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History of Love - Eröffnungsfilm JFBB 2017

Der Film über die „meistgeliebte Frau der Welt“ eröffnet das 23. Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg (JFBB).

Der Eröffnungsfilm des 23. Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg (2. – 11. Juli 2017) heißt „Die Geschichte der Liebe“ (OT: „The History of Love“). Radu Mihăileanus meisterhafte Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Nicole Krauss, ist am Samstag, 2. Juli 2017 filmischer Auftakt der diesjährigen Ausgabe des JFBB. Der Film feiert damit im Rahmen der Eröffnungsgala des Festivals im Potsdamer Hans Otto Theater auch seine Deutschlandpremiere. Hier der Trailer:

Der Regisseur Radu Mihăileanu, der mit seinem vielfach ausgezeichneten Film „Zug des Lebens“ bereits Gast des JFBB war, wird bei der Galaeröffnung anwesend sein. Angefragt ist darüber hinaus Hauptdarsteller Sir Derek Jacobi, einer der großen englischen Schauspielgranden und bekannt aus Filmen wie „The King´s Speech“ oder „Gladiator“.

Nicola Galliner, Leiterin des Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg: „Radu Mihăileanu hat mit seinem ersten englischsprachigen Film eine bewegende Hommage auf den Zauber der Literatur und die Macht der Liebe, die sich über Zeit und Raum hinwegzusetzen vermag, geschaffen. In den Hauptrollen brillieren der einzigartige Sir Derek Jacobi als Leo und Gemma Arterton als seine große Liebe Alma. Ein Film, der Herz und Geist unserer Zuschauer gleichermaßen bewegen wird. Ich bin mir sicher: mit Radu Mihăileanus wunderbarer Adaption wird bei der Galaeröffnung kein Auge trocken bleiben.“

Zum Inhalt:

Es war einmal ein Junge, Leo, der liebte ein Mädchen, Alma. Er verspricht ihr, sie ein Leben lang zum Lachen zu bringen und schreibt sogar ein Buch über seine „meistgeliebte Frau der Welt“, das er die „Die Geschichte der Liebe“ nennt. Doch in den Wirren des Zweiten Weltkriegs werden die Liebenden voneinander getrennt. Von Polen aus geht das Manuskript in den 1930er Jahren auf eine lange Reise, bis es im New York von heute einem jungen Mädchen in die Hände fällt. Auch sie trägt den Namen Alma. Mit Leo scheint sie auf den ersten Blick nichts zu verbinden, doch „Die Geschichte der Liebe“ führt ihre Schicksale zusammen.

„Die Geschichte der Liebe“ startet am 20. Juli 2017 im Verleih von Prokino bundesweit in den Kinos.

Neben vielen weiteren Deutschland- und Europastarts, vor allem unter den zahlreichen Dokumentarfilmen, sticht ein weiterer bei uns noch nicht gezeigter Spielfilm mit Bruno Ganz als Hauptdarsteller hervor. Unter dem Titel "Un Juif pour l'exemple" feierte das Drama um einen reichen Schweizer Viehhändler im letzten Jahr seine Premiere auf dem Internationalen A-Filmfestival in Locarno, wo er zwar außer Konkurrenz lief, dennoch aber mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet wurde. Jacob Berger adaptiert den gleichnamigen Roman des Schweizer Autors Jacques Chessex, der im Deutschen unter dem Titel "Ein Jude als Exempel" bekannt ist. Hier der Trailer:

Zum Inhalt:

In dem nach wahren Begebenheiten entstandenen Roman wird 1942 ein Schweizer Viehhändler von fünf Männern, die mit den deutschen Nationalsozialisten sympathisierten, aus rassistischen Gründen umgebracht. Um Hitler höchstpersönlich zu imponieren und ihren Anhängern zu zeigen, welcher Linie sie folgen, brauchen sie einen Juden, den sie töten können, und werfen schnell ein Auge auf wohlhabenden sechzigjährigen Gutsbesitzer Arthur Bloch aus Bern, um ihn beim Kauf von Vieh in Payerne hinterrücks zu ermorden.

Die Bedeutung des Falls liegt darin, dass dieser antisemitische Mord während des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz stattfand. Erst 2009 - wenige Monate nach der Veröffentlichung von Jacques Chessex' Buch - verabschiedete das Stadtparlament von Payerne eine Resolution im Gedenken an das Verbrechen. Die Stadt war zuvor von Chessex dafür kritisiert worden, sich nicht der Vergangenheit stellen zu wollen und den Mord zu bagatellisieren. Der Film verwebt kunstvoll Gegenwart mit Vergangenheit und endet mit dem Tod des Autors.

In Berlin ist das beeindruckende Werk nur am Samstag, den 8. Juli 2017 um 20:00 Uhr im Filmkust 66 zu sehen. Die Direktorin des Jüdischen Museums in der Schweiz, Dr. Naomi Lubrich, ist zu Gast bei der Vorführung und im Anschluss im Gespräch mit der Moderatorin.

Unsere dritte Spielfilmempfehlung ist eine Komödie von Maha Haj. Ihr Regiedebüt "Personal Affairs" feierte auf den letztjährigen 69. Internationalen Filmfestspielen von Cannes in der Sektion »Un Certain Regard« seine Premiere und wurde in Deutschland noch nicht gezeigt. Hier der in arabischer Sprache gedrehte Original-Trailer:

 

Zum Inhalt:

Mit staubtrockenem Humor und leiser Melancholie erzählt die Tragikomödie in herrlich absurden Episoden von drei Generationen einer palästinensischen Familie und ihren verschiedenen Lebensentwürfen über Grenzen hinweg. Im israelischen Nazareth lebt ein altes Paar in seiner täglichen Routine und selbst ein geplanter Besuch bei ihrem Sohn Hisham (Ziad Bakri) in Schweden kann die Beiden nicht aus ihrem Trott rausholen. Auf der anderen Seite der Grenze, in Ramallah in den Palästinensischen Autonomiegebieten im Westjordanland, lebt ihr zweiter Sohn, ein ewiger Junggeselle. Zur Familie gehört auch noch die hochschwangere Tochter Samar, die sich um ihre senile Großmutter kümmern muss, während ihr Mann, der zwar als Mechaniker arbeiten sollte, lieber spontan für eine amerikanische Filmproduktion als Schauspieler einen Terroristen abgeben will. Sie alle verbindet ein Leben im Grenzgebiet mit stetigen Kontrollen und dem Passieren der Checkpoints. Ganz nebenbei zeigt der Film, wie Palästinenser in Israel leben, jenseits von Klischees und Nachrichtenbildern.

Diesmal gibt es übrigens zusätzlich zur Eröffnung im Hans Otto Theater Potsdam auch im Filmmuseum Potsdam eine ganze Filmreihe zu „100 JAHRE UFA“ – „DEM VERGESSEN ENTRISSEN“ mit einer Hommage an EMERIC PRESSBURGER, dem in Ungarn geborenen jüdischen Drehbuchautor, Filmregisseur und Filmproduzenten, der vor seiner Flucht vor den Nationalsozialisten über Paris nach London bei der UFA in Berlin tätig war.

Insgesamt sind 44 Spielfilme, Dokumentarfilme und Kurzfilme Filme aus Ungarn, Frankreich, USA, Österreich, Israel, Hong Kong, Australien, Kanada und der Schweiz bei der 23. Ausgabe des Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg in 14 Spielstätten unter dem Motto „Nicht ganz koscher“ zu sehen.

Mit dabei ist auch der auf der letzten 67. Berlinale im Panorama gezeigte, beklemmende, ungarische und in schwarz-weiß gedrehte Spielfilm "1945" von Ferenc Török, bei dem ein ganzes Dorf in Panik gerät und überhastet das gestohlene Tafelsilber versteckt, als zwei totgeglaubte ehemalige jüdische Einwohner unerwartet wieder auftauchen. Dazu der Trailer und eine Filmkritik von Elisabeth Nagy.

"1945" von Ferenc Török.

Elisabeths Filmkritik:

Es ist erstaunlich, was die ungarische Filmproduktion in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Viele Filme brauchten jedoch Jahre, um den rechten Moment abzupassen. "1945" ist so ein Beispiel, mit dem Ungarn an ihre beste Zeit anknüpft, erkennbar Bilder von damals aufgreift und neu zusammensetzt. "1945" ist ein wichtiger Film, der seinen Weg konsequent gehen wird, vielleicht bis in die Elite eines Jahrgangs.

Der Handlungsort: Ein kleines Dorf in der ungarischen Tiefebene. Es ist 1945, August. Der Krieg ist vorbei, die Welt ist im Umbruch, die neue Zeit noch nicht angebrochen. Es ist eine Zeit, deren Geschichtsseiten noch nicht vollständig gefüllt wurden. Eine Dampflok fährt mit schwarzem Rauch in den Bahnhof ein. Zwei Männer steigen aus dem Zug. Ihre Zugehörigkeit zum Judentum ist nicht zu übersehen. Die Blicke des Stationsvorstehers sind wachsam. Was wollen die zwei Fremden? Die Nachricht, dass zwei Juden im Dorf sind, verbreitet sich schnell. Sie sind zurück, heißt es. Aber was heißt das? Ferenc Török ("Moszkva tér") schrieb das Drehbuch zusammen mit dessen Autoren Gábor T. Szántó, seine Kurzgeschichte "Heimkehr" ("Hazatérés") erschien ursprünglich 2003. Bereits 2004 beschloß Török aus dem Buch einen Film zu machen, die Hürden, zumal sich auch in Ungarn so einiges änderte, waren nicht gering. Letztendlich dauerte es 12 Jahre, bis der Film gedreht werden konnte.

Budapest, die Hauptstadt, ist in dieser Geschichte weit weg, doch der Krieg hat auch auf dem Land nicht unbedingt das Beste aus den Menschen hervorgebracht. Die Profiteure wissen, was sie getan haben und fürchten sich nun, nicht zu unrecht, vor der Heimkehr derer, die sie vertrieben, die sie ausgeliefert haben. Die Kamera fängt die Blicke ein und stellt die Figuren, die einen kompletten Querschnitt der Gesellschaft bis in die kleinste Rolle und in jeder Schattierung abdeckt, wohl bedacht auf.

Gerade sind die letzten Vorbereitungen für eine Hochzeit im Gange, deren Braut und Bräutigam nicht zusammenpassen. Darum ist der Tag auch eher ein bedrückter und kein schöner freudiger Tag. Die Fremden wirken nun obendrein nicht nur wie Eindringlinge, sondern wie die Fleisch gewordene Angst vor einer Vergeltung. Da darf ein dahingesagtes "Es gibt doch genug Platz für alle" des Schankwirtes nicht gelten.

Regisseur Ferenc Törek wählte als Kameramann Elemér Ragályi an seiner Seite, der für György Szomjas den Western "Der Wind pfeift unter den Füßen" ("Talpuk alatt fütyül a szél", 1976) gedreht hatte oder auch "The Inheritance" ("Örökség", 1980) für Márta Mészáros. Die Entscheidung die Geschichte in Schwarzweiß auf die Leinwand zu bringen war eine zwangsläufige. Zwar probierten Török und Ragályi Farbe und auch gedämpfte Farben aus, doch zum einen waren die Vorbilder, die Filme der 40er Jahre in Schwarzweiß, zum anderen, können Farben der Geschichte nichts hinzufügen. Die Konzentration der Handlung sollte durch nichts abgelenkt werden. Dabei ähnelt "1945" am ehesten und mit voller Absicht einem Western.

Die Handlung findet an einem einzigen Tag statt. Sie umfasst sogar nur wenige Stunden. Doch nicht das Chaos, das nun einsetzt, bestimmt die Aussage der Geschichte, und viel passiert eigentlich nicht, sondern die Haltung der einzelnen Figuren ist wichtig. Da gibt es die, die an ihrer Macht festhalten, diese noch zementieren, und die, die sich ein gutes gemütliches Leben aufbauen wollen. Ohne Schuld auf sich zu laden, geht das scheinbar nicht. Vieles liegt in der Vergangenheit, doch von der Vergangenheit will man nichts wissen. "Was war, das war", heißt es und man möchte möglichst alles in die Zukunft herüberretten und sich bloß nicht mit dieser Schuld auseinandersetzen, die mit der Ankunft von zwei Juden sich an die Oberfläche bohrt.

Die zwei Männer, Vater und Sohn, sie sind dabei wie ein Ruhepol, um sie herum brechen die Ereignisse aus, für die sie nichts können und mit denen sie nichts zu tun haben. Es ist die Natur der Menschen, die in den Dorfbewohnern den Aufruhr ausbrechen lässt, und doch gehen sie alle unterschiedlich damit um. Török gelang mit "1945" ein kluger, universell gültiger Film, der so ganz spezifisch in Raum und Zeit verortet ist und zu dem es doch Parallelen gibt. Und doch kann man darin auch einfach die Form bewundern, die Bildgestaltung, die Landschaft der Gesichter, man kann den Western darin erkennen und man kann Schlüsse ziehen. Die Lehre daraus ist nicht zu unterschätzen, sie tut weh. Als "1945" im Panorama der Berlinale einen der Publikumspreise gewann, hatte Török bereits den Preis für den besten Spielfilm auf dem jüdischen Filmfest in Miami gewonnen.

Elisabeth Nagy

Leider nicht gezeigt wird das bewegende Arthouse-Drama um eine jüdische Familie in den Kriegswirren des besetzten Paris. Der Film "EIN SACK VOLL MURMELN - Un sac de billes" mit zwei Buben in den Hauptrollen, die vor den Nazis fliehen müssen, hatte auf dem 28. Internationalen Filmfest Emden-Norderney mehrere Preise gewonnen, wie wir am 17. Juni 2017 schrieben. Das Werk des kanadischen Regisseurs Christian Duguay kommt aber erst am 17. August 2017 in die Kinos. Hier jedoch vorab schon einmal der Trailer:

Über das JFBB:

Das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg ist seit mehr als zwei Jahrzehnten das größte Forum für den jüdischen und israelischen Film in Deutschland. Es ist damit das älteste und wichtigste kulturelle Event seiner Art und wesentlicher Teil des vielfältigen jüdischen Lebens in Berlin und Brandenburg. Sein Schwerpunkt ist die filmische Auseinandersetzung mit allen Facetten des jüdischen Lebens und dessen ständigem Wandel, in Deutschland, Israel, Europa und dem Rest der Welt. Im Fokus steht dabei die gesamte Bandbreite des aktuellen filmischen Schaffens – vom anspruchsvollen Independent- und Arthousekino über Dokumentarfilme bis hin zum Essayistischen und Experimentellen.

Weitere Informationen zum Programm des JFBB finden Sie auf www.jfbb.de und auf Facebook: www.facebook.com/jffberlin

Quelle: SteinbrennerMüller Kommunikation

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