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Unsere Filmkritiken im Dezember, Teil 3

Die Anzahl der Kinostarts ist zwischen Weihnachten und Silvester etwas geringer geworden, dennoch folgt auch noch Teil 4 in den nächsten Tagen mit weiteren Besprechungen.

Auch wenn die Anzahl der Kinostarts in den letzten beiden Wochen vor Jahresende nicht mehr sonderlich hoch ist, so gibt es dennoch einige Filme, die richtig begeistern und auf die es lohnt, näher einzugehen.

Bereits bei unseren letzten Filmkritiken hatten wir angedeutet, dass neben den üblichen Action-Thrillern, die in Multiplex-Kinos ihr Publikum suchen, vor allem im Arthouse-Bereich noch einige Highlights zu erwarten sind. Dazu gehört sicherlich die moderne Neuauflage von Mary Poppins aus dem Jahre 1964, die kein Remake darstellen soll, sondern die Story um eine liebevolle Nanny, einem modernen Kindermädchen, mit heutigen Mitteln weiterzuerzählen versucht.

Das Musical, das auch auf vielen Theaterbühnen immer noch gern gespielt wird, begeisterte auch durch seine Melodien zum Mitsingen. Das ist leider bei der Fortsetzung musikalisch nicht ganz so gut gelungen. Doch im Großen und Ganzen ist ein netter Familienfilm entstanden, der genau in die Weihnachtszeit passt. In der Fortsetzung des Disney-Musicals von 1964 kehrt Mary Poppins zurück in die Cherry Tree Lane, wo ihre Schützlinge inzwischen erwachsen geworden sind.

Ebenso wie beim Original aus dem Jahre 1964 basiert natürlich auch die Fortsetzung lose auf den „Mary Poppins“-Kinderbüchern von P.L. Travers. Die Autorin hat insgesamt acht Bücher rund um das magische Kindermädchen Mary Poppins geschrieben, sodass uns noch einige filmische Fortsetzungen bevorstehen können.

Doch bevor wir zu unserer Filmkritik der Neuauflage kommen, hier noch einmal die alte Version als Trailer in der restaurierten 50th Anniversary Blu-ray Edition mit der Oscarpreisträgerin Julie Andrews als Mary Poppins:

"MARY POPPINS" 50th Anniversary Edition

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"MARY POPPINS' Rückkehr" Fantasy-Musical von Rob Marshall (USA). Mit Emily Blunt, Lin-Manuel Miranda, Ben Whishaw u.a. seit 20. Dezember 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Wir Älteren erinnern uns gerne noch an den Musical-Fantasyfilm "MARY POPPINS" (1964). Damals spielte die bezaubernde Julie Andrews die Titelfigur und wurde dafür 1965 mit einem Oscar ausgezeichnet. Insgesamt wurde der Film mit 5 Oscars belohnt. Damals, sowie heute (2018), kam die resolute Nanny mit aufgespanntem Regenschirm vom Himmel geschwebt, um sich um die Kinder der Familie Banks, Kirschbaumweg Nummer 17, mit ihren ganz eigenen Erziehungsmethoden zu kümmern.

Nun ist es wieder da, das berühmteste Kindermädchen der Welt. Diesmal in Gestalt der hinreißenden Emily Blunt. „Mary Poppins Rückkehr“ ist kein Remake, sondern eine Fortsetzung.

London 1930, Zeit der Weltwirtschaftskrise. Die Geschwister Jane (Emily Mortimer) und Michael Banks (Ben Wishaw) sind erwachsen geworden. Jane ist eine Aktivistin, die sich für Frauenrechte einsetzt und der Witwer Michael lebt mit seinen drei Kindern Anabel, Georgie und John und der Haushälterin Ellen (Julie Walters) noch immer im Kirschbaumweg 17. Der Vater sorgt sich um sein Haus, was ihm die Bank, bei der schon sein Vater gearbeitet hat und auch er halbtags beschäftigt ist, wegnehmen will. Die Situation scheint ausweglos. Für die Pflege seiner verstorbenen Frau, musste er einen Kredit auf das Haus aufnehmen und ausgerechnet sein gieriger Chef (Colin Firth) will sich nun des Hauses bemächtigen.

Wie heißt es so schön: Alles Gute kommt von oben. Just in dieser angespannten Situation, landet Mary Poppins, sein damaliges Kindermädchen, mit ihrem Regenschirm vom Himmel, geradewegs vor der Tür des Hauses Kirschbaumweg 17.

Mit ihren magischen Kräften und der Hilfe des stets gutgelaunten Laternenanzünders Jack (Lin-Manuel Miranda), bringt sie der Familie wieder Freude und Hoffnung bei und entführt die Kinder und Erwachsenen ins Reich der Fantasie.

Die wunderbare Emily Blunt tritt köstlich in die Fußstapfen ihrer Vorgängerin. In ihrer unterkühlten Art und mit berühmt britischen Humor singt und tanzt sie sich in die Herzen der Zuschauer. Einen Ohrwurm wie „Chim Chim Cheree“, gibt es allerdings nicht.

Auch unter der Regie von Rob Marshall („Chicago“) fehlt es nicht an wunderschönen Trickfilmsequenzen, die technisch weitaus perfekter gedreht werden konnten, als damals 1964.

Wunderbar choreographiert die Szene, als die Londoner Lampenputzerbrigade sich auf ihre Fahrräder schwingt und auf ihren Leitern den Big Ben in aller letzten Minute hinaufklettert, um die Uhr zurückzustellen und somit versucht, die Familie vor dem Auszug zu retten. All das ist herrlich kitschig und warmherzig inszeniert und mit klugen Dialogen versehen, dass man dem Vorgänger keine Träne nachweint. Statt des etwas verquasten Auftritt von Meryl Streep, wäre es eine liebenswerte Überraschung gewesen, wenn die heute 83-jährige Julie Andrews kurz aufgetreten wäre und gewunken hätte.

Ulrike Schirm

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"DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT" Biografie-Komödie von Caroline Link (Deutschland). Mit Julius Weckauf, Luise Heyer, Sönke Möhring u.a. ab 25. Dezember 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Unsere Kurzkritik:

Oscar-Preisträgerin Caroline Link hat mit dieser berührende Kindheitsgeschichte von Hape Kerkeling, nach seinem gleichnamige Buch, für deutsche Verhältnissen sehr solide Arbeit abgeliefert, die streckenweise wirklich für Begeisterung sorgen kann.

Nach meinem Geschmack wurde sie vielleicht etwas zu gradlinig erzählt. Ein paar Rückblenden inmitten des Films aus der Erinnerung von Hape Kerkeling, der zum Schluss des Films tatsächlich persönlich kurz auftaucht, hätten das Werk vielleicht noch lebendiger und vor allem filmisch interessanter, oder besser gesagt visuell anspruchsvoller, gestalten können.

Doch die Filmbewertungsstelle FBW war auch so überzeugt und vergab dem Werk das höchste Prädikat.

Die tragende Rolle übernahm der etwas pummelige, neunjährige Hans-Peter (Julius Weckauf), der dem Entertainer Hape Kerkeling in seinen Jugendjahren fast zum Schreien ähnlich sieht. Unterstrichen wird dies durch Verkleidungen, obwohl niemals ausgesprochen wird, dass Kerkeling homosexuell sei.

Die manchmal recht schwierigen Textpassagen, die zudem noch im rotzigen Ruhrpott-Dialekt gesprochen werden mussten, meisterte der Junge, der aus ähnlichem Milieu stammt, durch stures Auswendiglernen des Textes ohne irgendwelche Betonung. Erst am Set und in richtiger Filmstimmung legte er los und kann das Publikum mit seiner talentierten Komik voll für sich einnehmen.

Die Geschichte ist insgesamt eher traurig. Die Mutter von Hans-Peter verstarb früh. Der Junge lässt sich davon aber nicht bedrücken. Stattdessen feilt er fleißig an seiner großen Begabung, andere zum Lachen zu bringen, und will sein komödiantisches Talent ausbauen.

Immerhin basiert auch das Drehbuch auch auf Hape Kerkelings gleichnamigem autobiographischem Bestseller und wird durch einen hervorragenden Cast und die detailgetreue und authentische Ausstattung adäquat umgesetzt.

Im Schlusswort der FBW Jury heißt es: "Der Film macht klar, warum Kerkeling auf dem Höhepunkt des Ruhms dem Bildschirm adé sagte. Er ist nun mal ein Kind der 70er, das sich selbst oft in Szene setzte, aber nie seine Person ins Zentrum seiner Auftritte stellte. Und genau das reflektiert der Film auf wunderbare Weise."

W.F.

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"WESTWOOD" Doku von Lorna Tucker (Großbritannien). Mit Vivienne Westwood, Kate Moss, André Leon Talley u.a. seit 20. Dezember 2018 in ausgesuchten Kinos. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Eigentlich langweilt es Vivienne Westwood über ihr Leben zu erzählen. Dann tut sie es doch. Heute entwirft die Punklady, Ikone und Aktivistin Westwood Kleidung, die sie selbst als zeitlos beschreibt.

Ehemals Grundschullehrerin, die aus finanziellen Gründen ihr Kunststudium abbrach und nach ihrer Scheidung mit ihrem Sohn wieder zu ihren Eltern zog. Ihr Leben änderte sich schlagartig, als sie Malcolm McLaren, den Manager der Sex-Pistols kennen lernt. An seiner Seite wird sie zum Enfant Terrible der britischen Modewelt. Sie kreierten Teddy-Boy-Mode, Rockerklamotten, ihren Shop in der King`s Road nannten sie SEX, man konnte zwischen Sex-Toys, SM- und Fetisch Outfits wählen. Der Renner waren unter anderem zerrissene T-Shirts, die Punk Mode war geboren.

Herrlich die Szene, in der eine vornehme Kuratorin des Victoria & Albert Museums so ein zerstörtes Teil mit behandschuhten spitzen Fingern angewidert hochhält.

Ihr Leben war geprägt vom Spott der Presse, gescheiterten Beziehungen und finanzieller Knappheit.

Nichtsdestotrotz, heute wird ihr Name in gleichem Atemzug genannt, wie Dior, McQueen und Gucci, mit einem feinen Unterschied, dass sie nicht nur ihren Namen hergibt, sondern ihr Modeimperium geschäftlich, als auch kreativ selbst führt.

Ihr jüngerer Mann Andreas unterstützt sie bei ihrer erfolgreichen, kreativen Arbeit. Am liebsten kümmert sie sich um alles selbst.

Regisseurin Lorna Tucker hat mit ihrer Dokumentation über Westwood keinen typischen Modefilm gedreht. Sie hat nach Vieviennes Wurzeln geforscht, ihren Aktivismus unterstützt und ihren revolutionären kulturellen Einfluss von allen Seiten beleuchtet.

Wir sehen eine Frau mit vielen Facetten, enormer Stärke und Leidenschaft, bei allem, was sie tut.

Die Botschaft des Films: Wenn du etwas tun willst, dann tu es und gib niemals auf. Man kann nur den Hut ziehen vor dieser herrlich exzentrischen, einmaligen Person. Ein Mode-Original par excellence.

Ulrike Schirm

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