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Unsere Filmkritiken im März 2019, Teil 2

Heute zwei weitere Filmkritiken zu neuen Filmstarts vom 7. März 2019.

Das wechselhafte Wetter macht uns derzeit etwas zu schaffen. Für die Filmtheaterbesitzer ist dagegen nasskaltes Wetter gut fürs Geschäft, während wir unsere Erkältung nicht los werden. Wir müssen uns deshalb entschuldigen, dass wir den gestrigen Artikel zur Diagonale in Graz nicht sofort zu Ende gebracht haben, sondern erst im Laufe des Tages Ergänzungen und kleine textliche Korrekturen vornahmen.

Auch unser Artikel zum Weltfrauentag, dem neuen Berliner Feiertag, der erstmals am 8. März 2019 stattfand, war krankheitsbedingt mit ein paar Ungereimtheiten im Text versehen, die wir aber ebenfalls korrigiert haben. Auch dafür entschuldigen wir uns und hoffen, dass es uns bald wieder besser geht, damit keine Fehler mehr vorkommen.

Bevor wir zu zwei weiteren Filmkritiken von den elf Neustarts kommen, die alle am 7. März 2019 ins Kino kamen, möchten wir auf Filmvorführungen in der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz aufmerksam machen.

Filmvorführungen in der Schaubühne mit dem verstobenen Theaterschauspieler Bruno Ganz.

Am 16. Februar 2019 war der großartige Schauspieler Bruno Ganz, der von 1970 bis 1996 zum festen Ensemble der Schaubühne gehörte, im Alter von 77 Jahren an Krebs verstorben. Obwohl die Schaubühne kein Kino, sondern ein Theater ist, wurde der Bau aber vom Architekten Erich Mendelsohn im Jahre 1928 als damals größtes Kino Berlins eröffnet und später - Ende der 50er bis Mitte der 60er Jahre - sogar als erstes CINERAMA Breitwand Filmtheater Deutschlands mit riesiger gekrümmter Leinwand betrieben. Bevor es 70mm Filmprojektoren mit anamorphotischen Linsen für das vereinfachte Todd-AO-Verfahren gab, warfen drei synchron laufende Bildwerfer den CINERAMA-Film überkreuz auf die tiefgewölbte Leinwand mit 128 Grad. Erst von 1978 bis 1981 wurde der denkmalgeschützte Bau für die Schaubühne zum multifunktionalen Theatergebäude umgebaut.

Zahlreiche Theaterinszenierungen nutzen heutzutage als Hintergrundkulisse gerne Videoscreens. Sogar die Oper. Zum Anderen wurden viele Aufführungen der Schaubühne als Video festgehalten. Darunter sind Höhepunkte der jüngeren Theatergeschichte, in denen Bruno Ganz mitgespielt hatte.

Im kleineren, nebenan liegenden Schaubühnen Studio am Lehniner Platz laufen am 24. März 2019 um 15:00 Uhr "Die Backchen" in der Regie von Klaus-Michael Grüber als Videovorführung auf großer Leinwand. Am 31. März 2019 gibt es wegen der großen Nachfrage um 14:00 Uhr "Prinz Friedrich von Homburg" in der Inszenierung von Peter Stein auf der Leinwand zu sehen. Am 19. April 2019 folgt um 15:00 Uhr "Peer Gynt" und am 22. April 2019 um 14:00 Uhr "Der Park", beide ebenfalls in der Regie von Peter Stein.

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"THE SISTERS BROTHERS" Western-Drama von Jacques Audiard (Frankreich, Spanien, Rumänien, USA, Belgien). Mit John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal u.a. seit 7. März 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Falls Jemand denkt, hinter dem Filmtitel verbirgt sich ein hintergründiges Wortspiel, den muss ich enttäuschen.

Die beiden ungleichen Brüder Eli (John C. Reilly) und Charlie (Joaquin Phoenix), die als Kopfgeldjäger unterwegs sind, heißen ganz schlicht und einfach Sisters mit Nachnamen.

Oregon, 1851. Im Auftrag des geheimnisvollen Commodore (Rutger Hauer) ziehen sie durch den Nordwesten Amerikas bis nach Kalifornien, ein Land, das damals dem Goldrausch verfallen war. Wer sich ihnen in den Weg stellt, muss dran glauben. Und wenn es einen Unschuldigen trifft, dann ist es auch egal. Charlie liebt die Gewalt, besonders wenn er wie so oft, betrunken ist, während Eli aufhören möchte und sich nach einem bürgerlichen Leben sehnt. „Wir haben genug Geld, um einen Laden aufzumachen“. Damit stößt er bei Charlie auf Granit. Jeder von ihnen trägt eine Portion emotionalen Ballast mit sich herum. Eli, der sich um seinen jüngeren Bruder sorgt und Charlie, der an einem Schuldkomplex für eine Tat leidet, die er in frühen Jahren begangen hat.

Diesmal sollen sie nicht irgendwelche unliebsamen Geschäftsleute aus dem Weg räumen, sondern sich an die Fersen des Detektivs Jim Morris (Jake Gyllenhaal) heften, den der Commodore beauftragt hat, einen gewissen Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed) ausfindig zu machen, der eine Formel erfunden haben soll, die das Schürfen von Gold erleichtert. Eli und Charlie sollen die Formel , egal mit welchen Mitteln, aus ihm herauspressen. Die Gier nach Gold ist überall spürbar.

Das Morris und Warm dicke Freunde werden und verschwinden, damit hat Niemand gerechnet. Die Gebrüder Sisters nehmen die Verfolgung auf und geraten in mehr oder weniger blutige Auseinandersetzungen.

Der französische Regisseur Jacques Audiard hat einen Western der besonderen Art gedreht. Angereichert mit den üblichen Versatzstücken wie schiesswütige Gewalt, Sauforgien und Bordellbesuche, findet man erstaunlich viel warmherzige Elemente und humorvolle Dialoge. Das absolute Herzstück des Films, ist die Beziehung der beiden Brüder, gefolgt von der Gier nach Reichtum und was das mit den Menschen macht. Audiard beschert dem Zuschauer ein Filmende, was man garantiert nicht erahnen kann.

Audiard wurde beim Festival in Venedig 2018 mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie belohnt. Eine Goldene Palme für seinen Film „Dämonen und Wunder“ hat er bereits.

Ulrike Schirm

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"WHITE BOY RICK" Drogen-Krimi-Drama von Yann Demange (USA). Mit Matthew McConaughey, Richie Merritt, Bel Powley u.a. seit 7. März 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Mit WHITE BOY RICK verfilmte Regisseur Yann Demange die unglaublich wahre Geschichte des 14-jährigen Rick Wershe Jr. (Richie Merritt) aus Detroit in den 1980ern, einstmals Hochburg der Autoindustrie, verkommen zu einem Ort der Drogen und Waffenkriminalität. Sein Vater betreibt einen zwielichtigen Handel mit Schnellfeuerwaffen, die er an schwarze Gangs vertickert.

Sein grosser Traum ist es, eine Videothek aufzumachen. Aber Niemand glaubt so recht an diesen Wunsch. Seine den Drogen verfallene Tochter hasst ihren Vater, der sich alleinerziehend bemüht, seinen Kindern ein guter Vater und Freund zu sein. Auch Rick weiss nicht so recht, was er machen soll und geht seinem Vater bei dem Waffenverkauf zur Hand, da auch er guten Kontakt zu dem kriminellen Milieu der berüchtigten Gangs hat.

Besonders genießt er das Vertrauen der Curry Familie, die den Drogenhandel fest im Griff hat und die ihm den Spitznamen „White Boy Rick“ gegeben hat. Ihr Einfluss reicht bis in die höchsten Kreise der Stadt. Rick gerät ins Visier des FBI, welches ihn als Informanten einstellt, um in dessen Auftrag, verdeckt zu ermitteln. Die FBI Beamtin, gespielt von Jennifer Jason Leigh, lockt ihn mit dem Versprechen, dass er mit seiner Spitzeltätigkeit, seinen Vater vor dem Knast bewahren kann. Als der Deal den Beamten vom FBI zu heiß wird, denn Rick mausert sich zum jüngsten Drogenboss der Stadt, lassen sie ihn fallen. Der Junge ist 17 Jahre alt, als ein US-Gericht ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

McConaughey berührt in der Rolle des raubeinigen Vaters, der sich große Mühe gibt, seinen Kindern ein guter Vater zu sein, was in einer Welt von Armut und Gewalt schwer umzusetzen ist. Ergreifend die Szene, in der er seiner Tochter bei ihrem qualvollen Drogenentzug zur Seite steht.

Eine packende Milieustudie, gleichzeitig Drama und Thriller, mit dem Blick auf die unglaublich hinterhältigen Machenschaften der amerikanischen Justiz.

Ulrike Schirm

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