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Preisträger des Neiße Filmfestivals und von FilmPolska

Osteuropäische Filme vor allem aus Polen und Tschechien hatten großen Publikumszulauf in Berlin und an der Neiße.

Unter dem Motto: „Berlin sieht Polnisch – Die Freiheit des Films“ fand vom 3.-10. Mai 2017 die 12. Festivaledition von filmPOLSKA in Berlin, Frankfurt/Oder und mit einer Wiederholung aus dem letzten Jahr auch in Potsdam statt.

Angesichts der aktuellen kosmopolitischen Veränderungen und gesellschaftspolitischen Verunsicherungen setzte das größte polnische Filmfestival außerhalb Polens ein besonderes Zeichen für das progressive Filmschaffen der jungen Generation polnischer Filmemacher und damit für die Souveränität der Filmkunst weltweit.

12 Jahre lang wurde vor allem dem Berliner Publikum bestes polnisches Kino geboten. Auch in diesem Jahr standen wieder herausragende Werke, die auf anderen Festivals schon zahlreiche Preise gewonnen hatten, im Mittelpunkt des Interesses der Zuschauer. Und es gab durchaus einige ausverkaufte Vorstellungen in den 12 beteiligten Berliner und Potsdamer Kinos sowie rege Diskussionen mit den extra angereisten Filmemachern.

Nachwuchsfilmemacher wie Anna Zamecka („Kommunion“), Jan P. Matuszyński („The Last Family“), Goldener Löwe für den besten Film beim Gdynia Film Festival, Kuba Czekaj („The Erlprince“), Young Jury Award für den besten Film beim Gdynia Film Festival besuchten ebenso wie renommierte Filmemacher wie Paweł Łoziński („You Have No Idea How Much I Love You“) und Michał Rosa („The Happiness of the World“) das Festival 2017 und lieferten dem Publikum in Berlin ein eindrucksvolles Bild davon, was das zeitgenössische polnische Kino an Filmkunst zu bieten hat.

Erstmals fand sogar ein Wettbewerb statt, für den die Festivalleitung ausgewählte Filme nominiert hatte. Zugelassen waren sowohl Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme als auch sogenannte hybride Formen mit einer Spieldauer von mindestens 60 Minuten.

Folgende sieben Filme waren nominiert:

• Communion (Regie: Anna Zamecka)

• The Office of Monument Construction (Regie: Karolina Breguła)

• The Erlprince (Regie: Kuba Czekaj)

• Waves (Regie: Grzegorz Zariczny)

• Kamper (Regie: Łukasz Grzegorzek)

• A Heart of Love (Regie: Łukasz Ronduda)

• All these Sleepless Nights (Regie: Michał Marczak)

Unter den Juroren waren Bernd Buder, Festivalleiter des osteuropäischen Filmfestivals in Cottbus; die Film- und Kinoexpertin Anke Leweke sowie der Regisseur, Produzent und Kinobetreiber Marcin Malaszczak, die am Mittwoch Abend den Sieger in dem zu später Stunde leider relativ spärlich besetzten Kino Babylon verkündeten. Der Preisträger wurde anschließend noch einmal dem Publikum gezeigt.

filmPOLSKA Filmpreis für "Kommunion".

Die drei Juroren konnten sich nach Sichtung aller nominierten Filme schnell einig werden. Gewonnen hat Anna Zameckas Debütfilm „Kommunion“, der einen Tag zuvor schon auf dem Münchner DOK.fest 2017 den polnischen Dokumentarfilmpreis der SOS-Kinderdörfer weltweit gewonnen hatte sowie den Young Eyes Film Award des DOK Leipzig Festivals 2016.

Synopsis:

Der Film beschreibt das Leben der beiden 14 und 13 Jahre alten Geschwister Ola und ihrem Bruder Nikodem, der Autist ist und nicht daran denkt, was andere von ihm erwarten. Vielmehr zieht er sich in seine kindliche Welt zurück, kapselt sich auch von seinen Mitschülern ab und ist für seine bevorstehende Kommunion kaum in der Lage die erforderlichen Texte zu erlernen. Alle Last der häuslichen Arbeit, einschließlich der Sorge um ihren behinderten Bruder liegt auf der 14-jährigen Ola, denn der Vater ist ein Säufer und die Mutter ist ausgezogen.

Hier nochmals der Trailer:

Die Jury honorierte "den präzisen und emphatischen Blick“ der Regisseurin Anna Zamecka, der es gelingt, den vorgefundenen Alltag in eine erzählerische Form, einen Rhythmus von Bildern zu gießen, der sich der Wahrheit verpflichtet:

„Anna Zameckas Debüt ‚Kommunion‘ ist in dieser Hinsicht ein äußerst gelungenes Werk, das uns, gehalten im Stile des ‚Direct Cinema‘, am meisten überzeugt und berührt hat. Ohne jemals das Private und Intime auszustellen, schenkt die Kamera der 14-jährigen Ola alle Aufmerksamkeit und behält den Blick für das Wesentliche: Das beeindruckende und frühe Erwachsenwerden-Müssen eines jungen Mädchens. Trotzdem ist ‚Kommunion‘ mehr als eine simple ‚Coming of Age‘ Geschichte. Der Film ist subversiv, ohne politisch sein zu wollen“, so die Jury-Begründung.

Link: filmpolska.de

Quelle: rische & co pr

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Am gestrigen Samstagabend wurden im kleinen Stadttheater des tschechischen Varnsdorf, in der Nähe von Zittau, gleich hinter der deutschen Grenze am Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik, die Neiße-Fische an die besten Filme und Publikumslieblinge des Neiße Film Festivals vergeben.

Am heutigen Sonntag geht das Neiße Film Festival (NFF) zu Ende. Das Filmfest präsentierte vom 9. -14. Mai 2017 in seiner 14. Auflage über 130 Filmen in drei Wettbewerben und diversen Filmreihen sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Konzerten, Partys und einer Lesung an 22 Spielorten in Deutschland, Polen und Tschechien.

Neiße-Filmpreis für „Špína“ (Filthy / Dreck).

Der mit 5.000 Euro dotierte Neiße-Filmpreis der Sächsischen Kunstministerin für den besten Spielfilm, der erstmals vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gestiftet wurde, ging an die slowakisch-tschechische Co-Produktion „Špína“ (Filthy / Dreck) von Tereza Nvotová.

Die Jury mit dem tschechischen Filmproduzenten Aleš Hudský, Jürgen Pohl vom deutschen Filmverleih Edition Salzgeber und dem polnischen Kulturmanager und Festivalleiter Maciej Zabojszcz musste sich im Wettbewerb zwischen je drei Spielfilmen aus Deutschland, Polen und Tschechien entscheiden.

„Die Geschichte der jungen Lena, die nach dem Missbrauch durch ihren Lehrer ihren Weg finden muss, gegen ein antiquiertes psychiatrisches System auf der einen und den Unglauben ihrer nächsten Umwelt auf der anderen Seite, hat uns in seiner kraftvollen, rauen und extrem emotionalen Inszenierung überzeugt und atemlos zurückgelassen.“, so die Juroren in ihrer Begründung.

Hier der Trailer:

Den von der Sächsischen Zeitung gestifteten Preis für die beste darstellerische Leistung erhielt Vanessa Szamuhelová für ihre Rolle als 10-jähriges Mädchen, das zwei ausgesetzte Zwillings-Babys in ihre Obhut nimmt, in dem slowakisch-tschechischen Film „Pátá loď“ (Little Harbour / Das fünfte Schiff) von Iveta Grófová. Den Preis für das beste Szenenbild, gestiftet von der Stadt Görlitz, vergab die Jury an Milan Býček für seine Arbeit an „Masaryk“ (A prominent Patient) von dem tschechischen Regisseur Julius Ševčík.

„Normal Autistic Film" wurde bester Dokumentarfilm.

„Normální autistický film“ (Normal Autistic Film) von Miroslav Janek aus Tschechien erhielt den von der Stadt Zittau gestifteten Preis für den besten Dokumentarfilm. Hier der Trailer:

Zwei Jahre lang folgte Janek drei Jugendlichen mit Asperger Syndrom mit der Kamera. Entstanden ist ein dabei Film voll von bemerkenswerter Leichtigkeit über die Schönheit der Andersartigkeit. Die Jury - die deutsche Autorin, Dramaturgin, Journalistin und Filmkritikerin Grit Lemke, die Dokumentarfilmerin Agnieszka Zwiefka aus Polen und der tschechische Journalist Martin Dušek – hob in ihrer Begründung hervor, dass

„… dieses Werk ein wirklicher Film ist, der, statt Behauptungen zu illustrieren, die Mittel der Filmsprache geschickt nutzt. So lässt uns Miroslav Janek eine Welt erfahren, die uns fremd ist, und ermöglicht es zugleich, uns selbst in den Protagonisten zu finden. Und genau das ist der Unterschied zwischen bloßem Journalismus und Filmkunst, zwischen Dokumentation und Dokumentarfilm.“

„Fleur“ (Blume) bester Kurzfilm.

Den Preis für den besten Kurzfilm erhielt „Fleur“ (Blume) von Oliver Beaujard, ein liebevoll inszeniertes Märchen über einen Gärtner, der seine Aufmerksamkeit mehr den Pflanzen als seinem einsamen kleinen Sohn widmet – und über die Versöhnung in einer magischen Welt. In der Begründung der Jury, die sich aus dem polnischen Regisseur Sabin Kluszczyński, dem tschechischen Regisseur und Autor Petr Slabý und Jutta Wille, Geschäftsführerin der AG Kurzfilm zusammensetzte, heißt es:

„Ein phantastisches Spiel mit Farben und visuellen Ideen - gesehen durch die Augen eines Kindes erinnert der Film daran, ab und zu Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“

Spezialpreis für „Das Glück der Erde“.

Der Spezialpreis des Filmverband Sachsen, der jährlich einen Film vergeben wird, der sich mit Respekt und Toleranz anderen Kulturen nähert und einen Weg zum Dialog bereitet, ging an den polnischen Spielfilm „Szczęście świata“ (The Happiness of the World / Das Glück der Erde) von Michał Rosa. Hier der Trailer:

„Der Film erzählt auf poetische, filmisch außergewöhnliche und (dankenswert) von Schockmomenten freie Weise die Geschichte einer jungen Frau, die das heimliche Zentrum dieser Hausgesellschaft ist, und vermittelt dabei vollkommen unaufgeregt, dass bereits Unterlassung Verrat bedeuten kann und sich dieser Verrat am Ende gegen jeden einzelnen wendet. Über die beeindruckende Schauspielleistung, die zauberhaften Bilder und das tolle Sounddesign hinaus gelingt es dem Film, den Zuschauer zum Hinterfragen der eigenen Rolle zu bringen und das eigene Verhalten zu reflektieren.“, so die Begründung der Jury, die sich aus Marta Trzeciak, Kulturmanagerin und Pädagogin aus Polen, Martin Musílek, Intendant des Theaters Varnsdorf, und Christian Zimmermann, Geschäftsführer des Filmverbands Sachsen, zusammensetzte.

Eine besondere Erwähnung gab es für den Dokumentarfilm „Dotknięcie Anioła“ (Vom Wunder des Überlebens) von Marek Tomasz Pawlowski.

Publikumspreise für Kurz- und Langfilme.

Auch die Meinung des Publikums war gefragt: Beliebtester Kurzfilm wurde „Simply The Worst“ von Johannes Kürschner und Franz Müller. Der Publikumspreis für den besten Langfilm aus dem gesamten Festivalprogramm ging an den deutschen Spielfilm „Die Reste meines Lebens“ von Jens Wischnewski, der am 25. Mai 2017 offiziell in den Kinos anläuft. Hier der Trailer:

Synopsis:

Dem Komponisten und Musiker Schimon (Christoph Letkowski) ereilen mehrere Schicksalsschläge. Als seine schwangere Frau Jella (Karoline Bär) stirbt, findet er kaum noch die Energie, sich wieder aufzurappeln. Als er kurze Zeit später Milena (Luise Heyer) kennen lernt und sich erneut verliebt, droht die junge Beziehung schnell wieder zu zerbrechen, da er nicht die ganze Wahrheit über seine vorherige Beziehung gesagt hat...

Bohdan Sláma erhielt Ehrenpreis des Neiße Filmfestivals.

Der Ehrenpreis des Neiße Filmfestivals wurde in diesem Jahr an den tschechischen Regisseur Bohdan Sláma verliehen. Sláma gehört zu einer jüngeren Generation tschechischer Filmemacher, die der Tristesse des postsozialistischen Lebens nach 1990 mit Humor und Charakter herausragende Filme entgegensetzen. Er schafft Figuren, die in schwierigen Zeiten bereit sind, eigene Wege zu gehen, und wird trotz seiner Suche nach Romantik und Idylle niemals kitschig. Er macht Mut auf dem Weg zum kleinen Glück, dass so schnell, wie es gekommen ist, auch wieder verschwinden kann.

Link: www.neissefilmfestival.de

Quelle: Michael Lippold, Kunstbauerkino in Großhennerdorf

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