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Das Moviemento feiert 100. Geburtstag

Berlins ältestes Kino erneuert sich.


Berlins ältestes Kino, das Moviemento in Kreuzberg, feiert seinen 100. Geburtstag. Das 1907 eröffnete „Kinematographen-Theater“ begründete eine Berliner Filmkultur, deren Lebendigkeit und Innovationskraft bis heute in Deutschland unerreicht sind.

Am 29. März wird das Kino 100 Jahre alt und ist damit das älteste Kino Berlins. Mit dem Klassiker »Berlin - Sinfonie einer Großstadt«, der mit musikalischer Life-Begleitung gezeigt wird, wird das Kino nach umfangreicher Renovierung mit einem großen Fest wieder eröffnet.

Die Vorführung ist Auftakt eines viertägigen Kinospektakels, das mit zahlreichen Filmen, Filmgesprächen, Konzerten, Kleinkunstaufführungen und Partys durch die Geschichte des Moviementos, des Films und der Berliner Filmkultur führen wird. Begleitet wird es von der einmaligen Filmreihe »100 Jahre Moviemento«, die an die größten Highlights und Erfolge aus der Jahrhundert-Geschichte des Kinos erinnern -- dazu gehören u.a. die legendären Titel »Die Rocky Horror Picture Show«, »Mata Hari«, »Buster Keaton -- Der Kameramann«, »Ausser Atem«, »Du mich auch« und »Das Schweigen der Lämmer«. Die Klassiker der verschiedensten Genres werfen Schlaglichter auf die Entwicklung des Films im 20. Jahrhundert und blicken auf die programmatische Vielfalt des Moviemento zurück.

Eine zweite Filmreihe »Kreuzberg im Film« wird den Bezirk Kreuzberg als filmisches Motiv durch das 20. Jahrhundert begleiten. Zu den einzelnen Titeln dieser Reihe gehören u.a. „Der Traum ist aus – die Erben der Scherben“, von Christoph Schuch, „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders, „Herr Lehmann“ von Leander Haußmann oder der viel gelobte „Prinzessinnenbad“ von Bettina Blümner. Wir zitieren dazu aus dem Stadtmagazin Zitty, das die Filmreihe nicht trefflicher beschreiben konnte:
Abbruchhäuser und Ausländer, Hausbesetzer und Straßenschlachten, Kreuzberger Nächte und Alternativszene samt Künstlern und Kneipen: Daran denken wohl die meisten Deutschen, wenn sie „Kreuzberg” hören. Entstanden ist dies Bild in den 70er und 80er Jahren, als die Wiedervereinigung auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben schien und West-Berlin sich eine neue Identität und Funktion als fröhlicher Sozialzoo der Bundesrepublik zugelegt hatte.

Am buntesten ging es in jenem einstigen Teil des Zentrums zu, das durch die Sektorengrenze in eine Randlage geraten war, und wo nun, buchstäblich im Schatten der Mauer, die Alternativkultur so schön erblühte wie nirgendwo sonst. Nicht von ungefähr stammt ein Großteil der Streifen, die das Moviemento in seiner Jubiläumsreihe „Kreuzberg im Film” zeigt, aus jenen beiden glorreichen Dekaden oder dreht sich um sie. Da gibt es politische Dokumentationen, die mittlerweile selbst Dokumente sind, wie Der 8. Tag – der 12. September 1977 in Berlin oder Allein machen sie dich ein, verantwortet vom Kollektiv des legendären Rauch-Hauses. Aber auch kritische Rückblicke auf den Versuch, nicht zu werden, was die Alten sind, so Der Traum ist aus – Die Erben der Scherben oder Mehr Hof machen über Geschichte und Gegenwart des Mehringhofes. Und der Nazizeit widmen sich SüdOsten – natürlich wollten wir die Welt verändern und Mensch Macht Erinnerung.

Eine andere Rarität ist Der König von Kreuzberg, ein Spielfilm, der 1990 mit wenig Geld, aber viel Einfallsreichtum und Geschick entstand: Mit Anleihen beim fantastischen Realismus erzählt er die Geschichte eines jungen Türken, der meint, fliegen zu können.

Was tun, wenn’s brennt?
Während dieses „kleine” Werk weitgehend vergessen wurde, avancierte Wim Wenders’ Der Himmel über Berlin zu einem Klassiker des Berlin-Films. Für die Kreuzberg-Reflektion im „großen” Kino stehen ferner – neben der Kuriosität Kreuzberger Liebesnächte, einer Atze-Brauner-Sexklamotte von 1979 mit Sascha Hehn – Haußmanns Herr Lehmann und Was tun, wenn’s brennt? von Gregor Schnitzler. Sowie Bucks Knallhart, der zugleich die Verbindung zu Neukölln herstellt, zu dem die dem Moviemento gegenüberliegende Seite des Kottbusser Damms ja bereits gehört.

Vor allem in dieser Gegend spielt auch Lola und Bilidikid, der sich ebenso um junge Menschen – insbesondere solche mit Migrationshintergrund – dreht wie Geschwister oder Alltag. Dagegen zeigt die 1985 fertiggestellte Dokumentation Die Kümmeltürkin geht eine Frau mit Erfahrungen: eine „Gastarbeiterin”, die nach Jahren in Deutschland in ihre alte Heimat zurückkehrt – zumindest etwas verbittert. Auch in den heute so nostalgisch beschienenen 80ern lebten alteingesessene Bevölkerung, Alternative und Ausländer eben eher neben- als miteinander. Dann fiel die Mauer, andere Viertel wurden „angesagter”, nicht weniges von dem, was einst alternativ war, zum Teil des Mainstreams. Und vom heftigen Politkampf blieb fast nur noch die 1. Mai-Randale als sinnentleertes Ritual. Früher war eben auch die Zukunft besser.


100 JAHRE MOVIEMENTO –
BERLINS ÄLTESTES KINO FEIERT GEBURTSTAG

29.3.-2.5.2007, Veranstaltungen mit diversen Gästen
Kottbusser Damm 22
Berlin-Kreuzberg
Tel. 692 47 85
www.moviemento.de

Das Jubiläum ist zugleich eine symbolische Wiedereröffnung – mit den neuen Betreibern Iris Praefke und Wulf Sörgel wird das Moviemento nicht nur eine räumliche Renovierung, sondern auch eine inhaltliche Erneuerung erfahren. Das Filmkunsthaus im Zentrum von Kreuzberg, nahe dem Hermannplatz, soll in Zukunft wieder als Erstaufführungsort etabliert werden, das neben Arthouse-Erstaufführungen auch verstärkt Retrospektiven, thematische Filmreihen, Kinder- und Schulkino, aber auch Genreklassiker ins Programm nehmen und damit seiner historischen und gegenwärtigen Rolle als Arthouse-Filmtheater entsprechen wird.


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