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VHS-Player mit Blu-ray und virtueller Online-Videothek

Kombigeräte, die fast alles können, scheinen der Renner zu werden.

Die Hersteller lassen sich ständig neue Vermarktungsideen einfallen, um den stockenden Absatz anzukurbeln. Das kann den Kunden nur freuen, denn das, was die Industrie in Aussicht stellt, sind teilweise recht sinnvolle Ideen, die bisher nur mit erheblichem Aufwand und mehreren Geräten zu bewerkstelligen waren. Bei einigen Geschäftsideen scheint aber Zweifel angebracht, wenn das Preis-Leistungsangebot nicht stimmig ist.

Die Tage von VHS sind gezählt, obwohl immer noch genügend Bandmaterial verkauft wird. Vor allem bei den Discountern und Supermärkten sind Sonderangebote zu finden, bei denen früher der Fachhändler nur mit der Stirn gerunzelt hätte. Dabei ist die Qualität der Massenware gestiegen. Besonders hochwertiges und teures Bandmaterial ist allerdings kaum noch am Markt zu finden, denn Harddisk- und DVD-recording ist auch bestem Bandmaterial in der Wiedergabequalität deutlich überlegen. Das trifft sogar auf den Profi zu. Denn auch dort wird die Abkehr vom Band, hin zum File-basiertem recording überdeutlich. Dennoch bietet das Band für Archivzwecke immer noch das beste Preis-Leistungsverhältnis.

Verwunderlich ist die Tendenz bei den Videokünstlern. Jetzt wo die Technik für jedermann erschwinglich ist, scheint der Ruf nach unsäglich teuren und kaum noch erhältlichen Super-8-Filmen wieder aufzuflammen. Es ist in einer sich immer schneller drehenden Spirale des technischen Fortschrittes der Ruf nach Nostalgie und dem Charme des verblichenen Mediums, das doch nicht so schnell aussterben will, wie sich die Industrie das vorgestellt hat.

Blu-ray Player mit VHS kombiniert

Der japanische Industriegigant Panasonic hat wegen der Wirtschaftskrise gerade Massenentlassungen angekündigt. Nach einem Nettoverlust von 63,1 Milliarden Yen (547,3 Millionen Euro) verkündete der Elektronikhersteller 15.000 Stellen zu streichen und 27 Fabriken weltweit zu schließen. Allerdings sollen neue Produkte auf den Markt kommen, denn der Absatz lässt zu wünschen übrig. Der führende Anbieter im Bereich von Blu-ray Playern und Harddisk-recording erntet bei den Test- und Fachmagazinen zwar überall Lob, doch der Umstieg bei den Konsumenten geschieht zögerlich. Auf der CES im Januar hatte der Hersteller deshalb ein Kombimodell mit VHS und Blu-ray-Player vorgestellt. Noch ist das Gerät nicht auf dem deutschen Markt erhältlich, genauso wenig wie der Blu-ray Recorder, der im Nachbarland Frankreich bereits verkauft wird.

Nachdem die meisten Hersteller keine VHS Geräte mehr herstellen und verkaufen, bleibt häufig nur die Reparatur alter Geräte, um die vorhandenen Bänder und Erinnerungen abspielen zu können. Da macht ein Kombigerät durchaus Sinn. Gleichzeitig kann die moderne Elektronik der hochwertigen Blu-ray Komponenten, das Beste aus den alten Bändern herausholen. Es gibt zwar bereits Kombigeräte mit DVD-Player oder Recorder, doch zum großen Flachbildfernseher passt am besten ein Blu-ray Player, um das schärfste Bild aus den Medien herauszuholen, denn der Anschluss erfolgt immer über die digitalen HDMI-Signalwege und nicht mehr über die analogen SCART-Stecker. Um den Absatz an Medien anzukurbeln, hat Amazon.de sogar kürzlich die Versandkosten für Blu-ray Medien gestrichen. Somit sind viele Blu-rays nur noch ca. 3.- € teurer als die entsprechende DVD mit Versandgebühr.

Stiftung Warentest testet DVD-Recorder

In der März Ausgabe der Zeitschrift "Test" zieht die Stiftung Warentest insgesamt eine positive Bilanz bei den getesteten DVD Recordern. Zwar bemängelte man den Stromerbrauch bei einigen Geräten im Stand-by Betrieb, was zur Abwertung führte, doch unserer Meinung nach liegt dieser Verbrauch bei den heutigen Geräten deutlich unter den VHS-Recordern alter Herkunft. Schlimmer war das Abschneiden des Philips Gerätes HDR3810/31, dessen Aufnahmen kaum besser waren als die mancher VHS Geräte. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass Panasonic Geräte, trotz geringfügig höheren Stromverbrauches, sogar im Longplay Modus besseres Bild abliefern als manch Philips Gerät im Normal Modus.

Geräte für HDTV ab Ende 2009

Die ersten Blu-ray Recorder werden in Deutschland vermutlich erst Ende des Jahres langsam eingeführt, wenn der HDTV Standard von ARD und ZDF großflächig eingeführt wird. Noch wird mit den Kabelgesellschaften um kostengünstige Einspeisung der rein digitalen Bilder ins Netz gerungen. Full HD mit einer physikalische Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln, wie sie Blu-ray Player wiedergeben können, wird es bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten allerdings nicht geben. Man hat sich auf die HD-Ready Variante mit 720p Vollbildern in der Vertikalauflösung geeinigt. Im Vergleich dazu bieten die bisherigen Fernsehstandards PAL und SECAM mit 576 Zeilen (50 Hz), NTSC 480 (60 Hz), jeweils im Zeilensprungverfahren eine deutlich schlechtere Auflösung, so dass man dennoch von einem neuen Meilenstein sprechen kann. Doch die Verbraucher müssen sich neue Geräte kaufen oder Set-Top-Boxen anschließen, welche die digitalen Signale entschlüsseln können. HDTV ist mit analogem Signal nicht zu bewerkstelligen. Nur wenige Hersteller, wie Sony, Metz und Loewe bieten bereits Fernsehgeräte mit integriertem digitalen und analogen Empfangsteil (Tuner) an. Bei den DVD-Recordern fehlt der eingebaute digitale Kabelempfang noch völlig, weil der Empfang digitaler Signale von den privaten TV-Sendern wie SAT1 und RTL bisher nur verschlüsselt ins Kabelnetz eingespeist wird. Hier können die neuen Kombi-Tuner der eben genannten TV-Geräte noch nicht mithalten, denn die Kabelgesellschaften wollen ihre eigenen Decoder vermarkten. Man hofft jedoch auf eine Einigung im schwelenden Streit.
Wie oben bereits erwähnt, verläuft der Absatz der Blu-ray Player noch ein wenig schleppend. Wir Cineasten vom BAF bemängeln außerdem die geringe Auswahl an Arthouse Filmen unter den bisher veröffentlichten Blu-ray Medien, obwohl die Videotheken bereits bemüht sind, das komplette Sortiment zu führen. Dabei können Arthouse-Filme durchaus hochwertige Produktionen sein, die auch aus Hollywood kommen können. Entscheidend ist beim künstlerisch-wertvollen Film die Handlung, die auch mal überraschend sein kann und sich eben nicht an vorgegebene Hollywood-Regeln hält. Doch mit dem Blu-ray Player können natürlich auch DVDs wiedergegeben werden und das sogar in besserer, hochskalierter Qualität.
Netzwerkplayer werden Standard

Neue oder zukünftige Blu-ray-Geräte besitzen darüber hinaus noch weitere Features. Eine Funkanbindung an das DSL-Netzwerk erübrigt zusätzliche Hardware. So können nicht nur Updates auf das Gerät geladen werden, sondern auch zusätzliche Filminformationen, die zum Zeitpunkt der Disk-Pressung noch nicht verfügbar waren. Dazu gehört z.B. Online-Bonusmaterial (BD Live) und Bild-in-Bild-Extras (Bonusview). Ob das wichtig ist, muss jeder selber entscheiden, aber die Anbindung ans Internet bietet noch einen weiteren Vorteil:
Künftig können auch hochauflösende Leihvideos als Stream abgerufen werden. Dazu wollen die Hersteller weitere Partnerschaften eingehen, um die die großen US-Videostream Angebote von Netflix und CinemaNow ins Wohnzimmer holen zu können. Damit könnten US-Kunden dann auf rund 14.000 Filme und Serienfolgen großer Filmstudios und Fernsehstudios zugreifen, sowie auf rund 250 unabhängige Filme sowie etlicher Musikvideos. Die vielen kostenlos von YouTube abrufbaren Videos sind dabei noch nicht eingerechnet.

Es wird nicht lange dauern bis diese Angebote auch in Deutschland verfügbar sein werden, denn die Technik ist durch zusätzliche Flash-Speicher zum Zwischenspeichern von Sequenzen bereits in den neuen Player implementiert. Eine permanente Aufzeichnung auf Disk wird von den meisten Downloadplattformen durch integriertes Digital-Rights-Management (DRM) sowieso unterbunden.
Telekom lässt "Brennen" zu

Allerdings lässt eine Ankündigung der Telekom aufhorchen. Die Telekom darf über ihren Onlinefilm-Shop Videoload nun auch Filme von Sony verkaufen, die Kunden über das Internet herunterladen und auf DVD brennen können. Der Vertrag umfasst alle DVD-Neuerscheinungen aus dem Hause Sony sowie ausgewählte Titel aus der Sony-Filmbibliothek.

Bislang vermietet Videoload Filme von Sony nur, die mit DRM versehenen Dateien können also nur für kurze Zeit betrachtet werden. Nun wird die Zusammenarbeit erweitert, sodass Videoload-Kunden Filme von Sony online erwerben, herunterladen und brennen können. Die Filme erscheinen gleichzeitig mit dem DVD-Verkaufsstart und werden in der Regel günstiger als im Handel angeboten. Doch es gibt einen Haken an der Sache. Die DVDs sind gemäß der vom DVD Forum und der DVD Copy Control Association (DVD CCA) abgesegneten Spezifikation nur mit dem bekannt unsicheren CSS geschützt. Mit einigen Tricks lassen sich also unerlaubte Massenkopien ziehen.

Um dennoch dem Vorhaben zum Durchbruch zu verhelfen, bietet Sonic Solutions Inc. gemeinsam mit Pioneer eine Qflix getaufte Software den Hardware-Herstellern als neues Patent an, die kopiersicher ist. Nur auf speziellen Rohlingen sollen die stark komprimierten Filme gespeichert werden können. Es ist jedoch zu befürchten, dass diese Rohlinge nicht auf einigen älteren DVD-Playern laufen werden. Außerdem sind spezielle CSS-DVD-Rohlinge und dazu kompatible DVD-Brenner vonnöten. Dennoch setzten in den USA anfänglich die Video-on-Demand-Anbieter RCA (Akimbo) und Movielink - inzwischen von Blockbuster übernommen - auf Qflix.

Der Erfolg war mäßig und Akimbo ist wieder offline, denn dieser Hindernisweg dürfte vielen Verbrauchern zu umständlich gewesen sein. Bereits die konkurrierenden plus und minus DVD-Formate verunsicherten die Anwender. Nur ausgesprochene Sammler werden die Medien auch brennen wollen. Die junge iPod Generation dagegen bevorzugt das direkte, augenblickliche Erlebnis. Daten und Filme, die jederzeit im Netz verfügbar sind, müssen nach deren Meinung nicht mehr zu Hause gespeichert werden, denn die Welt hat sich mit der überall verfügbaren Netzkultur für viele grundlegend geändert.

Direkter Draht zur Videothek

Diese Erkenntnis hat sich die Düsseldorfer Firma BeamDVD zu Eigen gemacht und ein ungewöhnliches Konzept für den DVD-Verleih über das Internet ausgedacht: Die DVDs werden nicht verschickt, sondern liegen zum Fernzugriff in virtuellen oder sogar echten DVD- Laufwerken beim Verleiher bereit und lassen sich so durch Fernabfrage mit handelsüblicher DVD-Wiedergabe-Software abspielen. Nicht jede Filmgesellschaft gibt nämlich Ihre Filme zum kostenpflichtigen Download frei. Der recht ungewöhnliche Kniff, durch Fernzugriff auf gemieteten Laufwerken zuzugreifen, schafft einen rechtsfreien Raum, den das Unternehmen ausnutzt.

Anders als es bei streamingbasierten Video-on-Demand-Diensten meist der Fall ist, gibt es damit die volle DVD-Qualität. Der Film bleibt beim Abspielen in den Geschäftsräumen von BeamDVD. Somit kann er zugleich kein zweites Mal während der Abspielzeit an andere Kunden ausgeliehen werden. Damit die Videothek dennoch auf Ihre Kosten kommt, verlangt sie eine saftige Einrichtungsgebühr von 90.- Euro für die persönliche Fernabfrage. Hinzu kommen monatliche Kosten für "Film-Einsteiger" von 15,68 Euro, was den Zugriff auf bis zu acht DVDs pro Monat erlaubt. Das entspricht umgerechnet 1,96 Euro pro Film. Das größere Flatratepaket für monatliche 29,70 Euro ermöglicht einen unbegrenzten Zugriff auf das Filmangebot, sofern der gewünschte Film nicht gerade anderweitig ausgeliehen ist. Insgesamt ein teures und noch wenig lukratives Angebot, auch wenn die Qualität besser ist als anderswo – mit Blu-ray und HDTV kann es dennoch bisher nicht konkurrieren.

Persönliche Beratung & Bestellung online

Da für viele die persönliche Beratung immer noch sehr wichtig ist, empfehlen wir für unsere Berliner Filmfreunde ein Videocafe in der Revaler Str. 8. Filmkunst-Berlin ist eine kleine sortierte Videothek, die aussieht wie ein Cafe und in der man zugleich angenehm beraten wird. Wer lieber von zu Hause stöbert, kann das auch online tun und die gewünschten Filme vorbestellen. Bis vor kurzem konnten die Filme auf Wunsch auch preiswert mit dem Fahrradboten nach Hause gebracht und wieder abgeholt werden. Leider wurde dieser einmalige Service wieder eingestellt. Die beste Videothek Deutschlands, mit der größten Auswahl an Arthouse Filmen, bleibt aber die Filmgalerie 451 in der Berliner Torstraße 231.

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