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Verleihung des Förderpreises für Filmkunst 2017 in der Nationalgalerie Berlin

Förderpreis für Filmkunst: Eine Kooperation der Nationalgalerie und Deutsche Filmakademie e.V. (UPDATE mit den Gewinnern)

Um den Austausch zwischen der filmenden und der bildenden Kunst zu unterstützen, vergeben die Freunde der Nationalgalerie und die Deutsche Filmakademie am 20. Oktober 2017 einen gemeinsamen Preis im Staatlichen Museum »Hamburger Bahnhof«, Museum für Gegenwart Berlin, eine Dependance der Neuen Nationalgalerie, die derzeit wegen Grundsanierung für fünf Jahre geschlossen ist.

Der Förderpreis für Filmkunst ist mit 10.000 Euro dotiert und wird im Rahmen der Verleihung des Preises der Nationalgalerie an einen der vier Filme umfassenden Shortlist vergeben.

Der vom Verein der Freunde der Nationalgalerie und der Deutschen Filmakademie seit 2011 zweijährlich gemeinsam vergebene Preis hat sich zum Ziel gesetzt, einerseits für Filmkunst-Werke ein neues Publikum zu erschließen und andererseits den Blick auf das Wechselspiel zwischen Kunstästhetik und Filmästhetik zu lenken.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass sich die Ästhetik des Kunst-Films und die Ästhetik der Film-Kunst sehr stark angenähert haben. Für die künstlerische Dimension der Film-Kunst gibt es jedoch jenseits der Festivals kaum Aufführungsorte, weshalb eine Auszeichnung – verbunden mit einer Aufführung der Filmkunst am Museumsort – eine wunderbare Chance ist, filmische Grenzgänger der Öffentlichkeit zu präsentieren.

In beiden Preisen bleibt jedoch die Trennung von „Film“ bzw. „Kunst“ erhalten. Entscheidend für die Nominierung ist das Selbstverständnis der Filmschaffenden, je nachdem, ob sie sich für Künstler oder für Filmemacher halten. Dementsprechend würden für den FÖRDERPREIS FÜR FILMKUNST nur Filmemacher nominiert werden, während für den PREIS DER NATIONALGALERIE ausschließlich Künstler nominiert werden – ganz unabhängig davon, in welchem Medium sie tätig sind: Malerei, Skulptur, Fotografie oder Film.

Die zehnköpfige Jury aus Mitgliedern der Deutschen Filmakademie hat fünf Filmemacherinnen nominiert, die sich zwischen den Welten des Kinos und der Kunst bewegen: Jasmin Preiß ("Die süße Wiese"), Miriam Gossing und Lina Sieckmann ("Ocean Hill Drive"), Sandra Wollner ("Das unmögliche Bild") und Alexandra Balteanu ("Vanatoare").

Der Regisseur/die Regisseurin sollte unter 40 Jahre alt sein sowie in Deutschland leben und arbeiten. Der Film darf zudem nicht älter als drei Jahre sein. Filme jeder Länge (ab einer Minute Laufzeit) waren zulässig. Ausschlaggebend für die Nominierung war nicht nur die Bedeutung des einzelnen Werkes, sondern auch das künstlerische Selbstverständnis und die persönliche Vision der Filmemacher*Innen.

Shortlist zum Förderpreis für Filmkunst 2017

"Diese süße Wiese" | Regie: Jasmin Preiß

Deutschland 2017; 71 Min.

Synopsis: Ich treffe den Künstler Karim Aouaj El Kasmi und bin fasziniert von der Schönheit eines verlorenen Menschen. Sein Wunsch, sich von den Beschränkungen des Alltags zu befreien manifestiert sich in einer exzessiven Suche nach einem selbstbestimmten Leben außerhalb der Norm.

Vita: Jasmin Preiß wurde 1984 in Bonn geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Düsseldorf. Im vergangenen Jahr schloss sie ihr Studium der freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf mit dem Akademie-Brief ab. Zuvor studierte sie Kommunikations-Design an der Folkwang Hochschule Essen.

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"Ocean Hill Drive" | Regie: Miriam Gossing und Lina Sieckmann

Deutschland 2016; 21 Min. Hier der Trailer:

Synopsis: "Ocean Hill Drive" untersucht in dokumentarischen Bildern das seltene Phänomen des ‘shadowflicker’, welches sich aufgrund einer zu dicht platzierten Windturbine in einer Vorstadtsiedlung nahe Boston ereignet. Der pulsierende Schattenwurf dringt in die häusliche Sphäre verschiedener Eigenheime der us-amerikanischen Suburbia und bewirkt eine hypnotisierende Unterbrechung der gewöhnlichen Wahrnehmung des Raumes. Der sogenannte Flickereffekt, ein aus dem Kontext des strukturellen Experimentalflms bekanntes Motiv, taucht hier innerhalb dokumentarischer Aufnahmen verschiedener Wohnräume und Landstriche der amerikanischen Ostküste auf und stellt das soziale und psychologische Gleichgewicht der Nachbarschaft zunehmend in Frage. Der von einer Sprecherin aus dem Off vorgetragene Text setzt sich aus fragmentarischen Originalaussagen verschiedener Anwohner zusammen.

Vita: Lina Sieckmann und Miriam Gossing, geboren 1988, haben ihr Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln mit dem Diplom abgeschlossen und anschließend ein Gaststudium an der Kunstakademie in Düsseldorf absolviert. Sie haben bereits mehrere Experimentalfilme auf 16mm-Film realisiert. Ihre Arbeiten werden auf Festivals wie in Museen gezeigt (u.a. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Videonale, Indie Lisboa, Folkwang Museum, Anthology Film Archives New York).

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Das unmögliche Bild | Regie: Sandra Wollner *Gewinnerin des Förderpreises für Filmkunst.

Deutschland / Österreich 2016; 70 Min.

Synopsis: „Die Erinnerung ist so unzuverlässig, dass man manchmal meinen könnte es wär die Zukunft“ – Johanna F.

Die 13-jährige Johanna hat Fragmente ihrer Familiengeschichte auf 8mm-Film gebannt und kommt so einigen Geheimnissen auf die Schliche.

Wien in den 1950ern. Eine Kindheit gebannt auf 8mm, festgehalten von der 13-jährigen Johanna. Eine Kindheit, wie sie hätte sein können. Fragmente einer Familiengeschichte von Familiengeheimnissen. Wir erleben einen Haushalt voller Frauen rund um die Großmutter Maria Steinwendner, die wöchentliche Kochklubs veranstaltet. Bloß gekocht wird nie … „Papa hat immer gesagt man muss schnell sein, wenn man was sehen will. Weil alles verschwindet“, sagt Johanna während sie eine tote Katze filmt. „Aber ich glaub das nicht. Ich glaub man muss nur lang genug hinschauen“. Und Johanna schaut lange hin. Bis sie plötzlich selbst gesehen wird.

"Das unmögliche Bild" ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die unsere Konstruktion von Erinnerung und Vergangenheit infrage stellt. Sandra Wollner hat dafür auch den Förderpreis der Hofer Filmtage 2016 bekommen.

Begründung der Jury:

Sandra Wollners ruhige Meditation über den Zyklus des Lebens scheint zwischen Dokumentarfilm und Fiktion zu schweben. Es ist ein Film über Leben und Tod auf vielerlei Ebenen und es ist ebenso – und noch grundsätzlicher – ein Film über Wiederholung: über die Wiederholung des Schicksals, über das Wiederkehren von Erinnerungen und ihre Ähnlichkeit zum Medium des Films als einem Bewahrer des Lebens in Form einer konservierten und wiederholbaren Erinnerung. Der Film, der in einem geräumigen Haus im Österreich der 1950er Jahre spielt, nutzt die Ästhetik und Atmosphäre von Archivmaterial. Die Kameraführung und die Art und Weise, wie Inhalte erzählt werden, haben den Anschein einer dokumentierten Vergangenheit, die uns die Erzählerin aus erster Hand nahebringt.

Ab und zu nimmt sie auch buchstäblich den Platz hinter der Kamera ein. Sie erzählt und zeigt uns Szenen aus ihrem Leben, die aus den Tiefen ihrer Erinnerung kommen und von einem Standpunkt jenseits ihrer eigenen Lebenszeit aus betrachtet werden. Der Zuschauer kann sich kaum des Gefühls erwehren, dass sie uns tatsächlich einen Einblick in ihre eigene, selbst erlebte Geschichte und die ihrer Familie gewährt.

Sandra Wollner überzeugte die Jury mit ihrer virtuosen Beherrschung der filmischen Sprache, die sie mit großer Genauigkeit, mit Kreativität und Leichtigkeit einsetzt. Sowohl in den sorgfältig orchestrierten als auch in den scheinbar beliebigen Momenten, zeichnet sich der Film immer durch enorme Präzision aus. Er ist ein zyklisches Puzzle, in dem sich jedes Teil zusammenfügt. Seine Teile sind auf vielerlei Arten miteinander verbunden und konstruieren eine narrative Struktur, die über eine lineare Erzählung weit hinausgeht. Die Grenzen zwischen einem experimentellen Kunstwerk, einem Dokumentarfilm und einem Spielfilm verschwimmen. Zudem scheint Wollners Arbeit die Stärken eines Romans, eines Gemäldes und einer musikalischen Komposition miteinander zu verbinden und Elemente zu verwenden, die nicht inhärent oder notwendigerweise filmisch sind. Das Ergebnis ist ein Kunstwerk, das sich schwer mit Worten beschreiben lässt.

Vita: Sandra Wollner ist 1983 in Leoben/Österreich geboren. Nach ihrem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften arbeitete sie als Editorin und Regisseurin verschiedener Formate, später leitete sie die Postproduktion einer Wiener Produktionsfirma, während sie an eigenfinanzierten Projekten arbeitete. Seit 2012 studiert Sandra Regie für Dokumentarfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg.

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Vanatoare | Regie: Alexandra Balteanu

Deutschland 2016; 75 Min. Hier der Teaser:

Synopsis: Drei Frauen, drei Schicksale. Lidia lebt mit ihrem Ehemann und zwei Kindern am Rande von Bukarest und züchtet Tauben. Denisa hat einen Freund, der unbedingt neue Turnschuhe braucht. Und Vanessa will mit einer Annonce endlich den Mann ihrer Träume finden – aber nur, wenn er grüne Augen hat. Zusammen stehen sie jeden Tag unter der Autobahnbrücke, die Bukarest mit der nächsten Stadt verbindet. Während das Leben an ihnen vorbeirauscht, warten sie auf den nächsten Freier. Hier, zwischen den Betonpfählen, inmitten von Lärm, Dreck und Abgasen, vergehen ihre Tage mit bleierner Schwere. Ein Alltag, der geprägt ist von Angst, Unsicherheit und Gewalt. Eines Tages kommt es zu einer Konfrontation mit der Polizei, doch je mehr die Frauen ihre Lage erklären, desto mehr spitzt sich die Situation zu.

Vita: Alexandra Balteanu wurde 1982 in Rumänien geboren und lebt seit 2003 in Deutschland. Sie studierte Media Studies an der Bauhaus University in Weimar und nahm anschließend das Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin auf.

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Agnieszka Polska gewinnt den Preis der Nationalgalerie 2017

Neben dem Förderpreis für Filmkunst wurde am Abend des 20.10.2017 auch die Preisträgerin des Preis der Nationalgalerie in einer feierlichen Preisverleihung in Anwesenheit der Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin bekannt gegeben.

Agnieszka Polska erhält mit der Auszeichnung im kommenden Jahr eine große Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie und eine begleitende Publikation.

Begründung der Jury:

Die Jury gratuliert jeder Künstlerin zu ihrem exzellenten und anregenden Beitrag im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. Nach intensiven Diskussionen über alle vier künstlerischen Positionen hat sich die Jury dazu entschieden, den Preis der Nationalgalerie 2017 an Agnieszka Polska zu vergeben. In ihrem scharfsinnigen Werk behandelt Polska einige der dringendsten Fragen unserer Zeit. Sie baut eine poetische und affektbetonte Spannung zwischen den visuellen und akustischen Sprachen unseres digital geprägten Alltags auf. Dabei bezieht sie sich auf moderne und zeitgenössische Weltentwürfe, wie naturwissenschaftliche Theorien, frühe Animationsfilme und die utopischen Tendenzen der Avantgarde. Ihre Arbeiten gleichen Untersuchungen zu den unterschiedlichen Zeitlichkeiten in unserem Universum, die unsere Vorstellungen von Menschsein und Menschlichkeit in Frage stellen. Ihre Perspektive lässt sich mit einem Satz des Sonnen-Charakters aus ihrem ausgestellten Film beschreiben: „Mein Blick bewegt sich in konstanter Geschwindigkeit und alles wurde unumkehrbar in dem Moment, in dem ich es sah.“ Die Jury gratuliert Agnieszka Polska und freut sich auf ihre Ausstellung in der Nationalgalerie im Herbst 2018.

Link: preisdernationalgalerie.de

Quellen: Deutsche Filmakademie | Nationalgalerie

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