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Erstes Kinohalbjahr mit deutlichem Minus - steigende Besucherzahlen in den USA

Fußball-WM und heiße Sommertage hinterlassen bei den Besucherzahlen ein Minus von 17 Prozent in Deutschland.

UPDATE mit mittlerweile fünf Filmkritiken.

Das schöne Sommerwetter und die Fußball-WM vermasselten den Kinobetreibern das Geschäft, sodass ein Minus von 17 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres in Deutschland zu verzeichnen ist. Laut ComScore gingen nur rund 46 Millionen Zuschauern ins Kino und ließen die Ticket-Einnahmen am Boxoffice auf 407 Millionen Euro sinken.

Branchenexperten sehen trotzdem noch keinen Grund zur Panik, denn die Kinobetreiber wie auch VdF-Geschäftsführer Johannes Klingsporn vom Verband der Filmverleiher stellen sich in WM-Jahren darauf ein, dass das ‚eigentliche‘ Kinojahr erst nach der Fußball-WM losgeht.

Zudem gab Dr. Thomas Negele, Vorsitzender des HDF Kino, einen Ausblick, was Kinobesucher in den kommenden Jahren erwarten wird, um mitten im Film zu sein. Dazu gehören VR-Stations in den Foyers, 360-Grad-Kinosäle, Laser-Projektion oder LED-Leinwände als Alleinstellungsmerkmale für das Kino der Zukunft.

Uns scheinen manche dieser technischen Spielereien eher für die USA zu gelten, wo übrigens eine Zuschauersteigerung von 10 Prozent bei den Blockbustern zu verzeichnen ist. Warum das so ist, und worin sich das europäische Arthouse-Kino vom Mainstream in den USA abhebt, erklärt unsere nachfolgende Filmkritik zum Filmstart von "THE FIRST PURGE" ziemlich gut.

Dennoch wird auch bei uns in diesem Jahr noch mit bis zu 20 Filmstarts gerechnet, denen ein Besucherpotenzial von mehr als 800.000 Besuchern zugetraut wird.

Auch der Filmförderungsanstalt (FFA) macht der augenblickliche Besucherwund keine Bange. Vielmehr hat die Kinokommission der FFA in ihrer zweiten Sitzung des Jahres insgesamt 5,9 Millionen für die Förderung von 101 Projekten vergeben. Darunter sind Modernisierungsmaßnahmen und Erweiterungsbauten, aber auch Neubauprojekte. Grund für die Förderung ist u.a., dass der Deutsche Filme im Kinojahr 2017 ein stärkeres Besuchs- und Umsatzplus als der Gesamtmarkt verzeichnen konnte.

"THE FIRST PURGE" Horrorthriller von Gerard McMurray (USA). Mit Y'lan Noel, Lex Scott Davis, Joivan Wade u.a. seit 5. Juli 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

„Der amerikanische Traum ist tot. Wir werden alles tun, damit es wieder besser wird“.

Die „Neuen Gründungsväter Amerikas“ hecken einen Plan aus, der perfider nicht sein kann. Ort der Handlung Staten Island, New York. Die Vorbereitungen der ersten Purge – Nacht laufen auf Hochtouren. Der überwiegend schwarzen Bevölkerung wird weisgemacht, dass es sich um ein psychologisches Experiment handelt. Wer die Insel in der „Nacht der Nächte“ nicht verlässt, erhält 5000 Dollar, viel Geld für die fast ausschließlich arme Bevölkerung.

Der Plan scheint aufzugehen. 12 Stunden totale Anarchie. Gewissenlos wird an die niederen Instinkte der Menschen appelliert. Es darf gemordet, vergewaltigt und geklaut werden. Es darf hemmungslos gepurged werden. Das Ziel der Säuberung: Obdachlose, Kriminelle und Schwache bringen sich gegenseitig um. Somit erspart man sich, die vom Bürger verhassten Steuererhöhungen. Als man feststellt, dass zu viele die Nacht zum Partyfeiern nutzen, zögert man nicht lange und setzt rechtsradikale Söldner, Gestalten des Ku-Klux-Clan und schwer bewaffnetes Militär ein. Weiss gegen Schwarz lautet jetzt die Parole. Je mehr von den Schwarzen umkommen , um so besser. Die ersten Bilder im Netz, brachten in kürzester Zeit bereits 20. Millionen Klicks, in denen die unmenschliche Aktion, mehr bejubelt als gescholten wurde.

So entrückt und zynisch uns Europäern dieses Szenario vorkommt, für die Amerikaner sind die PURGE – Filme nichts anderes als unterhaltsames Action-Kino. Systemkritik gleich null. Massenschiessereien gehören mittlerweile zum amerikanischen Alltag und Politiker arbeiten mit der amerikanischen Waffenlobby Hand in Hand.

Das Prequel „The First Purge“ ein Warnschuss an die immer stärker zunehmende Gewalt und Verrohung derer, die im Dunkeln stehen. Trump und sein Gefolge, deren Abscheu gegen Latinos, Muslime und Afroamerikaner immer mehr zunimmt, rückt das Hirngespinst einer solchen Säuberungsaktion hoffentlich niemals in eine reale Nähe.

Ulrike Schirm

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"DIE WUNDERÜBUNG" Drama von Michael Kreihsl (Österreich). Mit Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow, Erwin Steinhauer. Seit 28. Juni 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Schon auf dem Weg zur gemeinsamen Therapiesitzung merkt man den Eheleuten Joana (Aglaia Szyszkowitz) und Valentin Dorek (Devid Striesow) an, dass sie mächtigen Zoff miteinander haben.

Sie eilt ein ganzes Stück voraus, während er langsam hinterher trottelt. Mitten in Wien, in einem schönen Altbau liegt die Praxis eines etwas zauseligen Ehetherapeuten (Erwin Steinbauer), der die beiden herzlichst begrüßt. Noch ahnt er nicht, an was für einem starrsinnigen Paar er sich jetzt abarbeiten muss. Vor 17 Jahren haben sich Joana und Valentin bei einem Tauchkurs in Ägypten kennen-und lieben gelernt. Nun scheint die ehemals glückliche Ehe in Scherben zu liegen. In der folgenden Therapiesitzung sind beide nur noch auf Kampf eingestellt.

Alle klassischen Methoden, die ein Therapeut so anwendet, lassen die beiden Streithähne kalt. Besonders Joana ist davon überzeugt, dass ihr Mann sich nicht mehr für sie interessiert. Beide belauern sich gegenseitig und hacken aufeinander ein. Der verbale Schlagabtausch zwischen Mann und Frau ist stellenweise urkomisch, besonders wenn man gemütlich in seinem Kinosessel hockt und wie durch ein Schlüsselloch den Zoff quasi heimlich genüsslich sich anhört und ansieht.

Langsam rauft sich der Therapeut die Haare. „Warum trennen sie sich eigentlich nicht?“, fragt er genervt, als Valentin bei der Aufgabe, sich etwas Schönes vorzustellen, einfach einschläft. Bevor die erstaunten Eheleute auf die Frage eine Antwort finden, klingelt das Telefon. Das Gespräch , was der clevere Zausel führt, sorgt für eine ungeahnte Wendung. „Die Wunderübung“ ist ein Theaterstück, welches in Wien mit großem Erfolg aufgeführt wird. Dank der großartigen Darsteller ist die Theaterverfilmung, mit denen man ja oft so seine Schwierigkeiten hat, eine vergnügliche „Studie“ über ein Paar, dass mit bissigen Dialogen, deren bitterer Unterton nicht zu überhören ist, die die eine oder den anderen für Momente an seine eigene Ehe erinnert und man begreift, dass man schleunigst handeln muss.

Ulrike Schirm

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"CANDELARIA – Ein Kubanischer Sommer" Dramödie von Jhonny Hendrix Hinestroza (Kolumbien, Kuba, Deutschland, Norwegen). Mit Veronica Lynn, Alden Knight, Philipp Hochmair u.a. seit 5. Juli 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Havanna 1994. Die Kubaner leiden unter großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Durch den Mauerfall fällt die sozialistische Unterstützung aus und die USA sorgen mit ihrer Blockade für Öl – und Lebensmittelknappheit.

Candelaria und Victor Hugo leben in ärmlichen Verhältnissen. Die 75-Jährige arbeitet in einer Hotelwäscherei, nachts tritt sie in einem Club auf und singt stimmungsvolle Lieder. Victor ist Vorleser in einer Zigarrenfabrik, hin und wieder schmuggelt er ein paar Zigarren raus und verkauft sie seinem Freund El Negro. Seit Jahrzehnten sind die beiden ein Paar und haben schon mal bessere Zeiten erlebt.

Durch Zufall findet Candelaria im Wäscheauffangkasten einen Rucksack mit einer Videokamera. Sie nimmt sie mit nach Hause. Der Blick durch die Kamera bringt die Eheleute wieder näher zusammen. Langsam macht es Candelaria Spaß, sich vor dem Auge der Linse zu produzieren , während Victor es Freude macht, seine Frau zu filmen. Wie verliebte Teenager erfinden die zwei alten Liebenden immer neue Positionen, die sie mit Witz und wiedergewonnener Erotik umsetzen. Weil es an allem mangelt, zieht Victor los und verkauft nach und nach ein Stück aus ihrem Haushalt. Mit dem Geld bereitet er seiner Frau eine Überraschung, indem er besseres Essen einkauft, das beide regelrecht genießen und sich in bessere Zeiten zurückversetzt fühlen.

Bei dem Verkauf seiner Uhr wurde er betrogen. „Nun könnte ich vor Wehmut sterben oder auch vor Hunger“.

Die Kamera mit dem freizügigen Film seiner Frau landet bei einem unseriösen Geschäftemacher, der sofort ein lohnendes Geschäft für sich wittert. Er bietet „Viel Geld“, wenn sich Candelaria weiterhin vor der Kamera auszieht und Sex hat. Verkaufen will er die Filme an Touristen, die in seinen Augen merkwürdige Vorlieben haben.

Da Victor sein gesamtes Hab und Gut auf dem Schwarzmarkt verramscht hat, scheint das Angebot verlockend.

„Wenn ich an Hunger sterbe, dann könnte ich der Insel die verdammte Schuld geben“.

Wie Candelaria (Verónica Lynn) und Victor (Alden Knight) trotz der miesen wirtschaftlichen Umstände, mit Witz und einer Prise Humor, durch den Zufallsfund, verlorene Lebensfreude wiederfinden, machen den poetischen Film, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, unbedingt sehenswert.

Ulrike Schirm

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"ZENTRALFLUGHAFEN THF" Dokumentation von Karim Aïnouz (Deutschland, Frankreich, Brasilien). Seit 5. Juli 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

„Der Flughafen Tempelhof war einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands. 1923 nahm er den ersten Linienflugverkehr auf.“

„Die derzeit letzte Flugbewegung gab es auf dem Flughafen Tempelhof am 26.Juni 2010. Eine vom Flughafen Tegel kommende ZB10 Tobago befand sich auf einem Rundflug über der Stadt. Wegen eines Leistungsverlustes des Triebwerks, entschied sich der Pilot zu einer Notlandung auf der Piste27L des mittlerweile geschlossenen Flughafens Tempelhof.

Berlin ist nun der alleinige Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes und der riesigen Freifläche drumherum.“ (Wikipedia)

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Nun hat Karim Ainouz den stillgelegten Zentral Flughafen besucht, der bis vor kurzem als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde.

Niemand hätte sich jemals vorstellen können, dass die alten Hangars zu einer Notunterkunft für Kriegsflüchtlinge werden.

Karim, der in der Nähe des Geländes wohnt, sah mit an, wie die ersten Menschen 2015 ankamen. Er hatte das Bedürfnis, die Ereignisse zu dokumentieren und langsam das Vertrauen der Geflohenen zu gewinnen. Seine Besuche fanden anfänglich ohne Kamera statt. Er beobachtete den Alltag der Menschen, sprach mit Sozialarbeitern und kam so den Menschen immer näher.

In den Mittelpunkt seiner Dokumentation stellt er zwei Protagonisten, Ibrahim und Qutaiba. Ibrahim hofft von Tag zu Tag auf den erlösenden Bescheid, der ihn zum Bleiben berechtigt. Qutaiba, der im Irak Medizin studiert hat, hilft und packt mit an, wo er nur kann.

Erst im Schneideraum hat sich Karim entschieden, die Texte, die Ibrahim geschrieben hat, in denen er von seinem Leben in Syrien und seinen Zukunftswünschen erzählt, als Voiceover zu unterlegen.

Die Stimmung in den Hangars ist bedrückend. Die Menschen hausen mit mehreren in abgetrennten Kabinen, von Privatsphäre kann man nicht sprechen. Es ist laut und die Gänge, dienen als Aufenthaltsraum für Kinder und Erwachsene. Beschäftigung gibt es kaum. Zu Weihnachten hat man sich bemüht, ein wenig festliche Stimmung zu bereiten und Silvester startete man ein Feuerwerk auf dem Tempelhofer Feld. Man vergaß wohl, dass Feuerwerk und Krieg gleich klingen. Auch wenn sich Ämter und Sozialarbeiter noch so sehr bemühen, es lastet eine trostlose Stimmung in den Hallen. Was für eine kurze Zeit als provisorische Unterkunft gedacht war, zog sich in unvorhergesehene Länge.

Karim betont, dass er keinen Film über Flüchtlinge machen wollte, sondern er und sein Kameramann Juan Sarmiento G. haben dem Flughafen quasi die Hauptrolle gegeben, in dem sie in grandiosen Bildern die Architektur des Gebäudes, mit all ihren Widersprüchlichkeiten eingefangen haben. Auf der einen Seite, ein Ort für die zeitweise Unterbringung für Geflüchtete, auf der anderen Seite ein riesiges freies Feld, auf dem die Menschen ihre Freizeit genießen, ein Freizeitparadies, in dem jeder seinen sportlichen Neigungen ohne Einschränkung nachgehen kann. Es waren die kämpferischen Berliner und Berlinerinnen, die sich mit ihrem Volksentscheid, dafür stark gemacht haben. Karim hat eine besonders freiheitliche Kulisse für die traurige und großartige Erzählung von Flucht und Migration gewählt. Ein ganz wichtiger, Beitrag voller Empathie gegen die widerwärtige Hetze, der sich Migranten immer stärker ausgesetzt fühlen.

Ulrike Schirm

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"MARVIN" Drama von Anne Fontaine (Frankreich). Mit Finnegan Oldfield, Grégory Gadebois, Catherine Mouchet u.a. seit 5. Juli 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Unsere Filmkritik zu dem überzeugenden Drama über einen Schuljungen, der wegen seiner Homosexualität von den Mitschülern gehänselt wird und nur in einer Theatergruppe auflebt, folgte erst im Laufe des späten Abend.

Großartig der Cast, bei dem sowohl der Erwachsene Marvin Bijou (Finnegan Oldfield) als auch der kleine, junge Außenseiter (Jules Porier) vortrefflich ausgewählt wurden.

Ulrikes Filmkritik:

Auch wenn "MARVIN" von Édouard Louis's Buch inspiriert wurde, hat sich Regisseurin Anne Fontaine nur Teile aus seinem Debüt „Das Ende von Eddy“ (2014) herausgepickt. Ganz bewusst wollte sie den Stoff so frei adaptieren, dass Marvin nicht mehr als eine Adaption angesehen werden kann.

Süß sieht er aus der Schüler Marvin, etwas zart-mädchenhaftes umgibt ihn, was ihn zu einem totalen Außenseiter macht. Die Jungen aus dem Ort sind irritiert von dem „kleinen Engel“ und bereiten ihm die Hölle. Ständig wird er homophob attackiert und beschimpft und das nicht nur in der Schule und auf dem Heimweg, auch Zuhause herrscht ein rauer Ton. Sie alle nennen ihn Pédé, die Schwuchtel.

Die Bushaltestelle ist mit den Worten beschmiert: “Fickt die Bullen, Tod den Schwuchteln“. Es ist ein schreckliches Prekariats Milieu, in dem Marvin aufwächst. Sein Vater bezeichnet schwul als eine Geisteskrankheit, seine drei Brüder, mit denen er sich ein Zimmer teilt ,haben nichts als Verachtung für ihn übrig. Die Mutter interessiert sich nicht für ihn, so wie Mütter es oft tun, wenn sie viel zu früh ein Kind bekommen. Im Roman erzählt Louis eine Art Anekdote von einer Fehlgeburt, im Film schreit Marvins Mutter ihm ins Gesicht, „Das hättest auch du sein können“. Es ist diese weibliche Anmut, die Marvin ausstrahlt, die die Menschen in seinem Umfeld regelrecht herausfordert, ihn entweder sadistisch zu behandeln oder wie im Fall seiner Familie, sich seiner zu schämen. Das er ausgerechnet auch noch Marvin Bijoux heißt, macht es nicht besser. Bijoux ist das französische Wort für Schmuckstück.

Die Direktorin seiner Schule, Madame Clement, hat das künstlerische Talent in dem gepeinigten Einzelgänger erkannt und sorgt dafür, dass er in der Theater AG mitwirken kann. Nur weil er ein Wort nicht richtig ausspricht, verfolgt ihn auch hier wieder Spott und Hohn. Die Direktorin fördert ihn weiter und sorgt dafür, dass er an einem Schauspielkurs bei einer Französin teilnehmen kann. Endlich ist er aus dem kulturellen Niemandsland heraus und beschäftigt sich mit Labiche und Victor Hugo.

Anne Fontaine hat einen kleinen Trick angewandt, in dem sie zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und her wechselt. Marvin, der sich jetzt Martin Clément nennt und in Paris eine Art Ersatzfamilie gefunden hat, unter anderen einen Mentor für sein autobiografisches Stück, den Schriftsteller Abel.

Im Moment darauf, ist Martin wieder Marvin, da Fontaine mehr an den Augenblicken interessiert ist, als an der Chronologie. Es stört überhaupt nicht, den Weg von dem jungen Marvin, beeindruckend gespielt von Jules Porier, aus der Provinz, chronologisch unterbrochen, hin zu dem Erwachsenen Martin (Finnegan Oldfield) dem leicht trotzigen Künstler, nach Paris zu folgen. Martin ist auf dem besten Weg, endlich seine Identität zu finden. Wieder ist es eine Frau, die ihm dabei hilft. Isabelle Huppert spielt Isabelle Huppert. Sie hilft ihm, sich frei zu spielen, und zeigt ihm, dass es wohl möglich ist, den familiären Ballast abzuwerfen und aus eigener Kraft heraus, ein starker, selbstbewusster Mensch zu werden… auf jeden Fall auf der Bühne und das nicht nur durch ihre Prominenz. Es wird sein grosser Durchbruch. Titel des Stücks: „Wer hat MARVIN BIJOUX umgebracht?“ (By Martin Clément).

Ein Wohlfühlfilm ist „MARVIN“ nicht. Dafür gehen einem die Bilder seiner gedemütigten Kindheit zutiefst unter die Haut. Das berührende Drama einer Befreiung ist großartig gespielt und einfühlsam und klug inszeniert. Was will man mehr…

Ulrike Schirm

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