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Die Kabellandschaft im Umbruch (Update)

Vodafone übernimmt Kabel Deutschland - Primacom jetzt in ganz Berlin vertreten.



Der Deal ist so gut wie perfekt. Und auch die EU hat letzte Woche bereits ihre Zustimmung signalisiert. Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone kann somit sein Angebot vom 14.09.2013 vollziehen und für rund 11 Milliarden Euro die Aktienmehrheit bei Kabel Deutschland (KDG), dem größten deutschen Kabelanbieter, übernehmen. Vorbehaltlich der Zustimmung durch das Kartellamt kann das neue Unternehmen nun Fernsehen, Internet, Telefon und Handy aus einer Hand anbieten, die Frage ist nur: zu welchen Eingeständnissen Vodafone gegenüber dem Kartellamt bereit ist? Und was ändert sich dadurch für die rund 8,5 Millionen Kunden von KDG? Welche Auswirkungen hat die Übernahme auf den Kabelfernsehmarkt und die Konkurrenzsituation zu Satelliten- oder Internet-Fernsehen?

Da die beiden Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen kommen, können die Verbraucherschützer in dem Zusammenschluss tatsächlich wenig Konfliktpotenzial erkennen. Nur für E-Plus, die zuvor ein Abkommen mit Kabel Deutschland hatten, um für deren Kunden auch Mobilfunk aus einer Hand anbieten zu können, dürfte es eng werden, denn die mit O2 geplante Fusion stößt beim Kartellamt auf Widerstand. Die überraschende Einigung zwischen KDG und Vodafone aber begünstigt evtl. den Deal der beiden kleinsten deutschen Mobilfunkunternehmen. Sollte Telefónica, der Anbieter der Mobilfunkmarke O2, tatsächlich E-Plus von KPN übernehmen dürfen, würde der fusionierte Konzern mit einem Schlag die Telekom beim Kundenstamm übertreffen.

Genau diese Überlegungen waren auch für Vodafone ausschlaggebend, denn der ewige Zweite im Mobilfunkbereich würde dann auf den dritten Platz abrutschen. Mit dem Kundenstamm von Kabel Deutschland kann Vodafone jetzt aggressiver um neue Kunden buhlen und zudem auch sein IPTV - das Bewegtbild-Angebote im Internet - weiter ausbauen und dazu die Infrastruktur von Kabel Deutschland nutzen. Im Bereich der IPTV-Anbieter ist nämlich die Telekom mit Entertain bisher führend.

Doch IPTV hat trotz steigender Kundenzahlen auch Nachteile. Die Telekom will das DSL-Angebot nämlich ab 2014 für einige Kunden drosseln oder mehr Geld verlangen, da die Kapazität der Leitungen für hochauflösendes Fernsehen nicht mehr ausreicht. Hier sind die Kabelanbieter mit ihrem Breitbandkabel im eindeutigen Vorteil. Deshalb hat auf Betreiben der Telekom das Oberlandesgericht in Düsseldorf die vom Kartellamt zuvor genehmigte Übernahme von Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) durch Unitymedia wieder untersagt. Der Unitymedia-Eigner Liberty will zwar gegen die Entscheidung vorgehen, doch bis zu einem Ergebnis hängen Unitymedia und Kabel BW in der Luft.

UHD-3D-TV versus analog Fernsehen.
Die Bandbreite für Ultra-HD und 3D-TV wird nur über Satellit oder Glasfaser-KABEL-TV, nicht jedoch über alte Telefon-Kupferkabel des bisherigen IPTV realisierbar sein.


Veränderte Kabellandschaft in Berlin.
Die Zeiten, in denen zwischen Berlin und Leipzig die einzige Breitbandkabelstrecke verlief, gehören bereits seit den 1930er Jahren der Vergangenheit an. Heutzutage wird das Kabelnetz der deutschen Hauptstadt stetig ausgebaut und durch neue technologische Errungenschaften verbessert, um flächendeckenden Zugriff und höhere Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Harter Wettbewerb um die begehrten Kabel.
Neben einigen wenigen kleinen Kabelanbietern wird der Kabelfernseh-Markt in Berlin mittlerweile hauptsächlich von drei großen Konkurrenten beherrscht. Bei diesen handelt es sich um Kabel Deutschland, Telecolumbus und Primacom. Ausschlaggebend für die Wahl des Kabelanschlusses ist insbesondere die Wohnlage, denn trotz des umfassenden Ausbaus des Kabelnetzes sind längst noch nicht alle Haushalte angebunden. Gerade in den Berliner Mietwohnungen kann es auch durchaus vorkommen, dass die Qual der Wahl erspart bleibt, da bereits durch den Vermieter ein Vertrag abgeschlossen wurde. Wenn dies nicht der Fall ist, lässt sich auf den jeweiligen Webseiten der Kabelanbieter eine Verfügbarkeitsprüfung für die eigene Wohnung durchführen und gegebenenfalls direkt ein Kabelanschluss beantragen.

Große Gemeinsamkeiten und breites Produktangebot.
Mittlerweile ist es bei allen größeren Kabelanbietern üblich, neben Kabelfernsehen auch Internet und Telefon anzubieten, das sogenannte Triple Play. Für die meisten Kunden ist ein solches Komplettpaket äußerst attraktiv, da diese Kombination nicht nur um einiges günstiger ist, sondern auch noch den Bezahlvorgang und Nachfragen vereinfacht. Mit dem leistungsfähigen Breitbandnetz, das immer beliebter wird, können Kunden zudem zu Höchstgeschwindigkeiten im Internet surfen. Dabei wird das angebotene Produktsortiment immer breiter. Statt nur ein einziges Komplettpaket zur Auswahl zu haben, können Kunden nun zwischen vielen verschiedenen Kombinationen in unterschiedlichen Preis- und Leistungsklassen wählen.

Die Unterschiede liegen im Detail.
Gerade Telecolumbus hat in den vergangenen Jahren massiv sein regionales Kabelnetz in Berlin ausgebaut. Kabel Deutschland dagegen hat bundesweit mittlerweile sogar so großen Einfluss, dass ein Zusammenschluss mit Telecolumbus vom Bundeskartellamt untersagt wurde. Aber auch Primacom ist ein wichtiger Full-Service-Anbieter in Berlin. Denn während die großen Kabelanbieter sich kaum noch in den Mindestvertragslaufzeiten, den Bereitstellungskosten, der Grundgebühr und der Leistungsfähigkeit unterscheiden, tun sie das durchaus noch in den angebotenen Programmen.

Programmvielfalt als Entscheidungskriterium.
Beispielsweise plant Primacom im Gegensatz zur meisten Konkurrenz auch weiterhin die Dritten der öffentlich-rechtlichen Sender ins Netz einzuspeisen und bietet außerdem eine Vielzahl von lokalen Programmen an. Gerade Sender wie RFH, TV Altenburg, info-tv-leipzig, Leipzig Fernsehen, Sachsen Fernsehen und Dresden Fernsehen gibt es nicht bei der großen Konkurrenz. Dafür fehlen andere Sender wie zum Beispiel Sport 1 HD, die stattdessen von Kabel Deutschland und Telecolumbus angeboten werden. Die Wahl zwischen verschiedenen Kabelanbietern hängt mittlerweile also auch von den bevorzugten Programmen ab, insbesondere wer gerne Sender wie BR, NDR und SWR anschaut, sollte darauf achten.

N A C H T R A G:
Langfristig gesehen, wird das analoge Angebot im Kabel auslaufen. Kürzlich hat der Tagesspiegel verkündet, dass Primacom bereits im November eine Kabelneubelegung durchführen wird, sodass die vom Anbieter angepriesene Vielfalt im Bereich der Dritten Programme zu relativieren sei. Wahrscheinlich wird BR oder HR im analogen Kabel in Berlin rausfliegen und durch ProSiebenMaxx ersetzt. Und auch DVB-T, das digitale, frei empfangbare Überallfernsehen wird ab 2017 von dem neuen Standard DVB-T2 ersetzt, der dann HD-fähig ist. Das wird wiederum setzt neue Empfangsgeräte voraus. Die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF wollen dennoch in gut drei Jahren mit der Ausstrahlung ihres terrestrischen Angebots in dem Standard DVB-T2 beginnen und die Ausstrahlung über das bisherige DVB-T-Angebot spätestens 2020 einstellen.

Mit der Verbreitung der HD-Sender über den terrestrischen Weg via DVB-T2 kommen die Kabelgesellschaften jedoch in Zugzwang. Sie können dann die dritten HD-Programm von der kostenlosen Einspeisung nicht mehr ausschließen, denn was über ON-Air kostenlos verbreitet wird, muss auch im Kabel zur Verfügung stehen, so die Meinung der öffentlich-rechtlichen Sender. Eine gerichtliche Entscheidung steht diesbezüglich noch aus.

Links:
www.vodafone.de | www.telecolumbus.de | www.primacom.de | Kabel Deutschland
Quellen: Die Welt | Der Tagesspiegel | FAZ | Primacom | Pixelio | clicks.de

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