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Das Cannes Filmfestival feiert sein 70-jähriges Bestehen

Pedro Almodovar wurde zum diesjährigen Jury-Präsidenten in Cannes berufen. Auch Maren Ade und Will Smith sitzen an seiner Seite.

Die Ikone des spanischen Kinos, Regisseur und Drehbuchautor Pedro Almodóvar, ist der diesjährige Präsident der Jury für das Filmfestival Cannes. Das bekannteste A-Filmfestival findet vom 17. bis 28. Mai 2017 statt und feiert sein 70-jähriges Bestehen an der Promenade de la Croisette mit Blick auf die Côte d’Azur.

Als Reaktion auf die Einladung durch Festivalpräsident Pierre Lescure, der übrigens einstimmig für weitere drei Jahre wiedergewählt wurde, und des künstlerischen Festivalleiters Thierry Frémaux sagte der 67-jährige Filmemacher in einem Statement: "Ich bin sehr glücklich, das 70-jährige Bestehen des Cannes Filmfestivals mit einer solchen privilegierten Position feiern zu können. Ich bin dankbar, geehrt und ein wenig überwältigt. Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die mit dem Präsidenten der Jury verbunden ist und ich hoffe, diesem Job gerecht zu werden. Ich kann nur sagen, dass ich mich selbst, meinen Körper und meine Seele einbringen werde, die ich als Privileg wie auch als Freude empfinde".

Almodóvar zählt seit langem zu den Filmemachern, die eng mit Cannes verbunden sind. Fünf seiner Filme wurden schon im Wettbewerb gezeigt; "La mala educación - Schlechte Erziehung" eröffnete das Festival im Jahre 2004. Für seinen Film "Alles über meine Mutter" wurde er 1999 mit dem Regiepreis geehrt. Im vergangenen Jahr stellte Almodóvar sein jüngstes Werk "Julieta" ebenfalls im Wettbewerb vor.

Letzes Jahr hatte George Miller die Cannes-Jury geleitet. Unter ihm wurde "Ich, Daniel Blake" von Ken Loach aus Großbritannien mit der Goldenen Palme geehrt.

Acht Mitglieder in der Wettbewerbsjury unter Pedro Almodóvar

In diesem Jahr ist die deutsche Regisseurin Maren Ade, die im letzten Jahr mit ihrem Film "Toni Erdmann" im Wettbewerb vertreten war, aber keinen Preis gewonnen hatte, in der Jury des Filmfestivals von Cannes vertreten. Weitere Mitglieder der Jury unter Vorsitz von Star-Regisseur Pedro Almodóvar sind der italienische Regisseur Paolo Sorrentino, US-Schauspieler Will Smith, die französische Schauspielerin und Regisseurin Agnès Jaoui, die Schauspielerinnen und Produzentinnen Jessica Chastain und Fan Bingbing, der koreanische Filmemacher Park Chan-wook und der Komponist Gabriel Yared.

Für die 70. Ausgabe der Filmfestspiele wird die »Goldene Palme« mit kleinen Diamanten besetzt. 167 der Edelsteine werden sich "wie Sternenstaub" über das aus Gold gefertigte Palmblatt legen, hieß es.

Cristian Mugiu leitet Cinéfondation-Jury in Cannes

Der rumänische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Cristian Mungiu, der schon mehrfach auf dem Festival de Cannes ausgezeichnet wurde, leitet in diesem Jahr die Cinéfondation- und Kurzfilm-Jury. Mungiu, der 2013 der Wettbewerbsjury unter der Leitung von Steven Spielberg angehört hatte, wurde im vergangenen Jahr in Cannes für die Regie von "Bacalaureat" ausgezeichnet, 2012 gewann er für "Jenseits der Hügel" den Drehbuchpreis, 2007 war er für "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden.

"Werthaftigkeit und Originalität haben im Kino noch nie leicht Beachtung gefunden. Und für junge Regisseure ist es noch schwerer, dass die Werthaftigkeit und Originalität ihrer Filme beachtet werden. Aber die Sektion Cinéfondation ist dafür bekannt, genau das sehr effektiv getan zu haben. Cinéfondation hat jungen Regisseuren immer die Unterstützung und Beachtung gegeben, die sie am Anfang ihrer Karriere brauchen, so dass sie sich mutig zeigen und ihr eigenes Sprachrohr finden konnten. Diese Wirkung möge noch lange anhalten. Ich bin stolz darauf, ein Teil dieser Unternehmung zu sein" , kommentierte Mungiu seine Ernennung.

Cannes-Plakat zeigt tanzende Claudia Cardinale

Das Plakat der 70. Ausgabe des Festival de Cannes zeigt eine singende und tanzende Claudia Cardinale. Anlässlich der Plakatvorstellung erklärte die 78-Jährige:

"Ich fühle mich geehrt und bin stolz darauf, die Beflaggung für das 70. Festival de Cannes zu sein - und ich bin erfreut über die Fotoauswahl. Es ist das Bild, das ich von dem Festival habe, einem Event, das Alles rundherum erleuchtet.

Cannes Plakat 2017 Bronx (Paris). Photo: Claudia Cardinale © Archivio Cameraphoto Getty Images

Dieser Tanz war im Jahr 1959 auf den Dächern von Rom. Niemand erinnert sich an den Namen des Fotografen... Auch ich habe ihn vergessen. Aber dieses Foto erinnert mich an meine Anfänge und an eine Zeit, als ich noch nicht davon zu träumen gewagt hatte, einmal die Stufen des berühmtesten Kinos der Welt hinaufzusteigen. Alles Gute zum Geburtstag!"

Erneut deutschsprachige Titel im Wettbewerb.

Viele Jahre waren deutsche Filme im Wettbewerb von Cannes nicht vertreten. Erst Maren Ade gelang letztes Jahr wieder der Sprung zurück in die Oberliga. In diesem Jahr geht der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin mit seinem Film "Aus dem Nichts" ins Rennen um die Goldene Palme von Cannes. Der Film mit Diane Kruger, Denis Moschitto und Ulrich Tukur in den Hauptrollen wurde zusammen mit 17 anderen für den Hauptwettbewerb des Filmfestivals an der südfranzösischen Côte d' Azur nominiert, wie die Organisatoren in Paris bekanntgaben.

Das stärkste Cannes-Programm seit Jahren.

Das Jubiläumsprogramm der Filmfestspiele von Cannes verschlägt einem den Atem. Vor drei Jahren schickte Fatih Akin, erbost darüber, dass Cannes ihn hinhielt, seinen Film „The Cut“ lieber zur Konkurrenz nach Venedig. Nun widerfährt ihm wieder die höchste Ehre, die die Festivaldirektion vergeben kann: Sein neuster Film „Aus dem Nichts“ läuft im Wettbewerb, der zweite nach „Auf der anderen Seite“ .

Fatih Akin hatte mit "Auf der anderen Seite" vor zehn Jahren eine Palme für das Drehbuch gewonnen. Sein Film "Gegen die Wand" wurde 2004 mit dem »Goldenen Bär« der Berlinale sowie mit vier Lolas u.a. als bester Film und zudem mit dem Europäischen Filmpreis prämiert. Für "Aus dem Nichts" hat er sich was Neues ausgedacht. Das Werk soll ein sehr virtuoser Film sein, zwar kein Genre Film, sich aber dennoch von seinen bisherigen Filmen in der Bildsprache und auf der Tonebene unterscheiden. „Aus dem Nichts“ ist ein Thriller über die Liebe der Protagonistin Katja (Diane Kruger) zu ihrer Familie über den Tod hinaus. Katjas Leben zerbricht plötzlich, als ihr Mann und ihr Sohn bei einem Bombenanschlag sterben. Die Polizei fasst zwei Verdächtige: ein junges Neonazi-Paar. Und Katja (übrigens Diane Krugers 40. Film und zudem ihre erste deutschsprachigen Rolle) kämpft um Gerechtigkeit...

Auch der österreichische Regisseur Michael Haneke ist erneut vertreten. Sein Film "Happy End", ein in Calais angesiedeltes Drama vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise, feiert Weltpremiere und ist Hanekes einmalige Chance auf eine dritte Goldene Palme nach "Liebe" und "Das weiße Band". Wie in „Amour“ sind Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant dabei, der sich ein zweites Mal aus seinem Ruhestand hat locken lassen. Auch wieder dabei die Berliner Produktionsfirma X Filme Creative Pool, die wie bei den Vorgängern als Koproduzent beteiligt ist.

Weitere deutsche Koproduktionen im Wettbewerb sind "Die Sanfte" des ukrainischen Regisseurs und Drehbuchautors Sergei Loznitsa, der hiermit ein Remake von Robert Bressons “Une femme douce” (1969) nach einer Novelle von F.M. Dostojewskij inszenierte. Es ist ein Film über Gewalt und Demütigung an dem LOOKS Film & TV Produktionen aus Leipzig beteiligt ist.

Außerdem im Wettbewerb "Jupiter's Moon" des ungarische Regisseurs und Autors Kornél Mundruczó, bei dem die Berliner Match Factory Productions mit an Bord ist. Der vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderte Film über die ungewöhnliche Bekanntschaft zwischen einem Arzt und einem Flüchtlingsjungen mit übermenschlichen Fähigkeiten, der schweben kann wie ein Engel, feiert ebenfalls im Festival-Palais Weltpremiere.

Die 19 Cannes-Wettbewerbstitel im Überblick:

ERÖFFNUGSFILM:

• "Les Fantomes d'Ismaël" (von Arnaud Desplechin, mit Marion Cotillard, Charlotte Gainsbourg, Mathieu Amalric)

• "120 Beats per Minute" (von Robin Campillo)

• "Die Verführten" (von Sofia Coppola, mit Nicole Kidman, Elle Fanning, Kirsten Dunst)

• "The Day After" (von Hong Sang-soo)

• "Die Sanfte" (von Sergei Loznitsa)

• "Good Time" (von Benny Safdie und Josh Safdie)

• "Happy End" (von Michael Haneke mit Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant)

• "Aus dem Nichts" (von Fatih Akin mit Diane Kruger, Denis Moschitto, Ulrich Tukur)

• "Jupiter's Moon" (von Kornél Mandruczó)

• "The Killing of a Sacred Deer" (von Yorgos Lanthimos)

• "Le redoubtable" (von Michel Hazanavicius, der den jungen Jean-Luc Godard und sein Werben um die blutjunge Schauspielerin Anne Wiazemsky zeigt)

• "Loveless" (von Andrej Swjaginzew)

• "The Meyerowitz Stories" (eine NETFLIX Produktion von Noah Baumbach, mit Adam Sandler, Emma Thompson, Ben Stiller)

• "Okja" (eine NETFLIX Produktion von Bong Joon-Ho mit Tilda Swinton, Jake Gyllenhaal, Paul Dano)

• "Radiance" (von Naomi Kawase)

• "Wonderstruck" (von Todd Haynes, mit Michelle Williams und Julianne Moore)

• "You Were Never Really Here" (von der Regiekünstlerin Lynne Ramsay)

• "Rodin" (von Jacques Doillon über die Biografie des Bildhauers)

• "L'Amant Double" (von Francois Ozon, mit Jacqueline Bisset)

Weiterer deutscher Titel bei »Un Certain Regard«.

In der Sektion »Un Certain Regard« feiert das Medienboard-geförderte Drama "Western" seine Weltpremiere. Die von der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach inszenierte Geschichte handelt von einem deutschen Vorarbeiter, der sich einer nach Bulgarien aufbrechenden Gruppe von Brückenbauern anschließt und sich, angezogen von einer fremden Dorfgemeinschaft, immer mehr von seinen Leuten entfernt. Mit der Inszenierung eines modernen Duells, das Abenteuergefühle bei den Männern weckt, sie gleichzeitig aber auch mit Vorurteilen und Misstrauen konfrontiert, haben es die Berliner Komplizen Film nach "Toni Erdmann" erneut mit einer Produktion auf die Festival-Leinwand in Cannes geschafft.

Als weitere Titel hat das Festival de Cannes in der »Un Certain Regard«-Reihe Santiago Mitres "La Cordillera" und Li Ruijuns "Walking past the Future" sowie Barbet Schroeders "Le Vénérable W." und Eric Caravacas "Carré 35" als Special Screenings zu seinem Programm hinzugefügt. "Zombillénium" von Arthur de Pins und Alexis Ducord läuft im Children's Screening. Darüber hinaus wird die Doku "Carré 35" gezeigt, die von der Berliner NiKo Film koproduziert wurde.

Die Un-Certain-Regard-Titel im Überblick:

"Barbara" (Mathieu Amalric)

"The Desert Bride" (Cecilia Atán, Valeria Pivato)

"Jeune Femme" (Léonor Serraille)

"Dregs" (Mohammad Rasoulof)

"The Nature Of Time" (Karim Moussaoui)

"Before We Vanish" (Kiyoshi Kurosawa)

"Out" (Gyorgy Kristof)

"Directions" (Stephan Komandarev)

Western (Valeska Grisebach)

"April's Daughter" (Michel Franco)

"Lucky" (Sergio Castellitto)

"L'atelier" (Laurent Cantet)

"Beauty and the Dogs" (Kaouther Ben Hania)

"Closeness" (Kantemir Balagov)

"After The War" (Annarita Zambrano)

"Wind River" (Taylor Sheridan)

Unter den oben genannten 16 Filmen sind mit "Aala kaf ifrit (Beauty and the Dogs)" von Kaouther Ben Hania – (Tunesien / Frankreich / Deutschland) und "En attendant les hirondelles (The Nature Of Time)" von Karim Moussaoui – (Algerien / Frankreich / Deutschland) zwei vom World Cinema Fund (WCF) der Berlinale geförderte Filme ins Programm der Filmfestspiele von Cannes aufgenommen worden. Der World Cinema Fund ist eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes und der Internationalen Filmfestspiele Berlin, in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt sowie weiterer Unterstützung durch das Goethe-Institut. Das Sonderprogramm WCF Europe ist mit der Unterstützung des Creative Europe MEDIA-Programms der Europäischen Kommission entstanden.

Zwei weitere Filme des WCF laufen mit "I Am Not a Witch" von Rungano Nyoni [Berlinale Talents - Alumnus] – (Sambia / Frankreich / Großbritannien / Deutschland) in der Reihe »La Quinzaine des Réalisateurs« sowie mit "Los perros" von Marcela Said – (Chile / Frankreich / Argentinien) in der »Semaine de la Critique«.

Darüber hinaus sind in 25 Filmen insgesamt 40 Alumni von Berlinale Talents aus verschiedenen Gewerken (Regie, Produktion, Schauspiel, Kamera, Schnitt, Kostümbild, Drehbuch) in der Cannes-Auswahl vertreten.

Animationsfilm in der Sektion »La Quinzaine des Réalisateurs«.

"TEHERAN TABU" von Ali Soozandeh wurde als erster Animationsfilm in der Geschichte des Festivals, für den Wettbewerb der diesjährigen »Semaine de la Critique« ausgewählt. In dem Debütfilm, der auch am Rennen um die »Camera d’Or« teilnimmt, geht es um drei selbstbewusste Frauen und einen jungen Musiker, deren Lebenswege sich in der schizophrenen Welt der iranischen Hauptstadt Teheran kreuzen. Sex, Korruption, Drogen und Prostitution gehen in dieser brodelnden Metropole einher mit strengen religiösen Gesetzen. Das Umgehen von Verboten wird zum Alltagssport und der Tabubruch zur individuellen Selbstverwirklichung.

TEHERAN TABU wurde produziert von Little Dream Entertainment in Koproduktion mit coop99 filmproduktion und ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Kooperation mit Arte, ORF (Film/Fernseh-Abkommen). Unterstützt von Film- und Medienstiftung NRW, Österreichisches Filminstitut, Deutscher Filmförderfonds, Filmfonds Wien, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, FISA – Filmstandort Austria, HessenFilm und Medien.

Bemerkenswerte Sondervorführungen an der Croisette.

Als Sondervorführungen schlagen unter anderem an der Croisette auf: David Lynchs neue „Twin Peaks“, Kristen Stewarts Regiedebüt „Come Swim“, Claude Lanzmanns Nordkorea-Film „Napalm“, Vanessa Redgraves Regiedebüt (mit 80!) „Sea Sorrow“, Takashi Miikes Manga-Verfilmung „Blade of the Immortal“, Abbas Kiarostamis Vermächtnisfilm „24 frames“ (er starb letzten Juli) und Arnaud Desplechins in Cannes spielender Film-im-Film-Film „Les phantomes d’Ismael“ zur Eröffnung. Roman Polanski, der 2002 mit "Der Pianist" die Goldene Palme gewonnen hatte und zuletzt 2013 mit "Venus im Pelz" im Cannes-Wettbewerb vertreten war, wird dort mit seiner Romanverfilmung "Based on a True Story" außer Konkurrenz zu sehen sein. Der Film wurde ebenso wie Ruben Ostlunds "The Square" , der u.a. im vergangenen Herbst von den deutschen Koproduzenten Coproduction Office & Essential Film in Berlin gedreht wurde, nachträglich in den Wettbewerb des Festival de Cannes eingeladen.

Cannes setzt künftig wieder auf Kino statt auf Netflix.

Sogar der Streaming Gigant NETFLIX hat mit den „Meyerowitz Stories“ und Bong Joon Hos „Okja“ erstmals zwei Filme im Wettbewerb. Die spannende Frage ist, ob diese Filme danach ins Kino kommen, oder kurz nach Cannes in den Stream geladen werden.

Auf jeden Fall hat das Cannes Film Festival Gerüchte dementiert, wonach die beiden NETFLIX Wettbewerbsbeiträge wieder aus dem Programm genommen werden sollten, da die Produktionen zwar in einigen ausgewählten Kinos in den USA und Südkorea gezeigt werden, jedoch nicht in Frankreich im Kino ausgewertet werden sollen.

Das Festival begrüßt es zwar, dass es einen neuen Player gibt, der in Kinofilme investiert, möchte aber künftig dafür sorgen, dass diese Filme sowohl in Frankreich als auch weltweit traditionell im Kino ausgewertet werden. Nach einer Sitzung des Aufsichtsrates hat das Festival deshalb beschlossen, seine Richtlinien ab 2018 an die neue Situation anzupassen, sodass jeder Film des Cannes Wettbewerbs künftig in den französischen Kinos ausgewertet werden muss, womit NETFLIX wohl effektiv von der Teilnahme im kommenden Jahr ausgeschlossen sein wird. Eine ähnliche Regel gilt zum Beispiel auch für die Academy Awards (Oscars). Um dort honoriert werden zu können, muss der Film im L.A. County im Kino gezeigt werden.

Auslöser für die aktuelle Diskussion in Cannes ist die geplante Wettbewerbsteilnahme des Actionfilms "Okja" von Regisseur Bong Joon-ho, unter anderem mit Tilda Swinton, Jake Gyllenhaal und Paul Dano. Nach der Premiere bei den Filmfestspielen soll Okja schon ab dem 28. Juni 2017 weltweit für Netflix-Kunden bereit stehen. Hier der Trailer:

Kurzinhalt:

"Okja" ist ein amerikanisch-südkoreanischer Actionfilm aus dem Jahr 2017. Der Film folgt Mija, einem jungen Mädchen, das alles riskieren muss, um ein mächtiges multinationales Unternehmen daran zu hindern, ihren besten Freund zu entführen - ein massives Tier namens 'Okja'.

NETFLIX technisch besser als Kino.

Interessant an der Diskussion ist aus technischer Sicht vor allem, dass "Okja" von NETFLIX in UHD 4K und HDR gezeigt werden soll. Produziert worden ist der Film laut IMDB mit einigen der wohl derzeit besten zur Verfügung stehenden Digitalkameras, deren Qualität sogar die Produktion von 70mm-Film übertrifft.

Diese besondere Art Film kann nur in sehr wenigen Kinosälen überhaupt gezeigt werden, da dafür kaum geeignete Laser-Projektoren zur Verfügung stehen. Die vorherrschenden konventionellen Digitalprojektionen im Kino unterstützen nur sehr selten HDR-Inhalte oder besonders hohe Auflösungen und Frameraten. Sind die entsprechende Voraussetzungen an Hardware und Technik zuhause auf modernen UHD-kompatiblen 4K-Flachbildschirmen gegeben, ist der Netflix-Stream also unter Umständen qualitativ besser als der Kinobesuch.

Ähnlich wie in Deutschland müssen auch in Frankreich mindestens vier Monate vergehen, bis der Film etwa auf DVD oder Blu-ray erscheinen darf. Ein Video-on-Demand-Angebot im Internet ist ab diesem Zeitpunkt zwar auch möglich, aber nur, wenn pro Film bezahlt wird - was NETFLIX anders als etwa AMAZON aber nicht anbietet.

Erst ein Jahr nach Filmstart dürfen die Produktionen dann in speziellen Pay-TV-Angeboten laufen, und erst 22 beziehungsweise 30 Monate nach Start im gebührenfreien Fernsehen. Streaming-Angebote, die Filme im Abo anbieten wie NETFLIX, dürfen die Produktion gar erst drei Jahre nach der Kinoveröffentlichung zeigen.

Das Unternehmen wird wahrscheinlich an der Teilnahme renommierter Wettbewerbe zukünftig verzichten, oder sich den Forderungen beugen müssen. Bisher hatte NETFLIX all seine Produktionen den Kunden sofort weltweit gleichzeitig zur Verfügung gestellt, was lukrativer ist.

Der Anbieter müsste nämlich ansonsten den Abokunden in Frankreich seine eigenen Produktion drei Jahre vorenthalten, bevor er diese auf seiner eigenen Plattform anbieten darf. Bisher hat das Unternehmen aber sehr erfolgreich bewiesen, dass es nicht auf das Establishment der klassischen Filmwirtschaft angewiesen ist und nur mit einigen Kinobetreibern wie der IMAX Corp. eine Sondervereinbarung getroffen, damit diese die NETFLIX-Produktionen mittels Laser-Projektion in höchster Qualität parallel zum Online-Stream auswerten können.

Weitere Informationen unter www.festival-cannes.fr

Quellen: Die Welt | Golem | Blickpunkt:Film | ARD/3sat | Spiegel | Medienboard | Salzburger Nachrichten | Berlinale | boxofficePR

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