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Die vermeintlich besten Filme des Jahres 2018

Die sogenannte "Best of Liste" unserer Lieblingsfilme des Jahres 2018 enthält allerdings manch Ungereimtheit.

Fürs Kino werden Filme gemacht, hieß es bisher. Doch mit dem Erfolg von »Netflix« und »Amazon Prime Video« stimmen die Regeln nicht mehr. Manch einer geht gar nicht, oder zumindest kaum noch ins Kino und sieht dennoch spannende, oftmals sogar ganz aktuelle Filme zu Hause über die Streamingdienste an.

Sogar das lineare Fernsehen, das bei jungen Leuten zunehmend verpönt ist, produziert hervorragende Filme und immer mehr Serien, die neuerdings über die Mediatheken teilweise vorab gesehen werden können. Manch TV-Film kommt sogar erst nach der TV-Ausstrahlung für kurze Zeit ins Kino. So etwas gab es früher nicht.

Auch auf das Kinozeitfenster, das die Auswertung (zumindest von staatlich geförderten Filmen) im Fernsehen erst nach einer gewissen Zeit erlaubt, ist kein Verlass mehr. Sogenannte Day-and-Date-Starts, die den Raubkopieren das Handwerk schwer machen sollen, erlebt man immer häufiger nicht nur in den USA. Der gleichzeitige Start von Blockbustern im Kino aller Länder und zeitgleich möglichst auch auf allen Plattformen - einschließlich DVD, Blu-ray, VoD und Kabelfernsehen (oder über Satellitenempfang) - soll besonders lukrativ für die Filmstudios sein, weil nur noch einmal die Werbetrommel für die Filme gestartet werden muss.

Dass die Filme danach schnell wieder in der Versenkung verschwinden, weil auch ein Überangebot herrscht und das nächste Sequel bereits darauf wartet, noch im selben Jahr anlaufen zu können, macht die Sache mit den Lieblingsfilmen des Jahres nicht einfacher.

Ein weiteres Beispiel für die schwierige Bewertung von Filmen des vergangenen Jahres ist der wunderbare Film "Call me by Your Name" von Luca Guadagnino, den wir bereits vor zwei Jahren auf der Berlinale, den Internationalen Filmfestspielen von Berlin gesehen hatten, der aber erst im letzten Jahr offiziell in die deutschen Kinos kam. Seine Uraufführung hatte der Film sogar noch früher in den USA beim Sundance Film Festival. Aber nicht nur in Berlin war das Werk schon im Jahre 2017 vorab gezeigt worden. Auch weitere Filmfestivals in anderen Bundesländern wollten den Film noch vor dem offiziellem Kinostart dem Publikum präsentieren.

Noch schwieriger ist die Bewertung von "Roma", der Netflix Produktion aus Mexiko von Alfonso Cuarón, die wegen eines äußerst strikten Kinozeitfensters in Frankreich gar nicht ins Kino kommt, aber in den USA auf der Oscarliste des Jahres 2019 steht. In Berlin durfte der Film nur in drei Kinos an drei Tagen - kurz vor dem Streaming-Start ausschließlich als besonderes Kino-Event gezeigt werden. Dennoch ist der Film für viele Filmkritiker, Festivalbeobachter und Kinogänger einer der besten Kinofilme des Jahres 2018, der seine volle Wirkung erst auf der großen Leinwand entfacht. Immerhin lief er auf der Mostra, den Internationalen Film Festival von Venedig und gewann dort den goldenen Löwen als bester Film, während die Internationalen Film Festspiel von Cannes zukünftig Netflix Produktionen, die nicht für längere Zeit regulär ins Kino kommen, vom Wettbewerb ausschließen wollen.

Als Berliner Filmverband haben wir in der Hauptstadt natürlich mehr Gelegenheiten außergewöhnliche Filme jenseits des Mainstreams zu sehen, als Kinogänger auf dem Lande oder in kleineren Städten. Auf einem der vielen, fast 80 Filmfestivals, die neben den Internationalen Filmfestspielen Berlin, der Berlinale, jährlich bei uns oder im näheren Umland laufen, bekommt man glücklicherweise besondere Werke auch aus osteuropäischen Ländern zu Gesicht, die oftmals mit höchsten Preisen beehrt wurden, aber dennoch nicht regulär ins Kino kommen, weil die Leinwände mit mittelmäßigem Zeug verstopft werden.

Dennoch schauen auch wir manchmal neidisch nach Bayern zum Filmfest München, wo oft Werke gezeigt werden, die nicht einmal die Kinos in der Hauptstadt Berlin erreichen.

In der nachfolgenden Liste unserer "Best of" haben wir alle diese oben genannten Bedenken beiseite gewischt und sind nur nach Gefühl und Erinnerung gegangen, von dem, was wir gesehen haben. Dass wir uns dabei manchmal auch verrannt haben und den einen oder anderen Trailer zur Erinnerung noch einmal aufrufen mussten, soll das Ergebnis nicht schmälern. Es ist ein Hinweis auf beeindruckende Werke, die man sich vielleicht später noch einmal ansehen möchte und soll kein Qualitätssiegel darstellen oder eine feste Rangfolge vorgeben, sondern nur den persönlichen Eindruck zum Zeitpunkt des Betrachten des Filmes auf der großen Leinwand wiedergeben, ohne Rücksicht auf den offiziellen Kinostart in Deutschland.

Filme die uns 2018 besonders in Erinnerung blieben:

1. „Call Me By Your Name“ (Luca Guadagnino, Frankreich/Italien/USA/Brasilien 2017)

2. „Roma“ (Alfonso Cuarón, Mexiko/USA 2018)

3. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (Martin McDonagh, Großbritannien/USA 2017)

4. „Cold War - Der Breitengrad der Liebe“ (Pawel Pawlikowski, Polen/Großbritannien/Frankreich 2018)

5. „Capernaum - Stadt der Hoffnung“ (Nadine Labaki, Libanon 2018)

6. „Leto“ (Kirill Serebrennikov, Russland/Frankreich 2017)

7. „An Elephant Sitting Still“ (Hu Bo, China 2017)

8. „Loveless“ (Andrey Zvyagintsev, Russland/Frankreich/Belgien/Deutschland 2017)

9. „Shoplifters - Familienbande“ (Hirokazu Kore-eda, Japan 2018)

10. „The Florida Project“ (Sean Baker, USA 2017)

11. „Bad Times At The El Royale“ (Drew Goddard, USA 2018)

12. „Climax“ (Gaspar Noé, Frankreich 2018)

13. „Der Hauptmann“ (Robert Schwentke, Deutschland 2017)

14. „The House That Jack Built“ (Lars von Trier, Dänemark 2018)

15. „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ (Guillermo del Toro, USA 2017)

16. „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ (Philip Gröning, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2018)

17. „In den Gängen“ (Thomas Stuber, Deutschland 2018)

18. „The Favourite - Intrigen und Irrsinn“ (Yórgos Lánthimos, USA/Großbritannien/Irland 2018)

19. „The Tale - Die Erinnerung“ (Jennifer Fox, USA 2018)

20. „I am not a Witch“ (Rungano Nyoni, Großbritannien/Frankreich/Sambia 2018)

21. „Love, Simon“ (Greg Berlanti, USA 2017)

22. „BlacKkKlansman“ (Spike Lee, USA 2017)

23. „A Beautiful Day“ (Lynne Ramsey, Großbritannien/Frankreich/USA 2017)

24. „Loro - Die Verführten“ (Von Paolo Sorrentino, Italien/Frankreich 2018)

25. „Lucky“ (John Carroll Lynch, USA 2017)

26. „Ava“ (Léa Mysius, Frankreich 2017)

27. „Nach dem Urteil“ (Xavier Legrand, Frankreich 2017)

28. „Thelma“ (Joachim Trier, Norwegen/Frankreich/Dänemark/Schweden 2017)

29. „Wind River“ (Taylor Sheridan, USA 2017)

30. „Sunset“ (László Nemes, Ungarn/Frankreich 2018)

31. „A Star Is Born“ (Bradley Cooper, USA 2018)

32. „The Guilty“ (Gustav Möller, Dänemark 2018)

33. „Pio - A Ciambra“ (Jonas Carpignano, Italien/USA/Frankreich/Schweden/Deutschland/Brasilien 2017)

34. „Woman at War - Gegen den Strom“ (Benedikt Erlingsson, Island/Frankreich7Ukraine 2018)

35. „Happy as Lazarro - Glücklich wie Lazarro“ (Alice Rohrwacher, Italien/Frankreich/Schweiz/Deutschland 2018)

36. „Styx“ (Wolfgang Fischer, Deutschland/Österreich 2018)

37. „Die Sanfte“ (Sergei Loznitsa, Russland 2017)

38. „Beautiful Boy“ (Felix Van Groeningen, USA 2018)

39. „Lady Bird“ (Greta Gerwig, USA 2017)

40. „Aufbruch zum Mond“ (Damien Chazelle, USA 2018)

41. „Ryuichi Sakamoto: Coda“ (Stephen Nomura Schible, Japan/USA 2017)

42. „Green Book - Eine besondere Freundschaft“ (Peter Farrelly, USA 2018)

43. „Arthur & Claire“ (Miguel Alexandre, Deutschland/Österreich/Niederlande 2017)

44. „Sorry Angel“ (Christophe Honoré, Frankreich 2017)

45. „Rafiki“ (Wanuri Kahiu, Südafrika/Kenia/Frankreich 2018)

46. „I, Tonya“ (Craig Gillespie, USA 2017)

47. „Werk ohne Autor“ (Florian Henckel von Donnersmarck, Deutschland 2018)

48. „Bohemian Rhapsody“ (Bryan Singer, USA 2018)

49. „The Woman Who Left“ (Lav Diaz, Philippinen 2016)

50. „Mellow Mud“ (Renards Vimba, Lettland 2016)

51. „Die Dunkelste Stunde“ (Joe Wright, Großbritannien 2017)

Mindestens sechs der oben genannten Filme kommen tatsächlich erst im Januar oder noch später in unsere Kinos, auch wenn wir sie schon vorab sehen konnten. Es sind dies „Beautiful Boy“ mit Timothée Chalamet, dem Hauptdarsteller aus „Call Me By Your Name“, der in diesem von Amazon Studios produzierten Film das Vertrauen seiner Film-Eltern enttäuscht und drogenabhängig geworden ist. Start ist der 24. Januar 2019. Danach läuft der Film leider nur im Stream auf Amazon Prime Video. Hier der Trailer:

Ebenfalls am 24. Januar 2019 erscheint „The Favourite - Intrigen und Irrsinn“ ein Historien-Drama über die kränkliche englische Königin Anne im 18. Jahrhundert, welche die Geschicke das Landes in die Hände ihrer Vertrauten Lady Sarah gibt. Doch es bahnt sich Ungemach an... Ganz großes Kino! Hier der Trailer:

Großer Oscar-Anwärter ist „Green Book - Eine besondere Freundschaft“, der am 31. Januar 2019 startet und im Jahre 1961 spielt, als in den USA noch Rassentrennung herrschte: Hier der Trailer:

„Rafiki“ konnten wir schon im Sommer auf einem Festival im Brandenburger Umland von Berlin sehen. Der kenianische Film, der auf der Kurzgeschichte „Jambula Tree“ der aus Uganda stammenden Autorin Monica Arac de Nyeko basiert, thematisiert die lesbische Liebe zweier junger afrikanischer Frauen, die in dem afrikanischen Land verboten ist. Starttermin ist ebenfalls der 31. Januar 2019. Hier der Trailer:

Auch der ungarische Oscar-Beitrag „Sunset" von László Nemes soll erst demnächst starten. Einen Termin gibt es noch nicht. Das Historien-Drama, das im Jahre 1913 spielt, zur Zeit der Kämpfe des ersten Balkan-Krieges, handelt von einem jungen Mädchen, das in einem Waisenhaus auf dem Lande aufgewachsen ist und sich aufmacht, um in ihrer Geburtsstadt Budapest in die Schneider- und Hutmacher-Lehre zu gehen. Dort erfährt sie, dass sie einen Bruder hat, von dem sie vorher nichts wusste... Die bewegte Kamera folgt ihr nun in Kriegszeiten auf der Suche nach ihren Verwandten. Hier der Trailer:

Bereits am 17. Januar 2019 startet das Sozialdrama „Capernaum - Stadt der Hoffnung“ aus dem Libanon in unseren Kinos. Das Werk über einen 12-Jährigen, der seine Eltern verklagt, weil sie ihn in eine Welt voller Armut gesetzt haben, gehört zu unseren absoluten Lieblingsfilmen, die tief beeindrucken. Hier der Trailer:

„The Tale“ über die Erinnerung einer erwachsenen Frau an ihren Missbrauch in der Jugendzeit und „I am not a Witch“ über ein 8-jährige schwarzes Mädchen aus Sambia, das der Hexerei bezichtigt wird, haben bisher keinen deutschen Verleih. Wir konnten die beiden wichtigen Filme jedoch im letzten Jahr auf Berliner Independent Filmfestivals sehen.

W.F.

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