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Filme unterm Sternenhimmel + Romuald Karmakar im Silent Green Kulturquartier

Tropische Nächte und kaum Regen unterm Firmament.

Berlin hat derzeit mit dem Wetter wohl unglaubliches Glück. Die Kinobesitzer stöhnen dagegen sehr. Während in anderen Regionen der Himmel Tränen von tropischem Ausmaß ergoss, sodass Sturzbäche Hab und Gut wegschwemmten, blieb es in Berlin bei sonnigen Temperaturen jenseits der 30° fast durchweg trocken.

Allerdings besteht Waldbrandgefahr und durch die meist anhaltende Trockenheit muss weiterhin meist künstlich bewässert werden. Nur für den Süden von Brandenburg hat der Deutsche Wetterdienst hat eine amtliche Unwetterwarnung vor schwerem Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel herausgegeben.

Obwohl der kalendarische Sommeranfang erst mit der Sommersonnenwende am 21. Juni eines jeden Jahres beginnt, sprechen die Meteorologen auch in unseren Breiten derzeit von tropischen Nächten, da die Temperaturen in den letzten Nächten nicht unter 20 Grad sanken.

Das freut natürlich die Freiluftkinos, die in diesen Tagen zwar noch nicht alle geöffnet haben, denn richtig dunkel wird es unter dem Sternenhimmel nämlich erst spät nachts. Weil bis zur Sommersonnenwende die Tage immer länger werden und die Vorstellungen immer später beginnen müssen, starten einige wenige Open Air Kinos erst im August, wenn es wieder frühzeitiger dunkel wird.

Freilichtveranstaltungen in Berlin

Im Freiluftkino Hasenheide in Berlin-Neukölln hat man dagegen schon seit dem 24. Mai 2018 mit den nächtlichen Freilicht-Vorstellungen begonnen. Dort trotz man auch jedem Wetter, denn im Ernstfall gibt es Regenponchos für die Besucher.

Im Volkspark Rehberge in Berlin-Wedding gibt es sogar Platz für 1.500 Cineasten, denn die Leinwand ist riesig und hohe Bäume ringsum verdecken sogar ein wenig das Firmament, falls Mond und Sterne zu hell strahlen sollten.

In Berlin-Spandau dagegen schirmt ein schattiger Innenhof in der alten Staatsbibliothek maximal 250 Besucher von schädlichen Umwelteinflüssen wie Autolärm ein wenig ab. Sogar aus dem Umland wie Nauen, Potsdam oder Falkensee kommen die Gäste und freuen sich über schöne Arthaus-Filme zu einem Glas Wein. Gemütliche Liegestühle verbreiten obendrein beste Laune.

Eines der ältesten Naturtheater, das mit Theateraufführungen bereits 1931 eröffnete, befindet sich umgeben von hohen Baumwipfeln im Friedrichshagener Kurpark im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Rund 800 Menschen finden in dem im Jahre 2006 zum Freiluftkino umgebauten Etablissement auf zwar harten Holzbänken Platz, die aber teilweise sogar überdacht sind, sodass für einige Besucher keine Panik bei ein paar Regentropfen aufkommen muss.

Mumblecore Filme im Rosengarten

Über Facebook haben wir nachträglich erfahren, dass das Festival achtung berlin - new berlin film award bereits vorgestern im Rosengarten Berlin-Mitte den Mumblecore-Film "FAMILIENFIEBER" von Nico Sommer gezeigt hat. Die Webseite des Festivals ist übrigens derzeit nicht erreichbar. Es gibt wohl Probleme mit der neuen Datenschutzverordnung, sodass die gesicherte Webseite nur mit Passwort besucht werden kann. Weitere Infos muss man sich über deren Facebook-Präsenz holen.

Mumblecore - Made in Germany -, das ist improvisiertes Kino vom Feinsten. Ohne Drehbuch entstehen diese Filme voller Energie, Explosivität und Leichtigkeit. Es sind außergewöhnliche Tragikomödien: Nur ist das Lachen herzlicher und das Tragische alltäglicher, als man es aus vergleichbaren deutschen Filmen kennt. Mit wenig Geld und großer Unabhängigkeit gelingt es den Filmemachern, das Lebensgefühl ihrer Generation in Berlin mit der Kamera einzufangen.

Am Dienstag, 12. Juni 2018 folgt "BLIND & HÄSSLICH" von Tom Lass

Am Dienstag, 24. Juli 2018 wird "LOTTE" von Julius Schultheiß gezeigt.

Am Dienstag, 7. August 2018 "RÜCKENWIND VON VORN" von Philipp Eichholtz. Hier der Trailer:

Als kleines Spezial zwischendurch folgt am 21. August 2018 der legendäre Berlinfilm "PLAYGIRL" (1966) von Will Tremper.

Am Dienstag, 4. September 2018 wird zum Abschluss der Mumblecore-Reihe im Rosengarten "LOVE STEAKS" von Jakob Lass gezeigt.

Rosengarten Kulturpavillon

im Volkspark am Weinbergsweg

10119 Berlin-Mitte (Gegenüber Haus Nr.13)

Die Vorführungen beginnen ab ca. 21:00 Uhr.

Ab 20. Juli 2018 geht es auch in Berlin Marzahn-Hellersdorf mit dem jährlichen Balkonkino los. Wer nicht direkt am Cecilienplatz wohnt, um vom eigenen Balkon kostenlos mit zugucken, der muss sich seinen eigenen Klappstuhl mitbringen. Allerdings ist dafür der Eintritt frei.

Einen zweiten Ableger haben sich die von uns schon oft erwähnten Tilsiter Lichtspiele mit ihrem Open-Air-Ableger im Freiluftkino Pompeji nahe dem Ostkreuz geschaffen. Bei Regen kann zudem ins Haus Zukunft ausgewichen werden, das neben einer Kneipe auch einen Biergarten und ein Theater bietet. Ein Highlight ist die »Lange Nacht der Filmfestivals« am 18. August 2018, veranstaltet von Festiwelt-Berlin.

Auf der Webseite Freiluftkino-Berlin sind übrigens gleich drei Open-Air-Kino unter einem Dach versammelt. Dort findet sich das Programm vom sowohl Freiluftkino-Friedrichshain, als auch vom Freiluftkino Kreuzberg und dem von uns im Text erwähnten Freiluftkino Rehberge.

Das größte Open-Air-Kino findet übrigens alljährlich im Rahmen des internationalen A-Filmfestivals von Locarno vor rund 8.000 Zuschauern statt. Ein wenig kleiner ist das Freiluftkino von Breslau, das ebenfalls im Rahmen des Filmfestivals Era New Horizons alljährlich auf dem Marktplatz von Wrocław (polnisch) stattfindet.

Links: www.freiluftkino-berlin.de | zukunft-ostkreuz.de/freiluftkino-pompeji | www.freiluftkino-hasenheide.de | www.freiluftkino-insel.de | openair-kino.net

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Tagsüber lohnt sich bei dem schönen Sommerwetter auch ein kleiner Spaziergang oder Fahrradausflug zum Silent Green Kulturquartier, dem ehemaligen Krematorium Wedding. An der Rückseite befindet sich nämlich die Galerie Ebensperger in der Plantagenstr. 30 mit einer Videoinstallation des Filmemachers Romuald Karmakar.

"Thulum" heißt dessen jüngste Arbeit in einem düsteren Kellergeschoss, die auch Ausschnitte aus seiner Präsentation im deutschen Pavillon 2013 in Venedig zeigt. Im Stockwerk darüber, in der Aussegnungshalle des ehemaligen Krematoriums, geht es markerschüttert weiter, denn Karmakar besitzt ein gutes Gespür für die soziale und narrative Funktion von Orten in denen er provozierende Clips aus seinen dokumentarischen Arbeiten präsentiert. Neben zwei Arbeiten für die documenta 14 in Kassel sind auch ältere Werke zu sehen, darunter z.B. "Coup de Boule" (1987) über eine Gruppe französischer Soldaten, der im Panorama der Berlinale lief.

"Coup de Boule" (D) 1987, 16mm, 8:00 min, col

von Romuald Karmakar

Mit der Stirn dem Gegenüber ins Gesicht stoßen. Wichtig, schnell, hart - wie Fußball. Französische Soldaten mit der Stirn gegen den Spind, die Holztür - zum Spaß, für alle Kameraden. Geht die Tür kaputt? Nein. Der Kopf? Nein. Was dann? Nichts.

Bis zum 30. Juni 2018 ist jeweils Freitags von 12-18 Uhr und Sa./So. von 11-17 Uhr geöffnet.

Link: galerieebensperger.net

Quellen: Tagesspiegel | Silent Green | Ebensperger

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