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25. CAMERIMAGE International Film Festival in Polen & aktuelle Filmbesprechungen

Der “Camerimage Award to Editor” geht an den amerikanischen Filmeditor Paul Hirsch.

Bevor wir zu unseren aktuellen Filmbesprechungen von Kinostarts Anfang November kommen, wollen wir unbedingt für unsere Cineasten das internationale Filmfestival CAMERIMAGE in unserem Nachbarland Polen noch erwähnen, das vom 11.-18. November 2017 zum 25. Mal in Bydgoszcz, zu deutsch Bromberg stattfindet, der achtgrößten, kreisfreien Stadt Polens. Die Stadt in Pommern, einer eingedeutschte Form des slawischen po more – „am Meer“, liegt ca. 180 km südlich von der an der Ostsee gelegenen ehemaligen Hansestadt Danzig.

Geschätzt wird das Festival unter anderem wegen seiner fundierten Auswahl im Bereich Kameraarbeit und Schnittpreisen. Der »Camerimage Award to Editor« gilt als einer der wichtigsten Schnittpreise in der Branche und geht in diesem Jahr an den amerikanischen Filmeditor Paul Hirsch. 

Der Filmeditor (Schnittmeister, Cutter), der nun seit knapp einem halben Jahrhundert in der Branche geschätzt wird, arbeitete mit den verschiedensten Hollywoodgrößen zusammen. Brian De Palma, George Lucas, Irvin Kershner, Herbert Ross, John Hughes, Joel Schumacher, Taylor Hackford und Duncan Jones sind nur einige der Weggefährten von Hirsch. Als sein Mentor gilt der Filmemacher Brian De Palma, mit dem er 1970 an “Hi Mum” arbeitete und mit dem er im Laufe seiner Kariere insgesamt elf Filme produzierte.

1977 wurde er für seine Arbeit bei “Star Wars – Eine neue Hoffnung” mit dem Oscar ausgezeichnet, was seinen Durchbruch in der Branche bedeutete. Im Laufe der Jahre wirkte Hirsch an mehr als 30 Filmen als Editor mit und wurde 2004 für den Film “Ray” nochmals für einen Oscar nominiert. Er gilt als einer der führenden Filmeditoren in Hollywood und setzte immer wieder neue Maßstäbe, was den Filmschnitt angeht.

Paul Hirsch wird seine Auszeichnung persönlich in Bydgoszcz in Empfang nehmen.

Link: www.camerimage.pl/en

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"CASTING" Drama/Komödie von Nicolas Wackerbarth (Deutschland). Mit Andreas Lust, Judith Engel, Milena Dreißig u.a. seit 2. November 2017 im Kino. Hier der Trailer:

"CASTING" wird derzeit von vielen Kritikern mit Lobeshymnen überhäuft. Auch wir vom BAF fanden den Film, der im Forum der letzten 67. Berlinale lief, recht unterhaltsam, da er den/die Regisseur/in eines Fernsehfilms geradezu auflaufen lässt, was im deutschen Fernsehen, wo die verantwortliche Redaktion fast mehr als die Regie etwas zu sagen und zu bestimmen hat, nicht ganz außergewöhnlich geworden ist. Unsere Filmkritikerin Ulrike, die selbst vom Schauspiel kommt und an unterschiedlichen Castings teilgenommen hat, ist dagegen mehr erbost als amüsiert aus dem Kino gekommen. Urteilen Sie selbst! Diskussionswürdig ist der Film allemal.

Ulrikes Filmkritik:

1992 wurde R.W. Fassbinders Theaterstück „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ von ihm für die Leinwand adaptiert. Ein Melodram indem es um gegenseitige Abhängigkeit, wechselseitige Erniedrigung, Raserei und Verzweiflung geht. In Nicolas Wackerbarths Film „Casting“ geht um eine Filmemacherin (Judith Engel), die sich in den Kopf gesetzt hat das Drama so zu drehen, dass es sich von Fassbinders Vorlage irgendwie abhebt. Das Dumme ist nur, sie weiß nicht genau wie?

Es ist Veras erster Fernsehfilm, sie kommt aus dem Dokumentarbereich. Im Nacken sitzt ihr die Redaktion, deren Vorstellungen sie bedienen muss. Es ist kurz vor Drehbeginn und noch immer ist sie auf der Suche nach der richtigen Hauptdarstellerin. Ein Casting findet statt. Es sprechen vor:

Corinna Kirchhoff, Ursina Lardi, Marie-Lou Sellem und Andrea Sawatzki. Es gibt einen männlichen Anspielpartner Gerwin (Andreas Lust), verächtlich „Anspielwurst“ genannt. Jede der Damen versucht ihr bestes. Was sie auch tun, Regisseurin Vera, ist nicht zufrieden zu stellen. Die Nerven liegen blank. Mit spitzen Bemerkungen und teilweise unverschämten Verhalten, fertigt sie die Kandidatinnen regelrecht ab. In dem egomanischen Weiberhaufen, muss sich der gebeutelte Gerwin immer wieder auf eine neue Partnerin einstellen. Hinzu kommt, dass der männliche Hauptdarsteller immer noch nicht auf der Bildfläche erschienen ist. Gerwin macht sich immer mehr Hoffnungen, dass er in dessen Rolle schlüpfen kann. Das ist bisher die einzige Änderung im Gegensatz zu Fassbinders Inszenierung. Ein Mann soll die zweite Hauptrolle spielen. Sawatzki, die bereits wütend gegangen ist, kehrt wider Erwarten zurück und legt mit Bravour einen Monolog hin, bei dem sie Vera direkt in die Augen starrt. Unbewegt hört die sich das an und lässt sie wieder gehen. Spätestens jetzt bekommt man die helle Wut. Was will diese Frau eigentlich??? Als endlich der männliche Darsteller auftaucht und mit Gerwin eine gewagte Kussszene spielt, möchte man am liebsten eingreifen und sagen: „Ja, das ist es. Seid mutig und besetzt dass Stück mit Männern“. Aber wahrscheinlich wäre das zu gewagt. Also lässt man sich diese Chance auch entgehen. Offensichtlich ist die biedere Fernsehlandschaft im Film dafür noch nicht reif. Wackerbarth lässt seine Schauspieler überwiegend improvisieren und das machen sie alle außerordentlich gut. Einige Stimmen sprechen von einer Satire. Dem kann ich nicht so recht folgen.

Eine Regisseurin in den Mittelpunkt zu stellen, die von ihrem Handwerk keine Ahnung hat und sich wie die Axt im Walde benimmt, um ihre Unfähigkeit zu vertuschen, ein überforderter Redakteur, der nicht beherzt eingreift und ein Machtwort spricht, dass ist nicht lustig. Wenn schon Satire, dann hätte man dieses Drama gehörig auf die Spitze treiben sollen. Aber so ist es eine Beschreibung einer Situation, die sich keiner von allen Beteiligten in der Realität wirklich gefallen lassen würde. Es sei denn, man ist von Angst zerfressen, seine Karriere auf's Spiel zu setzen.

Ulrike Schirm

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"PROFESSOR MARSTON & The Wonder Woman" Drama, Biografie von Angela Robinson (USA). Mit Luke Evans, Rebecca Hall, Bella Heathcote u.a. seit 2. November 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

„Ein Mensch ist dann am Glücklichsten, wenn er einer liebevollen Autoritätsperson ergeben ist“. Dieses Credo stammt von niemandem anderen als  dem Schöpfer der Comicfigur „Wonder Woman“ aus dem Jahr 1941.

Der in Harvard lehrende Psychologe Professor und Comicliebhaber William Marston hatte für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Ansichten über Sexualität und Feminismus. Mit seinen Vorstellungengen fesselte er besonders seine weiblichen Zuhörer. Nebenbei entwickelte er den ersten Lügendetektor. Marston (Luke Evans), verheiratet mit einer weltoffenen Kollegin (Rebecca Hall), seziert menschliche Verhaltensmuster in Dominanz und Unterwerfung, was bei den prüden Amerikanern für Entrüstung sorgt. Als publik wird, dass er und seine Frau Elisabeth mit einer jungen Studentin (Bella Heathcote) eine „Menage á trois“ führen, kostet ihn das seinen Lehrauftrag. Finanziell ein Desaster. Elisabeth sorgt als Sekretärin für den Lebensunterhalt, während sich Marston der Visualisierung seiner Comic Heldin widmet, in die er seine sexuellen häuslichen Vorlieben und die seiner beiden Frauen einfließen lässt. Fesselspiele und SM-Praktiken sind den Dreien nicht fremd. Die lesbische Regisseurin Angela Robinson (True Blood) entwirft eine queere Form des Zusammenlebens, in der sich die Beteiligten zweifelsohne wirklich lieben. Es mutet fast ein wenig spießig an, wie das private Leben mit den vier Kindern funktioniert.

„Professor Marston & The Wonder Woman“ ist in seiner Thematik ein sehr moderner Film. Er ruft dazu auf, Menschen privat so leben zu lassen, wie sie es wollen, egal wie ihre individuellen Neigungen geprägt sein mögen. Solange niemand zu schaden kommt, geht uns das nichts an. Rebecca Hall sticht  besonders heraus. Mit ihren geschliffenen Dialogen verkörpert sie eine intellektuelle Person, die zu ihrer unkonventionellen Lebensführung ohne wenn und aber steht. Drei Menschen, die trotz aller Anfeindungen ihr Leben so gestalten, wie es ihnen gefällt. Ein Grund mehr, sich die Original Wonder Woman Comics aus den Vierzigern unter dem Aspekt ihrer Entstehung nochmal vorzunehmen.

Ulrike Schirm

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"GOOD TIME" Thriller, Krimi von Ben Safdie & Joshua Safdie (USA, Luxemburg). Mit Robert Pattinson, Ben Safdie, Buddy Duress u.a. seit 2. November 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Nick (Benny Safdie) ist geistig behindert. Während der Sitzung bei seinem Psychologen, der mit ihm Sprachübungen macht, laufen ihm die Tränen die Wange herunter. Er beginnt zu weinen. Es ist zu viel für ihn. Sein Bruder Conny (Robert Pattinson) plant den großen Coup. Er will mit Nick N.Y. verlassen, um mit ihm nach Virginia abzuhauen, eine Farm zu kaufen und ihm ein besseres Leben verschaffen.

An einem eiskalten Wintertag überfällt er mit ihm eine Bank. Ihre Masken sind perfekt. Der Coup gelingt. Auf der Flucht stellt sich heraus, das Geld ist präpariert. Beide Jungen sind mit roter Farbe beschmiert. Nick wird verhaftet. Er landet auf Rykers Island. Conny gelingt es, zu entkommen. Was es für einen Behinderten im Knast bedeutet, will man sich nicht vorstellen. Conny hat nur wenige Stunden Zeit, die Kaution von 10.000 Dollar aufzutreiben. Auch das geht schief. Conny, der seinen Bruder auf keinen Fall im Stich lässt, gerät von einer Schwierigkeit in die nächste. Er hat erfahren, dass Nick im Knast brutal zusammengeschlagen wurde und sich im Krankenhaus befindet. Er muss ihn herausholen. Es beginnt eine Odyssee, bei der alles schief geht, was nur schief gehen kann. Der verzweifelte Conny verstrickt sich in immer ausweglosere Situationen. In einem Zeitraum von weniger als 24 Stunden hetzt er durch den nächtlichen Großstadtdschungel. Die nervöse Handkamera und der elektronische Score des Musikers Daniel Lopatin erzeugen eine atemlose Spannung.

Die Safdie- Brüder Ben und Joshua liefern einen knallharten Low-Budget Thriller, angesiedelt in einem Sumpf aus Drogen, Gewalt und Entführung, dessen Spannung sich gnadenlos auf den Zuschauer überträgt. Ein schmutziger Genrefilm, dessen Szenen genauestens getaktet sind. Pattinson war noch nie so gut. Seine Performance ist grandios. Ganz, ganz grosses Kino.

Ulrike Schirm

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"DIE REISE DER PINGUINE 2" Doku von Luc Jacquet (Frankreich).

Mit Udo Wachtveitl & Lambert Wilson. Seit 2. November 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Und wieder hat sich Luc Jaquet in die Arktis begeben, um den Weg eines kleinen Kaiserpinguins von der Brutkolonie bis zum Eismeer zu dokumentieren. Vater Pinguin ist zurückgekehrt, um sein Junges zu suchen. Das ist gar nicht so einfach, denn sie sehen alle gleich aus. Mit viel Glück hat er es gefunden und seine Gefährtin hat er auch wiedererkannt. Unter großen Strapazen ist er vom Eismeer zurückgekommen und es ist nun seine Aufgabe, das Junge auf seinem Weg in die Selbstständigkeit zu führen.

Schon in Teil 1 erfuhr man, dass das Leben der Elternpinguine von Rastlosigkeit geprägt ist. Sie pendeln zwischen Brutplatz und Meer abwechselnd hin-und her, um Nahrung für ihre Jungen aus dem Kilometer entfernten Gewässer zu beschaffen. Wenn das Packeis im Sommer schmilzt, kehrt der Kaiserpinguin in sein wahres Reich zurück, dem Meer. Im Wasser ist der Vogel in seinem Element. Ist das Junge flügge, trennt sich das Pinguinpaar und jeder geht seine eigenen Wege. Es ist der Zeitpunkt gekommen, Vater Pinguin verabschiedet sich und lässt das flügge gewordene Jungtier zurück, das mit vielen anderen sich den mühsamen Weg zum Meer bahnt. Als sie zum ersten Mal das Wasser sehen, wissen die Kleinen nicht, was zu tun ist. Es dauert tagelang, bis eins von ihnen sich wagt, vorsichtig ins Wasser zu stürzen. Alle anderen machen es ängstlich nach. Doch dann geht es ganz schnell. Die Babypinguine lernen wie man taucht und fischt.

Faszinierendes Bildmaterial lässt uns teilhaben auf dem berührenden Weg der possierlichen Tiere ins Erwachsenen Leben. Durch den Einsatz von Drohnen und Unterwasserbooten sind die Bilder noch großartiger als im ersten Teil. Auch wenn die Bilder für sich sprechen, unterstreichen die vermenschlichten Kommentare des Erzählers das besondere Sozialverhalten dieser Kreaturen, ohne dabei in nervenden Kitsch auszuarten. Zum Streicheln schön.

Ulrike Schirm

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"BAD MOMS 2" Komödie von Scott Moore & Jon Lucas (USA, China). Mit Mila Kunis, Kathryn Hahn, Kristen Bell u.a. seit 9. November 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

New Yorks knallbunter Weihnachtsplastikrummel kann zart besaiteten „Seelen“ gehörig auf die Nerven gehen.

„Christmas is the most stressful time in the year“. Und weil das so ist, beschließen Amy  (Mila Kunis), Carla  (Kathryn Hahn) und Kiki (Kristen Bell), das Fest diesmal beschaulich und ruhig anzugehen. Doch bevor es so weit ist, geben die drei sich bei einem ausgelassenen Besäufnis nochmal so richtig die Kante. Bis hierhin, erinnert  das Sequel Bad Moms 2 ganz stark an Bad Moms 1.

Doch als ihre Mütter, bzw. Großmütter auftauchen, ist es vorbei mit Beschaulichkeit und Ruhe. Schon wieder  ist Stress angesagt. Carlas Mutter (Susan Sarandon) ist stoned, faselt was von Ostern. Da sie ständig  unter Geldnot leidet, kommt sie in einem Truck angetrampt, selbstverständlich in scharfen Rockerklamotten, die geliebten Schnapspullen sind unter ihrem Hut versteckt. Amys Mutter Ruth (Christine Baranski), eine regelrechte Weihnachtsperfektionistin, hat nichts eiligeres zu tun, als Haus und Straße nach ihren Vorstellungen zu dekorieren. Kikis Mutter Sandy (Cheryl Hines) weicht ihrer Tochter nicht mehr von der Pelle.  Sie ist dem Jugendwahn verfallen, zieht sich an wie die Tochter und verkündet fröhlich, demnächst in ihre unmittelbare Nähe zu ziehen. Die Tochter ist geschockt.

Meine Lieblingsfiguren sind Carla und ihre rockige Mutter, denen nicht der geringste Hauch von althergebrachter Konvention und Spießigkeit anhaftet.

Als sich Sarandon bei einem Treffen mit der arroganten Ruth und der harmlosen Sandy mit den Worten: "Ich heiße Isis, wie die Terrororganisation“ vorstellt, entgleisen den beiden Frauen sämtliche Gesichtszüge. Und überhaupt, für eine  Menge Humor unterhalb der Gürtellinie sorgen Carla nebst Mutter auf ihre ganz besondere sympathisch freche Weise. Herrlich politisch unkorrekt. In Berlin würde man sagen: „Zwee Typen mit Herz und Schauze“. Und wenn man ihnen in der Radaukomödie näher kommt, dann erkennt man, dass, wenn es drauf ankommt, das Herz bei den beiden über die Schnauze siegt. Man kann es ruhig verraten: Der Kampf zwischen den Generationen endet fast rührselig. Die gegenseitigen Zugeständnisse sind gering. Mutti bleibt Mutti, auch wenn sie noch so horrormäßig daher kommt. Der Haussegen ist gerettet. "Bad Moms 2" , im Original "Bad Moms Christmas" ist Kintopp auf unterhaltsame Weise. Es tut nicht weh und wer im ersten Teil seinen Spaß hatte, hat ihn auch im zweiten Teil.

Ulrike Schirm

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"SUBURBICON" Sozialthriller von George Clooney (USA). Mit Matt Damon, Julianne Moore, Oscar Isaac u.a. seit 9. November 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

George Clooney hat sich ein Drehbuch aus den frühen 1980ern der Coen – Brüder vorgenommen und in die 1950er Jahre verlegt. Ort der Handlung ist Suburbicon, eine Vorzeigeidylle in der sich weiße Amerikaner ihren amerikanischen Traum erfüllt haben. Schöne Häuser, schöne Vorgärten, schöne Autos vor der Tür, schöne blonde Frauen, die auf ihre Männer warten, um ihnen einen angenehmem Feierabend zu bereiten.

Auch die Familie Lodge hat sich in diese Bilderbuchidylle zurückgezogen. Vater Gardner (Matt Damon) Ehefrau Rose (Julianne Moore), die seit einem Autounfall gelähmt im Rollstuhl sitzt und der kleine Nicky (Noah Jupe), der seinen Vater mit Sir anreden muss. Die paradiesische Idylle nimmt ein jähes Ende, als Nicky mit ansehen muss, wie seine Familie von zwei brutalen Schlägern überfallen wird. Seine Mutter stirbt an den Folgen des brutalen Überfalls. Tante Margaret, die Zwillingsschwester seiner Mutter (auch Julianne Moore), kümmert sich von nun an um den Jungen. Bei einer polizeilichen Gegenüberstellung leugnen Gardner und Margaret die beiden Verdächtigen jemals gesehen zu haben. Nach der Beerdigung der Mutter, Margaret hat in kurzer Zeit die Rolle der Ehefrau perfekt eingenommen, beschließt sie mit Gardner, den Jungen auf ein Militärinternat zu schicken. Schnell stellt sich heraus, dass der bieder wirkende Gardner es auf die Lebensversicherung seiner Frau abgesehen hat und der Raubüberfall fingiert war. Biedermann Gardner verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen, Betrug und Verbrechen. Nicky versteht die Welt nicht mehr. Während im Hause Lodge die böse Fratze von Gier und Niedertracht Einzug gehalten hat, tobt draußen der weiße Mob. Eine schwarze Familie Mayer hat es gewagt, in ihren „blütenweißen“ Vorort zu ziehen. Das beschauliche Nest entpuppt sich zu einem bigotten, rassistischen Drecksnest. Wutentbrannt werfen die weißen Nachbarn Steine in die Fenster der Mayers und verbrennen in ihrem Vorgarten ein Kreuz.

Es ist eine wahre Geschichte, die Clooney als Parallelhandlung hinzugefügt hat. Einen wirklichen Gefallen hat er sich damit nicht getan. Zu offensichtlich versucht er mit dem Plot der Familie Mayer einen Bezug zur Gegenwart herzustellen (siehe Charlottesville) ohne sich ernsthaft mit der Problematik tiefer auseinanderzusetzen. Man kann sagen, „Suburbicon“, übrigens ein schönes Wortspiel aus suburb (Vorort) und con (Schwindel, Betrug) besteht aus zwei Filmen. Dem bissig bösen Teil der Gebrüder Coen und dem überflüssigen Anhängsel der Mayersfamilie, die als Randfiguren auf die Trumpsche Politik mit ihren bitteren Auswüchsen hindeuten. Soll heißen, zurück zum amerikanischen Traum: „We make America great again“, der hier zum Albtraum wird.

Ulrike Schirm

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