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Zukunftsprogramm Kino - Diskussionsrunde in Berlin

Nachhaltige Veranstaltung für Filmtheaterbesitzer im Delphi Lux Kino am Bahnhof Zoo zum Erhalt des Kulturorts Kino in den Regionen.

Auf Initiative der CDU / CSU-Bundestagsfraktion fand am 9. Oktober 2018 in den Delphi Lux Kinos am Berliner Bahnhof Zoo erstmals ein Arbeitstreffen statt, bei welchem man das im Koalitionsvertrag festgelegte "Zukunftsprogramm Kino" mit der Branche und Kinovertretern besprechen wollte.

Extra angereist kamen zahlreiche Filmtheaterbesitzer von weit entlegenen kleinen Kinos auf dem Lande, denen es ein Anliegen war mit Politikern in Berlin hautnah darüber zu diskutieren, wie der kulturell anspruchsvolle Kinofilm in der Fläche wirken kann und wie die neue, geplante Förderung dem Kulturort Kino „auch außerhalb von Ballungsgebieten“ zugute kommen kann.

Kinobetreiber und Filmschaffende wollten ihre Bedürfnisse und Erwartungen an Experten aus der Branche und dem HDF Kino sowie der AG Kino – Gilde richten, welche Kinos gefördert werden sollten und vor allem welche Maßnahmen vordringlich sind, um dem Kinosterben in der Provinz zu begegnen.

Auf dem Podium saßen Matthias Helwig (Kino Breitwand, Starnberg Seefeld Herrsching und Veranstalter des fünf Seen Film Festivals), Peter Dinges (Vorstand der FFA Filmförderungsanstalt Berlin), Felix Bruder (Geschäftsführer der AG Kino - Gilde Deutscher Filmkunsttheater), Yvonne Magwas (CDU - Mitglied des Deutschen Bundestages), Thomas Negele (Vorstandsvorsitzender bei HDF Kino e.V. und Vizepräsident der SPIO - Spitzenorganisation der Filmwirtschaft), Borjana Gakovic (Medienpolitische Sprecherin des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit e.V.) und Claas Danielsen (Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung MDM).

18 Prozent minus beim Kinoumsatz und den Besucherzahlen.

Angesichts der am Vortag veröffentlichten Zahlen von ComScore, die besagen, dass sowohl beim Kinobesuch als auch beim Umsatz das Kinojahr 2018 nach den vergangenen neun Monaten um 18 Prozent hinter dem Vorjahr liegt, ist es nicht verwunderlich das vor allem kleinere Filmtheater auf dem Lande ohne finanzielle Unterstützung auf Dauer nicht überleben können.

Kinovertreter wie jener aus Großhennersdorf bei Görlitz im Südosten Sachsens, der zudem jährlich das länderübergreifende Neiße Filmfestival organisiert, brachten es auf den Punkt:

"Ohne schnelle Unterstützung werden viele Kinos auf dem Lande dicht machen müssen".

Aktuelle Filme werden entweder gar nicht, oder erst vier Wochen nach dem Kinostart in den Großstädten auf dem Lande ausgeliefert. Somit viel zu spät, um von bundesweiter Kinowerbung noch in der Fläche profitieren zu können. Dabei sollte die Digitalisierung des Kinos alles viel einfacher machen. Teure Filmkopien sind heutzutage nicht mehr notwendig, denn die Filme kommen von den Verleihern auf wiederbespielbaren Festplatten in die Kinos. In Großstädten manchmal sogar per Glasfaser-Standleitung, sodass quasi kaum Überspielkosten anfallen würden und jeder Film in kürzester Zeit verfügbar sei.

Doch auf dem Lande kommt die versprochene digitale Netzinfrastruktur nicht hinterher, sodass die kleinen Filmtheater vom großen Kuchen abgeschnitten sind. Die Folge ist Landflucht der Bewohnern kleinerer Ortschaften und Überbevölkerung in den Großstädten.

Fast jede kleinere Ortschaft hat eine Kirche. Doch für den Erhalt der Kinos wird nichts getan, womit die Kultur in der Provinz bedroht ist und Jugendlichen auf dem Lande das unbeschreibliche Kinogefühl nicht mehr vermittelt werden kann.

Auch FFA-Vorstand Peter Dinges pflichtete dem bei: "Eine Strukturförderung muss dazu dienen, Strukturschaden abzuwenden!", so sein Statement.

Im Nachbarland Frankreich wird seit jeher Film als Kultur angesehen und mit Milliarden unterstützt. In Deutschland dagegen stöhnt die Politik schon bei Ausgaben von ein paar wenigen Millionen. Dabei stehen neue Brandschutzauflagen an, doch viele Kinotheaterbesitzer konnten keine Rücklagen bilden, um die Auflagen zu erfüllen.

Die Filmwirtschaft wird dagegen mit ständig mehr Fördergeldern unterstützt. In der Folge kommen immer mehr Filme auf den Markt, obwohl die Anzahl der Leinwände durch zahlreiche Pleiten derzeit wieder abnimmt. Von 558 Filmen in den ersten drei Quartalen 2017 stieg die Anzahl gezeigter Werke nunmehr auf 602 Filme bis Oktober 2018, wodurch die Verweildauer auf den Leinwänden permanent sinkt. Dennoch blieb der Ticketpreis mit durchschnittlich 8,72 Euro gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil.

Ursprünglich war der Start des Zukunftsprogramms eigentlich erst für 2020 vorgesehen. Doch in Absprache mit der SPD hat man sich in der Koalition darauf verständigt, bereits 2019 erste Maßnahmen in die Wege zu leiten, wie Elisabeth Motschmann als kultur- und medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von CDU/CSU das Publikum im Saal wissen lies. Allerdings sei die letzte Hürde noch nicht genommen solange das Votum des Haushaltsausschusses noch ausstehe.

Doch Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, legte sich als Schlussrednerin fest und versprach im Namen der Fraktion, dass man schon im kommenden Jahr etwas tun werde. Nur BKM-Vertreter Günter Winands, der anstelle von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gekommen war, bremste ein wenig beim Zahlenspiel und betonte, dass an Kinoinvestitionsförderung kaum mehr als 30-35 Millionen Euro zur Unterstützung notleidender Kinos drin sein werden, was gegenüber den in Frankreich zur Verfügung gestellten Mitteln äußerst bescheiden klingt, auch wenn noch ein weiterer Betrag von den Ländern und der FFA die Summe aufrunden.

Dass dies aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann, wurde letztendlich jedem in der Diskussionsrunde bewusst. Damit den Kinos sowohl im Speckgürtel, als auch auf dem Lande geholfen werde, bestünden aber noch andere Maßnahmen, wie z.B. Gelder zur Strukturförderung oder aus dem Bereich der Städtebauförderung, abzufragen. Doch schnell wurde klar, dass manch Bürgermeister im ländlichen Raum sowohl mit Beratungen, als auch in Sachfragen überfordert sei, denn für viele Bürger sei Kino - im Gegensatz zu Theater oder Konzert - eben keine schützenswerte Hochkultur. Schon früher wurde oftmals die Umwandlung eines alten Kinos in einen Supermarkt als Wirtschaftsförderung begrüßt, ohne sich darüber im Klaren zu sein, welche Folgen dies für die ländliche Kultur bedeutet.

Eine Kehrtwendung sei dringend angeraten, um die Landflucht zu stoppen, falls es nicht schon zu spät ist. HDF-Vorstand Thomas Negele mahnte deshalb eindringlich dazu, sich vor Augen zu führen, welche Folgen ein struktureller Einbruch in der Kinolandschaft für die deutsche Produktionsbranche hätte.

Auch Felix Bruder, Geschäftsführer der AG Kino-Gilde, appellierte ganz klar an die Parlamentarier, jetzt das nötige Geld in die Hand zu nehmen - um eine Maßnahme auf die Beine zu stellen, die dann über mehr als ein Jahrzehnt wirke.

Zum Schluss wurde noch bekannt, dass das Medienboard Berlin-Brandenburg künftig auch Investitionsmaßnahmen für Kinos in der Hauptstadtregion fördert. Dafür werden jährlich bis zu 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Um den Bearbeitungsaufwand für die Kinos möglichst gering zu halten, wird die neue Kinoförderung komplett von der FFA abgewickelt.

Quellen: BAF-Bericht | CDU/CSU | Blickpunkt:Film | Filmecho

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