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European Film Market wieder im Martin-Gropius-Bau

Ed Atkins Ausstellung endet am 7. Januar 2018.

Nur noch bis zum 7. Januar 2018 ist die Ed Atkins Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Das unweit vom Potsdamer Platz gelegene zentrale Ausstellungsgebäude der Berliner Festspiele wird zwar nicht komplett geschlossen, aber große Teile des Gebäudes müssen wieder für neue geplante Ausstellungen und vor allem für den European Film Market der kommende Berlinale freigeräumt werden.

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin gelten nämlich neben denen von Cannes und Venedig zu den wichtigsten Filmfestivals und als eines der weltweit bedeutendsten Ereignisse der Filmbranche. Die Berliner Festspiele GmbH als Veranstalter der Berlinale haben zwar mit der ehemaligen West-Berliner Volksbühne ein eigenes Haus für Veranstaltungen in der Schaperstraße, nicht aber genügend weitere Räumlichkeiten, um den European Film Market, die sogenannte Filmmesse der Berlinale, in der Nähe des Berlinale Palastes, dem zentralen Ort für die Filmvorführungen der 68. Internationalen Filmfestspiele, unterzubringen.

Derzeit läuft zwar eine Diskussion und Machbarkeitsstudie für ein eigenes Filmhaus, das auf dem Parkplatz vor dem Martin-Gropius-Bau möglicherweise errichtet werden könnte, um die angemieteten Räume rund um den Potsdamer Platz ersetzen zu können. Für all diese Räume, darunter auch für die Deutsche Film und Fernsehakademie (dffb) im Sony Center laufen die Mitverträge bald aus. Allerdings ist unklar, ob in dem neuen Filmhaus alle Institutionen genügend Platz finden können. Zudem ist nach dem Desaster mit dem BER-Flughafen kaum anzunehmen, dass der Bau eines neuen Gebäudes in Berlin rechtzeitig fertig werden könnte.

Sogar die Ausschreibung für eine neue Kunsthalle am Kulturforum, dem neuen Museum der Moderne in Sichtweite der Nationalgalerie, dessen Wettbewerb das Architekturbüro Herzog und De Meuron gewonnen hatte, ist schon wieder in Kritik geraten, weil der geplante Neubau nicht genügend Abstand zur ziegelsteinernen Matthäi-Kirche Friedrich August Stülers einhält. Außerdem begeisterte der an große Ziegel-Scheunen in Norditalien erinnernde Bau bisher nur wenige Berliner, wie auf einer Diskussionsveranstaltung im Vortragssaal des Kunstgewerbemuseums, zu der Kulturstaatsministerin Monika Grütters seinerzeit eingeladen hatte, deutlich wurde.

Ed Atkins mit „Old Food“ im Martin-Gropius-Bau.

Die Ausstellung des britischen Künstlers Ed Atkins, der mit „Old Food“ für den Martin-Gropius-Bau seine bisher umfangreichste Installation entwickelte, hatten wir bisher in unseren Besprechungen noch nicht gewürdigt, obwohl die computergenerierten Videoarbeiten dem Zeitgeist entsprechen und sehenswert sind. Hier ein Trailer:

Ed Atkins ist einer der markantesten Vertreter einer jungen Künstlergeneration, die sich mit der Allgegenwärtigkeit digitaler Medien auseinandersetzt. In seinen computergenerierten Filmen schafft er Welten von forcierter Künstlichkeit, deren ramponierte und einsame Protagonisten er hypergenau und in entwaffnender Nähe inszeniert. Atkins’ Animationen zeigen das Zeigen der digitalen Medien selbst und streben gleichzeitig einen verstörenden Grad von Realismus an. Sie geben eine unbehagliche Version des Wohlvertrauten wieder und gehen unmittelbar unter die Haut – ähnlich wie bereits die Vorstellung von „altem Essen“ eine körperliche Reaktion hervorruft.

Die Serie seiner Videoarbeiten auf Monitorwänden und Flat-Screens stehen als Objet Trouvé, also als Alltagsgegenstände einer umfangreiche Präsentation von Kostümen aus dem Fundus der Deutschen Oper Berlin gegenüber. Nachdem zu Weihnachten 2017 die Sprinkleranlage in der Deutschen Oper Berlin in der Bismarckstraße die Bühne überflutet hatte, und somit sämtliche Vorstellungen zum Jahreswechsel ausfallen lies, ist dies für uns ein gegebener Anlass, an die zu Ende gehende Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zu erinnern.

Immerhin bilden die handgefertigten Bühnenkleider in ihrer Haptik und Objekthaftigkeit eine Gegenerzählung zur hochauflösenden Digitalität der Videoarbeiten von Ed Atkins, mit denen sie gleichzeitig die Lust an der Produktion alternativer, künstlerischer Wirklichkeiten verbindet.

Für den Martin-Gropius-Bau und das Programm Immersion entwickelte Atkins ein Gesamtkunstwerk, das vom allegorischen Potenzial des digitalen Filmemachens ausgeht und Phänomene wie Begehren, Historizität, Melancholie und Dummheit untersucht. „Old Food“ ist seine bisher umfangreichste Installation und choreografiert ein Kammerspiel voll dubioser Sentimentalität und historischer Ungenauigkeit.

Bekannt wurde Ed Atkins durch eine Reihe von Videoinstallationen mit CGI-Avataren, die durch Motion-Capture-Technik animiert sind und mit der Stimme des Künstlers sprechen. In seinen jüngeren Arbeiten führt er seine Erforschung des Mediums fort und koppelt affektive autobiografische Figurationen an Fragen, die durch die Macht des Digitalen aufgeworfen werden.

Martin-Gropius-Bau

Ehemaliges Kunstgewerbemuseum Berlin

Niederkirchenerstr. 7

10963 Berlin

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