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Preisvergaben beim 36. Filmfest München 2018 sowie in Karlsbad und in Köln

„Shoplifters“ gewinnt den Hauptpreis, „Fucking Drama“ gewinnt Kurzfilmpreis und der Förderpreis geht an „Alles ist gut“.

Rund 80.000 Besucher*innen und mehr Branchenveranstaltungen denn je konnte die 36. Ausgabe des Filmfest München 2018 verzeichnen, die am 7. Juli 2018 mit der Vergabe des Hauptpreises zu Ende ging.

Zudem erreichten die Livestreams der FILMMAKERS LIVE!-Panels rund 73.000 Personen übers Internet. Sie wurden über die Filmfest München Facebook Fanpage gestreamt. Auch der neue Partner TELE 5 konnte mit seiner täglichen Kurzberichterstattung eine Reichweite von 100.000 bis 200.000 Zuschauer*innen erzielen.

Filmfest-Leiterin Diana Iljine formuliert es folgendermaßen:

„Ich bin glücklich, dass wir in den vergangenen zehn Tagen wieder herausragende Filme, wunderbare Menschen, neue Ideen und durchaus auch Glamour in die Stadt bringen konnten. Das FILMFEST MÜNCHEN war auch dieses Jahr wieder ein großer Erfolg.“

„Durch die angekündigte Budgeterhöhung von drei Millionen Euro haben wir nun die Chance, das FILMFEST MÜNCHEN in den kommenden Jahren weiter zu entwickeln und neu zu positionieren.“

Die Gewinner:

ARRI/Osram Award:

Als bester internationaler Film wurde der Film „Shoplifters“ von Hirokazu Kore-eda mit dem ARRI/Osram Award ausgezeichnet. Der Film des japanischen Filmregisseurs lief zuerst auf dem Internationalen Film Festival in Cannes. Hier der Trailer:

„In seinem Film „Shoplifters” bricht Hirokazu Kore-eda die kleinste Zelle der Gesellschaft, die Familie, auf, so dass sie sich selbst neu sortieren und erfinden kann. Die Protagonisten ändern ihre Namen und ihre Funktionen, sie entwickeln ihre eigenen Ansichten und Moralvorstellungen, ohne dabei von den biologischen Gesetze einer Familie oder gewissermaßen der Gesellschaft einschränken zu lassen. Dadurch ermöglicht „Shoplifters“ neue Möglichkeiten und macht am Ende vor allem eins: »Hoffnung«, so die Jurybegründung.

CineVision Award:

Mit dem CineVision Award für den besten internationalen Nachwuchsfilm wurde „Border“ des pakistanischen Regisseurs Ali Abbasi ausgezeichnet. Auch dieser Film lief in Cannes, allerdings in der Sektion »Un Certain Regard«. Hier der Trailer:

Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Border“ ist nicht nur ein beunruhigender Film, sondern auch ein verstörender. Im wahrsten Sinne des Wortes hat uns dieser Film verstört, was unsere Sicherheit, Norm und Überzeugung betrifft: Was ist Schönheit? Was ist normal? Was ist Zärtlichkeit? Was ist ungeheuerlich? Der Film zeigt auf, wie viele wundervolle und schreckliche Dinge uns umgeben, die wir aber kaum mehr wahrnehmen können, weil unsere Sinne derart abgestumpft sind. Allerdings verfügt die Protagonistin des großartigen Films „Border“ über einen vorzüglichen Geruchssinn. Sie ist die gejagte Außenseiterin, deren Perspektive uns einen Blick hinter die Maske des vermeintlich Normalen und in das groteske Gesicht dessen werfen lässt, was wir Menschheit nennen.“

Eine lobende Erwähnung erhielt der taiwanesische Film „The Great Buddha+“ von Regisseur Hsin-Yao Huang. Hier der Trailer:

„Mit seiner skurrilen Bildsprache und fantastisch-komischen Dialogen erzählt er die Geschichte zweier naiver Außenseiter und ihres Bestrebens, halbwegs normale Leben in einer absolut absurden Welt zu führen. Diese Absurdität wiederum fängt der Film meisterhaft ein. So liefert er ein mehrdeutiges, formal spielerisches und überraschendes Gesellschaftsporträt.“, so die Jury.

FIPRESCI-Preis + Förderpreis Neues Deutsches Kino:

„Alles ist gut“ von Eva Trobisch gewann den FIPRESCI-Preis 2018 sowie den Förderpreis »Neues Deutsches Kino« für die Beste Regie und Bestes Schauspiel Produktion.

Der Förderpreis Neues Deutsches Kino ist einer der wichtigsten und höchstdotierten Nachwuchspreise in Deutschland. Gestiftet wird der insgesamt mit 70.000 Euro dotierte Preis von der Bavaria Film, dem Bayerischen Rundfunk und der DZ Bank.

Die Jury des internationalen Kritikerverbandes begründeten ihre Entscheidung wie folgt: „Der Fipresci Preis geht an „Alles ist gut“ von Eva Trobisch. Intelligent und vorausschauend wird hier die Geschichte einer Frau erzählt, die eine traumatische Erfahrung durchleben muss und in einen Strudel zunehmend komplexer Ereignisse gerät.“

Förderpreis Neues Deutsches Kino DREHBUCH (10.000 Euro)

geht an Damian John Harper für „In the Middle of the River“

Förderpreis Neues Deutsches Kino PRODUKTION (20.000 Euro)

geht an Anna de Paoli für „A Young Man with High Potential“

Publikumspreis:

Publikumspreis ging an den Film „Wackersdorf“ von Oliver Haffner. Der Film porträtiert die Geschichte um die Proteste gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf Anfang der 1980er Jahre.

Kinderfilmpreis:

Der Preis des Kinderfilmfestes ist ebenfalls ein Publikumspreis und ging in diesem Jahr an „100% Coco“ von Tessa Schram. Er ist zum ersten Mal mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotiert. Der Film erzählt von der 13-jährigen Coco, die mit ihrem ausgefallenen Modestil zunächst aneckt, dann aber als „Style Tiger“ berühmt wird.

ONE-FUTURE-PREIS:

Der ONE-FUTURE-PREIS, verliehen von der Interfilm-Akademie, ging in diesem Jahr an den Film „A Letter to the President“ von Roya Sadat.

Die Jury begründet ihre Entscheidung mit den Worten:

„A Letter to the President“ ist ein bewegender, hochgradig ausgereifter Film, der von den Widersprüchen des afghanischen Rechtssystems und der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen erzählt, die noch zehn Jahre nach dem offiziellen Rückzug der Taliban Bestand haben. Getragen wird der Film von einer unbeirrbaren, starken und mutigen Frau, die sich gegen tief verwurzelte patriarchale Strukturen wehrt und für ihre eigene Freiheit ebenso wie für die Freiheit aller afghanischen Frauen eintritt. Ihre Integrität und ihr Mut zum Widerstand haben Vorbildcharakter für uns alle. Eine unmittelbare, atmosphärische und überzeugende Geschichte, hervorragend gespielt und herausragend inszeniert von Roya Sadat, der ersten weiblichen Regisseurin der Post-Taliban-Ära Afghanistans, die ihrer Protagonistin an Mut in nichts nachsteht.“

Fritz-Gerlich-Preis:

Der Dokumentarfilm über eine Dschihadistenfamilie "Of Fathers and Sons" von Talal Derki wurde beim Filmfest München mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis ausgezeichnet.

Bernd-Burgemeister-Preis:

Der Bernd-Burgemeister-Preis für den besten deutschen Fernsehfilm des Jahres wurde im Rahmen des Filmfest München an „Rufmord“ verliehen. Der Preis wird gestiftet von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Kurzfilmpreis:

Der Wiener Regisseur und Werbefilmer Michael Podogil ist auf dem Filmfest München mit dem Kurzfilmpreis 13th Street Shocking Shorts geehrt worden. Sein prämierter Streifen "Fucking Drama" erzählt von einem Theaterbesuch, der zum Schockerlebnis wird. Wendungsreich, intensiv, originell und mit starken Emotionen, wie die Jury befand.

Als Gewinner darf Podogil nun nach Los Angeles reisen und dort das Filmgeschäft kennenzulernen. Verliehen wurde der Kurzfilmpreis, der bereits zum 19. Male stattfand, von dem Pay TV-Sender 13th Street, einem Sender von Universal Networks International. Überreicht wurde die Trophäe vom Vorjahressieger Josef Brandl. Die Verleihung wurde moderiert von Joe Bausch.

Link: www.filmfest-muenchen.de

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Karlsbad: Holocaust-Drama prämiert.

Der Hauptpreis des 53. Internationalen Filmfestivals im tschechischen Karlsbad geht nach Rumänien. Regisseur Radu Jude nahm für einen Spielfilm über das Massaker von Odessa den Kristallglobus für den besten Film entgegen.

Bei dem Massaker vom Oktober 1941 hatten rumänische Besatzungstruppen etwa 25.000 Juden ermordet. Rumänien war damals ein Verbündeter von Nazi-Deutschland.

Der Film "„Îmi este indiferent dacă în istorie vom intra ca barbari" - übersetzt etwa "Mir ist es egal, dass wir als Barbaren in die Geschichte eingehen" - feierte in Karlsbad seine Weltpremiere. Hier der Trailer:

Insgesamt vier Preise, darunter auch von der FIPRESCI, konnte "Suleiman Mountain", das Debüt von Elizaveta Stishova ( Kyrgyzstan/Russia, 2017, 102 min.) absahnen. Hier der Trailer:

Synopsis:

Ein kleiner Betrüger, seine zwei Ehefrauen und sein Sohn, fahren durch die Einöde von Kirgistan. Ihre Reise nimmt das Publikum mit in eine farbenfrohe Welt zwischen Folklore, schamanistischen Ritualen und anderen Seiten des Landes, die sonst nie zu sehen sind.

Das 53. Internationale A-Filmfestival Karlovy Vary fand vom 29.06. - 07.07.2018 statt und damit quasi zeitgleich zum Filmfest München, wie wir am 27. Juni 2018 vorab berichteten.

Link: www.kviff.com

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Deutscher Kamerapreis an Kotschi.

Für seine Kamera-Arbeit beim SWR-Drama "Fremde Tochter" des Regisseurs Stephan Lacant ist Michael Kotschi am 7. Juli 2018 in Köln mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet worden. Die mit der Handkamera gefilmten Bilder zögen den Zuschauer emotional in die Geschichte um eine Schülerin, die zum Islam übertreten will, urteilte die Jury. Hier der Trailer:

Florian Ballhaus wurde für den Kinofilm "Der Hauptmann" geehrt.

In der Kategorie Dokumentarfilm erhielt Sergej Amirdzhanov für "Drei Engel für Russland" (ZDF) den Preis.

In der Dokumentation ging die Auszeichnung an Sorin Dragoi für "Todeszug in die Freiheit"

Alle Nominierten hatten wir am 6. Juli 2018 in unserer Berichterstattung vorab aufgelistet. Alle 10 Gewinner haben wir dort als UPDATE nachgereicht.

Link: www.deutscher-kamerapreis.de

Quellen: ARD Text | Filmfest München | Filmecho | BR

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