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Grosse Preisverleihung beim 13. Zurich Film Festival 2017

Zahlreiche Filmhighlights standen auch am vorletzten Festivaltag auf dem Programm. - Der Hauptgewinn ging nach Singapur an "Pop Eye".

Vom 28. September bis zum heutigen 8. Oktober 2017 findet Zürichs 13. Filmfestival statt, das zum Teil eng mit dem A-Film Festival in San Sebastián kooperierte und im Programm einige Filme miteinander austauschte.

Gestern Abend kam der Tag der Entscheidung: An der Award-Night im Opernhaus Zürich wurden die Siegerfilme jeder Kategorie verkündet und die Goldenen Augen feierlich vergeben. Sämtliche Jurymitglieder, die Filmemacher sowie zahlreiche weitere Gäste fanden sich ab 18.30 Uhr auf dem neu verlegten grünen und nicht blutroten Teppich vor dem Opernhaus ein.

Auch gestern bot das Zurich Film Festival (ZFF) im Kino Corso am Rande der Altstadt neben dem Globus Kaufhaus, direkt am Sechseläutenplatz mit Blick auf den Zürichsee, noch einmal ein dichtgedrängtes Filmprogramm, das dazu einlud, manche bisher verpasste Perle doch noch zu sehen. Gekommen war u.a. Palme d’or Gewinner Ruben Östlund zur Präsentation seiner furiosen Satire "THE SQUARE" , die ein Höhepunkt der Abschlusszeremonie war. Auch der Rumäne Bogdan Dumitrache, der wenige Tage zuvor in San Sebastián als Bester Schauspieler ausgezeichnet worden war, stellte gestern das Psychodrama "POROROCA" persönlich vor.

Mit über 90.000 Besuchern und zahlreich neuen Regietalenten aus der ganzen Welt liegt der Fokus des ZFF jedoch insbesondere auf der Entdeckung neuer Talente aus dem deutschsprachigen Raum. In den drei Wettbewerbskategorien waren jeweils erste, zweite und dritte Regiearbeiten zugelassen.

Die Hauptjurys der drei Wettbewerbe des 13. Zurich Film Festival vergaben ihre Goldenen Augen an "POP AYE" von Kirsten Tan aus Singapur in der Sektion Internationaler Spielfilm. Hier der Trailer:

Synopsis:

Vor kurzem noch einer der angesehensten Architekten Bangkoks, scheint Thanas Zeit nun vorbei: Sein einstiger Prestigebau steht vor dem Abriss, auf der Arbeit wird er durch Jüngere ersetzt und auch seine Frau zeigt kein Interesse mehr. Als er eines Tages auf der Straße unverhofft sein Kindheits-„Haustier“, den Elefanten Pop Aye, zu erblicken glaubt, fasst Thana einen Plan: Er kauft den Elefanten kurzerhand zurück und macht sich bald mit ihm auf den Weg in sein Heimatdorf – weg vom Stress und Konkurrenzdruck der Metropole. Der Beginn einer abenteuerlichen Reise entlang einer Land­straße, die dem einsamen Mann und seinem gigantischen Begleiter Begegnungen mit einer bunten Palette von Außenseitern und zwei überbürokratischen Polizisten bringt.

"MACHINES" von Rahul Jain aus Indien erhielt das Goldene Auge in der Sektion Internationaler Dokumentarfilm. Hier der Trailer:

Synopsis:

Es dröhnt und rattert, knirscht und zischt, raucht und plätschert. Wir schweben durch die Gänge einer gigantischen Textilfabrik im indischen Bundesstaat Gujarat, wo die Maschinen 7 Tage die Woche 24 Stunden laufen. Tageslicht dringt kaum in diesen ganz eigenen Kosmos. Hier arbeiten Menschen: In 12-Stunden-Schich­ten gehen sie fleissig und vif, übermüdet und benommen oder stoisch ihrer Arbeit nach. Der Lohn reicht knapp zum Überleben – oder auch nicht. In atemberaubenden Bildern liefert Filmemacher Rahul Jain die genauso viszerale wie schockierende Bestandesaufnahme einer Textilindustrie, die es sich leisten kann, den Faktor Mensch zu vernachlässigen. Prägnante Statements der Fabrikarbeiter ergänzen den Eindruck.

In der Sektion Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich wurde Lisa Brühlmann aus der Schweiz das Goldene Auge verliehen für ihren Film "BLUE MY MIND". Hier der Trailer:

Synopsis:

Mia kann es kaum glauben, aber es scheint, dass ihre Zehen langsam, aber sicher zusammenwachsen. Kürzlich ist die Teenagerin mit ihren Eltern in eine betonkalte Siedlung nach Zürich umgezogen. Von denen fühlt sich Mia allerdings sowieso Galaxien entfernt – und schaut sich in der neuen Klasse sogleich nach genau jenen Freundinnen um, die am meisten Abenteuer und Ausbruch versprechen. Ob Würgespiele, Sex oder Drogen – Mia scheut keine Mutprobe, um ihren immensen Drang nach Zugehörigkeit zum Ausdruck zu bringen. Es öffnet sich eine genauso aufregende wie angsteinflößende neue Welt. Als wäre sie den gewaltigen Wellen eines Ozeans ausgesetzt, steht Mia vor einem überwältigenden Umbruch, der ihre ganze Existenz infrage stellt.

Die Preise in den beiden Internationalen Wettbewerben sind mit je 25'000 Franken, der Preis im Wettbewerb Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich ist mit 20'000 Franken dotiert. Die meisten der Gewinnerfilme sind am Sonntag ein letztes Mal zu sehen.

Besondere Erwähnungen der Jury gingen im Wettbewerb Internationaler Spielfilm an zwei Filme. Zum einen an: "JUSQU’À LA GARDE" von Xavier Legrand (Frankreich). Hier der Trailer:

Synopsis:

Kurz nach ihrer Scheidung haben sich Miriam und Antoine Besson nichts mehr zu sagen – was noch geklärt werden muss, übernehmen die Anwälte. Zwischen ihnen stehen die leidtragenden Kinder: die volljährige Joséphine und ihr jüngerer Bruder Julien. Bei der Verhandlung im Familiengericht erhalten die Eltern das gemeinsame Sorgerecht für ihren Sohn – ein herber Rückschlag für Miriam, die ihren Ex-Mann für unkontrollierbar und gefährlich hält. Besonders schwierig ist die Situation für Julien: Er ist nun gezwungen, zwischen der emotionalen Welt seiner geliebten Mutter und jener entgegengesetzten seines undurchsichtigen Vaters hin und her zu navigieren. In einer zunehmend eskalierenden Lage versucht der Junge alles, um das Schlimmste zu verhindern.

Frisch von den 74. Filmfestspielen in Venedig kam "UNDIR TRÉNU / UNDER THE TREE" von Hafsteinn Gunnar Sigurdsson (Polen, Island, Dänemark, Deutschland), der die zweite besondere Erwähnung der Jury erhielt. Hier der Trailer:

Synopsis:

Im Garten von Atlis Eltern steht ein riesiger Baum, der die Sonnenstrahlen auf Nachbars Terrasse geradezu verschlingt. Doch die Bitte der Schattengeplagten, sich um das Ungetüm zu kümmern, verhallt in den tiefen Gräben, die sich zwischen den beiden Familien gebildet haben. Atli, der wegen des Betrugs an seiner Frau temporär im Elternhaus Zuflucht suchen muss, hat derweil gewiss andere Probleme: Seine verzweifelten Versuche, Kontakt zu seiner Frau und der gemeinsamen Tochter aufzunehmen, werden in deren Umfeld als Bedrohung wahrgenommen. Just als er sich mit seinen Handlungen mehr und mehr ins gesellschaftliche Abseits manövriert, gewinnt auch der Nachbarschaftsstreit durch verschwundene Haustiere, aufgeschlitzte Reifen und installierte Kameras an Dynamik.

Besondere Erwähnungen der Jury gingen im Wettbewerb Internationaler Dokumentarfilm an: "DIE GENTRIFIZIERUNG BIN ICH. BEICHTE EINES FINSTERLINGS" von Thomas Haemmerli (Schweiz) und "AL OTRO LADO DEL MURO" von Pau Ortiz (Spanien, Mexiko).

Der Förderpreis an den besten Schweizer Film im ganzen Programm ging an "AVANT LA FIN DE L'ÉTÉ" / BEFORE SUMMER ENDS von Maryam Goormaghtigh (Schweiz, Frankreich). Hier der Trailer:

Synopsis:

Nach fünf Jahren Studium in Paris hat Arash die Nase voll von Frankreich. Der sensible Iraner hat das Gefühl, hier nicht glücklich zu werden, und überhaupt sind die Franzosen ganz anders – findet er. In der Hoffnung, dass er doch bleibt, überreden ihn seine Freunde Hossein und Ashkan, noch eine letzte gemeinsame Reise zu machen. Und so brechen die drei ungleichen Freunde schon bald mit vollgepacktem Auto in den südfranzösischen Sommer auf. Campingplätze, Bier auf Straßenfesten, frische Meeresluft. Und eines Tages lernen sie die Musikerinnen Charlotte und Michèle kennen … Ob Arash dennoch nach Iran zurück will?

Eine Besondere Erwähnung der Jury ging beim Förderpreis an: "TIERE" von Greg Zglinski (Schweiz, Österreich, Polen), der auch im Forum der letzten 67. Berlinale gezeigt worden war.

Die Filmkritiker vom Schweizerischen Verband der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten (SVFJ) vergaben den Preis für den besten Erstlings-Spielfilm an "BLUE MY MIND" von Lisa Brühlmann (Schweiz), der, wie oben bereits erwähnt, auch den Jury Preis in der Sektion »Fokus Schweiz« gewonnen hat sowie den erstmals vergebenen Preis der Zürcher Kirchen erhielt.

Der Publikumspreis an einen Film in einem der drei Wettbewerbe, den die Zuschauer und Zuschauerinnen bestimmen konnten, ging an "A RIVER BELOW" von Mark Grieco (Kolumbien, USA).

Die Kinderjury vergab ihren Preis an "UPP I DET BLÅ / UP IN THE SKY" von Petter Lennstrand (Schweden), während der Publikumspreis Kinderfilme an "DIE HÄSCHENSCHULE - JAGD NACH DEM GOLDENEN EI" von Ute von Münchow-Pohl (Deutschland) ging. Letzterer lief ebenfalls zuerst im Generation Programm der 67. Berlinale 2017. Hier der Trailer und eine ausführliche Rezension von der Berlinale-Vorführung als Nachtrag:

Elisabeth Filmkritik:

Es gibt einfach nicht genug Kinderfilme im deutschen Kino. Darum ist man für jeden neuen Film dankbar. Ute von Münchow-Pohl hat an vielen Animationsfilmen mitgearbeitet. Bei den beiden “Rabe Socke”-Filmen führte sie Regie und auch “Lauras Stern und die Traummonster” stammen aus ihrer Feder. Nun also “Die Häschenschule”, mit der Generationen von Kindern aufgewachsen sind. Albert Sixtus’ veröffentlichte sein Werk Mitte der 20er, eine neue Adaption sollte eine neue Kinderschar erreichen.

Max ist hier kein Störenfried. Max lebt unter der Straße in einem liebevoll chaotischen Loch unter einem Gulli, mit einer ollen Lavalampe und einem Windspiel aus alten CDs. Er hängt mit seinen Freunden im Park ab, möchte aber viel lieber zu der Gang der coolen Wahnsinns-Hasen. Keine Bange, das Schicksal meint es gut mit ihm und wird das zu verhindern wissen. Am Ende ist Max ein angepasster braver Osterhase. Oder kann man das noch anders lesen?

Für eine Mutprobe muss ein neues Outfit her, die Max und seine Freunde im Supermarkt mitlassen gehen wollen. So ein Diebstahl wäre charakterlich ein absolutes No-Go, also wird er fast erwischt und fliegt ohne Beute aus dem Laden. Dass Max ein gutes Herz hat, wird auch deutlich, als er einem kleinen Mädchen, das just das besagte Buch “Die Häschenschule” im Ranzen hatte und von seinen Freunden ganz unfein aufgezogen wurde, das von den anderen geklaute Buch ihr ohne Umschweife zurückgibt. Das Mädchen, übrigens ganz in Rosa, mit vielen abgestandenen Klischees mag man einfach nicht brechen, möchte auch zur Häschenschule und glaubt ganz fest, dass deren Existenz nicht nur ein Ammenmärchen ist.

Ausgerechnet Max, der auf einem außer Kontrolle geratenen Flieger sprang, landet mit eben selbigen mitten in der frischen Natur, dort wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen. Nein, Igel gibt es weit und breit nicht, dafür Füchse. Die Häschenschule schützt sich mit einem Rosenbusch vor diesen Feinden. So wird diese Schule mit einer Erzählung der Mutter Oberin eingeführt und die kleinen und großen Zuschauer*Innen lernen, wie es dazu kam, dass die Osterhasen mit dem Verteilen der Ostereier beauftragt wurden. Die Animation lebt von einem hellen Grün, freundlichen Farben und großen Flächen. Diese Einleitung ist dabei wie ein Film in einem Film, ein fantasievolles Scherenschnittspiel.

Der erste Eindruck wird herbe zurechtgestutzt. Wo ist Max da bloß gelandet? In der Häschenschule gibt es feste Regeln und Ordnung. Da stutzt man nicht nur in der Aufteilung von Hasenjungen und Hasenmädchen, spätestens wenn es heißt “bevor wir reden, Pfötchen heben”, schaudert man. Aufgestanden wird um 6 und eine warme Dusche gibt es beileibe nicht, man wäscht sich abhärtend im kalten Nass und marschiert dann singend durch den Wald. Gab es das nicht schon mal?

Die Geschichte ist dabei herzlich einfach. Nur die besten Hasen dürfen Ostereier austragen. Ganz “Kung Fu Panda”-mäßig fuchtelt man mit den Armen herum, übt das unsichtbar werden oder das Ei aus Steinen legen. Die Innere Kraft möge mit einem sein. Dass Max darauf keinen Bock hat, versteht sich von selbst. Er wird aber eines besseren belehrt. Korpsgeist, ‘tschuldigung, Kameraderie kommt vor Individualität. Noch dazu gilt es, der Hasenschule zu helfen. Auf ihrem Areal befindet sich das goldene Ei, deren Besitz die Auserwählten kennzeichnet, und genau darum wollen die Füchse dieses Ei stehlen. Ganz konkret ist das eine Fuchsfamilie vor den Toren der Schule, die man täglich durch ein Fernrohr beobachtet, denn bedenke, Überwachung der Feinde ist gut.

Verschlagen, gierig werden die Fuchsbrüder dargestellt. Ihre Mutter ist kaltherzig und unbarmherzig. Kein bisschen Ambivalenz ist bei den Fuchsfiguren spürbar. Sie sind grob, dumm, und werden nur von dem Trieb ihren Neid zu stillen, und ihre Lust auf Hase im Topf zu befriedigen. Die Spannung sollte sich aus der Jagd und dem Schutz des heiligen Eis herauskristallisieren. Etwas Action, viel Wagemut und Max darf dabei seine Loyalität beweisen. Wäre doch gelacht, wenn aus Max kein strammer Hase werden würde.

Elisabeth Nagy

Den Internationalen Filmmusikwettbewerb konnte der italienische Komponist Giuseppe Onofrietti für sich entscheiden.

Schon am 4. Oktober 2017 erhielt der US-Drehbuchautor Aaron Sorkin den Career Achievement Award und die mit sechs Oscar-Nominierungen geehrte Regisseurin Glenn Close wurde am 1. Oktober 2017 mit dem Golden Icon Award am ZFF geehrt.

Link: zff.com

Quelle: Zurich Film Festival

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