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25. Internationales Filmfest Braunschweig (Update)

3441 Filme später – das Internationale Filmfest Braunschweig wird 25!



Das 25. Jubiläum des Filmfestes Braunschweig wird vom 8.-13. November 2011 zünftig gefeiert – u.a. mit 183 Kurz- und Langfilmen aus 33 Ländern und vielen Gästen. So ist das älteste Filmfestival Niedersachsens mit mehr als 25.000 Besuchern längst auch die größte cineastische Veranstaltung des Bundeslandes.
Europäisches Independent Kino sowie Musik und Film – das sind die beiden Standbeine, mit denen das Filmfest Braunschweig in den nächsten 25 Jahren weiter wachsen will. Früher reichte es, eine gute Filmauswahl zu präsentieren. Heute leisten Filmfestivals in vielen Städten die filmkulturelle Grundversorgung, halten die Attraktion Kino am Leben und engagieren sich im Bereich der Filmvermittlung, Talentförderung bis hin zu Filmvertrieb und -produktion”, sagt Festivalleiter Volker Kufahl. „Stars wie Bruno Ganz, Hanna Schygulla, John Hurt und Stellan Skarsgard unterstreichen die europäische Orientierung dieses Festivals”, fügt er hinzu.

Gestartet ist das Festival 1987 als „Filmbürgerbewegung“, wie es die Braunschweiger nicht ohne Stolz bezeichnen: Zwanzig Hochschulstudenten, Absolventen der Braunschweiger Filmklasse und Mitglieder der „Filmkoop“ hatten sich zusammengefunden, um dem – Zitat – „Kommerz-Schwachsinns-Programm“ der etablierten Kinos etwas entgegenzusetzen. Basisdemokratisch, ehrenamtlich und mit großem Enthusiasmus stellten sie ein Programm zusammen, in dem Hollywoodkino ebenso seinen Platz hatte wie deutsches Autorenkino und DEFA-Filme.

Bis heute ist das Internationale Filmfest Braunschweig ein eingetragener Verein mit dem Ziel, die Filmkultur zu fördern. Seit 2000 leitet Volker Kufahl das Festival und stellte das Programm konsequent europäisch auf. Das Filmfest engagiert sich stark im filmkulturellen Austausch mit Frankreich, richtete zusätzlich zum „Heinrich”-Publikumspreis für europäische Debüt- und Zweitfilme drei neue Wettbewerbe und Festivalpreise ein, baute den Schwerpunkt „Musik und Film” auf und stärkte mit vielen Projekten die Filmvermittlung an das junge Publikum. Mit dem „European Actors Award“ gelang es, innerhalb von vier Jahren ein neues, für Festival und Öffentlichkeit wichtiges Highlight zu etablieren.

Das erste Festival musste noch mit einem Budget von 66.000 DM auskommen. Gezeigt wurden 80 kurze und lange Filme in 65 Vorstellungen, mit denen die ehrenamtlichen Organisatoren immerhin 6.000 Zuschauer erreichten. 25 Jahre und insgesamt 3.441 Filme später beträgt das Budget das 15-fache, 3 feste Mitarbeiter arbeiten ganzjährig für das Festival, die doppelte Anzahl an Filmen wird präsentiert, und die Besuchermarke hat die 25.000 längst überschritten. 30 Ehrenamtliche engagieren sich u.a. bei der Filmauswahl und den Filmansagen.

Zum Jubiläumsfestival blicken die Festivalmacher nach vorn: U.a. wird sich Kufahl mit anderen Festivalleitern in einer Paneldiskussion über den Bedeutungswandel und den zunehmenden Stellenwert von Filmfestivals austauschen. Film- und Festivalgeschichte werden in einem Spezialprogramm thematisiert: In der Nähe von Braunschweig entdeckte Festivalleiter Kufahl Anfang des Jahres eine private Filmsammlung. Die Kollektion von über 2.000 Kurz- und Langfilmen aus den Jahren 1916-1992 beinhaltet Werke fast aller großen Regisseure der Filmgeschichte. Das Filmfest Braunschweig wird einige der zum Teil sehr gut erhaltenen Kopien vorstellen.
Wir wollen zum Ende des Zeitalters der 35mm-Kopie eine Lanze für die Erhaltung des Filmmaterials in öffentlichen Filmarchiven brechen“, so Kufahl.

Mit einem cineastischen Stadtrundgang erinnerte das Filmfest am 28. Oktober bereits an all jene Spielstätten, an denen es im Laufe von 25 Jahren zu Gast war. Dafür bespielte das Hamburger Kurzfilmprojekt „A Wall is a Screen” die Fassaden ehemaliger Festivalspielorte. Start und Endpunkt des Rundgangs war der einzige Ort, an dem Filmfest-Fans keine sentimentalen Tränen vergießen musste, sondern die Zukunft fest im Blick hat: Das 2006 geschlossene Universum Filmtheater wurde 2009 nach Umbau und Modernisierung wiedereröffnet – von Kufahl und weiteren fünf Mitgliedern des Braunschweiger Filmfestes.

Isabelle Huppert wird mit dem European Actors Award ausgezeichnet.
Die Statue "Die Europa" wird der Französin am letzen Tag des Festivals bei einer Preisgala überreicht. Der Darstellerpreis "Die Europa" wird erst seit 2007 vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträger sind Hanna Schygulla, Bruno Ganz, John Hurt und Stellan Skarsgard.
Festivalleiter Volker Kuhfahl bezeichnete Huppert als "Ikone des zeitgenössischen Autorenkinos", die Ehrung erhält sie für ihre "herausragenden schauspielerischen Leistungen und Verdienste um die europäische Filmkultur". Huppert hat bisher in mehr als 80 Filmen mitgespielt, 16 davon liefen im offiziellen Wettbewerb von Cannes. Als einzige Französin konnte sie zwei Mal die Goldene Palme in Cannes gewinnen, für "Violette Noziere" (1978, Regie Claude Chabrol) und die Klavierspielerin" (2001, Regie Michael Haneke). Das Filmfest Braunschweig widmete Huppert eine Retrospektive.

Das Beste aus heimischer Produktion zeigen »Neuen deutsche Filme«. Udo Kier und Nicolette Krebitz spielen um ihr Leben im Thriller „90 Minuten – Das Berlin Projekt“. Um existentielle Fragen geht es in Andreas Dresens in Cannes prämierten „Halt auf freier Strecke“.

"Kriegerin" mit Chancen auf den "Heinrich"
Aus rund 20 Filmen ermittelte die Jury des Festivals außerdem den Gewinner des mit 2.000 € dotierten Kurzfilm-Musikpreises „LEO“. Ein weiterer Preis ist der „HEIRICH“, der Publikumspreis, der für einen europäischen Debüt- oder Zweitfilm von 10 nominierten Filmen vergeben wird. Deutschland wird dabei von David Wnendts "Kriegerin" vertreten. Weitere Kandidaten sind Tuyet Les "Patient 17" (Großbritannien), Mikael Buchs "Let my people go!" (Frankreich), Urszula Antoniaks "Code Blue" (Niederlande/Dänemark), Tom Fernandez' "What are bears for?" (Spanien), John McIlduffs "Behold the Lamb" (Großbritannien), "17 Files" von Delphine und Murial Coulin (Frankreich), Arni Olafur Asgeirssons "Undercurrent" (Island), Leszek Dawids "My Name is Ki" (Polen), der gerade mit zwei Preisen beim Filmfestival Cottbus bedacht wurde, und Marian Crisans "Morgen" (Rumänien, Ungarn, Frankreich), der rumänische Kandidat für den Auslandsoscar. Der Heinrich ist mit 10.000 Euro dotiert, die zu gleichen Teilen an den Regisseur und den deutschen Verleih des Films vergeben werden.

Den Jugendpreis „KINEMA“ wählt unter sechs Debütfilmen eine sechsköpfige Jury aus jungen Franzosen und Deutschen im Alter von 16 bis 23 Jahren aus. Wir werden all diese Preisträger nachtragen.

U P D A T E

Filmprogramm mit Charlotte Rampling
Aus dem Programm des Filmfestes wurde der von uns ursprünglich angekündigte neue Film "22. Mai" des flämischen Regisseurs Koen Mortier wieder herausgenommen. Er lief aber auf den Filmfestivals in Toronto, Oldenburg und Münster. Die DVD und Blu-ray Auswertung des Shockers erfolgt nun durch die Neue Donau Film e.K. bereits am 18. November 2011 und im Dezember wird der Film nochmals eine Woche lang im Kino Brotfabrik in Berlin gezeigt (siehe YouTube Trailer).

Im Programm des Braunschweiger Festivals wurde stattdessen die ungewöhnliche Verfilmung eines flämischen Bildes, "THE MILL AND THE CROSS" vom polnischen Regisseur Lech Majewski aufgenommen. Mit großer technischer Raffinesse wird ein Brueghel-Bild zum Leben erweckt, es entsteht ein Bild der Zeit und mit der Zeit ein Bild. Der Film wurde zur Eröffnung des Internationalen Filmfestivals Cottbus außer Konkurrenz gezeigt.



Es ist die Geschichte der Passion Christi, verlegt ins Flandern des Jahres 1564. In diesem Jahr schuf Pieter Bruegel d. Ä. sein Meisterwerk "Aufstieg zum Kalvarienberg". Die Leben von 12 der über 500 Charaktere des Gemäldes werden in diesem visuell überwältigenden Epos portraitiert. Stark besetzt mit Charlotte Rampling, Rutger Hauer und Michael York.

Link: www.filmfest-braunschweig.de
Quellen: Blickpunkt:Film | Filmfestival Braunschweig | Filmfestival Cottbus


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