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Nachspiel des ZEBRA POETRY Film Festivals in Berlin

Präsentation der Wettbewerbsfilme des ZEBRA POETRA Film Festivals MÜNSTER | BERLIN in der Kulturbrauerei Berlin.

Vom 6.-8. Dezember 2018 kehrt das beliebte ZEBRA POETRY Film Festival nach Berlin zurück. Das von der Literaturwerkstatt Berlin, heute Haus für Poesie, aus der Taufe gehobene Festival für Poesie-Filme fand erstmals 2002 in Berlin statt. Seit 2016 wird der Wettbewerb jedoch alle zwei Jahre in der Stadt Münster ausgetragen.

Um den Berlinern aber die Wettbewerbsfilme und den Gewinnerfilm zeigen zu können, veranstaltet das Haus für Poesie im schönen, großen CineStar Popcorn-Kino in der Kulturbrauerei eine umfängliches Nachspielfestival des Internationalen Wettbewerbs.

Gewonnen hatte übrigens:

"Boy Saint" (IRL 2018)

Regie: Tom Speers

Gedicht: „Boy Saint“ von Peter LaBerge

Hier der Trailer:

Jurybegründung:

„Junge Männer starben und sterben, mit Körpern wie diesem, nur ihre Geisterstimmen spuken noch immer herum auf Sprachnachrichten, die ihre Mütter abspielen, um Trost zu finden.“ Der tragisch-schöne Tonfall des Gedichts des US-amerikanischen Autors Peter LaBerge gibt die Stimmung des Films vor, mit der sich Regisseur Tom Speers den Themen „Querness“, „Infektion“ und „Körperlichkeit“, der komplexen Beziehung aus Religion, Begehren und Verbot nähert.

Strategien der Sakralisierung in Sprache, Musik und Bild suggerieren einen Komplex aus Schuld und Unterdrückung, der ambivalente Gefühle auslöst, ohne irgendjemanden oberflächlich anzugreifen. Die autoritative Stimme bleibt Element einer andauernden Irritation und nachdenklich stimmenden Verstörung.

Als der Junge in Michael Ondaatjes Roman The Cat’s Table auf dem Schiff nach England zufällig sieht, wie die Bluse eines Mädchens aufgleitet, zerspringt für ihn die Welt und kann kein Ganzes mehr werden. Von nun an ist sie in zwei Geschlechter aufgeteilt. Der irische Regisseur Tom Speers und der amerikanische Dichter Peter LaBerge lassen diese Bewusstwerdung innerhalb des eigenen Geschlechts stattfinden. Boy Saint ist ein eindrucksvoller Film, in dem Jungen sowohl ihre schöne als auch ihre hässliche Seite zeigen und entdecken.

In Boy Saint schreibt der Dichter unverblümt, und Regisseur und Kameramann gehen ihr Thema direkt an: den Moment, in dem man sich vom Anderen löst und zu einem Einzelnen wird. Gezeigt wird dies anhand einer Gruppe von Jungen, die sich balgen, miteinander kämpfen, umherstreifen, Unfug treiben, Feuer machen. Wenn wir von Nahem sehen, dass der Andere anders ist als wir, werden wir uns unser selbst bewusst. In diesem Augenblick wird, um es in biblischen Worten auszudrücken, ein Keil zwischen uns getrieben.

Beim diesjährigen ZEBRA Poetry Film Festival Münster | Berlin konkurrierten Ende September in Münster 66 internationale Filme in den Wettbewerben um die Gunst der Jurys und des Publikums. Nun werden die Filme aus dem Internationalen, dem Deutschsprachigen sowie dem ZEBRINO – Wettbewerb für Kinder und Jugendliche auch in Berlin gezeigt. Darüber hinaus zeigt das Festival eine Auswahl an Poesiefilmen der neuesten Generation von der Hochschule Düsseldorf - HSD und der Kunsthochschule für Medien Köln. Ein Kolloquium zum Stand des Poesiefilms in Deutschland am Beispiel Nordrhein-Westfalen ergänzt das Programm. Mit einem Stummfilmprogramm wird auf die Pioniere des Poesiefilms, wie z.B. Man Ray, geblickt.

Der „Preis für den besten Film für Toleranz“ ging an:

"Hate for Sale" (NL 2017)

Regie: Anna Eijsbouts

Gedicht: "Hate for Sale“ von Neil Gaiman

Hier der komplette Clip:

Jurybegründung:

In Hate for Sale erwacht Pierro erneut zum Leben, um uns von seinem Ice-Cream-Wagen aus Hasskugeln zu verkaufen: „Allerliebster Hass. Ist dein Leben hart. / Kauf meinen Hass. Du bekommst deinen Rachen nicht voll. / Verkaufe Hass. Genug davon da, einen Krieg anzuzetteln.“ – Gedicht und Film zielen mit leichter Ironie auf ein großes Thema: den Hass, der sich gegenwärtig in der Welt vermehrt.

Im Film werden die Menschen mit diabolischer Ironie dazu verleitet, den einfachen Weg zu nehmen und den Hass zu wählen. Indem der Film durch Voice-over und Animation an frühere filmische und literarische Thematisierungen des Bösen anspielt, erinnert er uns daran, dass der Hass nicht zum ersten Mal Thema ist; und daran, dass wir uns der Herausforderung einer diversifizierten Gesellschaft stellen müssen und dass Meinungen leicht manipulierbar sind. In seiner leichten und raffinierten Art sagt uns der Film, dass wir aufmerksam bleiben sollen, wer uns etwas verkauft und warum.

Darüber hinaus gibt es bei der Ausgabe in Berlin einen eigenständigen Schwerpunkt Russland sowie einen Fokus Berlin.

Anlässlich des Länderschwerpunkts Russland beginnt das Festival am Donnerstag, 6. Dezember 2018, mit einem musikalischen Russland-Berlin-Mix: Das Weltmusik-Ensemble KARAGOD vereint Beatbox mit Tradition und Gegenwart der slawischen Musik.

Beim Fokus Russland werden zudem nicht nur russische Filme gezeigt. Auch DichterInnen aus Russland stellen in Lesungen ihre neuesten Werke vor. An drei Tagen präsentiert das Haus für Poesie im Kino in der KulturBrauerei das Beste, was der Poesiefilm zu bieten hat.

Haus für Poesie

Literaturbrücke Berlin e. V.

Trägerverein der Projekte poesiefestival berlin, lyrikline, ZEBRA Poetry Film Festival

Knaackstr. 97 c/o Kulturbrauerei

10435 Berlin

Link: www.haus-fuer-poesie.org

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