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CES 2016: Vintage & Nostalgie ist wieder gefragt

Statt neue Technik in alte Kleider zu hüllen - steckt Kodak alte Super-8-Technik in neue Gehäuse.



Im Jahre 2012 war Kodak pleite und musste fast alle Rechte und Patente verkaufen, um mit einem Restbestand überleben zu können. Mit Filmmaterial war Kodak groß geworden. Bis auf einige Nostalgiker benutzte lange Zeit kaum noch jemand Filmmaterial. Fast alles wurde digital. Auch daran hielt Kodak zahlreiche Patente, konnte diese aber nicht mehr rechtzeitig zum eigenen Vorteil nutzen. Sogar die Laserkinoprojektion, die erst Ende letzten Jahres erstmals bei uns im IMAX-Kino Berlin vorgestellt wurde, war ursprüngliche eine Kodak Entwicklung. Jetzt wird die Technik von Dolby und IMAX vermarktet.

Doch in letzter Zeit haben Kunden und Industrie die 50er und 60er Jahre wieder entdeckt. Es werden nostalgische Filme gedreht, die Möbelindustrie stellt wieder Nierentische her und die gute alte Schallplatte erlebt auf Vinyl ein Comeback, wie man es nicht mehr erwartet hatte. Fast jeder von früher bekannte Hifi-Hersteller wie Pioneer, Thorens, Lenco, Denon, Teac, Philips, Onkyo und Dual baut wieder neue Schallplattenspieler oder hat sie wie die reanimierte Firma Technics in Planung.

Nun springt auch Kodak auf den Retro-Zug auf und verkündete zur Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas an, wieder Super-8-Filme und dazu gehörige neue Kameras produzieren zu wollen. Natürlich im gelb-schwarzen Look. Auch Hollywood-Regisseure haben sich auf die analoge Technik besonnen: Filme wie Tarantinos "The Hateful 8" und "Star Wars: Das Erwachen der Macht" wurden - zumindest zum Teil - wieder analog auf 70mm Film gedreht.



Sogar die längst untergegangene Firma Bolex stellte 2012 über eine Kickstarterfinanzierung eine Digital Bolex vor, die im Vintage Look einer 16mm Bolex gestaltet war. Seit Mai 2015 sind die D16 Bolex Kameras lieferbar. Die Digital Bolex zeichnet Videos mit maximal 2.048 x 1.152 Pixeln auf und speichert sie im Format Adobe Cinema DNG mit 12 Bit Farbtiefe. Ein Rohdatenframe ist 2 bis 3 MByte groß. Der Sensor der Kamera stammt von Kodak und misst 12,85 x 9,64 mm. Er entspricht damit ungefähr dem Format Super 16 mm.

Die erste neue Super-8-Kamera will Kodak im Herbst 2016 auf den Markt bringen. Sie ist mit einem 6-mm-Objektiv mit einer Blende von f/1,2 ausgestattet. Optional gibt es für die Kamera ein Zoomobjektiv mit einem Brennweitenbereich 6 bis 48 mm. Sie ist vorgesehen für Kassetten mit 15 Metern Film. Aufgenommen wird mit 9, 12, 18, 24 oder 25 Bildern pro Sekunde.

Die Kamera hat der bekannte Designer Yves Behar gestaltet, der auch den ersten XO-Rechner und die Studien des XO 3.0 der Stiftung One Laptop per Child (OLPC) entworfen hat. Ihre Form soll eine Reminiszenz an die alten Filmkameras sein. Die Kamera wird nur in einer limitierten Auflage produziert. Entsprechend ist der Preis: Sie soll zwischen 400 und 750 US-Dollar kosten. Eine günstigere Kamera ist für kommende Jahr geplant.

Das Super-8-Format wurde Ende 1964 vorgestellt. Die ersten Kameras kamen 1965 auf den Markt. Das Aufkommen von Video bereitete dem Format ein Ende - Kodak stellte 1982 die Produktion von Super-8-Filmkameras ein.

So analog wie vor 50 Jahren ist das neue Super-8 jedoch nicht: Die Kamera hat als Sucher einen 3,5 Zoll-Bildschirm, Ton zeichnet sie digital auf. Das belichtete Material wird nicht nur analog vorliegen: Der Filmer bekommt nach der Entwicklung seinen Filmstreifen, aber auch eine digitale Version der Aufnahme.


Die Industrie setzt andererseits allerdings auch auf ganz neue Techniken, denn Bewährtes wie DVD und Blu-ray ist stark rückläufig und im Zeitalter von Ultra-HD-Flatscreens nicht mehr modern und scharf genug. In diesem Jahr soll endlich die Ultra-HD-Blu-ray marktreif werden. Natürlich wird man mit den dazugehörigen neuen Geräten auch alte DVD's noch abspielen können, aber nicht mit ultra-scharfer Bildwiedergabe. Der Umsatzrückgang bei den DVD's macht vor allem den Videotheken zu schaffen, denn auch Streaming und Versand führen zu Videotheken-Sterben.

Ursache ist die Zunahme beim Streaming und Onlineversand von Filmen durch Netflix, Amazon Prime Video oder Videobuster. Nach Angaben des Bundesverbandes Audiovisuelle Medien (BVV) gingen die Umsätze beim DVD- und Blu-ray-Verleih von 2013 auf 2014 von 211 Millionen Euro auf 188 Millionen Euro zurück. Das berichtete die Nachrichtenagentur dpa am 7. Januar 2016. Es fällt besonders auf, dass in Großstädten mit guter, schneller DSL-Internetversorgung wie Berlin vermehrt Videotheken schließen müssen. Laut Angaben des IVD (Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland) für das Jahr 2014 ist der Umsatz durch Spielfilmverleih um 10 Prozent auf 189 Millionen Euro gefallen. Die Zahl der Vermietvorgänge ging um 7 Prozent zurück.

Trotz Streaming wollen Lovefilm von Amazon und der Onlineversender Videobuster an ihren Verleihgeschäften auf DVD und Blu-ray weiter festhalten. Solange die Versorgung mit einem schnellen Internet auf dem Lande noch nicht überall gewährleistet ist, erfolgt Online Absatz per Post weiterhin mit herkömmlichen Medien. In ferner Zukunft wird das irgendwann einmal nostalgisch klingen.

Quellen: Golem | Bolex | dpa

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