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Kinostarts zwischen den Jahren 2017-2018

Weitere Filmbesprechungen, die am letzten Sonntag noch nicht parat waren.

Es ist kaum verwunderlich, wenn Disney Pictures mit "Star Wars: The last Jedi" sowie dem ebenso erfolgreichen Musical "Die Schöne und das Biest" mit dem ehemaligen Teeny-Star Emma Watson aus der Harry-Potter-Saga in dieser Woche am Boxoffice in den USA mit knapp 2,3 Mrd. Dollar deutlich vor Warner Bros. führt, die mit "Wonder Woman" und einem Einspiel von insgesamt gut 2,02 Mrd. Dollar auf Platz zwei liegen.

Ewas abgeschlagen liegt Sony Pictures hinter Universal und Twentieth Century Fox auf Platz fünf. Sonys Marktanteil erreicht mit ihrem derzeit am besten laufenden Film, dem "Spider-Man: Homecoming" nur knapp die Hälfte des Marktführers. Das ist allerdings auch nicht ganz verwunderlich, denn die endlosen Sequels des Marvel-Universums mit Spider-Man und deren Konsorten aus dem DC-Comics Verlag wozu Wonder-Woman gehört, locken zwar das Mainstream Publikum an, nerven aber auch wegen ihrer Einfallslosigkeit durch immer neue Aufgüsse, sodass wir uns über diese Filme schon so oft geärgert haben, dass wir sie meist in unseren Besprechungen nur noch ignorieren, oder gar nicht erst ansehen.

Die 3D-Technik dieser Filme wird zwar immer ausgereifter, doch wenn Pressevorführungen wie bei "Star Wars" uns nur in der 2D-Fassung präsentiert werden, dann fehlt leider der entscheidende Kick, um wirklich authentisch darüber berichten zu können.

Bei Arthouse-Werken dagegen, wie dem bahnbrechenden Animationsfilm "Loving Vincent", der das niederländische Malergenie mit animierten Ölbildern würdigt, oder Festivalfilmen wie die blutige Tragödie "The Killing of a Sacred Deer" was frei übersetzt in etwa heißt "Das Schlachten einer heiligen Kuh" wofür der griechische Regisseur Yórgos Lánthimos in Cannes mit dem besten Drehbuch ausgezeichnet wurde, sind effekthaschende Zugaben wie Kino in der dritten Dimension gar nicht erst nötig.

Wir wurden bereits von der Presseagentur angefragt, wann wir unsere Rezension zu Lánthimos Werk veröffentlichen würden. Doch das ist gar nicht so einfach zwischen den Feiertagen, wenn unsere kleine Redaktion quasi im Urlaub ist. In Berlin wurde das Werk, das mit dem erlösenden Tod eines scheinbar sterbenskranken Kindes ins Gericht geht, schon vorab auf dem Weltfilmfestival »Around the World in 14 Films« Ende November als krönender Abschluss im Original gezeigt.

"THE KILLING of a SACRED DEER" Fantasy-Drama von Yórgeos Lánthimos. (Großbritannien, Irland). Mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan u.a. seit 28. Dezember 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Auch in diesem Film zieht der Regisseur wieder alle Register der Übertreibung, um etwas auszudrücken, was ansonsten in der Gesellschaft totgeschwiegen wird. Dazu wird sogar aus der Bibel zitiert mit dem Spruch: "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (2. Buch Mose - Kapitel 21, Rechte hebräischer Sklaven.

Synopsis:

In diesem Fall wird der angesehene Herzchirurg Steven (Colin Farrell) Opfer oder Sklave der Machenschaften eines Teenagers, der offensichtlich übersinnliche Kräfte walten lässt, um die Familie des Arztes damit ins Unglück zu stürzen. Ein angeblicher Ärztefehler bei einer Operation hatte den Vater des jungen Martin in den Tod geschickt. Nun will der Knabe gleiches mit gleichem vergelten und belegt die Familie wie in griechischen Mythologien mit einem Bann. Dieser wird erst gebrochen, wenn ein Familienmitglied des Arztes ebenfalls stirbt. Mehr soll nicht verraten werden.

Schon in seinem vorherigen Film "The Lobster" hatte Lanthimos die Realität verlassen. Es ging um eine Jagd bei dem der Verlierer in ein Tier seiner Wahl für immer verwandelt wird, während der Rest der ehrenwerten Gesellschaft ihre Trophäen mit nach Hause nehmen können. Die Entschlüsselung dieser Filme ist sicherlich vieldeutig, weshalb wir mit Ulrikes Filmkritik eine zweite Meinung eingeholt haben, die wir hiermit nachreichen.

Ulrikes Filmkritik:

Der griechische Regisseur Yórgos Lánthimos verwebt in seinem neuen Film A KILLING OF A SACRED DEER Elemente der griechischen Tragödie „Iphigenie in Aulis“ mit Elementen des Horrorfilms.

Nach dem Willen der Götter soll Agamemnon seine Tochter Iphigenie töten. Am Ende bleibt sie verschont, stattdessen wird eine Hirschkuh geopfert.

Ein Herzchirurg steht vor einer grauenhaften Entscheidung: Wegen eines Kunstfehlers seinen Sohn oder die gesamte Familie zu opfern. Schon die Eingangssequenz lässt nichts Gutes ahnen. In Großaufnahme sieht man ein schlagendes Herz in einem geöffneten Körper. Jemand ist dabei mit behandschuhten Händen die Wunde wieder zuzunähen. Schnitt.

Ein Mann geht mit einem etwa 16-jährigen Jungen die Strandstraße entlang. Sie bleiben stehen, der Mann gibt dem Jungen ein Geschenk, eine teure Armbanduhr. Man weiß nicht so recht . Es hat den Anschein, als handelt es sich um einen Sugardaddy mit seinem jungen Geliebten.

Bei dem Mann handelt es sich um den Herzchirurgen Dr. Steven Murphy (Colin Farrell) und dem Jungen Martin (Barry Keoghan), dessen Vater bei einem Routineeingriff auf dem OP-Tisch des Herzchirurgen gestorben ist und der ihm den Tod seines Vaters anlastet. Steven kümmert sich um den Jungen, mehr aus Mitleid als aus Schuldgefühlen. Steven, der mit seiner Frau Anna (Nicole Kidman), sie ist Augenärztin, und den beiden Kindern in einem luxuriösen Haus lebt, lädt den Jungen zu sich ein. Noch ahnt Niemand, was der Junge im Schilde führt. Geschickt spannt er seine Fäden, in denen sich die Familie immer mehr verheddert.

Wie narkotisiert lässt Lánthimos seine Protagonisten agieren. Fast roboterartig und kühl sind ihre banalen Dialoge, die an routinierte Eintragungen einer Krankenakte erinnern. Auch die Kinder agieren ohne jede Emotion. Der Sex zwischen ihren Eltern ist gefühllos und rein mechanisch. Eine ihrer Sexspiele nennt sich „Vollnarkose“. Ihr Alltag ist geprägt von einer stumpfsinnigen Monotonie. Das ändert sich auch kaum, als Martins perfider Plan eine unheimliche Wirkung zeigt. Als erster ist der jüngere Sohn der Murphys von unerklärlichen Lähmungen geplagt und kurze Zeit später seine Schwester. Und immer wieder die Aufforderung des von Rache beherrschten Martin an Steven, einen seiner Familienmitglieder zu töten. Die griechische Tragödie ist nicht mehr zu stoppen. Untermalt wird die Tragödie mit sakraler Musik und merkwürdigen disharmonischen Klängen. Alles ist kühl stilisiert, beängstigend und abstoßend. Kunstvoll seziert Lánthimos mit chirurgischer Präzision ein Gesellschaftsbild, bei dem man nur hoffen kann, das es keine Zukunft hat. Ein gutes Ende gibt es nicht. Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde „The Killing of a Sacred Deer“ mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Lánthimos Filme sind eigenwillig und fern von jeglichem Mainstream. Entweder man liebt oder hasst sie. Es gibt kein Dazwischen.

Ulrike Schirm

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LOVING VINCENT Biografie von Dorota Kobiela & Hugh Welchman. Mit Douglas Booth, Chris O'Dowd, Saoirse Ronan u.a. seit 28. Dezember 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Das Regieduo Dorota Kobiela und Hugh Welchman fingen vor mehr als 6 Jahren an, ein Portrait über den niederländischen Maler Vincent van Gogh zu drehen. Ihr Film ist ein optisches Meisterwerk. Wie gewöhnlich drehten sie mit Schauspielern und einer ganz normalen Kamera und kamen dann auf die Idee, mit der Hilfe von über hundert Künstlern alle gedrehten Sequenzen im Stil van Goghs zu übermalen. Die animierte Doku über einen der berühmtesten Maler wurde so zu einer Mischung aus Kunst und Schauspiel, in der seine Bilder regelrecht lebendig werden.

Ein Jahr nach dem Tod van Goghs soll Armand Roulin (Douglas Booth), der Sohn des Postmanns, ein Freund des Künstlers, einen Brief des Verstorbenen an dessen Bruder Theo überbringen. Als er erfährt, dass der angeblich an Syphilis verstorben ist, macht sich Armand auf die Suche nach weiteren Menschen aus van Goghs Umfeld, in der Hoffnung mehr zu erfahren. Er begibt sich nordwestlich von Paris in den Ort Auvers-sur-Oise, die französische Wahlheimat des Malers. Er mietet ein Pensionszimmer, indem van Gogh zuletzt gelebt hat. Was nun folgt, wird immer mehr zu einer detektivischen Spurensuche. Die Tatwaffe, mit der sich der depressive zum Wahnsinn neigende Künstler erschossen haben soll, wurde nie gefunden. Sein Tod blieb bis heute ungeklärt.

Die Faszination des Films besteht darin, dass man durch diese besondere Technik, seine Bilder quasi zum Leben erweckt und so auf einmalige Weise den Zuschauer an seinem Leben teilhaben lässt.

Sein ganz besonderer Stil, seine Liebe zur Natur, geprägt von kräftigen Farben, das besondere Licht, in das er seine impressionistischen Landschaftsbilder tauchte wird zu einer liebevollen und respektvollen Hommage an einen ganz besonderen Künstler. Sein Leben, gekennzeichnet von grenzenloser Traurigkeit, ein Mensch, der sich zeit seines Lebens wie ein Nichtsnutz fühlte und von vielen auch so behandelt wurde, malte und malte und malte, um diesem Gefühl zu entkommen.

Van Gogh (1853-1890) , dessen Leben von Tragik gezeichnet war, hinterließ mehr als 840 Gemälde und mehr als 1000 Zeichnungen auf Leinwand und Papier. Etwa 130 Bilder erwachen in der Doku zum Leben.

Überwiegend malte er Landschaften, Dörfer, Felder und Straßen. Man erkennt seine Werke sofort an der spezifischen Wahl seiner Farbtöne.

Er litt unter Epilepsie, war psychisch gestört und schnitt sich selbst ein grosses Stück von seinem Ohr ab. Freiwillig ließ er sich in eine psychiatrische Anstalt in Saint-Remy-de-Provence einweisen. Dort konnte er weiterhin künstlerisch tätig sein und wurde nach längerem Aufenthalt als geheilt entlassen. Das abgeschnittene Stück seines Ohres schenkte er einer Hure.

Sein Bruder Theo und er waren 2 Herzen und eine Seele. Als Vincent tot war, starb kurze Zeit später auch sein Bruder Theo. Er hat sich erschossen.

Dieser Film und das ist nicht übertrieben, verwandelt die Kinoleinwand in pure flimmernde Magie.

Ulrike Schirm

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Eine weiteren erwähnenswerten französischen Film, nämlich die Musikdokumentation "OPER. L'Opéra de Paris" von Jean-Stéphane Bron, der ebenfalls letzten Donnerstag, den 28.12.2017 gestartet ist, hatten wir bereits am 25. Dezember 2017 in unserer Kategorie Film & TV-Kritik besprochen.

Übrigens gibt es in diesem Jahr geradezu eine Schwemme an französischen Filmen im Kino, während sich gute italienische Filmkunst relativ rar macht. Sogar in ihrem Heimatland haben italienische Filme einen Verlust von 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu beklagen, während sich die US-Blockbuster wie bei uns nicht nur behaupten, sondern Zuwächse vorweisen können. Erfolgreichster Titel am italienischen Boxoffice im Jahr 2017 war das US-Remake "Die Schöne und das Biest" von Walt Disney Pictures mit 20,5 Mio. Euro Umsatz.

Uns hatte aber die französische Fassung aus dem Jahre 2014 mit Léa Seydoux in der Hauptrolle der Belle wegen der mystischen Stimmung fast besser gefallen.

W.F.

Quellen: Filmstarts | Blickpunkt:Film | Tagesspiegel | YouTube | Vimeo

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