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Kinoneustarts im November - zwei Filmkritiken

Unsere Filmkritiken von Ende November, Teil 4

Unter den aktuellen Kinocharts steht der zweite Teil von Joanne K. Rowlings "Phantastischen Tierwesen", ein Spinn-off der "Harry Potter" Verfilmungen, unangefochten an erster Stelle, obwohl wir von dem Film nicht sonderlich begeistert waren. Aber Geschmäcker sind oft verschieden. Mit geschätzten 350.000 Besuchern und einem Einspiel von 3,5 Mio. Euro sollte das Sequel auch am Wochenende diese Spitzenposition weiter halten können. (UPDATE: Laut comScore wurden bis zum Sonntagabend sogar 383.000 Besucher erfasst.)

Stets ausverkaufte Vorstellungen gibt es aber auch beim Arthouse Film Festival »Around the World in 14 Films«, das heute seinen letzten Tag mit der Closing Night im CineStar in der Kulturbrauerei feiert. Mit einer Rekordzahl von ca. 6.000 Besuchern wurde bei der 13. Ausgabe erstmals eine Auslastung von 80% erreicht. Einige der dort gezeigten Filme waren bisher nur auf Internationalen Festivals wie Cannes, Venedig oder Locarno zu sehen gewesen und werden auch keinen deutschen Verleih haben, sodass es leider keine Gelegenheit mehr geben wird, die Filme in Deutschland auf der großen Kinoleinwand zu sehen, auch wenn sie zu den Besten gehören, was das Kino weltweit zu bieten hat.

So müssen wir uns mit den nachfolgenden zwei Filmkritiken darauf beschränken, was ansonsten noch im Kino läuft. Beide nachfolgend besprochenen Filme laufen übrigens auch im neu eröffneten UCI Luxe Kino am Mercedes Platz in Berlin.

Auch in der Potsdamer UCI Kinowelt wurden im laufenden Betrieb mehrere Mio. Euro investiert, um mehr Sitzabstand und Bequemlichkeit im neuen UCI Luxe Flagship-Kino zu haben. Dort laufen die beiden von uns besprochenen Filme aber nicht, nur "Grindelwalds Versprechen" ist in der 3D-Version aus der oben genannten Reihe "Phantastische Tierwesen" in Potsdam am Hauptbahnhof zu sehen. Nicht einmal das Thalia Programmkino in Potsdam-Babelsberg zeigt die nachfolgenden beiden Filme.

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"PEPPERMINT: Angel of Vengeance" Action-Thriller von Pierre Morel (USA). Mit Jennifer Garner, John Ortiz, John Gallagher Jr. u.a. seit 29. November 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Weil die häusliche Geburtstagsfeier ihrer kleinen Tochter aufs Gemeinste vereitelt wurde, gehen sie mit der Kleinen als Trost auf den Rummel. Kurze Zeit später, ist Nichts mehr, wie es mal war.

Nach einem brutalen Überfall auf ihre Familie, bei dem Ihr Mann und ihre Tochter ums Leben kommen, liegt Riley North (Jennifer Garner) im Koma.

Als sie erwacht, wird ihr auf erschütternde Weise klar, dass sie von der Polizei und Justiz keinerlei Hilfe bekommt. Die Mörder werden gedeckt.

Fünf Jahre lang bleibt Riley verschwunden. Zurück in L.A. begibt sie sich gnadenlos auf ihren ganz persönlichen Rachefeldzug. „Wenn einem alles genommen wird, wird man zu einem anderen Menschen“. Aus der ganz normalen Bürgerin, wird eine knallharte urbane Guerillakämpferin.

In ihrer Verzweiflung, Wut und dem tiefsitzenden Schmerz, nimmt sie die ausbleibende Gerechtigkeit in die eigene Hand.

Bei ihrer Jagd nach Gerechtigkeit, ist sie ihren Verfolgern, dem Kartell, dem FBI und der Justiz, immer einen Schritt voraus. In der Obdachlosensiedlung, in der sie Unterschlupf findet, setzt sie sich, trotz ihres Schmerzes, für Gerechtigkeit ein. Ganz nebenbei, muss auch noch die Mutter einer Klassenkameradin ihrer Tochter, die den Geburtstag des Kindes versaut hat, dran glauben.

In dem hochexplosivem Selbstjustizdrama brilliert Jennifer Garner als Angel of Vengeance derartig mitreißend, dass man die eigentlich moralisch verwerfliche Ausübung von Selbstjustiz völlig vergisst.

"PEPPERMINT: Angel of Vengeance" erinnert stark an den 1. Teil von Quentin Tarantinos "KILL BILL".

Ulrike Schirm

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"VERSCHWÖRUNG" Thriller von Fede Alvarez (USA). Mit Claire Foy, Sverrir Gudnason, Sylvia Hoeks u.a. seit 22. November 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Nach dem Tod von Bestsellerautor Stieg Larsson im Jahre 2004 wird seine erfolgreiche „Millennium Triologie" mit "Verschwörung" nun fortgesetzt.

Diesmal schlüpft Claire Foy (Golden Globe für „The Crown") nach ihren Vorgängerinnen Naomi Rapace und Rooney Mara, in die Rolle der Rächerin aller missbrauchten Frauen, der Hackerin Lisbeth Salander.

Foy macht das großartig. Auch sie entspricht nicht im geringsten der Vorstellung von herkömmlicher Weiblichkeit. Gekleidet in schwarze Lederklamotten, Piercings und Tattoos am Körper, von ihren Feinden als Psychopathin und lesbische Satanistin bezeichnet, sorgt sie, von der NSA engagiert, dafür, dass ein Computerprogramm, welches den Zugriff, auf fast alle Nuklearraketen enthält, nicht in kriminelle Hände gerät. Die von ihr entwickelte Software ist verschwunden. Dank Foys Darstellung, die nicht nur knallharte Stärke sondern auch eine anrührende Zerbrechlichkeit zeigt, sieht man über die Verzettelung des Plots gerne hinweg. Ein Hinkucker, die in Grau- und Blau-Töne getauchte Bildsprache.

Der Thrill des Films liegt in der absoluten Frauenpower von Lisbeth Salander.

Ulrike Schirm

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