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59. Festival de San Sebastián Donostia Zinemaldia

59. International Film Festival in San Sebastián beginnt morgen.



Das an der spanischen Nordküste etwas abseits gelegene Film Festival der A-Kategorie, ist kleiner als Cannes, Venedig, Berlin, oder Locarno, genießt aber dennoch einen außerordentlich guten Ruf als Festival des Independent Films.

San Sebastián (baskisch Donostia, offiziell Donostia-San Sebastián) ist die Hauptstadt der baskischen Provinz Gipuzkoa (span. Guipúzcoa). Die malerische Küstenstadt liegt ca. 20 km westlich der französischen Grenze im Bogen des Golfs von Biskaya. San Sebastián wurde zur Kulturhauptstadt Europas des Jahres 2016 gewählt und kann deshalb in den folgenden Jahren mit Investitionen von rund 100 Millionen Euro rechnen. Das ist auch dringend nötig, denn auch das traditionsreiche Film Festival klagt unter Geldnöten und kann notwendige Investionen nicht mehr alleine stemmen. Digitale Aufrüstung der Kinos wäre nur eines von vielen Themen, die für ein Festival unabdingbar sind, um in der A-Kategorie bestehen zu können.

Die Muschel-Bucht von San Sebastián.


Das Klima von San Sebastián ist maritim, weshalb die Muschelbucht im Bogen des Golfs von Biskaya auch als Copacabana Spaniens bezeichnet wird. Doch in den nächsten Tagen wird während des 59. Film Festivals das Thermometer in der regenreichen Küstenstadt jeoch kaum über 20° C steigen. Dafür glänzen die Straßen, die Papierkörbe sind geleert und der Strand ist geharkt und gereinigt, um die vielen internationalen Gäste gebührend empfangen zu können. Mit seinen alten Villen und den ausladenden Balkonen der Hotels am Meer hat die Stadt noch den vornehmen Charme alter Zeiten, etwas das Hollywoods Filmstars immer wieder anzieht.

Die beim Festival mit Preisen bedachten Regisseure und Schauspieler werden übrigens nicht, wie bei den anderen Filmfestivals mit einem Wappentier - im Falle Spaniens mit dem Stier - ausgezeichnet, sondern mit einer "Goldenen Muschel" prämiert, die an die Form der muschelförmigen Bucht erinnert und die Eleganz eines Faltenrocks mitschwingen lässt. Billige Souveniergeschäfte gibt es nämlich nicht. Dafür immer noch große Kinopaläste aus den 40er Jahren, wie sie am Berliner Ku'damm leider längst erloschen sind. An der oft verregneten Atlantikküste scheint das Bedürfnis nach einem Kinobesuch in Traumpalästen dagegen ungebrochen zu sein.

San Sebastián enthüllte Wettbewerbstitel
Das Festival Internacional de Cine de San Sebastián wird vom 16. bis 24. September 2011 stattfinden. Der diesjährige Eröffnungsfilm ist Juan Carlos Fresnadillos Psychothriller "Intruders. Mit "Adikos kosmos" ("Unfair World") von Filippos Tsitos ist auch eine deutsch-griechische Koproduktion im Rennen (deutscher Produzent: Gian-Piero Ringel, Neue Road Movies). Die Tragikomödie erzählt von einem Polizisten, der davon besessen ist, die Welt zu verbessern.

In den Wettstreit um die Goldene Muschel, geht zudem Terence Davies' "The Deep Blue Sea", ein Liebesdrama mit Rachel Weisz - Davies widmete das Festival vor drei Jahren eine Werkschau. Der renommierte japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda ("Nobody Knows ") ist mit seinem neuen Film "Kiseki" ("I Wish") im Wettbewerb, der von einem Zwölfjährigen erzählt, der unter der Trennung seiner Eltern leidet. Wang Xiaoshuai, der mit "Beijing Bicycle " international bekannt wurde, ist mit "11 Flowers" dabei, der aus der Sicht eines Jungen von der turbulenten Phase in China vor Mao Tse-Tungs Tod erzählt.

Aus Kanada kommt "Take This Waltz", die zweite Regiearbeit der Schauspielerin Sarah Polley über eine junge Frau (Michelle Williams) in Liebesnöten. Mit Julie Delpy ist eine weitere Schauspielerin und Regisseurin dabei, sie zeigt ihren vierten Spielfilm "Le Skylab", eine in den 70er Jahren angesiedelte Komödie über ein großes Familienfest. Eine bittersüße Familienkomödie ist auch "Los Marziano", der dritte Film der jungen Argentinierin Ana Katz, die zum dritten Mal in San Sebastián - aber zum ersten Mal im Wettbewerb - ist. Ein Rückkehrer ist auch Altmeister Arturo Ripstein mit "Las razones del corazón" frei nach Flauberts "Madame Bovary". In Mexiko spielt wiederum der französische Beitrag "Americano", das Regiedebüt des Schauspielers Mathieu Demy, dem Sohn von Agnès Varda und Jacques Demy. Demy spielt auch selbst die Hauptrolle, einen jungen Mann, der sich auf die Suche nach einer mysteriösen Freundin seiner verstorbenen Mutter macht (mit Salma Hayek,Geraldine Chaplin und Chiara Mastroianni).

Aus Portugal kommt das Familiendrama "Sangue do meu sangue" von Joao Canijo, der Regieassistent bei Manoel de Oliveira, Alain Tanner und Wim Wenders war, bevor er seine eigenen Filme inszenierte. Der Schwede Björn Runge wiederum war Schüler von Roy Andersson, in San Sebastián präsentiert er jetzt seinen fünften Film "Happy End".

Nebenreihe ist Nachwuchssektion
Besonders groß ist die deutsche Ausbeute in diesem Jahr nicht auf dem Festival Internacional de Cine de San Sebastián. So freut man sich heute über die Nachricht, dass Jan Zabeils "Der Fluss war einst ein Mensch" eingeladen wurde, der auf dem diesjährigen Filmfest München seine Uraufführung erlebte und dort mit dem Förderpreis Deutscher Film - Produktion (Benny Drechsel und Karsten Stöter) prämiert wurde. Der beschauliche, meditative Film, in dem Alexander Fehling, der auch am Drehbuch mitschrieb, sich in einem afrikanischen Land verliert, läuft nicht im offiziellen A-Wettbewerb, sondern in der Nachwuchssektion Zabaltegi-New Directors. Damit geht er ins Rennen um den mit 90.000 Euro dotierten Kutxa New Directors Award, der an den besten ersten oder zweiten Film in der Nachwuchsreihe bzw. im offiziellen Wettbewerb vergeben wird. Das üppige Preisgeld teilen sich der Regisseur und ein möglicher spanischer Verleih.

Konkurrenten um den Preis sind u. a. das österreichische Familiendrama "Stillleben" von Sebastian Meise, "Wild Bill", das Regiedebüt des britischen Schauspielers Dexter Fletcher, "Death of a Japanese Salesman" von Mami Sunada, die bislang als Regieassistentin von Hirokazu Kore-eda gearbeitet hat und der Trickfilm "Arrugas" von Ignacio Ferreras, der u. a. an "L' illusionniste" mitgearbeitet hat. Aus dem Wettbewerbsfeld sind Oren Moverman mit "Rampart", Sarah Polley mit " Take This Waltz " und Mathieu Demy mit "Americano" weitere Kandidaten für den New Directors Award.

Internationale Premiere vor 3000 Besuchern.
Die Constantin-Produktion "Die drei Musketiere" von Paul W.S. Anderson soll in San Sebastián den Weltmarkt erobern und wird dort, nach der bereits erfolgten Deutschlandpremiere, als internationale Premiere im Velodrom der Stadt gezeigt - der größten Spielstätte des Festivals mit einer 400-Quadratmeter-Leinwand, 3000 Plätzen und modernster Projektions- und Soundtechnologie. Hier zeigt das Festival alljährlich ausgewählte Filme als Abendgala für das große Publikum.

Neben "Die drei Musketiere" kommen diesmal zwei weitere Filme in 3D zur Aufführung: Der Fantasy-Thriller "Verbo", das Regiedebüt von Eduardo Chapero-Jackson, sowie der französische Animationsfilm "Une vie de chat". Außerdem wird im Velodrom am 24. September die Preiszeremonie live übertragen und der Abschlussfilm des Wettbewerbs, "Untouchable", sowie der Sektion Zabaltegi-Pearls, "Drive", gezeigt. Als Sahnehäubchen wird bei dieser Gelegenheit zudem eine restaurierte Fassung von Georges Méliès Klassiker "Die Reise zum Mond" von 1902 im Velodrom zu sehen sein.

Frances McDormand ist Jurychefin in San Sebastián
US-Aktrice Frances McDormand leitet die Wettbewerbsjury des 59. Festival Internacional de Cine de San Sebastián. Ihre Jury-Kollegen sind die Regisseure Álex de la Iglesia (Spanien) und Bent Hamer (Norwegen), Kamerafrau Sophie Maintigneux (Frankreich), Autor und Regisseur Guillermo Arriaga Jordan (Mexiko) sowie die Schauspielerinnen Sophie Okonedo (Großbritannien) und Bai Ling (China).

Den mit 90.000 Euro dotierten Nachwuchspreis Kutxa New Directors Award für den besten Film in der ausgewiesenen Nachwuchssektion Zabaltegi-New Directors oder im Wettbewerb, vergibt in diesem Jahr eine Jury rund um US-Filmkritiker und Autor Jonathan Rosenbaum ("Sight & Sound", "Chicago Reader"). Mit ihm entscheiden die österreichische Regisseurin Jessica Hausner, Paz Lázaro (Berlinale Panorama/Spanish Film Commission), Un-Seong Yoo (Jeonju Film Festival Südkorea) und Lucía Casani (Kulturchefin bei La Casa Encendida Madrid).

Link: www.sansebastianfestival.com
Quellen: Tagesspiegel | Wikipedia | Blickpunkt:Film

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