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Ehrenpreise und Gewinner der Löwen am Lido bei der 74. Mostra von Venedig 2017

Ehrenlöwen für Jane Fonda und Robert Redford auf der 74. Biennale di Venezia - Goldener Löwe für "Shape Of Water" von Guillermo del Toro.

Die Hollywoodstars Jane Fonda und Robert Redford sind beim 74. Internationalen A-Filmfestival von Venedig mit Ehrenlöwen ausgezeichnet worden. Die 79-jährige Fonda und der 81 Jahre alte Redford nahmen schon zu Beginn des Festivals die Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk entgegen.

Anschließend wurde "Our Souls at Night" von Ritesh Batra gezeigt. Für den Film standen die beiden Schauspieler zum ersten Mal seit langem wieder gemeinsam vor der Kamera. In dem Liebesdrama spielen sie Nachbarn, die sich langsam annähern. Der von Netflix produzierte Film lief in Venedig außer Konkurrenz. Hier der Trailer:

Am ersten Wochenende erhielt auch der große englische Regisseur Stephen Frears ("Philomena", "The Queen", "Dangerous Liaisons") den Jaeger-LeCoultre award, der einer Persönlichkeit gewidmet wird, die einen originellen Beitrag zur Innovation des zeitgenössischen Kinos gemacht hat.

Buh-Rufe gab es dagegen für den neuen Film von Abdellatif Kechiche, der 2013 die Goldene Palme für das lesbische Drama „Blau ist eine warme Farbe“ in Cannes gewann. „Mektoub, My Love: Canto Uno“, so der Titel, beobachtet über drei Stunden eine Gruppe junger Erwachsener, die in einem von Licht durchfluteten Küstenort ihren Sommer verbringen. Der Regisseur fängt ihren Alltag am Strand ein, wie sie feiern und sich lieben. Kritisiert wurde vor allem die scheinbar voyeuristische Sichtweise der Kamera, die ausgiebig an den Körpern der jungen Frauen hängen bleibt. Hier der brandneue Trailer:

Weitere Buh-Rufe gab es auch für den mit Spannung erwarteten neuen Film "Mother!" von Darren Aronofsky, der sein Publikum immer wieder herausfordert. Dabei ist die zum Horrorfilm mutierte Story um einen Dichter (Javier Bardem), dem der Stoff ausgeht, eigentlich kluges politisches Kino über soziale Ungerechtigkeit, Gewalt und Diskriminierung mit starken Anleihen an die Bibel. Nur zum Schluss wurde der Autor die Geister, die er rief, nicht mehr los und der Film artet in ein abscheuliches, wenn auch technisch gut umgesetztes Schlachtengemälde aus, bei dem das frisch geborene Baby seiner Frau (Jennifer Lawrence) wie im biblischen Urteilsspruch des Salomon im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Bedürftigen geteilt und zerstückelt wird. Auch sie selbst kommt um, nur das erstarrte "Kalte Herz" findet wieder einen Ehrenplatz in seinem Arbeitszimmer. Hier der Trailer.

Auch George Clooneys hat seine sechste Regiearbeit mit dem in den fünfziger Jahren spielenden Film „Suburbicon“ als Vorstadt-Horrormovie mit Matt Damon inszeniert. Nach dem rassistischen Terror in Charlottesville kommt dem Werk, das nach einem Drehbuch der Cohen-Brüder entstanden ist, eine erschreckende Aktualität zu. Hier der Trailer:

Besser kam dafür der einzige Beitrag einer Frau im diesjährigen Wettbewerb bei den Kritikern an: Vivian Qu zeichnet in „Angels Wear White“ ein düsteres Abbild der chinesischen Gesellschaft. Als zwei Mädchen von einem ranghohen Polizisten vergewaltigt werden, offenbart sich ein System voller Korruption, Missbrauch und Ausbeutung. Hier ein Ausschnitt:

Gute Preischancen wurden unter anderem „The Insult - Beleidigung” aus dem Libanon eingeräumt. Eine einfache Geschichte über den endlos schwelenden Nahostkonflikt in der ein libanesischer Christ und ein palästinensischer Ingenieur sich wegen eines falsch verlegten Abwasserrohrs in die Haare kriegen, sodass die libanesische Stadt fast vor einem Bürgerkrieg steht. Die Jury lobte den Film ebenfalls und vergab den Preis des besten Schauspielers an Kamel El Basha. Hier der Trailer:

Auch die englische Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”, des Oscar-Preisträgers Martin McDonagh, in der eine Mutter mit großflächigen Plakaten nach dem Mörder ihrer Tochter sucht und damit die rassistischen Polizisten gegen sich aufbringt, lobten nicht nur die Kritiker, sondern auch die Jury und vergaben die Trophäe für das beste Drehbuch. Wir haben den Original Trailer eingefügt, da uns die bereits fertige deutsche Synchronfassung nicht besonders gelungen erscheint:

Unter den Favoriten war auch „Sweet Country“, ein Western aus dem australischen Outback, in dem ein Aborigine diskriminiert und angeklagt wird, einen Weißen erschossen zu haben. Souverän und bildstark vom Regisseur Warwick Thornton umgesetzt, mit cleveren Zeitsprüngen und Montagen. Die Jury belohnte dies mit dem Spezialpreis. Hier der Trailer:

Gleich zwei Auszeichnungen gingen an den Franzosen Xavier Legrand. Der junge Regisseur wurde für sein bedrückendes Scheidungsdrama "Jusqu'à la garde" mit dem Silbernen Löwen als Preis für die beste Regie geehrt. Zuvor hatte er bereits den Luigi-De-Laurentiis-Preis für einen Debütfilm bekommen. Hier der Trailer:

Der junge US-Amerikaner Charlie Plummer wurde mit dem Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller geehrt. Der 18-Jährige spielt in dem Drama "Lean on Pete" des Briten Andrew Haigh einen verzweifelten Heranwachsenden. Hier der Trailer:

Als beste Schauspielerin wurde Charlotte Rampling geehrt. Die 71 Jahre alte Britin spielt in dem Drama "Hannah" des italienischen Regisseurs Andrea Pallaoro eine einsame Frau, die ihr Leben nach der Verhaftung ihres Mannes neu ordnen muss. Hier der Clip:

Ein deutscher Beitrag war nicht im Wettbewerb dabei, dafür mehrere deutsche Ko-Produktionen. Dazu gehört auch die eher konventionell erzählte Dokumentation „Human Flow”, des zurzeit in Berlin lebenden chinesischen Künstlers Ai Weiwei, über Flüchtlingsströme der Gegenwart, die trotz grandioser Bilder keinen Preis gewann. Hier der Trailer:

Der zweitwichtigste Preis des Festivals, der Große Preis der Jury, ging dagegen an die deutsche Koproduktion "Foxtrot". Das Drama des israelischen Regisseurs Samuel Maoz erzählt vom Tod eines jungen Soldaten und wie seine Familie damit umgeht. Mit umwerfend gedrehten Tanzsequenzen und überraschenden Einstellungen. Hier der Trailer:  

Romantisch verklärt, aber vom Publikum begeistert aufgenommen wurde Guillermo del Toro's Märchen "Shape Of Water" über eine Angestellte (Sally Hawkins) eines Hochsicherheitslabors, während des Kalten Krieges, die ein strenggeheimes Experiment entdeckt und in dem dort gefangengehaltenen mysteriösen Fischwesen einen Seelenverwandten zu spüren glaubt, in den sie sich verliebt. Zusammen mit einem Schwulen und einer Schwarzen bildet die stumme Putzfrau eine kleine Solidargemeinschaft, die das Wesen befreien will. Der Film gewann den Goldenen Löwen. Hier der Trailer:

Wie man Zuschauer im Saal mit Kinomitteln in eine Geschichte zieht, aus der sie auch nach dem Ende des Films nicht mehr herausfinden, weil der Aufbau des Films zu komplex mit der Vorgeschichte verwoben ist, das zeigte der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda in „Sandome no sastsujin - The Third Murder“.

In seinem Venedig Beitrag geht es um einen Mord bei Nacht, übergossen mit Benzin und angezündet, bis die Flammen zum Himmel lodern. 30 Jahre zuvor ist derselbe Mörder glimpflich davongekommen, als er zwei Kredithaie umgebracht hatte. Um seinem Klienten erneut die Todesstrafe zu ersparen versucht der Anwalt eine juristische Strategie zu entwickeln, die sich aber plötzlich mehrfach ändert. Nur die gehbehinderte Tochter des Erschlagenen, scheint den Schlüssel zur Wahrheit zu besitzen. Der Film löst seine Rätsel nicht, sondern erwartet offensichtlich vom Zuschauer, dass dieser mitdenkt und mit dem eigenen Gewissen die richtige Entscheidung zu den widersprüchlichen Aussagen des mutmaßlichen Täters fällt.

Hier der Original Trailer:

Die 21 Filme und die Gewinner des Wettbewerbs im Überblick:

- "Human Flow" von Ai Weiwei (Deutschland/USA)

- "Mother!" von Darren Aronofsky (USA)

- "Suburbicon" von George Clooney (USA)

- "The Shape Of Water" von Guillermo Del Toro (Mexiko/USA) *Winner Goldener Löwe

- "L'Insulte" von Ziad Doueiri (Frankreich/Libanon) *Winner Bester Schauspieler: Kamel El Basha

- "La Villa" von Robert Guediguian (Frankreich)

- "Lean on Pete" von Andrew Haigh (Großbritannien) *Winner des Marcello-Mastroianni-Preises für den besten Jungdarsteller an: Charlie Plummer

- "Mektoub, My Love: Canto Uno" von Abdellatif Kechiche (Frankreich)

- "The Third Murder" von Koreada Hirokazu (Japan)

- "Jusqu'à La Garde" von Xavier Legrand (Frankreich) *Winner Silberner Löwe für die Beste Regie und *Winner Luigi-De-Laurentiis-Preis für einen Debütfilm

- "Ammore e Malavita" von Manetti Bros. (Italien)

- "Foxtrot" von Samuel Maoz (Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz) *Winner Großer Preis der Jury

- "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" von Martin McDonaugh (Großbritannien) *Winner Bestes Drehbuch

- "Hannah" von Andrea Pallaoro (Italien/Belgien/Frankreich) *Winner Beste Schauspielerin: Charlotte Rampling

- "Downsizing" von Alexander Payne (USA)

- "Angels Wear White" von Vivian Qu (China/Frankreich)

- "Una Famiglia" von Sebastiano Risio (Italien)

- "First Reformed" von Paul Schrader (USA)

- "Sweet Country" von Warwick Thornton (Australien) *Winner Spezialpreis der Jury

- "The Leisure Seeker" von Paolo Virzi (Italien)

- "Ex Libris - The New York Public Library" von Frederick Wiseman (USA)

Link: www.labiennale.org/en/cinema

Quellen: Spiegel | Zeit | Stern | Tagesspiegel | Filmstarts | Mubi | YouTube | 3sat | FAZ | StZ | RP-Online

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