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Jetzt ist's amtlich: Carlo Chatrian & Mariette Rissenbeek übernehmen die Berlinale 2020

Berlinale bekommt Doppelspitze aus einem Italiener und einer Niederländerin.

Die Berlinale wird in Zukunft von einer Doppelspitze geleitet. Nachfolger von Festivaldirektor Dieter Kosslick werden der Italiener Carlo Chatrian als künstlerischer Leiter und die gebürtige Niederländerin Mariette Rissenbeek als geschäftsführende Leiterin.

Mit etwas Verspätung gab dies am Frreitag Nachmittag die Kulturstaatsministerin Monika Grütters als Vorsitzende des Aufsichtsrates der Kulturveranstaltungen des Bundes bekannt. Beide Führungskräfte erhalten einen über fünf Jahre laufenden Vertrag.

Dieter Kosslick wird bei der 69. Berlinale vom 7. bis 17. Februar 2019 das letzte Mal als Festivaldirektor auf dem roten Teppich stehen. Unter Kosslick hatte es einige Veränderungen gegeben: So wurde die neue Reihe Perspektive Deutsches Kino eingeführt, 2003 entstand für die Nachwuchsförderung der Berlinale Talent Campus und zur Berlinale 2007 wurde mit den Berlinale Shorts eine weitere neue Sektion vorgestellt.

Ins Team von Dieter Kosslick wechselte zur 68. Berlinale auch der langjährige Leiter der Sektion Panorama, Wieland Speck, der das Amt 1992 von dem an Aids erkrankten Manfred Salzgeber (†1994) übernahm. Wieland Speck soll im nächsten Jahr zur 40. Ausgabe des 1986 gegründeten Panoramas ein Panorama-Spezial mit großem Rückblick erarbeiten. Auch für 2020 war er eigentlich zum 70. Jubiläum der Berlinale für ein weiteres Spezial der Internationalen Filmfestspiele Berlin vorgesehen. Ob die Zusammenarbeit unter der neuen Leitung fortgesetzt wird, ist derzeit aber wohl noch offen.

Sicher ist nur, dass auch der Berliner Filmjournalist Christoph Terhechte, der seit 2001 Leiter des Forums war, kürzlich ganz überraschend zurücktrat. Die Interimsleitung, des 1971 als unabhängige »Sektion des Jungen Films« gegründet, übernimmt deshalb der Vorstand des Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V., bestehend aus Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus.

„Als Werkstatt des zeitgenössischen, unabhängigen Kinos, als unverwechselbares Experimentierfeld filmischer Formen und Positionen sowie als lebendige Diskursplattform sind Forum und Forum Expanded die alljährlichen Höhepunkte der Arbeit des Arsenal, in das jedes Jahr aufs Neue einzelne Themenschwerpunkte unserer Aktivitäten einfließen sowie von hier ihren Ausgangspunkt nehmen".

Wie es danach mit dem Forum weitergeht, wird die neue Führung ab 2020 entscheiden müssen.

Der designierte neue künstlerische Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian, 1971 in Turin geboren, leitet seit 2012 das Publikumsfestival von Locarno in der Schweiz und wird sich nach der diesjährigen Ausgabe erst auf die neue Aufgabe in Berlin ein Jahr lang vorberieten müssen. Von Haus aus ist Chatrian, der Literatur und Philosophie studiert hat, Filmpublizist. Seit 2002 arbeitet er für diverse Festivals. Schon früh war der Italiener als Kandidat zumindest für die künstlerische Leitung ins Gespräch gebracht worden, denn das Festival in Locarno gilt als wichtiges Pflaster für den anspruchsvollen deutschen Film.

Mit dem Italiener Chatrian, der mehrere Sprachen spricht und auch deutsch recht gut verstehen kann, kommt ein ausgewiesener Cineast zum Zuge, der international als sehr gut vernetzt gilt und als ein Kurator bekannt ist, der sehr gute internationale Kontakte zum Independent-Filmschaffen besitzt.

Die seit den 80er Jahren in Deutschland lebende Mariette Rissenbeek ist derzeit Geschäftsführerin von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films. Seit längerem hieß es, dass Monika Grütters vom BKM eine Frau für den Posten präferieren würde. Immer wieder waren die Namen Bettina Reitz, Kirsten Niehuus und Petra Müller gefallen.

"Mit der neuen Doppelspitze ist nun gewährleistet, dass die Berlinale über 2019 hinaus als Publikumsfestival mit politischem Charakter und anspruchsvollem Filmprogramm erhalten bleibt und sich weiter entwickelt", hieß es. "Die künftige Geschäftsführerin der Internationalen Filmfestspiele steht für Kontinuität und filmwirtschaftliche Kompetenz", so Monika Grütters weiter.

Mit Mariette Rissenbeek wird die künftige Leitung zudem weiblicher. Sie kennt verschiedene Film-Festivals und alle deutschen Player, verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz und ein weit verzweigtes Netzwerk.

Filmfest München will internationales Medienfestival werden.

In Bayern war man kurz vor Beginn des Filmfest München (28.06.-07.07.2018) offensichtlich von der neuen Situation in Berlin überrascht worden, um sogleich das eigene Filmfest in aller höchsten Tönen zu loben und zu betonen, daraus zukünftig ein internationales Medienfestival zu machen, das digitale Trends mitgestaltet und Brücken schlägt über Genre- und Branchengrenzen hinweg.

In Anspielung auf die Berlinale erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: "Wir sollten uns in München auf Dauer nicht mit Platz zwei zufrieden geben. Es ist nur schwer zu ertragen, dass Berlin die Nummer eins ist. München ist spannender und schöner."

Weiter betonte Söder gestern im Rahmen einer Pressekonferenz im Münchner Gasteig, dass man 100 Prozent auf das bisherige Budget drauflegen werde.

Festivalchefin Diana Iljine begrüßt die Initiative der bayerischen Staatsregierung: "Schon seit einiger Zeit beobachten wir die Veränderungen in der Film- und Medienbranche wie auch im Medienkonsumverhalten der Menschen. Nun wird aus dem Blick in die Zukunft der Schritt in die Zukunft. Gemeinsam mit unseren Gesellschaftern wollen wir jetzt die Vision realisieren, das Filmfest München zu einem einzigartigen Medienfestival mit regionalem Bezug und internationaler Strahlkraft zu entwickeln."

Link: www.berlinale.de

Quellen: KBB | Arsenal | ARD | Filmecho | Blickpunkt:Film | Filmfest München

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