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Berlinale Gewinner führt die Arthouse-Kinocharts an

Wechsel auf den vorderen Plätzen bei den Arthouse-Kinocharts der 39. Kalenderwoche.

"Körper und Seele", der ungarische Gewinner des Goldenen Bären der Berlinale schnellte in der 39. Kalenderwoche auf Anhieb auf Platz eins in die Arthouse-Kino-Charts, während der Spitzenreiter der Vorwoche "Tulpenfieber" auf Platz vier abrutschte.

Auf Platz zwei der der Arthouse-Kino-Charts landete mit dem Familiendrama "Schloss aus Glas" ebenfalls ein Neustart von letzter Woche Donnerstag, dem bundesweiten Kinotag für Neustarts, während die von uns wenig geliebte deutsche Komödie "Magical Mystery" auf Platz drei abrutschte.

Darüber hinaus fanden kamen noch zwei weitere Neustarts ihren Weg in die in die vorderen Plätze der aktuellen Charts: auf Platz sechs befindet sich jetzt die vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma als "rassistisch" verunglimpfte französische Komödie "Hereinspaziert!", die von den Machern des Kinoerfolgs "Monsieur Claude und seine Töchter" kreiert wurde.

Auf Platz acht kam das Roadmovie "Leanders letzte Reise", mit Jürgen Prochnow ("Das BOOT") als 92-jähriger Greis, der sich alleine auf den Weg nach Kiew machen will, weil er dort während des Zweiten Weltkriegs als ehemaliger Wehrmachtsoffizier seine große Liebe zurücklassen musste.

Der Dauerbrenner "Weit - Die Geschichte von einem Weg um die Welt" rutschte jetzt auf Platz fünf. Die Ränge sieben, neun und zehn wurden belegt von "Der Wein und der Wind" (von uns besprochen am 9. August 2017), "Die Migrantigen" und "Barfuß in Paris".

Die Arthouse-Kinocharts werden erstellt von ComScore einem Marktforschungsunternehmen im Auftrag der AG Kino-Gilde und bilden die Hitliste der Filme nach Besucherzahlen in den Mitgliedskinos des Verbands ab. Zudem stellte die Filmförderungsanstalt (FFA) gerade auf der Filmkunstmesse Leipzig neueste Jahreszahlen der Programm- und Arthouse-Kinos vor.

Im Gegensatz zu Umsatz- und Publikumsverlusten bei den Multiplex-Filmtheatern konnten die Programmkinos in 2016 sowohl die Umsätze wie auch die Zuschauerzahlen des Erfolgsjahres 2015 halten, womit sie in der Gesamtstatistik deutlich zur Stabilität der aktuell (gefühlten) Kinokrise beitrugen. Hoffnung auf Besserung soll aber im 4. Quartal beim Mainstream folgen mit Filmen wie "IT - ES" von Stephen King (Kritik nachfolgend) und dem lang ersehnten "Blade Runner 2049", eine Gemeinschaftsproduktion von Columbia/Tristar und Warner Bros., die bei uns im Verleih Sony Pictures am 5. Oktober 2017 im Kino anläuft, sowie einer Fortsetzung von Walt Disneys Star Wars mit "Episode 8 - The Last Jedi" am 14. Dezember 2017.

Spitzenreiter in der Publikumsgunst des Arthouse-Kinos ist Berlin, während in Thüringen sogar der Programmkinobestand um 13 Prozent sank. Auch in Rheinland-Pfalz ist Verhältnis zwischen Bevölkerungszahl und Arthouse-Dichte sechs Mal geringer als in Berlin. Domäne der Programmkinos - wozu auch kommunale Kinos zählen - sind Großstädte. Dort werden die meisten Einnahmen der Arthäuser vor allem von der Zielgruppe der Generation 50+ generiert.

Zum Spitzenreiter der Arthouse-Kino-Charts haben wir natürlich nachfolgend wieder eine Filmkritik anzubieten, nachdem wir letzten Sonntag, den 24. September 2017, bereits insgesamt acht weitere aktuelle Filmkritiken veröffentlicht hatten. Da jedoch Bundestagswahlen waren, wurde dies vielleicht nicht von allen Lesern verfolgt.

Diesen Donnerstag kamen noch weitere sehenswerte Filme dazu, die möglicherweise schon dieses Wochenende die Arthouse-Charts wieder durcheinanderwirbeln werden.

Dazu gehört der österreichische Spielfilm "Die Beste aller Welten" von Adrian Goiginger. Schon auf der letzten 67. Berlinale verschlug das Debüt in der Sektion »Perspektive Deutsches Kino« dem Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes den Atem. Der Rauch und Qualm auf der Leinwand drang tief ins Herz der Zuschauer, die beklemmend den Saal verließen, und dennoch den Film nicht vergessen werden. Warum gelingt den deutschen Filmemachern nicht solch ein Meisterwerk. Sind wir zu autoritär erzogen, um von jeglichen Vorurteilen befreiende Filme, die das Leben schreibt, gestalten zu können? Unsere Filmkritik hierzu lesen Sie am Ende des heutigen Artikels.

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"KÖRPER UND SEELE" ("Teströl és lélekröl - On Body and Soul") Drama von Ildiko Enyedi (Ungarn).

Mit Alexandra Borbély, Morcsányi Géza, Réka Tenki u.a.

seit 21. September 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Ein Schlachthaus in Budapest wird zum Schauplatz einer außergewöhnlichen und gleichzeitig seltsam anmutenden Liebesgeschichte. Maria (Alexandra Borbély), die neue Qualitätsprüferin leidet unter dem Asperger – Syndrom. Eine zarte, blasse junge Frau, scheu und unnahbar. Und schon wird getuschelt. In der Kantine sucht sie nach einem Tisch für sich allein und meidet jeden Kontakt. Ihre Arbeit verrichtet sie äußerst präzise, hält sich strikt an die vorgegebenen Normen, jedes Gramm zu viel an Fett gibt einen Punktabzug. Endre (Géza Morcsányi) der ältere Chef des Schlachthauses beobachtet Maria, auch er ist verschlossen und es dauert, bis er sich zaghaft traut , Maria in ein Gespräch zu verwickeln. Er hat einen gelähmten Arm, ein Handikap, was auch ihn zu einem Außenseiter macht. Er lebt allein und verbringt seine freie Zeit vor dem Fernseher. Maria verschanzt sich hinter ihrem Monitor und flüchtet in ihre vertraute Welt der Zahlen und Daten. Ihr erstes Gespräch, was die beiden sachte miteinander führen, stellt sie mit einem Salz – und Pfefferstreuer nach. Als man feststellt, dass ein Bullenpaarungspulver gestohlen wurde, kommt eine Psychologin ins Haus, die jeden Mitarbeiter befragt. Bei den intensiven Fragen, die sie stellt, kommt heraus, dass Maria und Endre jede Nacht denselben Traum haben. Ein Hirsch und eine Hirschkuh suchen friedlich im Wald nach Futter. Schon das erste Bild zeigt die zwei Tiere in dem schneebedeckten Wald bei ihrer Nahrungssuche, sich gegenseitig anstupsend, man hört das Geräusch ihres dampfenden Atems. Ein Bild des Friedens im Gegensatz zu den blutigen Bildern im Schlachthof, dem Töten des Viehs und die Verrohung derjenigen, die täglich damit zu tun haben.

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi hat bewusst für ihre Dreharbeiten einen Hof gesucht, auf dem die Tiere mit Respekt behandelt werden. Der Versuch der beiden, sich in der Realität langsam anzunähern, scheint erstmal zu scheitern. Maria, die immer noch zu ihrem Kinderpsychologen geht, fällt es schwer, sich auf Berührungen einzulassen. Heimlich schaut sie sich Pornofilme an und beobachtet Paare im Park. Sie geht in einen Laden und hört sich CD´s an, bis die Verkäuferin ihr eine mit ihrer Lieblings-Love-Musik gibt. (Forgive me, I can`t stay). Als die beiden Außenseiter endlich Sex miteinander haben, hört man das Atmen der Hirsche. Mit ganz zarter Behutsamkeit nähert sich Enyedi an die zwei verwundeten Seelen heran, die nun auch langsam mit ihrer Körperlichkeit zusammenfinden. Auch wenn es jetzt pathetisch klingen mag, es ist eine Magie, die hier zwei Menschen dazu verhilft, ihre Gefühle füreinander zu entdecken und ihre Angst überwinden sich zu öffnen. Zurecht hat „Körper und Seele“ den Goldenen Bären auf der diesjährigen Berlinale gewonnen.

Ulrike Schirm

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"VICTORIA & ABDUL" Biopic-Drama von Stephen Frears (GB/USA).

Mit Judi Dench, Ali Fazal, Eddie Izzard u.a.

seit 28. September 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

„Alle meine grossen Lieben sind tot… und ich lebe weiter. Ich bin einsam, ich, eine dicke, schwache, törichte Frau“, so klagt Königin Victoria nach dem Tod ihres geliebten Ehemannes Prinz Albert, im Jahr 1861.

Einem schottischen Pferdeknecht, John Brown, gelang es, sie wieder etwas aufzurichten. Die platonische Liebe zu dem Diener wurde am Hofe missbilligend wahrgenommen.1997 verfilmte John Madden die Geschichte einer nicht standesgemäßen Freundschaft mit dem Titel „Ihre Majestät John Brown". Damals wurde Judi Dench für ihr überzeugendes Spiel für den Oscar nominiert. Jetzt, fast zwanzig Jahre später schlüpft sie noch einmal in die Rolle der königlichen Regentin. Und wieder sorgt eine tiefe Freundschaft zu einem Diener, diesmal indischer Herkunft, für Ärgernis am Hof.

Anlässlich des goldenen Thronjubiläums 1887 werden zwei indische Diener mit einem kostbaren Geschenk nach Großbritannien geschickt. Einer von ihnen, Abdul Karim, soll der Königin die Gabe, eine wertvolle Münze überreichen. Ende des 19. Jahrhunderts war Victoria noch Kaiserin von Indien, war aber selbst nie dort. Die Queen ist von der Erscheinung des jungen Mannes sichtlich beeindruckt. Er darf am Hofe bleiben und seine Aufgabe besteht erst einmal darin, die königlichen Speisen zu servieren. Als Victoria in Gesprächen mit ihm erfährt dass er in Indien ein Munshi ist, was so viel bedeutet wie Lehrer, nimmt sie ihn in ihr Gefolge auf. Er bringt ihr Hindustani und Urdu bei, erzählt ihr viel über indische Gebräuche und sein Leben als Muslim. Als der „Günstling“ auch noch seine Frau und einige Familienmitglieder ins Land holt, die auch noch auf königliche Kosten leben, ist der Neid und die Missgunst bei dem Hofstaat gross. Es kommt heraus, dass es Abdul mit der Wahrheit nicht so genau genommen hat, was die Monarchin jedoch wenig interessiert. Die Lebensfreude die die vormals verbitterte Frau durch die Freundschaft mit ihm zurückgewonnen hat, ist stärker als alle Vorurteile. Aus Dankbarkeit will sie ihn zum Ritter schlagen lassen. Jetzt reicht`s. Ihr Sohn Berti will sie für verrückt erklären. Mit Abduls Zuneigung hat sie es geschafft, dass enge Korsett aus Zwängen und Pflichten zu lockern.

Stephen Frears zeichnet seinen Abdul (Ali Fazal) ziemlich weichgespült. Gut das er ihm den nörgligen Mohammed (Adeel Akhtar) als Pendant an die Seite gestellt hat. Der ist fern jeglicher Heuchelei, schimpft über alles und möchte so schnell wie möglich zurück in die Heimat. Es ist die großartige Judi Dench, die den Film absolut sehenswert macht. Aus der frustrierten „Alten“, die sich aus Einsamkeit der Völlerei hingibt, unter Verdauungsbeschwerden leidet, wird eine streitbare Person, die sich nicht mehr der verschrobenen Etikette beugt. Anrührend, wie sie in kurzen Momenten fast mädchenhaft wirkt und sich ihr Glück nicht zerstören lässt. Frears hat seinen Film genau zur rechten Zeit gedreht. In Zeiten von Fremdenhass, Ignoranz und Standesdünkel, ist es eine Freude zu erleben, wie Victoria neugierig alles Fremde in sich aufsaugt und damit ihr langweiliges Leben bereichert und in hohem Alter regelrecht aufblüht. Ihr dabei zuzusehen, macht großen Spaß.

Ulrike Schirm

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"IT - ES" Horrorfilm von Andy Muschietti (USA).

Mit Bill Skarsgård, Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard u.a.

seit 28. September 2017 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

In den USA schon ein Riesenerfolg. "ES" ist wieder da. Der Horrorclown aus der Kanalisation. Hinter der weiß geschminkten Maske, dem grellroten Mund, den gelb-leuchtenden Augen, den feuerroten Haaren, verbirgt sich anstelle von Tim Curry aus dem TV-Zweiteiler des Jahres 1990, jetzt der junge schwedische Schauspieler Bill Skarsgård. Sein teuflisches Lachen, seine verzerrten Grimassen lehren einem das Fürchten.

Andrés Muschietti hat die Neuverfilmung des Horrorklassikers in die Achtziger verlegt. Der Ort des Grauens ist Derry, ein fiktiver Ort, der öfter in Stephen Kings Geschichten auftaucht. Es verschwinden Kinder, keiner weiß wohin und warum. Auch der kleine Bruder von Bill (Jaeden Lieberher) wird vermisst. In Regenkleidung verlässt der kleine Georgie das Haus. Es macht ihm großen Spaß, sein gefaltetes Papierschiffchen in den Regenbächen an der Straße schwimmen zu lassen, bis es in einem Gully verschwindet. In dem Gully hockt das Böse. ES lockt den Jungen mit weicher Kinderstimme näher heranzutreten, um ihm das Spielzeug wiederzugeben. Das hätte das Kind mal nicht tun sollen. ES reißt ihm den Arm ab und zieht ihn in die Kanalisation.

Bill glaubt nicht, dass sein Bruder tot ist. Mit seinen Freunden aus dem Loser- Club, macht er sich auf die Suche nach dem verschwundenen Kind. Es sind sieben Außenseiter, die sich im Club der Verlierer zusammengefunden haben. Bill, der Stotterer, Stan ein Jude, Mike , dessen Hautfarbe dunkel ist, Richie mit seinen dicken Brillengläsern, der dicke Ben, der kranke Schwächling Eddie und das Mädchen Beverly, die von ihrem Vater misshandelt wird, gepiesackt von den Größeren. Brüderlich haben sie sich ewige Treue geschworen. Noch ahnen sie nicht, dass der Horrorclown Pennywise mit seinem roten Luftballon, in die Gestalt ihrer eigenen Ängste schlüpfen kann.

Stephen Kings Meisterwerk "ES", an dem er mehr als vier Jahre geschrieben hat, ein Buch mit über 1500 Seiten, ist in seiner Ganzheit unmöglich zu verfilmen. Muschietti hat sich für seinen Film auf das Erwachsenwerden seiner jungen Protagonisten konzentriert. Den Wert der Freundschaft, dem Phänomen Angst mit den Facetten des Grauens in Gestalt des Bösen, dem kinderfressenden Clown Pennywise. Jeder von ihnen hatte eine Begegnung mit dem Fratzenmonster. Als wieder Kinder verschwinden und Benny in der Bücherei herausfindet, dass das gefräßige Monster alle 27 Jahre wieder auftaucht und sein Unwesen treibt, wird ihnen klar: Es ist wieder so weit. Sie können dem Bösen nur gemeinsam entgegentreten. Was hat mich mehr erschreckt? Die Schreckensgestalt des Clowns oder das Böse in Gestalt von Erwachsenen, die Ihre Kinder prügeln, vernachlässigen oder gar missbrauchen. Die Mischung macht`s. Der holprige Weg von der Pubertät zum Erwachsenwerden, die grauenhafte Gewalt an Kindern, das furchteinflößende Spiel von Skarsgård in seiner Horrormaske, die tollen Kinderdarsteller, besonders Jeaden Liebher, die brillanten Bilder des koreanischen Kameramannes Chung-hoon Chung, all das macht den Gruselschocker zum Erschrecken gut. Wäre da nicht die Länge von 135 Minuten, in der sich manches unnötig wiederholt, dann wäre an dem perfekt gemachten Albtraum nichts auszusetzen.

Ulrike Schirm

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"DIE BESTE ALLER WELTEN" Drama von Adrian Goiginger (Deutschland, Österreich).

Mit Verena Altenberger, Jeremy Miliker, Lukas Miko u.a.

seit 28. September 2017 im Kino. Hier der Trailer des Erstlingswerkes:

Adrian Goiginger:

„Der Tod meiner Mutter, die im Juli 2012 im Alter von 39 Jahren starb war der Anlass für mich, einen Film über ihren Kampf gegen die Heroinsucht und über ihre Liebe zu mir zu machen. Sie schaffte es, trotz ihrer Abhängigkeit und auf sich allein gestellt, mir eine abenteuerliche und liebevolle Kindheit zu ermöglichen. Ein unglaublicher Kraftakt.“ (Text: Presseheft)

Ulrikes Filmkritik:

Der siebenjährige Adrian (Jeremy Miliker) will später unbedingt Abenteurer werden. Er liebt es mit seiner Mutter an den Strand zu gehen, ein Lagerfeuer zu machen, die Natur zu erforschen und wenn dem fantasiebegabten Jungen der böse Dämon erscheint, hat er immer sein heißgeliebtes Schwert dabei, um ihn in die Flucht zu jagen. Seine drogenabhängige Mutter tut alles, um ihrem abgöttisch geliebten Sohn die Kindheit so glücklich wie nur irgend möglich zu gestalten. Ihre Wohnung gleicht mehr einer Junkie – Höhle, als einem gemütlichen Zuhause, sie ist ein Zufluchtsort für ihre Junkie-Freunde, mit denen sie sich einen Schuss setzt. Während die zugedröhnt herumliegen, schafft sie es noch mit Adrian am Tisch zu sitzen und Spiele mit ihm zu spielen. Dass sie heroinsüchtig ist realisiert der Junge nicht. Wenn der Mann vom Jugendamt auftaucht und ihn fragt, wie es ihm geht, antwortet er immer “gut“. Es ist unglaublich wie sie es schafft, die Balance zwischen der liebevollen Zuwendung zu ihrem Sohn mit ihrer Sucht zu halten. Das Schlimmste was passieren könnte, wäre Mutter und Sohn auseinanderzureißen. Das weiß auch der Mann vom Jugendamt. Sie tut alles, was in ihrer Kraft steht, dem Jungen „die beste aller Welten“ zu schaffen. Von außen betrachtet ein Alptraum, aus der Perspektive des Jungen, eine liebevoll behütete Kindheit.

Selten sieht man einen so eindrucksvollen Film, bei dem Alles stimmt. Die Fantasiebilder des siebenjährigen Jungen, mit denen er die Welt in der er lebt verarbeitet, um nicht verrückt zu werden, die unbewusste Verhaltensweise des Jungen, seiner Mutter Stütze und Hilfe zu sein, die Empathie, die Goiginger für die Süchtigen übrig hat, ohne den geringsten Anflug einer Denunzierung irgendeiner Person gegenüber, das ist ganz grosses Kino.

Jeremy Miliker, der sich gegen mehr als 200 Kinder durchgesetzt hat, ist die Entdeckung des Jahres. Zum ersten Mal stand dieser hochbegabte Junge in einem Kinospielfilm vor der Kamera. Sein Spiel ist einfach umwerfend. Auch Verena Altenberger, die die Rolle der Mutter spielt, nein sie spielt sie nicht nur, sie verkörpert sie regelrecht. Ihr Mut zur „Hässlichkeit“ mit ihren strähnigen Haaren, den vom Heroin verursachten Hautunreinheiten und den schlechten Zähnen, könnte sie einem Dokumentarfilm entsprungen sein. Man kann im besten Sinne nur hoffen, dass diesen beeindruckenden Film ganz, ganz viele sehen. (Preisträger bei den  FIRST STEPS AWARDS 2017 in der Kategorie Abendfüllender Spielfilm)

Quellen: Tagesspiegel | AG Kino | FFA | Filmstarts | Blickpunkt:Film | Ulrikes Filmblog

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