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Vergabe des Pierrots - 37. Bayerischer Filmpreis (Update)

VGF-Nachwuchsproduzentenpreis für Jugend-Thriller "Boy 7".
(Weitere ergänzende Nachträge haben wir in den Text einfließen lassen.)



Nächsten Monat dreht sich alles in der Filmbranche um die Internationalen Filmfestspiele Berlin, der 66. Berlinale 2016. Doch zuvor wurde gestern in der Bayerischen Filmmetropole München der 37. Bayerische Filmpreis 2015 in der Rubrik Publikumspreis für die fünf besucherstärksten deutschen Filme des vergangenen Jahres verliehen. Das festliche Ereignis reiht sich somit in die Vergabe hochrangiger internationaler Filmpreise zum Jahresanfang ein, zu denen sowohl die Golden Globes wie auch die Oscars gehören.

Um die Bedeutung des Kinofilms als Kulturgut herauszustellen, verleiht die Bayerische Staatsregierung seit 1979 auf Vorschlag einer unabhängigen Jury den Bayerischen Filmpreis „Pierrot“ für hervorragende Leistungen im deut­schen Filmschaffen. Leider deckt sich der hehre Anspruch nicht immer mit dem, was an der Kinokasse als erfolgreich gilt. Oft stimmen wirtschaftliche Interessen nicht mit künstlerischem Anspruch überein. In diesem Falle könnten Filmpreise helfen, die Defizite auszugleichen. Immerhin ist der Bayerische Filmpreis mit Preisgeldern von insgesamt bis zu 310.000 Euro dotiert. Den größten Anteil hat dabei der Produzenten­preis mit 200.000 Euro. Damit gehört der Bayerische Filmpreis zu den höchstdotierten und begehrtesten Aus­zeich­nungen seiner Art in Deutschland. Preissymbol ist die Porzellanfigur Pierrot aus der comedia dell'arte von Franz-Anton Bustelli.

Am Freitagabend, den 15. Januar 2016, traf sich im Prinzregententheater in München die Prominenz aus Film, Fernsehen und Politik zur 37. Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2015. Der Bayerische Rundfunk produzierte und übertrug diesen Höhepunkt im bayerischen Filmkalender live. Auch dieses Jahr erschienen wieder zahlreiche Prominente aus Film, Fernsehen und Politik zur Gala. Durch den Abend voller emotionaler Höhepunkte und Überraschungen führt der beliebte und charmant-humorvolle Moderator Christoph Süß.

Der Bayerische Filmpreis wird jährlich in mehreren Kategorien wie „Beste Regie“, „Beste darstellerische Leistung“ oder „Bestes Drehbuch“ vergeben, erstmals wurde 2016 der beste Nachwuchsproduzent des letzten Jahres geehrt. Über die Preisträger entschied eine unabhängige Jury, ihr gehören dieses Jahr unter anderem die Regisseurin Caroline Link und der Kameramann Gernot Roll an.

Die Auszeichnung "Bester Film" gibt es nicht. Immerhin wurde mit Burghart Klaußner (*winner) in dem Film "Der Staat gegen Fritz Bauer" ein Schauspieler gewürdigt, der sich eine historische Person mit großem Respekt zu verwandeln mag. Klaußner bringt als Hessischer Generalstaatsanwalt die Zeit der Nachkriegsepoche einer jungen Generation nahe, in der oft nur eine vage Ahnung herrscht über das, was die Großeltern wirklich unter den Nazis erlebten. Hier der Trailer:



Auch die anderen Werke, die für weitere Preise zur Disposition standen, können sich zumeist als künstlerisch wertvoll, diesmal durchaus sehen lassen. Hervorzuheben sei u.a. das "Beste Drehbuch" für "Wir sind jung. Wir sind stark." (*winner) von Burhan Qurbani.

Der Regiepreis ging an Kai Wessel (*winner) für sein Euthanasiedrama "Nebel im August" nach einer wahren Begebenheit über einen rebellischen, 13-jährigen Zigeuner-Jungen, der von den Nazis in eine Nervenheilanstalt gesteckt wird. Auch ihn erwartet die Todesspritze, doch kämpft er unter großer Gefahr mutig für sich und seine Mitpatienten. Mit Kinderdarsteller Ivo Pietzcker, der aus Edward Bergers Sozialdrama "Jack" im vorletzten Jahr bekannt geworden war. Kinostarttermin ist erst am 6. Oktober 2016.

Beste Darstellerin wurde Rosalie Thomass (*winner) in "Grüße aus Fukushima" von Doris Dörrie. Der Film wird erst bei der diesjährigen 66. Berlinale in der Sektion Panorama Special uraufgeführt. Das Drama spielt im Umfeld der Reaktorkatastrophe in der japanischen Küstenstadt, in die eine Junge Frau für eine Umweltorganisation fährt, um den Menschen nach der verheerenden Umweltkatastrophe im Jahr 2011 wieder Lebensmut geben. Kinopremiere ist am 10. März 2016.

Der am höchsten dotierte Produzentenpreis (200.000 Euro) ging an Benjamin Herrmann von Majestic Filmproduktion und Christian Becker von Rat Pack Filmproduktion für den Film „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ (*winner) mit Emma Watson und Daniel Brühl in den Hauptrollen. Kinostart ist am 18. Februar 2016. Hier der Trailer:



In ihrer Begründung hob die Jury dabei hervor, dass der Film „nicht nur eine spannende und mitreißende Story bietet, sondern gleichzeitig ein Mahnmal gegen totalitäre Systeme, gegen sexuellen Missbrauch und gegen die ideologische, pseudoreligiöse Infiltrierung und Unterdrückung nicht nur junger Menschen setzt. Ein starker Film, der gerade in Zeiten vorgeblich glaubensbegründeter Gewalttaten nicht nur unterhält, sondern betroffen macht und zum Nachdenken anregt“.

Molly von Fürstenberg erhielt Ehrenpreis.
In diesem Jahr ging der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten an die Produzentin Molly von Fürstenberg für ihr Lebenswerk. Ministerpräsident Horst Seehofer überreichte persönlich den Preis an die Produzentin von Kinohits wie „Männer“ oder „Der bewegte Mann“, einer der ersten erfolgreichen Kinohits mit Til Schweiger. Ob das jedoch Filmkunst ist, die belohnt werden sollte, darüber streiten sich nicht nur Fachleute.

Auch beim Publikumspreis stand keine cineastisch wertvolle Arthaus Filmkunst an, sondern nur an der Kinokasse erfolgreiche Komödien. Dazu standen zur Auswahl die Filme „Fack Ju Göhte 2“, „Er ist wieder da“, „Traumfrauen“, „Der Nanny“ und „Honig im Kopf“ (*winner) von Til Schweiger und Lars Gmehling mit Comedian-Hauptdarsteller Dieter Hallervorden als alternder Alzheimerpatient - hier entschieden Zuschauer und Hörer des Bayerischen Rundfunks. Überreicht wurde die Trophäe dieses Mal von YouTube-Künstlerin Joyce Ilg, die auch durch ihre Rolle in der beliebten Serie „Dahoam is dahoam“ bekannt ist.

VGF zeichnete "Boy 7"-Nachwuchsproduzentin aus.
Dorothe Beinemeier (*winner) wurde für die Produktion von Özgür Yildirims "Boy 7" mit dem VGF-Nachwuchsproduzentenpreis ausgezeichnet. Der seit 1995 von der Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken vergebene Preis ist mit 60.000 Euro dotiert. Unter den bisherigen Preisträgern sind auch anspruchsvolle Kinoerfolge wie "Das Leben der Anderen" und zuletzt das Jugenddrama "Jack". Das Preisgeld ist nicht zweckgebunden; es soll vielmehr der Stärkung des Eigenkapitals der ausgezeichneten Produktionsfirma dienen.

Dorothe Beinemeier hat ihr Produktionsstudium an der heutigen Filmuniversität Babelsberg mit einer Diplomarbeit zum Thema internationale Koproduktionen abgeschlossen und im Anschluss daran u.a. als Junior Producerin für Egoli Tossell Film in Berlin gearbeitet. Seit 2011 ist sie als Produzentin bei Hamster Film Hamburg/Berlin für alle aktuellen Projekte verantwortlich. Hier der Trailer ihres letzten Films "Boy 7" mit David Kross in der Hauptrolle.



In den Niederlanden wurde fast zur gleichen Zeit eine weitere Version des erfolgreichen holländischen Jugendromans "Boy 7" von Mirjam Mous mit anderen Darstellern für das Fernsehen produziert, die aber angeblich aus rechtlichen Gründen leider nicht zum Vergleich in Deutschland gezeigt werden darf. Den spannenden Original Trailer können wir unseren Lesern jedoch präsentieren.



Hinweis: Die komplette Liste der 14 Preisträger haben wir in der erweiterten Ansicht zusammengefasst. Dazu bitte am Ende des Artikels ggf. auf ...vollständig lesen Klicken und dann erneut zum Ende des Textes scrollen.

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Geplanter Programmumbau beim BR sorgte für Wirbel.
Weil der Bayerische Rundfunk - wie andere öffentlich-rechtliche Sender auch - sparen muss und immer weniger junge Menschen erreicht, baut er sein Fernseh- und Hörfunkprogramm um. Anfang Juli 2015 stellte der BR seinen Vorschlag für ein neues Fernsehschema vor. Neben dem Anspruch, künftiger mehr Jüngere erreichen zu wollen, ist der Ausbau der regionalen Berichterstattung Kern der Reform. Konkret bedeutet dies unter anderem, dass die regionale Nachrichtensendung "Rundschau" ausgebaut wird, die 20-Uhr-"Tagesschau" aus dem Ersten übernommen wird und sich die "Abendschau" auf Magazin-Themen konzentriert. Die bereits weiter ober erwähnte Vorabendserie "Dahoam is Dahoam" soll von 19.45 auf 19.30 Uhr vorgezogen werden. Um ein umfangreicheres Informationsangebot anbieten zu können, sollen die Fachredaktionen ausgebaut und zusätzliche Programmflächen für Reportagen zur Verfügung gestellt werden. Am Kultur- und Dokumentarfilmangebot soll festgehalten werden. Zur Debatte steht außerdem die Umbenennung des "Bayerischen Fernsehens" in "BR Fernsehen". In Kraft treten sollen die Neuerungen ab Frühjahr 2016.

Doch die Kritik an der Programmreform wird immer lauter. In einem Bericht der Abendzeitung ist von "Frust und Verunsicherung" unter den BR-Mitarbeitern die Rede. So soll es vor allem in der Kulturredaktion gären. Angeblich soll die Kultursendung "Lido" und die Literatursendung "Lesezeichen" zur Disposition stehen.

Die AG DOK hat die Rundfunkratsmitglieder in einem Schreiben auf die ihrer Meinung nach negativen Auswirkungen der Reform hingewiesen. Darin heißt es: "Wir sind nicht gegen Erneuerung. Aber wir wenden uns gegen eine Erneuerung mit der Brechstange". Die AG DOK befürchtet durch die Reform einen Qualitätsverlust im Programm des Bayerischen Rundfunks.

Auch die Produzentenallianz mahnt in einer Stellungnahme, angesichts des geplanten Ausbaus regionaler Berichterstattung "die bisher hohen qualitativen und quantitativen Standards der Fernsehproduktion und der Kino-Koproduktion des Bayerischen Fernsehens in allen Genres aufrechtzuerhalten". Uli Aselmann, stellvertretender Vorsitzender der Produzentenallianz, erklärte: "Wir haben die Sorge, eine einseitige Ausrichtung auf die Information bewährte Traditionen gerade des Bayerischen Rundfunks als ambitioniertes Haus für das Fernsehspiel, die anspruchsvolle und nachdenkliche Dokumentation, die hochwertige Serie und die erfolgreiche Unterhaltung beeinträchtigen könnte. Deshalb bitten wir den Rundfunkrat und die Verantwortlichen des Bayerischen Rundfunks, bei der Planung des neuen Programmschemas auch künftig die bewährte Ausgewogenheit des Programms zu erhalten."

Derweil greift die Bayerische Landesregierung in der Flüchtlingsfrage zu zweifelhaften PR-Aktionen und macht Asylsuchende zu ihren Handlangern, indem sie am Donnerstag, den 14. Januar 2016, einen Protestbus mit 31 Flüchtlingen zum Bundeskanzleramt schickte. Nach dem zweistündigen Medienrummel in Berlin sollte es wieder zurück nach Landshut gehen. Die syrischen Flüchtlinge hatten zwar gehofft, in Berlin bessere Unterbringung zu finden, viele der Männer konnten aber offensichtlich ihre Pässe nicht mitnehmen, um in Berlin bleiben zu können. Nach zwölfstündiger Fahrt waren alle so erschöpft, dass sie in einem Brandenburger Billigpension übernachten mussten. Berlins Regierender Bürgermeister verurteilte die Aktion.

Quellen: Blickpunkt:Film | exklusiv München | München.de | filmportal.de | BR | Wirtschaftsministerium Bayern | AG DOK | Produzentenallianz | filmecho



Die Gewinner des Kinojahres 2015 bei der Verleihung des Bayrischen Filmpreises im Januar 2016

Beste Darstellerin: Rosalie Thomass in "Grüße aus Fukushima" von Doris Dörries
Bester Darsteller: Burghart Klaußner in "Der Staat gegen Fritz Bauer"
Bestes Nachwuchsdarsteller-Ensemble: Jella Haase, Anna-Lenka Klenke, Gizem Emre, Aram Arami, Max von der Groeben, Lucas Reiber in "Fack ju Göhte 2"
Beste Regie: Kai Wessel für "Nebel im August"
Beste Nachwuchsregie: Uisenma Borchu für "Schau mich nicht so an"
Bestes Drehbuch: Burhan Qurbani und Martin Behnkez für "Wir sind jung. Wir sind stark."
Bester Dokumentarfilm: "La buena vida - Das gute Leben" von Nadav Schirman
Bester Kinderfilm: "Heidi" von Alain Gsponer
Publikumspreis: "Honig im Kopf" von Til Schweiger
Beste Bildgestaltung: Jo Heim für "Ein letzter Tango“ und "Unfriend"
Beste Produktion: Benjamin Herrmann und Christian Becker für "Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück
Beste Filmmusik: Gert Wilden jun. für „Die Kinder des Fechters“ und „Hannas schlafende Hunde
Ehrenpreis: Molly von Fürstenberg
VGF-Preis: Dorothe Beinemeier für "Boy 7"

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