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HDTV im Aufwind - Kopierschutz geknackt!

Abschaltung der analogen Satellitenübertragung kurbelt HDTV-Verkauf an.



Mehr als zwei Millionen Haushalte nutzen mittlerweile HD+ (plus), das HDTV-Angebot der werbefinanzierten Privatsender in Deutschland. Diese positive Bilanz wird allerdings dadurch getrübt, dass HD-Mitschnitte der verschlüsselten Sender weiterhin nicht möglich sind. Doch die Zuschauer wünschen sich die Möglichkeit der Aufzeichnung von Sendungen, um sie zeitversetzt ansehen zu können. Aber die Senderfamilien von ProsiebenSat.1 und RTL weigern sich beharrlich gegen einen Mitschnitt, da die Geld bringenden Werbeblöcke nicht übersprungen werden sollen.

Zwar liegt seit September 2011 jedem Entertain Sat-Receiver der Deutschen Telekom eine HD+ Karte bei, doch dass weder mit diesen Geräten, noch mit den SetTop-Boxen von Kabel Deutschland HD-Programme der privaten Sender aufgezeichnet werden können, verheimlichen mehr oder weniger die Anbieter. Immer wieder hören wir Klagen von Kunden, dass sie nur die drei öffentlich-rechtlichen Programme von ARD, ZDF und Arte in HDTV mitschneiden können. Mit speziellen Smart-Cards dürfen die privaten Sender in High Definition (HD) natürlich angesehen werden, ein Mitschnitt ist aber nur in SD (Standard-Quality) möglich, wie wir bereits am 11. Dezember 2011 im BAF-Blog erläuterten.

Mit der Abschaltung des analogen Satellitenfernsehens zum 30.4.2012 erhofft sich dennoch die Branche für rund 2,5 Millionen Haushalte einen neuen Anreiz für den Umstieg auf digitales HDTV. Immerhin wollen bald auch die großen dritten Programme von WDR, Bayer, und NDR folgen und einige Sendungen ebenfalls uncodiert und frei empfangbar in High-Definition ausstrahlen.

Einen Vorteil bieten allerdings die privaten Sender mit ihrem HD+ (plus) Television. Ihr Programmangebot an aktuellen und beliebten Spielfilmen ist bedeutend größer, als bei den öffentlich-rechtlichen Programmen. RTL strahlt zu Ostern 2012 sogar James Cameron's Erfolgsfilm AVATAR - Aufbruch nach Pandora in HDTV aus. Die Faszination des 3D-Kino-Erlebnisses bleibt jedoch den Fernsehzuschauern bei der TV-Ausstrahlung verborgen.

Dafür gibt es bei HD+ keine Vertragsbindung und keine Abo-Verpflichtung. Nach der 12-monatigen Gratisphase zahlen Zuschauer 50 Euro im Jahr als technische Servicepauschale für den HD-Empfang, also umgerechnet 4,16 Euro im Monat zusätzlich zu den Rundfunkgebühren. Das Angebot von HD+ über Astra Satellit umfasst derzeit HD TV-Programme der Sender RTL HD, Sat.1 HD, ProSieben HD, VOX HD, kabel eins HD, N24 HD, TELE 5 HD, SPORT1 HD, RTL II HD, sixx HD, Nickelodeon HD und Comedy Central HD.

SKY und TELEKOM als Kontrahenten bei Bundesliga-TV
Auch beim Entertain Angebot der Deutschen Telekom kann HD+ für ein Jahr gratis gesehen werden, denn ohne HD+ machen die großen Flachbildfernseher auf Dauer keinen Spaß. Die Smartcard vom SKY-Abofernsehen kann aber derzeit nicht im Media Receiver der Telekom eingesetzt werden. Der Empfang von SKY ist weder über IPTV der Telekom noch über Entertain Sat der Telekom möglich, sondern kann nur über einen zusätzlichen, von der Telekom unabhängigen Sat-Receiver empfangen werden. Bei den Kabelanbietern, wie Kabel Deutschland, ist dagegen der SKY-Empfang sowohl mit den eigenen SKY-Receivern wie auch mit den Receivern der Kabelanbieter über eine extra Smartcard möglich.

Ob sich in Zukunft eine Kooperation zwischen Sky und Telekom entwickelt, ist ungewiss. Bei der Bundesliga Rechtevergabe für 2013-2017 treten beide Firmen zunächst als erbitterte Kontrahenten für die "LIGA total" auf. Die Entscheidung soll erst am 17. April 2012 fallen. Der Ausgang ist offen.

Kopierschutz HDCP verhindert zentrale Mitschnittsverwaltung von Videos.
Inzwischen haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum in einem Experiment bewiesen, dass mit zwei- bis dreihundert Euro Materialkosten HDCP-Entferner gebaut werden könnten. Sie wären zurzeit jedoch noch illegal. Dabei ist HDCP einfach auszuschalten, bereits ist im Standard vorgesehen. Würde nämlich der HDCP-Schutz fallen, könnten preiswerte Geräte, mit denen sich per HDMI-Verkabelung Videos aufnehmen lassen, den Markt erobern.

Im Kabelmarkt von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden Württemberg kommt allerdings langsam Bewegung. Nach der Übernahme von Kabel BW durch Liberty Media, dem Anteilseigner von Unitymedia in Hessen und NRW, hat das Kartellamt dem Eigner zur Auflage gemacht, die Verschlüsselung der privaten Free-TV Sender fallen zu lassen. Dadurch könnte bald auch ein Mitschnitt der HD-Programme dieser Sender ermöglicht werden. Zumindest bedeutet es für die Kunden, dass sie sich einen beliebigen DVB-C-Receiver ohne Smartcard kaufen können, und nicht mehr auf die Leasinggeräte der Kabelanbieter in den betreffenden Gebieten angewiesen sind, um auch private Free-TV-Programme wie RTL und SAT1 digital empfangen zu können. Wie die Konkurrenz aus Kabel Deutschland und der Telekom mit Entertain auf diese neue Situation reagieren wird, ist noch unbekannt.



Ein SmartTV Receiver mit HD+ bietet darüber hinaus noch andere Vorteile. Mit ihm können Fernseher ohne eigene Internet-Intelligenz zu hybriden Alleskönnern werden. Beim Zusammenwachsen von TV und Internet soll sich HD+ SmartTV als wichtige, herstellerübergreifende Plattform etablieren, wie wir anlässlich der IFA 2011 bereits am 26. Juli 2011 ausführlich erörterten. Inzwischen haben mehrere Receiver-Hersteller entsprechende Geräte im Markt. Zur IFA im September (31.8. bis 5.9.2012) erscheinen dann außerdem preiswerte Settop Boxen mit Google TV in Europa, die von noch mehr namhaften Herstellern - wie z.B. Sony, LG und Samsung - unterstützt werden sollen und für rund 200.- bis 300.- Euro höheren Bedienkomfort bieten und mit 150 bis 200 Anwendungen aufwarten können.

Maxdome und Panasonic vereinen VoD und TV
Einen anderen Weg geht Panasonic. Gemeinsam mit der Online-Videothek Maxdome, ein Unternehmen der ProSiebenSat.1 Group, will Panasonic schon jetzt die vernetzte Zukunft der Medienwelt mit seinen neuen Geräten anbieten. In Deutschland können seit März zunächst Besitzer eines Panasonic VIERA-TVs der Generation 2012 direkt auf das Maxdome-Angebot zugreifen, ohne dabei eine Set-Top-Box zwischenschalten zu müssen. Zudem ist geplant, Maxdome auch im Laufe des Jahres auf den Blu-ray-Produkten von Panasonic der Generation 2012 zu integrieren. Darüber hinaus haben die neuen Panasonic VIERA TVs mit Kombi- oder Multituner einen CI-Schacht für die CI Plus-Module integriert, über das man digitales Fernsehen von Kabel Deutschland ohne zusätzlichen Digital Receiver direkt über den Fernseher empfangen kann.

Außerdem können die Panasonic-Nutzer per Knopfdruck von der Fernsehwelt auf die über 45 000 Inhalte umfassende Online-Videothek von Maxdome wechseln. Neben einem breiten Spielfilm- und Serienangebot finden die Kunden auch Magazine, Shows, Dokumentationen, Musik- und Kindersendungen im Sortiment. Im Auswahlmenü des Panasonic Internet-Portals Viera Connect stellt die Applikation Maxdome eine direkte Internetverbindung zur Online-Videothek her - kabellos mit WLAN oder über ein Netzwerkkabel. Neben einem Satelliten- oder Kabelanschluss wird außerdem ein schneller DSL-Anschluss benötigt.

Nach einer kostenlosen Registrierung auf www.maxdome.de erhält der Nutzer unmittelbaren Zugriff auf die verschiedenen maxdome Angebote, inklusive Videos in HD-Qualität, die er direkt aussuchen und abspielen kann. Wir haben testweise Maxdome über einen Laptop mit dem TV-HDMI-Eingang verbunden. Auch darüber lassen sich nach einer Registrierung Maxdome Filme am TV darstellen. Die Auflösung ist über diesen Weg jedoch auf SD-Qualität begrenzt.

Link: www.hd-plus.de
Quellen: PoS-Mail.de | Golem | tv & medien | Tagesspiegel


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