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Die Highlights des Medienkunstfestivals TRANSMEDIALE & der Club Transmediale CTM

Die Eröffnung des CTM Musikfestivals fand schon am Freitag statt, während die transmediale 2018 erst am Mittwoch beginnt.

Die 19. Ausgabe der diesjährigen Club Transmediale - TURMOIL (Aufruhr) findet bis zum 04.02.2018 statt. Sie wurde 1999 als Begleitveranstaltung zur transmediale – Festival für Kunst und digitale Kultur – gegründet. Seitdem hat sich das CTM - Festival for Adventurous Music and Art zu einem eigenständigen Festival der elektronischen und experimentellen Musik entwickelt. Weiterer Schwerpunkt sind künstlerische Projekte aus dem Umfeld zeitgenössischen Musikkultur, die bereits am Freitagabend, den 26. Januar 2018 im Kunstquartier Bethanien in Berlin Kreuzberg vorgestellt wurden.

Zwar findet eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem Medienkunstfestival Transmediale, auf der noch weitere Einzelheiten genannt werden sollen, erst am nächsten Dienstag, den 30. Januar 2018, einen Tag vor dem Eröffnungsabend der Transmediale im HKW statt, dennoch gab es bereits am gestrigen Samstagabend, den 27. Januar 2018, im Hebbel Theater, dem HAU 1, ein Eröffnungskonzert des CTM-Festivals, das eine Hommage an den Komponisten Julius Eastman war.

Am 31.01.2018 spielt dort im HAU 1 um 20:30 Uhr Lydia Lynch zusammen mit dem Trio Medusa's Bed. Philip Vermeulens "Physical Rhythm Machine_Boem BOem" ist am 1. Februar 2018 im Club Berghain zu erleben, wo zudem während des Festivals diverse DJ's auflegen. Am 4. Februar 2018 treten DAF im neuen Festsaal Kreuzberg neben der Arena Treptow auf.

Die 1978 im Umfeld des legendären Rattinger Hofs in Düsseldorf von Gabi Delgado-López (Gesang) und Robert Görl (Schlagzeug und Elektronik) gegründeten DAF schrieben sich von Anfang an die Provokation auf die Fahne. Mit elektronischen Musikinstrumenten, reduziert-militärisch Beats, minimalen Synthie-Melodien und expressiven Vocals erfanden sie einen Stil, der zur Blaupause für die elektronische Tanzmusik nachfolgender Generationen werden sollte: kalt, kalkuliert und kompromisslos, körperlich, aktivierend und zugleich hedonistisch. Provokation, das Spiel mit Erwartungen und Tabus bilden das Herzstück der DAF-Ästhetik, die totalitäre Gesten, schwitzenden Sex, Künstlichkeit und bissige politische Satire gegen jegliche Ideologien in Anschlag bringt:

"Wir machen Musik für den Hintern wie fürs Hirn. Musik, die rhythmisch und intelligent zur gleichen Zeit ist. Hauptsache, sie bewegt."

Im Anschluss an das Konzert lädt die Red Bull Music x CTM Afterparty im SchwuZ zum furiosen Festivalfinale.

Visuelles Highlight im Kraftwerk.

Für uns Filmemacher sind natürlich neben der emotionalen Musik die visuellen Eindrücke das Wichtigste der beiden Festivals. Und da hatte in den letzten Jahren das CTM meist die Nase vorn. Oft waren es Hintergrundinstallationen, die bei DJ-Auftritten auf Leinwänden projiziert wurden. Diesmal sind es Spiegelspiele von Christopher Bauder, die das Licht im Kraftwerk Berlin neben dem Tresor Techno Club an der Köpenicker Straße formen sollen.

SKALAR-Christopher-Bauder-Kangding-Ray

Bauders Installationen waren bereits in Museen wie dem Centre Pompidou in Paris oder dem Museum für bildende Kunst in Taiwan ausgestellt. Vier Wochen lang wird die Lightshow im Kraftwerk als Ausstellung zu sehen sein und somit auch Gäste der Berlinale noch erreichen. Eine Live-Performance mit Musik gibt es aber nur am 4. Februar um 18:00 + 20:30 Uhr und am 24. Februar 2018 um 20:00 + 22:30 Uhr zu sehen und zu hören.

Nach dem Erfolg von "Deep Web" beim CTM 2016, liefert der Berliner Lichtkünstler Christopher Bauder mit "SKALAR" eine neue spektakuläre großformatige Installation und Performance, diesmal in Zusammenarbeit mit dem Musiker Kangding Ray. In einer gemeinsamen Produktion von WHITEvoid, Kraftwerk Berlin und CTM erkunden die beiden Künstler darin die komplexen Wirkungen von choreographiertem Licht und Klang auf unsere Wahrnehmung und Emotionen.

In "SKALAR" behandelt Bauder Licht als greifbares Material, das zu Skulpturen architektonischer Dimension geformt werden kann, und trotz aller Abstraktion tiefgehende emotionale Assoziationen auszulösen vermag. In spannungsvollem Zusammenspiel mit der texturreichen Musik Kangding Rays, in der sich kinematisches Sounddesign und abstrakte Rhythmik verzahnen, greifen irisierende Lichtformationen in der beindruckenden Industriehalle des Kraftwerk Mitte Raum.

Sound in Zeiten der Krisen.

Mit dem diesjährigen Thema »Turmoil (Aufruhr)« fragt das Festival nach dem Sound innerer und äußerer Krisen und nach den Möglichkeiten von Musik im Angesicht der ebenso aufwühlenden wie frustrierenden Gegenwart. Die Programmhighlights reichen von Performances an der Schnittstelle zwischen Musik und Tanz, über eine Clubnacht mit alten und neuen Spielarten von Gabber und Hardcore, bis hin zu einem besonderen Themenschwerpunkt zu künstlicher Intelligenz in der Musik. Mit unterschiedlichen ästhetischen Strategien und inhaltlichen Positionen setzen sich diverse Künstler*innen mit der Frage nach dem Umgang mit persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Aufruhr auseinander. Damit setzt CTM die im vergangenen Jahr begonnene Beschäftigung mit den Potenzialen von Sound und Musik, Widerstandsfähigkeit, Achtsamkeit und Gemeinschaftssinn zu stärken, fort.

Raumklang im Funkhaus Berlin.

Anlässlich des CTM präsentiert »MONOM«, Berlins neues Zentrum für Raumklang, im Funkhaus Berlin, ein Programm mit Auftragswerken von Gaika, Pan Daijing, FIS und TCF, die mit dem 4DSOUND System experimentieren, um aktives Hören mit dem ganzen Körper und intensive Klangerfahrungen zu ermöglichen. Künstler und Forscher IOANN präsentiert „Imagining the Hyperspace“, eine während einer Residenz im Spatial Sound Institute in Budapest entwickelte Arbeit. Komponist John Connell und Künstlerin Florence To laden zur Deutschlandpremiere von "NOQTURNL", einem Übernachtkonzert, das Teilnehmer*innen an die hyperluzide Schwelle zwischen Wach- und Schlafzustand führen möchte: der bewussten Wahrnehmung des imaginativen und hochrezeptivem Zustand des träumenden Gehirns.

Tanz in die Nacht im YAAM.

Der diesjährige Fokus zu Tanz und Clubkultur ist auch ein Thema für den Mainfloor der großen Festivalnacht im YAAM, der dieses Jahr in Zusammenarbeit mit Carhartt präsentiert wird. Wie viele Künstler*innen im Universum der Flex Dance Music (FDM) sind Hitmakerchinx und DJ Aaron Tänzer und Producer in einer Person – und haben in diesen Rollen bereits mit Popstars wie Rihanna und Madonna zusammengearbeitet. Flex, ein Ableger von Dancehall- und Reggae-Tanzstilen, kombiniert unwahrscheinlich anmutende elastische Verrenkungen und ballettgleiche Geschmeidigkeit mit eckigen, „gebrochenen“ Bewegungen und schrägen Grimassen. Der zugehörige Sound, FDM oder auch "Flex Tunes" genannt, hat sich inzwischen zu einem eigenständigen Genre mit clubtauglichen Beats und obskuren Samples entwickelt. Bei ihrem Auftritt im YAAM wechseln Hitmakerchinx und DJ Aaron zwischen DJ-Decks und Dancefloor, wo sie von Flex-Pionier OG hob dot und Flex-Tänzerin Shellz unterstützt werden.

Die richtige Stimmung bereitet zuvor das Avant-Dancehall-Kollektiv Equiknoxx, das mit Sängerin Shanique Marie aus Kingston, Jamaica anreist. Eingeleitet wird die Nacht, an der auch die zuvor angekündigten Bad Gyal, RoxXxan und Nihiloxica auftreten, durch DJ and No-Shade-Mitbegründerin Hunni’d Jaws, die ihre Wurzeln in Bass und Grime mit Ausflügen zu neuesten Technomutationen, Noise und Post-Internet-Ambient anreichert.

Link: www.ctm-festival.de

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Die transmediale 2018 findet unter dem Thema »face value« vom 31. Januar - 4. Februar 2018 im Haus der Kulturen der Welt (HKW) statt. In einem Ausstellungsprogramm, einer Konferenz, einem Film- und Videoprogramm sowie Performances und Workshops untersucht die transmediale 2018 face value die Werte und Wertschöpfungsprozesse, die zu den extremen politischen, ökonomischen und kulturellen Gräben unserer Gegenwart beigetragen haben.

Performanceprogramm in Zusammenarbeit mit dem CTM.

Wie immer wird es als sogenanntes Highlight der transmediale in Zusammenarbeit mit dem CTM-Festival ein gemeinsames Konzert bzw. Performanceprogramm am 2. + 3. Februar 2018 jeweils um 21:00 Uhr im HKW geben. Die Veranstaltung ist nicht im regulären Festivalpass enthalten und muss hier extra für jeweils €16.55 gebucht werden.

Der Musiker, Komponist und Konzeptkünstler James Ferraro wird seine neue Performance Plague als transmediale / CTM Festival-Konzert uraufführen, ein Choralstück mit szenografischen Elementen und Live-Visuals von Nate Boyce. Ferraros Plague dreht sich um eine Gesellschaft in der Zukunft, in der eine KI die Realität durch die Manipulation lebender Menschen simuliert – mit dem Ziel, das ultimative Konsumgut zu erschaffen. Während die KI sich bemüht, das wahre Menschliche nachzubilden, entstehen Spannungen zwischen dem emotionslosen Blick der Maschine und der Unvollkommenheit ihrer Nachbildung. Das Stück wird von der transmediale gemeinsam mit dem Abandon Normal Devices-Festival im Rahmen des Creative Europe-Netzwerks The New Networked Normal (NNN) produziert.

Das von Inga Seidler kuratierte Ausstellungsprogramm der transmediale umfasst das experimentelle Ausstellungsformat "Territories of Complicity", die Gastausstellung A Becoming Resemblance von Heather Dewey-Hagborg und Chelsea Manning sowie die Installation Hate Library von Nick Thurston.

Zach Blas’ Beitrag zu "Territories of Complicity" fußt auf einer Reihe von Filmen, Objekten und Texten mit dem Titel Contra-Internet, an denen er seit 2014 arbeitet. Das Projekt thematisiert die Umwandlung des Internets in ein Instrument staatlicher Unterdrückung und eines beschleunigten Kapitalismus. Es nimmt die Form einer Science Fiction-Filminstallation an, die mithilfe von queer-feministischen Methoden Spekulationen über Internet- und Netzwerkalternativen anstellt.

In einer zunehmend radikalisierten Welt bleibt es glücklicherweise nicht aus, dass sich zahlreiche Künstler und vor allem auch Videokünstler kritisch mit diesen globalen Trends auseinandersetzen. Die transmediale »face value« unter der künstlerischen Leitung von Kristoffer Gansing gibt Ihnen dazu die Möglichkeit, ihre Arbeiten in Berlin einem internationalen Publikum zu präsentieren.

Wir werden in den nächsten Tagen noch einmal ausführlicher auf das Programm und vor allem auf das Film- & Video-Programm der diesjährigen transmediale »face value« eingehen.

Link: transmediale.de

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