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Unsere Filmkritik zu »LOVE, SIMON« nach dem gestrigen Kinostart

Romanzen Drama um einen schwulen Collage-Boy.

Pünktlich zum sogenannten Stonewall-Aufstand am 28. Juni 1969 in New York, der jährlich als Christopher Street Day in den deutschsprachigen Ländern gefeiert und anderswo als Gay Pride Parade bezeichnet wird, startete gestern mit "Love Simon" ein Coming-Out-Drama aus den prüden USA in den Kinos.

In Berlin wird der Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern allerdings erst in einem Monat am 28. Juli 2018 mit einem Umzug des CSD Berlin gewürdigt.

Auch in München konzentriert man sich zunächst neun Tage lang auf das 36. Filmfest München, das am 28. Juni 2018 im Mathäser Filmpalast vor rund 1.500 Gästen feierlich mit „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ eröffnet wurde. Nach dem Auftakt mit der Filmvorführung gab es im Bayerischen Hof den traditionellen Eröffnungsempfang.

Auch das Medienboard Berlin-Brandenburg ist mit 12 Medienboard-geförderten Filmen & 1 Serie im offiziellen Festival-Programm 2018 des Filmfest München vertreten. Neben einigen bereits gestern genannten Werken: "In my Room" von Ulrich Köhler, die Serie "Parfum" von Philipp Kadelbach und das israelische Drama "Foxtrot" von Samuel Maoz sind folgende Werke in München vertreten:

Sektion SPOTLIGHT:

"Asphaltgorillas" (Weltpremiere)

Regie: Detlev Buck

Drehbuch: Constantin Lieb, Cüneyt Kaya, Detlev Buck

Cast: Jannis Niewöhner, Samuel Schneider, Ella Rumpf, Kida Khodr Ramadan, Uisenma Borchu

Produktion: Olga Film

Verleih: Constantin

"Das schönste Mädchen der Welt" (Weltpremiere)

Regie: Aron Lehmann

Drehbuch: Lars Kraume, Aron Lehmann, Judy Horney

Cast: Aaron Hilmer, Luna Wedler, Damian Hardung, Anke Engelke, Heike Makatsch

Produktion: Tobis Filmproduktion

Verleih: Tobis Film

"In my Room" (Deutschlandpremiere)

Regie & Drehbuch: Ulrich Köhler

Cast: Hans Löw, Elena Radonicich, Michael Wittenborn, Ruth Bickelhaupt

Produktion: Pandora Film Produktion

Verleih: Pandora

Sektion NEUES DEUTSCHES KINO:

"Familie Brasch" (Weltpremiere)

Regie & Drehbuch: Annekatrin Hendel

Dokumentarfilm

Produktion: IT WORKS! Medien

Verleih: Salzgeber

"Idioten der Familie" (Weltpremiere)

Regie: Michael Klier

Drehbuch: Michael Klier, Karen Aström

Cast: Lilith Stangenberg, Jördis Triebel, Hanno Koffler

Produktion: Michael Klier Film

Verleih: Zorro Film

"Liebesfilm" (Weltpremiere)

Regie: Robert Bohrer

Drehbuch: Robert Bohrer, Emma Rosa Simon

Cast: Lana Cooper, Eric Klotzsch, Sabine Vitua

Produktion: BASIS Berlin Filmproduktion

"Von Bienen und Blumen" (Weltpremiere)

Regie & Drehbuch: Lola Randl

Dokumentarfilm

Produktion: DETAilFILM

Verleih: Zorro (24 Bilder)

Sektion Wettbewerb / CINEMASTERS:

"Glücklich wie Lazzaro"

Regie & Drehbuch: Alice Rohrwacher

Cast: Adriano Tardiolo, Alba Rohrwacher, Tommaso Ragno, Nicoletta Braschi

Produktion: Pola Pandora Filmproduktion

Verleih: Piffl Medien

"Foxtrot" (Deutschlandpremiere)

Regie & Drehbuch: Samuel Maoz

Cast: Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray, Gefen Barkai

Produktion: Pola Pandora Filmproduktion

Verleih: NFP marketing & distribution

"The Tale" (Deutschlandpremiere)

Regie & Drehbuch: Jennifer Fox

Cast: Laura Dern, Ellen Burstyn, Jason Ritter, Elizabeth Debicki

Produktion: One Two Films

Sektion International INDEPENDENTS:

"Donbass" (Deutschlandpremiere)

Regie & Drehbuch: Sergei Loznitsa

Cast: Valeriu Andriutã, Boris Kamorzin, Sergei Kolesov

Produktion: Ma.ja.de Fiction

Verleih: Salzgeber

"Of Fathers and Sons" (Deutschlandpremiere)

Regie: Talal Derki

Dokumentarfilm

Produktion: BASIS Berlin Filmproduktion

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"LOVE, SIMON" Drama, Romanze, Komödie von Greg Berlanti (USA). Mit Nick Robinson, Jennifer Garner, Josh Duhamel u.a. seit 28. Juni 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Na endlich! 20th Century Fox hat dem Regisseur Greg Berlanti rotes Licht gegeben. Mit „Love Simon“, nach dem Jugendbuch „Nur drei Worte“, wird in der romantischen Komödie die Coming-Out-Geschichte eines homosexuellen Teenagers erzählt. Das Besondere daran ist , dass sich bisher kein grosses Studio an einen derartigen Stoff wagte.

Der 17-jährige Simon (Nick Robinson) führt ein ganz normales Leben. Er hat liebevolle, wohlhabende, modern denkende Eltern, tolle Freunde und Freundinnen. Sein Zimmer ist ausgestattet mit allem, was ein Jugendlicher so braucht, sogar ein Auto nennt er sein eigen. Eigentlich geht es ihm blendend, wäre da nicht, die Angst, sich vor seinen Freunden zu outen, indem er zugibt schwul zu sein. Durch einen Zufall kommt der leicht aus der Reihe tanzende Martin (Logan Miller) dahinter und nutzt sein Wissen aus, indem er Simon erpresst. Simon soll ihn mit ihrer Mitschülerin Abby (Alexandra Shipp) verkuppeln. Bisher wusste Niemand, dass Simon einen regen Mailaustausch mit einem ihm unbekannten homosexuellen Jungen namens „Blue“ führt, in den er sich offensichtlich etwas verliebt hat und nachdem er nicht nur in der Schule, sondern auch im Ort sucht.

Dadurch, dass Martin fälschlicherweise eine dieser Mails zwischen die Finger bekam, ist Simon in einer fatalen Situation, die die Unbekümmertheit seiner Freunde ziemlich durcheinander bringt. Eigentlich ist Simon das, was man ein „Landei“ nennen könnte. Aufgewachsen in einer durch und durch heterosexuellen Umwelt, ist es ihm völlig fremd, sich wenigstens im Netz über queere Kontakte auszutauschen, oder in bestimmten Foren herumzuchatten. Fast rührend der Moment indem er sich vorstellt, dass es eine bunte Uni gibt, in der queere Studenten, nach dem Whitney Houston Song „I Wanna Dance With Somebody“ tanzen und sich frei fühlen. Seine Sehnsucht ist ganz auf den unbekannten „Blue“ konzentriert, von dem er nicht mal den wirklichen Namen kennt, geschweige denn weiß, wie er ausschaut.

Auch Simons Mitschüler und Mitschülerinnen haben so ihre Probleme mit ihrer ersten Verliebtheit und so ist „Love, Simon“ nicht nur die Geschichte eines schwulen Coming-Outs, sondern auch eine über das Erwachsenwerden einer Gruppe von Highschool Schülern, die warmherzig, liebenswert und humorvoll erzählt wird. Auch Erwachsene werden ihre Freude haben, denn so mancher wird bestimmt an die Zeit seiner ersten Liebesversuche schmunzelnd erinnert werden. Kleine Anmerkung: Das Ende ist kitschiges Hollywood – Kino. Aber egal, die einfühlsame Inszenierung macht das dicke wieder wett.

Der US-Amerikaner Berlanti, der seit 2017 mit dem ehemaligen Fußballprofi Robbie Rogers verheiratet ist, hat den Film in Atlanta, Georgia gedreht. Dort wurde ein Gesetz verabschiedet, welches die Diskriminierung von Schwulen und Lesben erlaubt. Wie ungeheuerlich ist das denn!

Es wird höchste Zeit, dass derartige Themata nicht nur in Independent-Filmen abgehandelt werden, sondern auch den Mainstream erobern. Mit "Love, Simon" ist ein lobenswerter Anfang gemacht.

Ulrike Schirm

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