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Mehr als 600 Einreichungen für das 15. Neiße Filmfestival

Ein Pfingstwochenende mit spannenden Filmen im Dreiländereck an der Neiße und 20 Veranstaltungsorten über Grenzen hinweg.

Das Neiße Filmfestival geht vom 15. bis zum 20. Mai 2018 im Dreiländereck an der Neiße in seine 15. Runde. In rund 20 Kinos und Spielstätten ist aufregendes neues Kino aus Deutschland, Polen und Tschechien zu entdecken. In drei Wettbewerben für Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme konkurrieren dabei aktuelle Produktionen um insgesamt acht „Neiße-Fische“ - die begehrten Preise des Festivals. Neben den Siegern der jeweiligen Kategorie werden dabei auch die beste darstellerische Leistung und das beste Szenenbild in einem Spielfilm, ein Spezialpreis des Filmverbandes Sachsen und die Publikumslieblinge prämiert.

Mehr als 600 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme waren in diesem Jahr bei den Festivalmachern im Kunstbauerkino Großhennersdorf eingegangen und bewarben sich um einen Platz in drei Wettbewerben und diversen Filmreihen sowie um die Preise mit rund 11.000 Euro an Preisgeldern. Zu den eingereichten Beiträgen gehören neben Produktionen aus Deutschland, Polen und Tschechien, u.a. von verschiedenen Filmhochschulen, auch Koproduktionen hiesiger Filmemacher mit Partnern aus exotischen und entfernten Ländern wie Israel, der Türkei, Ägypten, dem Irak, dem Iran, Afghanistan, Südkorea, Sri Lanka, den USA, Panama, Kuba oder Brasilien.

Seit 2004 bietet das Neiße Filmfestival jungen Filmemachern aus Deutschland, Polen, Tschechien ein Forum. Darüber hinaus stellt es dem jeweiligen Nachbarpublikum etablierte Filme und Regisseure vor und widmet sich Schwerpunktthemen. 2018 beleuchtet eine Fokus-Reihe unter dem Titel „1968“, was in Polen, Deutschland und der Tschechoslowakei vor 50 Jahren geschah, welche gesellschaftlichen, politischen und historischen Veränderungen stattfanden und welche Einflüsse bis in die heutige Gesellschaft wirken.

Besonders und einzigartig am Neiße Filmfestival ist sein genreübergreifender und trinationaler Charakter mit grenzüberschreitenden Filmvorführungen an über zwanzig Spielorten in Deutschland, Polen und Tschechien und einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Lesungen, Konzerten und Partys, welches gemeinsam mit Kooperationspartnern in allen drei Ländern organisiert wird.

Zu den diesjährigen Höhepunkten im Festivalprogramm gehören neben den über 120 Filmen u.a. die Eröffnungsveranstaltung mit einem Konzert des Musik-Projektes „Weit.“ - Soundtrack zum gleichnamigen Kinoerfolg - am 15. Mai 2018 im Gerhard-Hauptmann-Theater Zittau, das Gastspiel von „The Plastic People of the Universe“ am 16. Mai 2018 im tschechischen Varnsdorf, das Konzert von „Lüül & Band“ am 17. Mai 2018 in der Kulturfabrik Mittelherwigsdorf sowie die traditionelle Festivalparty am 19. Mai 2018 im Kunstbauerkino Großhennersdorf.

Der Eröffnungsfilm spielt in Berlin.

Zur Eröffnung am Dienstag, den 15. Mai 2018, wird der Film „Pomiędzy słowami - Beyond Words“ von der in den Niederlanden lebenden polnischen Regisseurin Urszula Antoniak gezeigt. Nach seiner Welturaufführung beim tiff Festival in Toronto hatte die zum großen Teil in Berlin gedrehte niederländisch-polnische Koproduktion ihre Deutschlandpremiere auf den 51. Hofer Filmtagen gefeiert. Hier der Trailer:

Synopsis:

Der junge, aufstrebende Anwalt Michael (Jakub Gierszal) ist attraktiv und wortgewandt, in Berliner Nachtklubs gibt er eine ebenso gute Figur ab wie im Verhandlungssaal. Allerdings ist das Äußere bei ihm nur Fassade, denn ursprünglich stammt Michael aus Polen, was er nach Kräften verdrängt – jeden Tag feilt er an seinen Deutschkenntnissen, um seine Integretation unauffällig weiter bestmöglich voran zu treiben. Doch eines Tages taucht unverhofft sein Vater in zerfetzter Kleidung auf, zu dem Michael seit Jahren keinen Kontakt hatte. Damit wird die Frage nach seiner Identität nun dringender denn je...

In den Wettbewerben konkurrieren insgesamt neun Spielfilme und neun Dokumentarfilme – je drei deutsche, tschechische und polnische Produktionen – sowie über 30 Kurzfilme um die begehrten „Neiße-Fische“. Daneben bietet das Neiße Filmfestival aktuelle Filme aus Deutschland, Polen und Tschechien und besondere Filmreihen, wie die Reihe „Regionalia“ mit Beiträgen aus und über die Region, 70mm-Filme im Centrum Panorama in Varnsdorf und Kinderkino.

Die Filme des Spielfilmwettbewerbs.

Auffällig oft stehen Familienkonstellationen und -konflikte im Fokus der Filmemacher*innen: Im surrealen Psycho-Thriller „Wieża. Jasny dzień - Der Turm. Ein heller Tag“ setzt sich die polnische Regisseurin Jagoda Stelz vor dem Hintergrund eines Familientreffens mit der Zerrissenheit ihres Landes auseinander. Als Familiendrama mit schwarzen Humor inszeniert Piotr Domalewski sein Langfilmdebüt „Cicha noc - Stille Nacht“, das bereits mit zehn polnischen Filmpreisen ausgezeichnet wurde und kürzlich auch in Berlin beim Festival FilmPolska zu sehen war. Familienkonflikte tun sich auch in zwei tschechischen Produktionen auf, die beide auf dem Karlovy Vary Film Festival uraufgeführt wurden: Das Psychodrama „Absence blízkosti - Fehlende Nähe“ schildert eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung und im intimen Drama „Nina“ muss sich eine 12jährige mit der Scheidung ihrer Eltern auseinandersetzen.

In den deutschen (Ko-)Produktionen befinden sich die Protagonist*innen jeweils an einem Wendepunkt ihres Lebens: In „Vakuum“ spielt Barbara Auer - die beim Festival zu Gast sein wird - eine HIV-infizierte Ehefrau voller Wut, Ohnmacht und Hoffnung. Das melancholische, mit trockenem Humor erzählte Roadmovie „Whatever happens next“, das bei der Berlinale Premiere feierte, schickt seinen Protagonisten auf eine Reise ins Ungewisse und über die Schwierigkeit des Erwachsenwerdens erzählt Anatol Schuster in „Luft“. Die Mischung aus Coming-of-Age- und Liebesdrama überzeugt mit beeindruckenden Bildern und erhielt unter anderem 2017 einen First Steps Award.

Komplettiert wird der Spielfilmwettbewerb durch die Tragikkomödie „Kvarteto - Quartett“ über vier Nachwuchsmusiker und die Science-Fiction-Liebesgeschichte „Człowiek z magicznym pudełkiem - Der Mann mit der magischen Box“ von Bodo Fox.

Die Filme des Dokumentarfilmwettbewerbs.

Das Thema Familie dominiert auch den diesjährigen Dokumentarfilmwettbewerb. In „Familienleben“ begleitet die Filemacherin Rosa Hannah Ziegler eine Patchworkfamilie auf einem Bauernhof in Sachsen-Anhalt. Von Liebe, Verlustängste und der Überwindung traditioneller Erziehungsmethoden erzählt „Hugo“ anhand eine ungewöhnlichen Großvater-Enkelin-Beziehung und wurde damit beim Warschau Film Festival ausgezeichnet. „Svět podle Daliborka - Die Welt nach Daliborek“, der im Wettbewerb des Karlovy Vary Film Festivals lief, portraitiert einen fast vierzigjährigen Neonazi und die eher zwiespältige Beziehung zu seiner Mutter. Urkomisch und warmherzig dagegen ist das Mutter-Sohn-Verhältnis in „Najbrzydszy samochód świata - Das hässlichste Auto der Welt“, das vor dem Hintergrund des Wettbewerbs „Ugliest Car Award“ geschildert wird.

Um Autos geht es auch in „The Russian Job – Švéd v žigulíku“ ("The Russian Job – Der Schwede im Shiguli"). Der Film begleitet einen schwedischen Manager, der den russischen Autokonzern Avtovaz Car - Hersteller des legendären Lada - vor dem Konkurs retten soll. Die Ratlosigkeit von Politik und Medien angesichts wachsenden Rechtspopulismus zeigt „Aggregat“ mit fragmentarisch montierten Szenen aus dem aktuellen Alltag in Deutschland. Einen experimentellen Ansatz verfolgt auch „Postcards from the Verge - Postkarten vom Grenzstreifen“ mit atemberaubenden Bilden von der israelisch-palästinensische Mauer und den Konflikt, den sie symbolisiert.

Zwei intensive Frauenportraits runden den Dokumentarfilmwettbewerb ab. In „Sama - Allein“ kämpft die 91-jährige Theaterschauspielerin Luba Skořepová darum, weiter auftreten zu können, und „Over the Limit“ begleite die russische Athletin und Weltmeisterin Margarita Mamun ein Jahr lang auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen 2016.

Der Kurzfilmwettbewerb.

Aus über 300 Einreichungen wurde 32 deutsche, polnische und tschechische Kurzfilme für den Wettbewerb ausgewählt. Dokumentationen, Animationen und Fiktionen die in vier Programmen vorgeführt werden. Genreübergreifend und facettenreich, dramatisch, berührend, märchenhaft, spannend, witzig, musikalisch und auf jeden Fall Horizont erweiternd.

Retrospektive und Preisverleihung.

Seinen Höhepunkt findet das diesjährige Festival mit der feierlichen Gala am 19. Mai im Miejski Dom Kultury in Zgorzelec. Hier werden die Neiße-Fische an die besten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme verliehen. Außerdem werden die beste darstellerische Leistung, das beste Szenenbild, der Spezialpreis des Filmverbandes Sachsen und die Publikumslieblinge prämiert. Der Ehrenpreis des Neiße Filmfestivals wird in diesem Jahr an den deutschen Regisseur Christian Petzold vergeben. Ihm widmet sich eine Retrospektive.

Link: www.neissefilmfestival.de

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