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LOCALIZE Potsdam fährt auf Pirschheide ab! (UPDATE)

Leerstehender Potsdamer Bahnhof wird mit Kunstaktion reaktiviert.



Das LOCALIZE Festival 2013, fährt vom 13. bis 16. Juni 2013 den jahrelang leer stehenden Potsdamer Bahnhof Pirschheide an. Die ehemalige Schalterhalle, der Vorplatz und Nebengebäude verwandeln sich mit einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst, Konzerten, Performances, Filmen, Café und Bar in einen Ort der Begegnung und offenen Austausch.



Zug um Zug nimmt Potsdams temporäre Kunsthalle am einstigen Bahnhof Pirschheide Gestalt an. Wir haben deshalb das Bild des heutigen Bahnhofs in diesem Update noch einmal gegen ein aktuelleres ausgetauscht. Um 18 Uhr eröffnet das 6. LOCALIZE-Festival am Donnerstag mit einer außergewöhnlichen Tramfahrt. In der Straßenbahn, Linie 91, die um 18:05 Uhr vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Pirschheide fährt, können die Fahrgäste mit dem „KrachKisten Orchester“ an Bord direkt zur Eröffnung fahren.

Vier Tage und Nächte lang wird ein ausgiebiges Bühnenprogramm rund um eine Ausstellung mit Werken von 28 zeitgenössischen KünstlerInnen und Kollektiven aus der ganzen Welt stattfinden. Auf dem Vorplatz und im Innenhof laden bis Sonntagnachmittag die Künstler und ein Café dazu ein, den fast vergessenen Ort am Westrand von Potsdam wiederzubeleben.

Unter dem Motto „ZUG UM ZUG “ beschäftigt sich das Festival am ehemaligen Potsdamer Hauptbahnhof mit den Möglichkeiten des Spiels und den Spielregeln des Miteinanders. Bereits zum sechsten Mal eignet sich der gemeinnützige LOCALIZE e.V. ein nicht zugängliches und vergessenes Gebäude und Gelände mit zeitgenössischer Kunst und einem vielfältigen Programm kurzfristig an, das somit zur temporären Kunsthalle wird. Übergreifende Themen des einmal jährlich stattfindenden Festivals sind der städtische Raum und die Partizipation des Bürgers darin, die Ausstellung hat einen jährlich wechselnden thematischen Schwerpunkt.

LOCALIZE agiert an der Schnittstelle zwischen der institutionellen Hochkultur und Wissenschaft, sowie der Off-Kultur in Potsdam und bringt AkteurInnen wie BesucherInnen dieses breiten Spektrums zusammen. Ein kleines Team aus Kulturarbeitern, Künstlern, Historikern und Designern, Politikwissenschaftlern, Studenten und Selbstständigen entwickelt und realisiert das Festival.




Bereits in den Vorjahren wurden verschiedenste verschlossene Gebäude und Gelände temporär zugänglich gemacht, etwa ein leerstehendes Haus im Holländischen Viertel (Oktober 2009) oder die Stadt- und Landesbibliothek am Platz der Einheit in der kurzen Zeitspanne zwischen Auszug der Bücher und Beginn der Umbauarbeiten (Juni 2010). Im letzten Jahr flutete LOCALIZE den seit trocken liegenden Potsdamer Stadtkanal mit dem Festival KANALARBEITEN.

Diesmal zeigen in der Ausstellung über 20 lokale, überregionale und internationale Künstlerinnen und Künstler ihre Überlegungen zur Frage „Wie wollen wir spielen?“. Ein offener „Call for Entries“ führte zu mehr als 100 Einsendungen aus denen Skulpturen, Gemälde, Collagen, Installation und Videoarbeiten für die Ausstellung ausgewählt wurden.





Ein Glashaus der Berliner Kunst- und Designkombo 44 FLAVOURS bezieht die große Halle und fragt, wer wann eigentlich einen Stein werfen darf und sollte. Die Beziehung zwischen Krieg und Spiel untersucht ANJA SONNENBURG aus Berlin in ihren überraschenden Installationen. Ein leichtes Kinderspiel wird zu einer schweren Metallskulptur bei der Arbeit „Himmel und Hölle“ der Hallenserin ALESSA BROSSMER, die den Vorplatz des Bahnhofs einnehmen wird. Das Potsdamer KOMBINAT mit Paula E. Paul und Sirko Küpfer bringt verlorene, unbeaufsichtigte und drängelnde Gepäckstücke an der Straßenbahnhaltestelle für eine Videoinstallation am früheren Blumenladen zusammen. Im ehemaligen Intershop-Gebäude des früheren Potsdamer Hauptbahnhofs erleben die Gäste Überlegungen zu Sinn und Unsinn unserer Handlungen und gewisser Konsumspielereien, vorgeführt an der „Konfettiraupe“ der Stuttgarterin INES SKIRDE. 


Das vielseitige Veranstaltungsprogramm, die zweite große Säule des LOCALIZE Festivals, versammelt junge aufstrebende Acts und Bands zwischen Akustik und Elektro, Performances sowie experimentelle Theaterstücke.

Zur Eröffnung am Donnerstag, 13. Juni ab 18 Uhr performt das Hamburger KRACHKISTEN ORCHESTER mit Jogginganzügen und Soundboxen. Die Gruppe der IMPROVISIONÄRE aus Berlin entwickelt live mit dem Publikum ein Bühnenstück rund um Regeln, Störungen und Macht.

Der Festivalfreitag steht im Zeichen handgemachter Musik und Kurzfilmen. Das Highlight ist der als „Kasseler Klangsensation“ gefeierte Singersongwriter MILKY CHANCE, der seine prägnante Stimme, Gitarre und Samples zu dynamischen Liedern verbindet. Aus den besten Filmeinsendungen wurde ein KurzSpielfilmprogramm zusammengestellt.

Das immer noch existierende ErotikkinoEroticats“ – seit der Wiedervereinigung eine feste Adresse am Platz – öffnet im Rahmen des Festivals ausnahmsweise an einem Samstag. Die Bildschirme, über die sonst Pornos laufen, zeigen künstlerische Kurzfilme zu sexuellen Spielarten und Körperbildern. Am Samstagabend spielt die Thüringer Band LILABUNGALOW ihren doppelbödigen funkigen Pop, und der New Yorker Musiker Christopher Kline (lebt in Berlin) verwandelt sich in die One-Man-Show HUSH HUSH. Nur von einem Ipod begleitet, rehabilitiert er mit Beats und seiner Falsettstimme R&B, Popsoul und Dance für den Untergrund.

Das Hans Otto Theater entwickelt exklusiv für das LOCALIZE Festival das Stück „TRANSIT: BOY MEETS GIRL“, in dem der Zuschauer per Würfelspiel das (Un-)Glück der Figuren mitbestimmen kann. Am Sonntagnachmittag bildet die Uraufführung dieser Inszenierung nach einem gemütlichen Brunch den Festivalabschluss.

Neben diesen und anderen Programmpunkten laden während der gesamten Festivalzeit zahlreiche kleine und große Dinge und Aktionen zum Mitmachen ein. 
Der Parkour-Workshop „SpielErlaubnis“ von der Initiative Potsdam-in-Bewegung.de zeigt welche überraschenden Bewegungsformen im städtischen Umfeld möglich sind. Bei der analogen Schnitzeljagd „AUF DER PIRSCH“ muss der Rätselfreund Ausstellung und Bahnhofsumgebung aufmerksam auf der Suche nach Hinweisen erkunden, um einen in der Ausstellung versteckten Tresor zu öffnen. Ausstellungsführungen, experimentelle Aufbauten für Selbstversuche, ein kleines Autokino und das Festivalcafé in Zusammenarbeit mit der ebenfalls noch bestehenden Bowlingbahn am Platz, laden zu Entdeckungen und aktivem Verweilen ein.

Geschichtliches:

Der Bahnhof Pirschheide ist ein Geisterbahnhof. Zugänge und Tunnel sind zugemauert und nur eine Bahnlinie verkehrt noch auf dem einzigen genutzten Gleis. 1958 wurde der „Bahnhof Pirschheide“ in moderner, sachlicher Architektur am westlichen Rand Potsdams errichtet. Wo Landeshauptstadt und Brandenburger Umland ineinander übergehen, war er lange ein abseitiges Tor zur und aus der Stadt– von Potsdam ins Umland und vor allem nach Berlin (Ost). Mit dem Mauerbau 1961 wurde Pirschheide zum Hauptbahnhof. Die nötige Umfahrung Westberlins auf dem Berliner Außenring mit dem „Sputnik“ verhalf der am Rande gelegen Station zu ihrer jahrzehntelangen Bedeutung. Mit der Wiedervereinigung verlor der einst hoch frequentierte Standort diese schlagartig. In den Neunzigern wurden Zuglinien eingestellt, Kioske aufgegeben, Fahrkartenschalter geschlossen und Gleise abgesperrt. Seit Anfang 2008 ist das Bahnhofsgebäude endgültig versiegelt.

Für kurze Zeit reanimiert nun das 6-köpfige Team aus Kulturmanagern, Journalisten, Künstlern und Designern, Freischaffenden und Studierenden dieses Kleinod und füllt den Parkplatz, die leeren Kioske und Blumengeschäfte mit neuem Leben. Für den Herbst 2013 ist sogar eine dauerhafte Wiedereröffnung der Bahnhofshalle mit neuer Funktion als Club für Livemusik geplant. Während der Umbau beginnt, positioniert sich LOCALIZE zwischen den Spuren aus der Vergangenheit und den Vorzeichen der nahen Zukunft.

Ausführliche Infos zu den ausstellenden Künstlern und dem Programm finden Sie auf:
www.localize-potsdam.de/zug-um-zug-2013/programm

LOCALIZE e.V.
Friedrich-Ebert Straße 53
14469 Potsdam
Mail: kontakt@localize-potsdam.de
Web: www.localize-potsdam.de

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