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Durchbruch bei Tarifverhandlungen für Filmschaffende

Matthias von Fintel vermeldet Erfolg in den Tarifverhandlungen für die Film- und Fernsehschaffenden.



In der dritten Runde der Tarifverhandlungen für die rund 25.000 Film- und Fernsehschaffenden, die für die Dauer von einzelnen Produktionen von Fernseh-/Kinofilmen und Serien angestellt werden, hat Matthias von Fintel, Verhandlungsführer von ver.di, am 01.03.2016 nunmehr "deutliche Verbesserungen" erreicht. Am 18. Februar 2016 hatten wir geschrieben, dass die vereinte Dienstleistungsgesellschaft ver.di deutliche Kritik an der Allianz deutscher Produzenten übte, und die Produzentenallianz aufforderte, ihren Mauerkurs bei den Verhandlungen zum »TVFFS« endlich aufzugeben.

Die Tarifgagen sollen sich demnach ab April 2016 um 30 Euro pro Woche erhöhen, ab Januar 2017 soll dann eine weitere Anhebung um drei Prozent erfolgen. Im Gesamtvolumen wären dies 5,75 Prozent Tarifsteigerung. Die Arbeitszeit bei Kinoproduktionen soll künftig nur noch an drei von fünf Arbeitstagen über zwölf Stunden hinausgehen dürfen. Dies würde die dritte Verkürzung der Arbeitszeiten seit 2011 bedeuten. Im Detail sieht die Regelung vor, dass bei Kinoproduktionen nur noch an 60 Prozent der Drehtage 13 statt zwölf Stunden gearbeitet werden darf. Für bestimmte TV-Formate wie Dokumentation gilt dies nur für 20 Prozent, bei Serien wie Daily-Soaps nur für zehn Prozent der Drehtage.

Der Gagenabschluss hat - vorbehaltlich der Zustimmung der Tarifkommission - eine Laufzeit bis Ende 2017, der Manteltarifvertrag mit den verbesserten Regelungen zur Arbeitszeit bis Ende 2019. Wenn die Tarifkommission bis Ende März ihren Segen erteilt, können die neuen Regelungen ab April in Kraft treten.

"Ein weiterer Schritt zur Eindämmung überlanger Arbeitstage ist durchgesetzt und die Tariferhöhungen können sich im Branchenumfeld sehen lassen", kommentiert ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel das Ergebnis. "Die Erhöhung der Wochengagen von 30 Euro ab April 2016 macht im Volumen 2,7 Prozent aus. Das bedeutet für Wochengagen bis zu 1.000 Euro, etwa für Assistentinnen und Assistenten oder Produktionsfahrer, eine Erhöhung über drei, teilweise vier Prozent. Dazu kommt neun Monate später eine weitere Anhebung der Gagen um drei Prozent. Die Verhandlungskommission der ver.di FilmUnion ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden."

Für den Manteltarifvertrag bemühen sich die Tarifparteien Produzentenallianz und ver.di laut einer Pressemitteilung um eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung, nach der das Regelwerk auch für nicht tarifgebundene Filmproduktionen gelten würde. Dies wäre laut ver.di "angesichts der zunehmenden Tarifflucht und der kurzen, immer wieder unterbrochenen Beschäftigungszeiten ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen". Dazu Matthias von Fintel: "Die meisten Filmproduktionen erhalten Förderungen oder werden im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks produziert. Tarifdumping von Filmproduktionen, die mit Fördergeldern aus Steuern oder Geldern der Bürger aus dem Rundfunkbeitrag ermöglicht werden, ist nicht akzeptabel."



Auch die Produzentenallianz hat mittlerweile Stellung zu "drei schwierigen, strittigen, aber immer auch konstruktiven Verhandlungsrunden" bezogen. Im Rahmen des neu ausgehandelten Gagentarifvertrag, der für 21 Monate geschlossen werden und vom 1. April bis zum 31. Dezember 2017 gelten soll, konnte die Produzentenallianz demnach die Anrechnung von Shuttlezeiten auf die Arbeitszeit ebenso abwehren wie Veränderungen an den Arbeitszeitkonten. Der neue Manteltarifvertrag, der sich zeitlich nahtlos an den auslaufenden Tarifvertrag von April 2014 anknüpft, gilt für vier Jahre bis Ende 2019.

Darin bleibt es bei der Möglichkeit, am Set Arbeitszeiten von maximal 13 Stunden zu ermöglichen, um bei Dreharbeiten in Deutschland die notwendige Flexibilität zu erhalten und Beschäftigung zu sichern. Dies gilt bei historischen Event-Movies für 80 % der Drehtage, bei Kinofilmen für 60 %, bei fiktionalen Fernsehproduktionen wie Filmen, Serien und Reihen für 40 %, bei non-fiktionalen Formaten für 20 % und bei hochfrequenten Serien und Dailies für 10 % der Drehtage. Die Zuschläge, mit denen die Mehrarbeit vergütet wird, bleiben unverändert, so die Produzentenallianz. Der im neuen Tarifvertrag ebenfalls enthaltene Gagentarifvertrag wird für 21 Monate geschlossen und gilt vom 1. April 2016 bis zum 31. Dezember 2017. Hier konnte die Produzentenallianz die Anrechnung von Shuttlezeiten auf die Arbeitszeit ebenso abwehren wie Veränderungen an den Arbeitszeitkonten.

"Für die Produzentenallianz war die grundsätzliche Sicherung der 13. Stunde bei den Tarifverhandlungen existentiell", erklärt dazu ihr Geschäftsführer Christoph Palmer. "Dass wir uns damit gegenüber ver.di trotz heftiger Gegenwehr durchsetzen konnten, bedeutet für die Produzenten eine große Erleichterung und - durch die lange Laufzeit des Tarifvertrags von fast vier Jahren - eine langfristige Sicherheit bei den Kalkulationen."

"Die Erhöhungen sind schmerzhaft und gehen an die finanzielle Grenze des Möglichen", stellen die Produzentenallianz-Verhandlungsführer Johannes Kreile und Christoph Palmer fest. "Die vernünftige Laufzeit der Vereinbarung sowie die Verständigung über die Arbeitszeiten haben den Abschluss gleichwohl vertretbar gemacht."

Neu in die Gagentabelle aufgenommen werden laut Produzentenallianz vier Berufsbilder: Herstellungsleitung, Materialassistenz, Assistenz der Filmgeschäftsführung und Datawrangler bei HD-Produktionen. Für die in der Regel freiberuflich ausgeübten Berufsbilder Casting und Locationscout werden sich die Tarifpartner über die Angemessenheit von Honorarsätzen ins Benehmen setzen.

Beide Seiten verständigten sich ferner darüber, im Sommer einen gesonderten Tarifvertrag zu Volontariaten im Filmbereich abschließen zu wollen. Auch streben sie die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags beim Bundesarbeitsministerium an. Auf Seiten der Produzentenallianz steht der Abschluss des neuen Tarifvertrags noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Gesamtvorstandes.

Links: www.produzentenallianz.de | www.verdi.de
Quellen: Blickpunkt:Film | ver.di | Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e.V.

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