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Unsere Filmkritiken im April u.a. zu Kinderfilm u. Berliner Filmfestival, Teil 3

Weitere drei Filmkritiken im April zu einer Doku, einem Spielfilm und einem Kinderfilm sowie Bericht vom derzeit laufenden Berliner Filmfestival.

Endlich wieder Filmkritiken zu aktuellen Filmstarts nach mehreren Aufrufen zu Filmeinreichungen in den letzten Tagen.

Doch Halt! … Der größte Zuschauerandrang findet derzeit weder in den Blockbuster Sälen, noch in den Arthouse Cinemas statt, sondern auf dem Filmfestival achtung berlin - new berlin film award.

Andrang im Kino Babylon beim Achtung Berlin Festival | Foto: ©Hajo Schäfer

Festivalleiter Hajo Schäfer hat uns das Foto vom Kino Babylon am Samstagabend in Berlin über Facebook geschickt, das wir eigentlich selber schießen wollten, wenn wir nicht inmitten der Menschenmenge gestanden hätten, bei der es kein vor oder zurück gab.

Gezeigt werden meist neue Debütfilme, wie hier beim Einlass zum "Liebesfilm", der zur Primetime am Samstag Abend, den 13.04.2019, gezeigt wurde. Es war die Berlin-Premiere mit extrem ausgelassener Stimmung des Publikums im Kinosaal. Obwohl die meisten Filme des Festivals ihre Weltpremiere in Hof, München oder Saarbrücken hatten, gibt es wohl kein besseres und lauter grölendes Kinopublikum als bei einem Heimspiel in Berlin. Es wurde fast bei jeder Szene gejohlt, geklatscht, gepfiffen und gelacht.

So muss Kino sein, um auch bei Filmen, die ansonsten vielleicht unter 'ferner liefen' kritisiert worden wären, von dem jungen und alten applaudieren Publikum einfach zum Mitmachen angesteckt zu werden. Festivals haben eben ihren eigenen Charme, dem man sich kaum entziehen kann.

"Liebesfilm" von Robert Bohrer (dffb) und Emma Rosa Simon startet regulär am 2. Mai 2019 in den deutschen Kinos. Hier der Trailer:

Synopsis:

Lenz ist Mitte 30 und weiß nicht, was er will. Aber er liebt Ira. Es beginnt der Sommer der Liebe: herumalbern durch die Berliner Nacht, Bier am Kanal, Gespräche über Sex und Kindheit. Alles ist wunderschön. Bis Ira diese eine, alles verändernde Frage stellt: »Willst Du eigentlich Kinder?« Lenz tut das, was er am besten kann: Er macht sich aus dem Staub. Als Ira im Herbst plötzlich wieder vor ihm steht, muss er sich dem großen »trotzdem« stellen. Ein sommerlicher Berlinfilm mit Tiefenwirkung.

Sehr authentisch fanden wir aus der Wettbewerbsreihe »Made in Berlin-Brandenburg« eine Tag zuvor auch "Schwimmen" von Luzie Loose, die sowohl an der UDK Berlin studierte, als auch an der Filmakademie Baden-Württemberg erfolgreich mit diesem Film Ihre Abschlussarbeit zum Thema Mobbing an Schulen einreichte. Die Weltpremiere fand auf dem 23. Busan International Film Festival statt.

Hier der Trailer:

Synopsis:

Kompromittierende Handyvideos, die sich in den sozialen Medien verbreiten. Waghalsige Mutproben und eine innige Freundschaft. Elisa und Anthea, beide 15 Jahre alt, machen Zuhause eine schwere Zeit durch. Sie erfinden eigene Werte, geben einander Halt und Orientierung. Durch die Berliner Clubs ziehend entwickeln sie ein Spiel, das bald eine zerstörerische Dynamik annimmt. Die beiden werden von Opfern zu Täterinnen. Nachdenkliche und realitätsnahe Betrachtung einer Generation, die durch die ständige Bilderflut im Netz neuen Herausforderungen gegenübersteht.

Spannend, wenn auch mit ein paar kleinen Drehbuchschwächen versehen, die man in einem Writers Room vielleicht noch etwas besser hätte lösen können, war am Sonntagabend auch die Berlin-Premiere von Sven Taddickens Liebesthriller "Das Schönste Paar", der seine Uraufführung auf dem 43. Toronto Film Festival erlebt hatte. Kinostart ist am 2. Mai 2019.

Hier der Trailer:

Synopsis:

Sommerurlaub auf Mallorca. Livs und Maltes innige Zweisamkeit wird jäh durchbrochen, als das Pärchen in seinem Ferienhaus überfallen wird. Liv wird vergewaltigt, die drei jugendlichen Täter entkommen. Zwei Jahre später hat sich das Paar mit viel Kraft in seinen Alltag zurückgekämpft. Als Malte zufällig einem der Täter begegnet, nimmt er die Verfolgung auf. Malte will Vergeltung, Liv will das Trauma nicht erneut durchleben. Die Sehnsucht nach Rache wird zur Zerreißprobe für ihre Beziehung. Ein emotionales und hochspannendes Liebesdrama mit kaum vorhersehbaren Wendungen am Ende.

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"CHRISTO - Walking on Water" Doku von Andrey Paounov (USA, Italien). Mit Christo. Seit 11. April 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Die Idee zu ihrem Projekt "THE FLOATING PIERS" hatten Christo und seine Frau Jeanne – Claude erstmals im Jahr 1969. Der Versuch einer Realisierung in Argentinien und Japan schlugen fehl. Es sollte Christos erste große Installation seit "THE GATES" im Central Park im Jahr 2005 und dem Tod seiner Frau im Jahre 2009 werden.

2014 suchte Christo mit seiner Mannschaft erneut nach einer Kulisse für sein Projekt. Sie entschieden sich für einen kleinen ruhigen See zwischen dem Comer See und dem Gardasee, dem Lago d'Iseo, umgeben von dem malerischen Bergpanorama der italienischen Alpen.

Die italienischen Behörden waren begeistert. 2016 begannen sie mit der Umsetzung ihres bisher ambitioniertesten Projekts. Sie schufen einen drei Kilometer langen Weg, der es für 16 Tage den Menschen erlaubte, sicher auf dem Wasser zu laufen.

Der bulgarische Regisseur Andrey Paounov begleitet den aufreibenden Entstehungsprozess eines gigantischen Kunstwerkes mit seinen technischen Herausforderungen. Er ist bei Behördensitzungen dabei und zeigt den „ungeschminkten“ Künstler bei dessen ungeliebten Treffen mit launischen Sammlern, Diskussionen mit Umweltschützern und seine Übellaunigkeit, wenn etwas nicht so läuft, wie er es will. Christo, ein Mensch, der für seine Sache brennt. Wenn dann endlich alles steht, freut er sich wie ein kleines Kind.

Die Kosten für „The Floating Piers“ beliefen sich auf 15 Millionen Euro. Komplett finanziert aus den Verkäufen seiner Kunst. Bei den „Piers“ handelt es sich um 220.000 miteinander verbundene Kanister, die aus Polyäthylen-Würfeln gefertigt wurden und die Tauchern mit Ankern am Boden des Sees befestigten. 100.000 Quadratmeter sonnengelb leuchtender Stoff wurde verarbeitet. Unwetterkapriolen erschwerten die Arbeiten. Am zweiten Tag bevölkerten 55.000 Menschen die Stege. Ein drohendes Desaster, verbunden mit stundenlanger Warterei, massiver Drängelei und der Gefahr von Unfällen. Zahlreiche Busse verstopfen die Zufahrtsstraßen. Als ein 16-jähriges Mädchen vermisst wird, droht Christo mit Abbruch. Daraufhin sorgten die Behörden für Sicherheitskräfte und einer geregelten Verteilung der Menschenmassen. 1,2 Millionen Menschen liefen in nur 16 Tagen über das Wasser.

„Walking On Water“ ist ein interessantes Portrait über einen kauzig anmutenden Künstler, der nicht nur durch sein knorriges Wesen besticht, sondern auch mit besonderem Humor so manche Hürde meistert. „Kunst ist kein Beruf. Es ist eine Leidenschaft. Ich mache nichts zweimal. Unsere Werke sind alle komplett sinnlos. Wir schaffen sie nur, weil wir sie gerne anschauen möchten“, so, der 83-jährige Christo, der sich regelmäßig die Wimpern schneiden lässt, ein rohes Ei schlürft, wenn ihn die Kräfte verlassen und der jeden morgen rohen Knoblauch mit Joghurt isst.

Seit über 40 Jahren arbeitet er mit seinem Team an einem Projekt, was sein letztes werden soll. Die Mastaba in Abu Dhabi. Eine Pyramide aus 410.000 verschiedenfarbigen Ölfässern mitten in der Wüste. Baukosten über 300 Millionen Dollar. „Es wird die größte Skulptur der Welt sein. Grösser als die Cheopspyramide. Es braucht allein 3 Jahre, um sie zu errichten. Sie wird aussehen wie eine Treppe in den Himmel und sie soll stehen bleiben. Es wird das Einzige sein, was von uns bleibt“.

Ulrike Schirm

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"ALFONS ZITTERBACKE – Das Chaos ist zurück" Familienfilm von Mark Schlichter (Deutschland). Mit Tilman Döbler, Alexandra Maria Lara, Devid Striesow u.a. seit 11. April 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Eigentlich ist Alfons Zitterbacke ein ganz normaler Junge. Er wirkt etwas chaotisch, stolpert von einem Missgeschick ins nächste und die Aufschneider in seiner Klasse hänseln ihn nur zu gerne.

„Zitterbacke, Hühnerkacke“ rufen sie ihm hinterher. Unterkriegen lässt er sich davon nicht. Sein grosser Traum ist es, Astronaut zu werden. So träumt er sich auf die ISS-Station, wo ihm sogar Alexander Gerst begegnet und ihn ermutigt, an seinem großen Traum festzuhalten. Alle halten ihn für einen Spinner. Nur sein Freund Benni hält zu ihm. Beide Jungen wollen an einem von der Schule ausgeschriebenen Fluggeräte – Wettbewerb teilnehmen. Für Alfons eine große Chance, endlich zu beweisen, was in ihm steckt.

Als sein Lehrer ihm seine Arbeit mit der Note 5- mit den Worten: „Ich möchte , dass deine Eltern diese erbärmliche Note auf sich einwirken lassen“ zurück gibt, ist neuer Ärger vorprogrammiert. Alfons versucht die Unterschrift seines strengen Vaters nachzumachen. Er fliegt von der Schule und am Wettbewerb darf er auch nicht teilnehmen. Wütend wirft er seine gehorteten Weltraumdinge in den Müll und beschließt, ein ganz normaler Junge zu werden. „Ich kann machen, was ich will. Meine Eltern sind nie stolz auf mich. Das werde ich jetzt ändern“. Sein Vater (Devid Striesow), der aus seinem Sohn einen richtigen Mann machen will, zwingt ihn im Freibad, vor den Augen seiner hämischen Klassenkameraden, vom Fünfmeterbrett zu springen, macht dabei aber selbst eine höchst erbärmliche Figur.

Trotz allem Ärger und dem Beistand seines Freundes Benni und seiner neuen Freundin Emilia, nehmen die Jungen nun doch an dem Wettbewerb teil und basteln mit viel Fantasie eine Super-Rakete.

„Alfons Zitterbacke“ war bereits in den 50er Jahren eine Kinderbuch – und Identifikationsfigur für viele Generationen der ehemaligen DDR.

Nun hat sich Mark Schlichter „Zitterbacke“ noch mal vorgenommen und dem Klassiker ein modernes Gewand gegeben. Der Charakter des Jungen blieb unverändert.

Tilman Döbler glänzt in der Rolle des Pechvogels Alfons, der ständig ein heilloses Chaos anrichtet, weil er immer alles besonders gut machen will und dabei übertreibt. Fast immer wird er erwischt und ausgeschimpft, auch wenn er meistens unschuldig ist. Ein Junge, der nach jeder Niederlage kurze Zeit später wieder ermutigt aufsteht, um seinen nächsten fantasievollen Plan zu verwirklichen. Er möchte, so wie alle Kinder es sich wünschen, dass die Eltern stolz auf sie sind und das sie von allen gemocht werden.

Da Alfons aber nun mal ganz besondere Träume hat und über eine ganz besondere Fantasie verfügt, macht es für ihn nicht leicht. Am Ende hat er eins gelernt: „Wer mit Freunden durchs Leben geht, kann kein Pech mehr haben“. Meine besondere Sympathie gilt dem rotgelockten Leopold Ferdinand Schill, der in der Rolle des einfühlsamen Bennis einen ganz besonderen Charme versprüht. Bis auf Devid Striesow, sind fast alle Erwachsenen überzeichnet. Katharina Thalbach darf mal wieder chargieren was das Zeug hält, Alexandra Maria Lara und Wolfgang Stumph versuchen sich in Comedy und geben ihren Dialogen eine alberne Färbung, wo man sich fragen muss: „Warum“? Olaf Schubert hingegen, von dem man es noch eher erwartet, bleibt in seiner kleinen Rolle angenehm normal.

„Alfons Zitterbacke“ ist ein warmherziger und bewegender Film für die ganze Familie.

Ulrike Schirm

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"NIEMANDSLAND – THE AFTERMATH" Romanzen-Drama von James Kent (Großbritannien). Mit Alexander Skarsgård, Keira Knightley, Jason Clarke u.a. seit 11. April 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Deutschland 1946. Die Britin Rachel Morgan (Keira Knightley) kommt mit dem Zug ins zerbombte Hamburg. Der Frau eines englischen Colonels bietet sich ein Bild der Zerstörung und des Schreckens. Es ist das Ende des zweiten Weltkriegs, ein Jahr nach der Kapitulation. Hungernde Kinder betteln die Besatzer an. Menschen irren umher, auf der Suche nach irgendetwas Brauchbarem.

Die zerbombte Stadt ist die historische Kulisse für das Melodrama „Niemandsland – The Aftermath“, ein Titel, der den Zustand äußerst treffend beschreibt, bleibt aber nur Nebenschauplatz des Nachkriegsdramas.

Rachels Leben spielt sich seit ihrer Ankunft überwiegend in der von der britischen Regierung beschlagnahmten Villa des deutschen Eigentümers Stefan Lubert (Alexander Skarsgard) ab. Von ihrem Mann Lewis (Jason Clark), der als Besatzungsoffizier den Wiederaufbau und die Entnazifizierung überwacht, sieht sie nicht viel. Dass er es dem Deutschen und seiner Tochter gestattet hat, weiterhin im Haus zu wohnen, missfällt Rachel sehr. Vater und Tochter wohnen nun auf dem Dachboden, während Rachel und Lewis die komfortablen unteren Räume bewohnen. Rachel drängt auf strenge Abgrenzung.

Rachel hasst die Deutschen geradezu. Den Grund dafür, erfährt man später. Doch das man sich über den Weg läuft, bleibt nicht aus. Langsam wird klar, dass sich das Nachkriegsdrama zu einer Lovestory entwickelt. Die Ehe der der beiden Briten ist angeschlagen. In Rückblenden erfährt man, dass ihr kleiner Sohn bei einem Luftangriff der Deutschen in England ums Leben kam. Seit dem hat sich Lewis in seine Gefühlswelt zurückgezogen. Auch Stefan hat seine Frau, allerdings durch alliierte Bombenangriffe, verloren. Eine Tragödie, die den vereinsamten Mann mit der vereinsamten Britin verbindet. Wenn Rachel sich ans Klavier setzt und Debussys „Clair de la Lune“ spielt, das Lieblingsstück Stefans verstorbener Frau, entwickeln sich zwischen ihnen immer stärkere Gefühle. Zwei bildschöne Menschen versinken in den Rausch gegenseitiger Leidenschaft.

Der deutsche Kameramann Franz Lustig untermalt das Geschehen mit opulenten Bildern und die Ausstattung ist ein Genuss. Besonders die wechselnde Garderobe von Keira Knightley ist traumhaft. Was diesem Gefühlsdrama fehlt, sind wirkliche Spannungsmomente und der ehrliche Funken einer gefühlten Leidenschaft.

Auch die Nebenhandlung, in der Luberts rebellische Tochter Frieda (Flora Li Thiemann) einem jungen, nazitreuen Kämpfer (Jannik Schürmann) im Untergrund zugetan ist, fehlt es an dem nötigen Spannungsbogen. Trotz einzelner Schwächen, schildert der Film ein packendes Beziehungsdrama.

Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von dem walisischen Autor Rhidian Brook.

Ulrike Schirm

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