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Eine Kino-Neueröffnung und weitere Filmtipps im September

Volles Kinoprogramm im neuen Delphi-LUX und passend dazu unsere Filmkritiken im September von Ulrike Schirm.

Vor wenigen Tagen eröffnete das Delphi-LUX in Berlin und bereicherte die Gegend am Bahnhof Zoo mit knapp 600 neuen Sitzplätzen. Den ursprünglich geplanten Frühjahrstermin konnte die Yorck-Kinogruppe zwar nicht halten, doch am 7. September 2017 war es soweit mit dem ambitionierten Kinoprojekt ganz in der Nähe des Delphi Filmpalastes, der ebenfalls zu den Yorck Kinos gehört.

Das neue Flaggschiff des größten Kinoverbunds Berlins bietet sieben Sälen, die vom kleinen Club-Kino bis zum Auditorium mit rund 150 Plätzen reichen. Laut Erhebungen der in Berlin ansässigen Filmförderungsanstalt (FFA), die das Projekt mit 180.000 Euro gefördert hat, verfügten 2014 gerade einmal gut zwei Prozent der reinen Programmkinos in Deutschland über derart viele Säle, die keine Wünsche an Technik, Sichtverhältnisse, Barrierefreiheit und Komfort offen lassen.

Auf die Eröffnung des Delphi-LUX stimmt ein äußerst gewitzter Spot ein, der (mit prominenter Unterstützung) das neue Kino am Zoo passend bewirbt. Unbedingt sehenswert!

Übrigens werden drei der von uns nachfolgend besprochenen Filme im Delphi-LUX am Yva-Bogen gezeigt. Der Name der Passage entlang des Stadtbahnviaduktes zwischen Hardenbergstraße und Kantstraße, in der sich das neue Kino befindet, wurde nach der Modefotografin Else Neuländer-Simon (Yva) benannt, die vor dem Krieg im Hotel Bogotá ihr Atelier hatte.

Gleich um die Ecke des Kinos befindet sich das Amerika Haus mit der C|O Fotogalerie, die gestern Abend, den 15.09.2017, im Rahmen der Art Week Berlin mit Danny Lyon und Willi Ruge zwei neue Foto- und Video-Ausstellungen eröffnete. Demzufolge war viel Laufkundschaft in der Gegend am Zoo unterwegs und auch das Yorck-Kino wurde rege besucht, wovon wir uns gestern selbst überzeugt haben!

"PORTO" von Gabe Klinger.

Mit Anton Yelchin, Lucie Lucas, Aude Pépin u.a.

seit 15. September 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Fernab vom Mainstream sind es oft die kleinen Filme, die einen in ihren Bann ziehen. Zu denen gehört auch PORTO, indem zwei Fremde im Rausch der Gefühle eine Nacht miteinander verbringen. Beide sind fremd in der Stadt, beide sind Außenseiter.

Als sie sich in einem Café in der portugiesischen Hafenstadt mit ihrer leicht morbiden Atmosphäre zufällig treffen, ihre Blicke miteinander verschmelzen, fremd und doch so vertraut, scheint die Zeit für sie still zu stehen. Zwischen dem Gelegenheitsarbeiter Jake, der mit seinem Hund durch die Stadt streift und der bildschönen Archäologin Mati (Luci Lucas) entsteht so etwas wie eine geheimnisvolle Magie. Für Jake (Anton Yelchin) fühlt es sich an, als hätten sie keine andere Wahl. Nachdem Mati morgens das Haus verlassen hat, bleibt Jake in der Wohnung zurück, packt ihre Umzugskartons aus und verteilt einige Gegenstände liebevoll in dem noch leeren Raum. Für ihn völlig unerwartet, kehrt Mati jedoch mit dem Vater ihrer Tochter zurück. Jake ist verstört.

Erzählt wird die Geschichte aus drei Perspektiven. Der amerikanisch-brasilianische Regisseur Gabe Klinger wechselt seine Filmformate zwischen 35mm, 16mm und 8mm, baut Zeitsprünge ein, um den emotionalen Ausnahmezustand seiner Protagonisten durch rätselhafte Erzählmomente zu unterstreichen. Es ist die Figur des Jake, die besonders berührt. „Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich glücklich. Es ist, als sei ich ein Teil eines Ehepaares, dass 80 Jahre zusammen ist“. Was übrig bleibt ist eine glückliche und leidvolle Erinnerung an eine Nacht voller Leidenschaft ohne Zukunft. Jake, ein Loser ohne Plan und Ziel, ein Amerikaner in der Fremde, der auf die Französin Mati trifft greift ans Herz. Besonders tragisch der Tod des 27-jährigen Anton Yelchin, der während der Dreharbeiten auf einem Kurzurlaub in seiner Heimatstadt in den USA durch einen Unfall verstarb.

Ulrike Schirm

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"THE CIRCLE" von James Ponsoldt.

Mit Emma Watson, Tom Hanks, John Boyega u.a.

seit 7. September 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Es gibt kaum noch jemand, der nicht Google, Facebook, Apple und was es sonst noch so gibt, für sich nutzt. Obwohl wir alle wissen, dass unsere Daten gesammelt werden, verkauft werden und wer weiß, was noch für ein Missbrauch damit getrieben wird. 2013 veröffentlichte Dave Eggers seinen despotischen Roman "THE CIRCLE", indem er auf die fatalen Folgen dieser in sich alles hineinfressenden Kraken hinwies. Kann man überhaupt noch die Vorzüge einer transparenten Gesellschaft mit dem Wunsch nach Privatheit in Einklang bringen. Nun ist sie da, die Bestselleradaption, die vom schleichenden Verschwinden unserer Privatsphäre im „Ach-so großartigen-digitalen-Zeitalter erzählt.

Mae Holland (Emma Watson) ist überglücklich, als sie ein Vorstellungsgespräch bei dem Internetkonzern The Circle bekommt. In dem „Coolsten Unternehmen der Welt“ zu arbeiten, ist mehr als ein Privileg. Ihren Einstellungstest meistert sie mit Bravour. Anfänglich kümmert sie sich um die E-Mail- Korrespondenz der unterschiedlichen User. Auf dem noblen Campus bewegt sie sich immer selbstbewusster, als ob sie nie etwas anderes getan hat. Als ihr an Multipler Sklerose erkrankter Vater in die Krankenversicherung des Circle aufgenommen wird, ist sie total davon überzeugt, das Richtige zu tun. Sie steigt auf und wird zur ersten transparenten Mitarbeiterin des hippen Konzerns. Von nun an trägt sie eine Kamera an ihrem Körper, mit der sie die Follower im Netz rund um die Uhr, mit Ausnahme ihrer Toilettengänge, an ihrem Privatleben teilhaben lässt. „Geheimnisse sind Lügen und alles Private ist Diebstahl“.

Transparenz wird im Circle ganz groß geschrieben. Immer mehr entfernt sie sich von Freunden und Familie, denn der Campus ist nicht nur ein Arbeitsplatz sondern ein Ort, in dem gefeiert und gelebt wird, mit dem Ziel, die Menschheit besser und glücklicher zu machen. Doch dann hört der „Spaß“ auf. Spätestens als Mae nicht davor zurückschreckt vor den Augen ihrer User und Follower eine Kindermörderin in wenigen Minuten aufzuspüren, ihren Freund Mercer, der von der digitalen Welt nichts wissen will, von ihr und den wahnsinnigen digitalen Natives in seinem Auto verfolgt und gejagt wird und eine Brücke hinunterstürzt. Langsam beginnt es bei Mae zu dämmern und sie fragt sich, was hier eigentlich vor sich geht. Die Schwäche des Films liegt darin, dass man nicht so recht weiß, woran man ist. Thriller oder gar Satire, Orwells Neuauflage 1984? Wirkliche Antworten bleiben auf der Strecke. Ein amüsantes Highlight sind die Auftritte von Tom Hanks als Firmeninhaber Eamon Bailey, eine gelungene Parodie auf Steve Jobs. Zumindest regt der Film zum Nachdenken an, sein eigenes Verhalten zu überprüfen und zu überlegen, wie man sich mit dem Umgang in dieser digitalen Welt bestmöglich verhält.

Ulrike Schirm

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"MEINE COUSINE RACHEL" von Roger Michell.

Mit Rachel Weisz, Sam Claflin, Holliday Grainger u.a.

seit 7. September 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

„Meine Cousine Rachel“ beruht auf Daphne du Mauriers Roman „My Cousin Rachel“, der 1951 erschien. Seine Premiere erlebte der Film am 25. Dezember In N.Y. Und L.A. Regie Henry Koster, in den Hauptrollen glänzten Richard Burton und Olivia de Havilland. Sehr erfolgreich war der Film damals nicht obwohl sich da die „Geister“ scheiden. Jetzt startet die Neuverfilmung unter der Regie von Roger Michell, (Notting Hill), Hauptcast Rachel Weisz und Sam Claflin.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Waisenjunge Philip (Sam Claflin) der bei seinem vermögenden Onkel Ambrose aufwuchs. Sein Ziehvater heiratete später in Italien eine Frau namens Rachel. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des jungen, naiven Philip. Erst erhält er die freudige Nachricht von der Heirat, später folgt ein Brief, in dem Ambrose Rachel verdächtigt, ihn vergiften zu wollen und dann plötzlich die Nachricht seines Todes. Philip ist felsenfest davon überzeugt, dass Rachel ihn ermordet hat. Philip hat nur noch einen Gedanken im Kopf, den Gedanken der Rache. Er will Gerechtigkeit für seinen geliebten Onkel. Da Ambrose seiner Frau nichts hinterlassen hat und Philip alleiniger Erbe ist, steht Witwe Rachel vor der Tür des feudalen Landsitzes. Als er der schönen, charismatischen Frau gegenüber steht, ist sein Hass wie weggeblasen. Jetzt wird es spannend. Vergessen der Gedanke, dass sie gekommen ist, um ihr Erbe zu erkämpfen, vergessen der Gedanke einer Mörderin gegenüber zu stehen.? Philip verfällt der geheimnisvollen Person, er wird ihr buchstäblich hörig, was die Situation nicht gerade leichter macht. Litt Ambrose unter Wahnvorstellungen oder ist die Dame in Schwarz eine skrupellose, geschickt taktierende falsche Schlange. Der Stoff bietet genug für grosses Gefühlskino, angesiedelt in England, 19. Jahrhundert. Ein perfekt ausgestattetes Sittengemälde, das hauptsächlich durch das Spiel der großartigen Rachel Weisz seine Spannung erhält. Sam Claflin bleibt etwas blass in seiner Darstellung von Misstrauen und Leidenschaft. Ein wenig inszeniert wie ein Film der Vierziger Jahre und einem Hauch von Rosamunde Pilcher.

Ulrike Schirm

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"BARRY SEAL – Only in America" von Doug Liman.

Mit Tom Cruise, Sarah Wright, Domhnall Gleeson u.a.

seit 7. September 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

„Es ist legal, solange man es für die Guten tut. Man darf sich nur nicht erwischen lassen“.

In der mit viel Selbstironie inszenierten Biografie, die auf wahren Begebenheiten beruht, glänzt Tom Cruise als Pilot, Drogen-und Waffenschmuggler, im Auftrage der CIA. Anfänglich fliegt Barry Seal ganz normale Passagiermaschinen der TWA. Dann kommen die „Guten“ ins Spiel.

Es ist die Zeit des kalten Krieges in den Siebzigern und Achtzigern. Seal wird von der CIA angeheuert, Aufklärungsflüge über Mittelamerika zu starten. Dann übernimmt er grinsend den Drogenschmuggel für Pablo Escobar, dann den Waffenschmuggel für die Contras nach Nicaragua und damit nicht genug, fliegt er die von Ronald Reagan unterstützten rechten Contra-Krieger zur Ausbildung nach Arkansas. Sein Motto: Abliefern und Mitnehmen. Er scheffelt Unmengen an Geld. Ein wahrer ewig grinsender Haudegen, der sich kaltblütig zwischen allen Fronten sicher fühlt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen auf allen Seiten. Die von Doug Liman ("Die Bourne Identität") inszenierte Actionkomödie ist mit viel Humor auf den Überflieger Seal zugeschnitten, dessen Dreistigkeit einen fassungslos macht und gleichzeitig Grinsen lässt. Und wer glaubt, dass seine „Karriere“ irgendwann beendet ist, wird eines Besseren belehrt. Ich habe mich sehr amüsiert.

Ulrike Schirm

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