigjährige damalige Baby gab es später bei einer „Berlinale“ auch mal einen Film von mir: „Jonas und der aufrechte Gang“.

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Meine Begegnung mit dem BAF
von Wolf Friedel

Als ich 1983 mein Abschlussdiplom in Foto- & Film-Design bei dem damals noch jungen Dozenten Adolf Winkelmann, Regisseur von „Jede Menge Kohle“, an der Fachhochschule Dortmund machte, war mir bereits klar, dass ich nach fast 10 Jahren Aufenthalt im Ruhrgebiet in meine Heimatstadt Berlin zurückkehren wollte.

Zwar hatte ich ein lukratives Angebot von der Höchst AG in Frankfurt bekommen, doch nach einem Jahr Zwischenstation im Film- und Fernsehstudio des einst zweitgrößten Chemiekonzerns, war mir die stets stinkende Luft der qualmenden Schornsteine nicht gut bekommen, sodass ich auch Frankfurt/Main den Rücken kehrte.

Auf die tollen Zeiten bei den Oberhausener Kurzfilmtagen blicke ich ein wenig wehmütig zurück. Immerhin wurde dort mein erster Film auf der großen Leinwand gezeigt und nicht nur eine Einladung zum Filmfestival nach Krakau in Polen, sondern auch ein Verleihangebot der Unidoc Film & Video GmbH folgte.

In Berlin kannte ich nach so langer Abstinenz niemanden in der Filmbranche. Mein Weg führte mich deshalb über den SFB zu einem Trickfilmatelier in der Oberlandstraße, welches für das damals schräg gegenüberliegende ZDF Grafikanimationen zu aktuellen Themen zulieferte.

Um meinen zweiten Film im Verleih unterbringen zu können, wurde ich auf Basis-Film aufmerksam, die den Berliner Arbeitskreis Film e.V. (BAF) 10 Jahre zuvor mitbegründeten. Der Film sollte natürlich auf der Berlinale laufen und Zugang zu den Akkreditierungen hatte damals die BuFi (Bundesvereinigung des deutschen Films), die vom BAF mitbegründet worden war. Mein Aufnahmeantrag im BAF wurde sofort angenommen. Fortan wohnte ich in den 80er und 90er Jahren spannenden, filmpolitischen Diskussionen des BAF im Hinterstübchen des griechischen Restaurants Terzo Mondo in der Grolmannstraße bei. Es wurde von dem Schauspieler Kostas Papanastasiou geführt, welcher in der Serie Lindenstraße von 1985 bis 1996 ebenfalls einen griechischen Wirt verkörperte.

Bis heute blieb ich dem BAF treu und freue mich, dass sowohl unser Online-Auftritt wie auch das BAF-Blog, unser Tagebuch der Berliner Filmbranche, bundesweit und sogar international Anklang finden, um dem Verband einen Sinn und vielleicht auch eine Zukunft zu geben.


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