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Neue Aufträge für Filmstudios in Babelsberg und Haselhorst

Produzent Artur Brauner wird 100 und plant mit Tochter Alice neues Projekt.

Dass zu Ehren von "Atze" Brauner, der an diesem Mittwoch seinen 100 Geburtstag feiert, die Astor Film Lounge in Berlin seit dem 26. Juli 2018 immer von Dienstag bis Donnerstag zahlreiche Filme des großen Berliner Produzenten laufen, hatten wir ausführlich am 24. Juli 2018 berichtet.

Im letzten Jahr verstarb Alices Mutter im Alter von 92 Jahren, was der langjährige Ehegatte kaum verwinden konnte. Beide hatten den Holocaust überlebt und sich zusammen gefunden. Lange Zeit sah es auch schlecht um Artur Brauners zahlreiche Immobilien am Kurfürstendamm und in Haselhorst aus, denn es waren viele Schulden angelaufen. Im Bezirk Spandau hatte der polnische Jude, der 1946 nach Berlin kam, im gleichen Jahr die Central Cinema Compagnie gegründet, die mit ihren CCC-Filmstudios an der Insel Eiswerder Geschichte geschrieben haben.

Seit 2006 leitet Alice Brauner die im Stadtteil Haselhorst an der verlängerten Daumstraße liegenden Filmstudios. Wegen über 60 Millionen Euro schulden wollte ihr Vater die heruntergekommen Studios seinerzeit verkaufen, doch die Tochter entschied sich anders und investierte vor vier Jahren in den Standort, um neue Filmproduktionen in den nunmehr sanierten Gebäuden einer ehemaligen Munitions- und Giftgasfabrik weiter zu ermöglichen. Seitdem geht es wieder aufwärts mit dem Imperium der Brauners.

Doch nicht nur in Spandau, auch in Jerusalem beginnen gerade Brauners Dreharbeiten zu "Crescendo", einem Film über Barenboims "West-Eastern-Divan-Orchestra", das erst im letzten Jahr, zusammen mit der Eröffnung des Pierre-Boulez-Saales und der Barenboim-Said Akademie unweit der Deutschen Staatsoper, ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt war.

Darüber hinaus hat Atze Brauner noch eine weitere wahre Geschichte in der Hinterhand, die von Dominik Graf verfilmt werden soll. Der Regisseur, der in letzter Zeit leider fast nur noch fürs Fernsehen gedreht hat, ist offensichtlich an der CCC-Produktion nicht abgeneigt. Mehr soll zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht verraten werden.

Ansehen könnte sich "Atze" Brauner das Ergebnis seiner Tochter dann im eigenen, privaten Kino am Ku'damm, der ehemaligen »Lupe«, die sich unverändert in seinem Hollywood Media Hotel befindet. Für die Öffentlichkeit ist das Kino leider nicht mehr zugänglich, ebensowenig wie der ehemalige Disco-Tempel von Rolf S. Eden nebenan, was in beiden Fällen schade ist.

Dagegen hat sich das für die Medienbranche luxuriös hergerichtete Soho Haus an der Torstraße in Berlin Mitte anders entschieden. Dort werden im eigenen Hauskino des Soho Media Clubs wenigstens gelegentlich für prominente Gäste sowie für Pressevorführungen moderne digitale Projektoren angeworfen.

Am Kurfürstendamm, Ecke Knesebeckstraße ist im Hollywood Media Hotel leider die Zeit stehen geblieben. Dabei hatte Artur Brauner mit seinem Besitz großes vor. Das Hotel sollte ebenfalls ein Aushängeschild für die Gäste der Berlinale werden. Doch seitdem die Berlinale am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte stattfindet, ist es dort ruhig geworden.

Der Medienmogul scheint in seinen Gedanken und Zielen - wie viele alte Leute - nur noch in Erinnerungen zu leben. Für seine Tochter ist es deshalb schwer ihn für Modernisierungen zu bewegen, während in der West-City am Bahnhof Zoo immerhin mit dem neuen Zoo Palast und den sieben Delphi Lux Kinos, Neues für die Filmbranche und fürs Publikum entstanden ist.

Ein paar Schritte weiter wird im Ku'damm Karree derzeit Platz geschaffen für ein neues Theater, dass die Komödie und das Kurfürstendamm Theater ersetzen soll. Dagegen sind Veränderungen beim Filmhotel, dem Hollywood Media Hotel, in den nächsten Jahren kaum zu erwarten, wenn sich bewahrheitet, was Artur Brauners Hausarzt prophezeit. Dank des relativ guten Gesundheitszustandes seines Klienten, könnte dieser vielleicht auch noch 119 Jahre alt werden.

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Neue Aufträge für Studio Babelsberg

Am 4. Mai 2018 schrieben wir, dass Studio Babelsberg rote Zahlen schreibt. Jetzt können die traditionsreichen Filmstudios in Potsdam-Babelsberg wieder ein wenig aufatmen, auch wenn bereits das nächste Damokles-Schwert über den Studios schwebt.

Doch zunächst die positive Nachricht. Laut Tagesspiegel werden in der Medienstadt derzeit Dreharbeiten für die Action-Neuverfilmung "Drei Engel für Charlie" vorbereitet. Es wäre seit längerer Zeit endlich wieder mal eine internationale Großproduktion, die man an Land ziehen konnte. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte mit der Aufstockung des DFFF Filmfonds dafür ein Signal gesetzt.

Ob die Aufstockung ausreicht, auf Dauer Produktionen nach Deutschland zu holen, ist angesichts weitaus größerer Anstrengungen Londons, seine eigenen Studios besser durch Steuernachlässe auszulasten, fraglich. Auch Dumpingpreise der sehr gut arbeitenden und traditionsreichen tschechischen Studios in Prag machen Babelsberg das Leben schwer, trotz finanzieller Unterstützung durch die deutsche Filmförderung.

Von Seiten des Babelsberger Studios, das als Geschäftspartner großer Hollywood-Produzenten äußerste Diskretion wahren muss, ist kein Kommentar zu dem beabsichtigten Drehstart im September zu hören. Bekannt geworden ist nur, dass die Schauspielerin, Filmproduzentin und -Regisseurin Elizabeth Banks Regie führen soll. Es wäre neben recht vielen Filmauftritten als Schauspielerin erst ihre zweite Regiearbeit nach "Pitch Perfect 2" im Jahre 2015, die zwar als „unterhaltsam“, andererseits aber auch als „minimal originell“ mit „vorhersehbarer, banaler Handlung“ von den Medien bezeichnet wurde.

Die US-Serie "Drei Engel für Charlie" konnte dagegen große Erfolge in den 70er und 80er Jahren feiern. Die Neuverfilmung soll laut Sony-Pictures Anfang Juni 2019 in den US-Kinos starten.

Darüber hinaus ist Studio Babelsberg auch an der vom Streaming-Dienst Netflix in Auftrag gegebenen deutschsprachigen Mysterie-Serie "Dark" beteiligt, dessen Dreharbeiten bereits mit Außendrehs begonnen haben. In den Babelsberger Studios soll es im Herbst weiter gehen.

Anfang des Jahres wurde in Babelsberg zudem an der englischsprachigen Verfilmung des schwedischen Thrillers "Verschwörung" gedreht. Vor der Kamera standen für die Millennium-Reihe die britische Schauspielerin Claire Foy und ihr schwedischer Partner Sverrir Páll Guðnason, der zuletzt als Björn Borg in der Verfilmung des Tennisduells "Borg/McEnroe" überzeugte.

Filmorchester Babelsberg muss höchstwahrscheinlich aufgeben.

Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass das Filmorchester Babelsberg aufgeben muss, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern würde.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Studiogelände soll in nur 50 Meter Entfernung ein Bürohaus entstehen. Während der etwa anderthalbjährigen Bauzeit, die am ersten August begonnen hat, ist es wegen des Baulärms nicht möglich, das Studio auf dem Filmgelände für Tonaufnahmen zu nutzen, die als Haupteinnahmequelle essentiell für das Orchester sind.

Die Folge ist, dass der Geschäftsbetrieb eingestellt werden muss, wenn nicht noch ein großes Wunder passiert. Die Auftragsbücher sind zwar voll, doch an der Umsetzung wird es wohl scheitern. Nur die bis Jahresende geplanten Konzerte können noch stattfinden. Neue Aufträge können leider nicht mehr angenommen werden, sodass den 66 Musikern gekündigt werden muss.

Links: www.ccc-film.de | www.studiobabelsberg.com | filmorchester.de

Quellen: Tagesspiegel | Wikipedia | BAF

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