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Die 2. Prenzlauerberginale diesmal im Kino Babylon

Zum zweiten Mal präsentiert das “Geschichtsbüro Müller” mit der “Prenzlauerberginale” alte DDR-Filme.



Bei dem Filmfest Prenzlauerberginale, bei dem Besucher bis Ende März im Kino Babylon:Mitte besondere Spiel- und Kurzfilme, Raritäten und Dokumentationen unter dem Motto „Liebe, Alltag, Sozialismus“ sehen können, geht es vor allem um den früheren Bezirk Prenzlauer Berg, der zu DDR-Zeiten ein Wohn- und Schaffensort unangepasster Künstler und Rebellen war. 

Ende Januar 2017, also kurz vor der diesjährigen Berlinale, startete Robert Thalheims Spielfilm "KUNDSCHAFTER DES FRIEDENS" in unseren Kinos. Der Titel ist eine Anspielung auf die offizielle Bezeichnung der Auslandsagenten der ehemaligen DDR. In der Agentenkomödie spielen u.a. Henry Hübchen, Jürgen Prochnow und Michael Gwisdek als gealterte und nicht mehr ganz fitte Spione die Hauptrollen. Wir sprachen mit einigen älteren Bewohnern aus dem ehemaligen Ost-Berlin, die sich wie Bolle über die Rückkehr ihrer unvergessenen Stars freuten. Für uns aus dem alten West-Berlin war der Streifen eher eine Art selbstironische Altherren-James-Bond-Parodie, die wir nicht weiter sonderlich erwähnt hatten. Hier dennoch der Trailer:



Verbotene DDR-Filme.
Spannender erscheinen uns hingegen echte DDR-Filme wie „SOLO SUNNY“ von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase aus dem Jahr 1980 zu sein. Der Film wird am 9. März 2017 in der DDR-Retrospektive im Babylon präsentiert und zeigt ungeschönt das Arbeiter-, Studenten- und Künstlerviertel Prenzlauer Berg mit seinen noch unsanierten Altbauten, Ofenheizung und Außenklos. Eine solche Location findet man heute nur noch in Görlitz, die östlichste Stadt Deutschlands, deren Altstadt oft als Kulisse für historische Filme herhalten muss.

Auch in der DDR verbotene Filme werden vorgeführt. Zum Beispiel Jürgen Böttchers Spielfilm „JAHRGANG 45“ aus dem Jahre 1966. Böttcher, bekannt unter dem Namen Strawalde, war Maler in der DDR. Dem Künstler wurde vorgeworfen, er heroisiere in seinem einzigen Film das Abseitige, so seien die Menschen in der DDR nicht. Ein Parteifunktionär warf ihm vor, Prenzlauer Berg sehe in seinem Film wie ein Slum aus, mit jungen Gammlern, deren Äußeres rein gar nicht mit den sozialistisch geprägten Persönlichkeiten übereinstimmt. Nun ist Böttchers Film wieder am 21. März 2017 zu sehen, offiziell und in Anwesenheit des heute 85-Jährigen Regisseurs. Tatsächlich prägten diese Filme das spezielle Image von Prenzlauer Berg mit.

"Das Filmmaterial würde noch für drei weitere Jahre reichen“, sagt Stephan Müller, Kurator und Organisator des Filmfestivals. Der 44-jährige Historiker hat den Prenzlauer Berg in der Nachwendezeit vor 20 Jahren kennengelernt, als er aus dem Ruhrgebiet nach Berlin gezogen war. Müller sagt, ihn habe schon immer die regionale Stadtteilgeschichte interessiert. So gründete er in Berlin ein Geschichtsbüro, arbeitete im Bezirksmuseum am Wasserturm oder organisierte mit Gewerbetreibenden in der Schönhauser Allee eine Fotoausstellung über die berühmte Magistrale, wo die U-Bahn oben fährt. Als er im vergangenen Jahr dann sein erstes Prenzlauer-Berg-Filmfest im Pankower Museum veranstaltete, kamen statt der üblicherweise 20 bis 30 Interessierten an diesen Abenden über 100 Besucher, um sich die alten DDR-Filme anzuschauen. Müller war überrascht. „Mit diesem Andrang hatte ich nicht gerechnet.“
 
Er bekam so viel Zuspruch und Lob für sein Projekt, dass er im Sommer 2016 neben seinem Vollzeitjob als Sachbearbeiter begann, sein nächstes Festival vorzubereiten. Die Prenzlauerberginale, diesmal im großen Rahmen, im Kino Babylon.

Ost- und West-Perspektive.
In Archiven fand Müller seltene Dokumentarfilme, gedreht in der U-Bahnlinie 2 auf der Strecke vom Senefelderplatz zur Vinetastraße und in der Straßenbahnlinie 58, die Greifswalder Straße entlang. Müller hat auch Filme über die Mauer aus Ost- und West-Perspektive herausgesucht, diesem Thema widmet er am 14. März 2017 einen Themenabend. Dann wird auch der frühere Fernsehredakteur und heutige Spiegel-Autor Peter Wensierski mit Filmbeiträgen des SFB dabei sein, so wie bei jeder Vorführung Schauspieler, Regisseure und Zeitzeugen nach den Filmen miteinander reden.

Vier Wochen in Folge, vom 28. Februar bis 28. März 2017, wird pro Woche ein Filmabend im großen Saal des Babylons in der Rosa-Luxemburg-Straße 20 geboten. Den Besucher erwartet jeweils ein Spielfilm plus verschiedene kurze Vorfilme. Moderatoren führen durch die Abende, unter anderem Dr. Gerhard Sälter von der Gedenkstätte Berliner Mauer oder Cornelia Klaus von der DOK Leipzig. Nach den Vorstellungen sind bekannte DEFA-Stars wie Jutta Hoffmann, Jürgen Böttcher und Monika Hildebrand sowie Journalisten und Zeitzeugen zum Gespräch auf dem Podium.

Ergänzt wird das Filmfest durch die Fotoausstellung “Berlin-Prenzlauer Berg”. Es sind Bilder von Bernd Heyden (1940-1984), der Ende der 60er Jahre begann, das Leben der Menschen zwischen den maroden Gemäuern festzuhalten. Vor 30 Jahren wurde die letzte große Ausstellung des 1980 gestorbenen Fotografens in Berlin gezeigt. Trotzdem sind die Meisten wohl schon irgendwann einmal einem seiner Bilder begegnet. Vergangenes Jahr waren seine Fotos im Willy-Brandt Haus ausgestellt. Bekannt wurde er wegen seiner realistischen Alltagsmotive mit Kohlenträgern, Fleischern, oder rauchenden Kindern im Hinterhof.

Geöffnet ist die Ausstellung während der gesamten Filmreihe jeden Tag ab 17 Uhr, am Wochenende auch früher. Der Eintritt zu der Fotoausstellung ist frei.

2. Prenzlauerberginale
28. Februar bis 28. März 2017
Kino Babylon Berlin-Mitte
Programm unter: www.prenzlauerberginale.berlin

Quellen: Berliner-Zeitung | DDR-Museum | Morgenpost

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