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Viel Multimedia beim 56. Theatertreffen 2019 in Berlin

Bildgewaltige Dortmunder Inszenierung wurde gecancelt – dafür ist die Berliner Freie Szene dieses Mal gleich doppelt vertreten.

Es muss nicht immer Kino sein, um interessante Film- und Videoinszenierungen sehen zu können. Beim Theatertreffen 2019 im Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße soll diesmal viel auf Multimedia gesetzt werden. Das spart teuren Kulissenbau, schafft dennoch Arbeitsplätze für die Kreativszene und kann obendrein dem Zuschauer manch Hintergründe eines Stückes durch visuelle Begleitung besser erklären, als manch klassische Aufführungen.

Allerdings ist nicht immer jedermann davon angetan. Die filmrealistische Aufführung des schrecklich, modernen Parsifal in der Bayerischen Staatsoper fand im letzten Jahr auch bei abgehärteten Regietheater Gewöhnten kaum Zuspruch, sondern manch einer sah darin eine ziemlich unverständlich visualisierte Zumutung.

Aber auch die erst kürzlich erfolgte Neuinszenierung von Mozarts "Zauberflöte" an der Berliner Staatsoper durch den israelisch-amerikanischen Opern- und Theaterregisseur Yuval Sharon, mit an Seilen hängenden lebenden Marionetten, war ein einziger Sehnervenkitzel und entrüstete das Publikum, sodass die bisherige, 25 Jahre alte klassische Inszenierung in den historischen Schinkel-Bühnenbildern dazu parallel weiterhin im Programm bleiben soll.

Hier ein Trailer der Mozart Inszenierung an der Lindenoper.

Sieben Premieren auf der Hauptbühne wird die Berliner Staatsoper in der kommenden Spielzeit herausbringen. Und der argentinische Filmemacher Damián Szifron, der mit „Wild Tales – Jeder dreht mal durch“ 2015 für den Auslandsoscar nominiert war, gibt sein Debüt als Opernregisseur. Wir sind gespannt!

Neun statt zehn Stücke beim Theatertreffen 2019

Zum Berliner Theatertreffen (3.-19. Mai 2019) kann die geplante bildgewaltige Inszenierung aus Dortmund leider nicht gezeigt werden und wurde kurzfristig abgesagt. Der Aufwand die umfangreiche Ausstattung, die auf einer Drehbühne fußt, nach Berlin zu holen, wäre zu teuer geworden, hieß es lapidar auf der Pressekonferenz. Statt dessen soll der junge Regisseur Ersan Mondtag am Samstagvormittag, den 4. Mai 2019 in einer öffentlichen Veranstaltung um 11:30 Uhr eine Auszeichnung für seine gewagten Aufführungen von 3sat in Berlin bekommen. Alle anderen Inszenierungen finden aber wie geplant statt.

Hier der Trailer der Aufführung aus Dortmund:

Drei Aufführungen sind darunter auch im Fernsehen in 3sat zu sehen. Jene aus Dortmund ist aber nicht darunter und kann auch nicht mehr aufgenommen werden, da das Stück dort bereits abgesetzt ist. 3sat wird aber in seiner Sendung "Kulturzeit" ein Porträt des 3sat-Preisträgers Ersan Mondtag am Montag, 6. Mai 2019 um 19:20 Uhr ausstrahlen. Bereits am Freitag, 3. Mai 2019, bringt das 3sat-Magazin "Kulturzeit" einen Überblick zur Eröffnung des Theatertreffens.

Zwei Inszenierungen sind vom Staatsschauspiel Dresden eingeladen. Beide Stücke basieren auf Romanvorlagen: Regisseur Sebastian Hartmann hat sich "Erniedrigte und Beleidigte" des Russen Fjodor M. Dostojewski vorgenommen, während Ulrich Rasche "Das große Heft" nach dem Roman von Agota Kristof inszeniert.

Auch das Theater Basel ist mit zwei Stücken dabei, Berlin sogar mit drei Inszenierungen verschiedener Spielstätten, deren Produktionen von einer siebenköpfigen Kritikerjury ausgewählt und zur 56. Ausgabe des Theatertreffens eingeladen wurden.

Auf Rundreise durch den deutschsprachigen Bühnenraum wurden rekordverdächtige 418 Inszenierungen in 65 Städten gesichtet und zehn davon ausgewählt, die unter dem interpretationsweiten Begriff „bemerkenswert“ zusammengefasst werden können:

Liste der beteiligten Inszenierungen 2019:

"Das große Heft"

- Regie: Ulrich Rasche,

Staatsschauspiel Dresden

"Das Internat"

- Regie: Ersan Mondtag,

Schauspiel Dortmund (Aufführung fällt aus!)

"Dionysos Stadt"

- Regie: Christoph Rüping,

Münchner Kammerspiele

"Erniedrigte und Beleidigte"

- Regie: Sebastian Hartmann,

Staatsschauspiel Dresden

(Samstag 11. Mai 2019, 20:15 Uhr auch in 3sat)

"Girl From The Fog Machine Factory"

- Regie: Thom Luz,

Gessnerallee Zürich

"Hotel Strindberg"

- Regie: Simon Stone,

Burgtheater Wien / Theater Basel

"Oratorium"

- von She She Pop,

HAU, Hebbel am Ufer, Berlin

"Persona"

- Regie: Claudia Bauer,

Deutsches Theater, Berlin

(Samstag 18. Mai 2019, 20:15 Uhr auch in 3sat)

"Tartuffe oder das Schwein der Weisen"

Regie: Claude Bauer,

Theater Basel

(Samstag 4. Mai 2019, 20:15 Uhr auch in 3sat)

"Unendlicher Spaß"

- Regie: Thorsten Lensing,

Sophiensäle, Berlin

Mit Corinna Harfouch und Karin Lithman hat das Deutsche Theater in Berlin zwei aus Film- und Fernsehproduktionen bekannte Protagonistinnen am Start. Anna Bergmanns Inszenierung „Persona“ ist zudem eine Koproduktion mit dem Malmö Stadsteater, was auf eine internationale Vernetzung hinweist.

Der Leiterin des Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, ist aufgefallen, dass das Theater „als sozialer Ort“ wiederentdeckt wird und „wirkmächtige multimediale Gesamtkunstwerke“ zum Staunen einladen.

In den kommenden beiden Jahren soll jedoch mindestens die Hälfte der zehn ausgesuchten Stücke von Regisseurinnen stammen. „Im Theatertreffen gibt es eine großes Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Regisseuren. Und das seit den 1960er Jahren“, so Yvonne Büdenhölzer weiter.

Zwei Stücke kann man der Berliner Freien Szene zurechnen.

Die Performance „Oratorium“ der am HAU angedockten Gruppe »She She Pop«, wird auch den „Berliner Theaterpreis 2019“ erhalten. Das Kollektiv verhandelt unter anderem die Frage, ob man sich für den Besitz einer Eigentumswohnung schämen muss. Dazu darf das Publikum chorisch mitsprechen.

Viereinhalb Stunden müssen die Zuschauer von Thorsten Lensings David-Foster-Wallace-Bearbeitung „Unendlicher Spaß“ ausharren. Die Schauspieler-Sause mit den aus der Filmbranche bekannten Gesichtern von Jasna Fritzi Bauer, Sebastian Blomberg, André Jung ist lang, aber lohnend und hat schon viele Besucher der Sophiensäle begeistert.

Link: www.berlinerfestspiele.de/theatertreffen

Quellen: ARD Text | Tagesspiegel

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