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"Tschick" im Rennen der EFA Young Audience Awards und weitere Festivalergebnisse

Gleichzeitige Vorführung der drei Kandidaten in 36 Ländern. Publikumsabstimmung und Vergabe heute Abend in Erfurt.

UPDATE: Fatih Akins "Tschick" ist nicht nur einer von drei nominierten Filmen für den EFA Young Audience Award, sondern wurde am Sonntagabend auch zum Gewinner gekürt. Der Preis wurde am 7. Mai 2017 von der European Film Academy und EFA Productions mit Unterstützung der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) in Erfurt vergeben.

An diesem Tag wurden die drei nominierten Filme in 36 europäischen Städten einem Publikum im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren gezeigt, das dann über seinen Lieblingsfilm abstimmte. Die Ergebnisse werden per Videoschaltung nach Erfurt übertragen, wo noch am selben Abend der Gewinner gekürt wird.

• "Tschick - Goodbye Berlin" von Fatih Akin *Winner (Trailer)

• "Mein Leben als Zucchini - My life as a Zucchini" von Claude Barras (Trailer)

Filmkritik:

Kinder, man muss sie einfach lieb haben. Große Augen richten sich auf die Welt der Erwachsenen, auf dass man für sie sorge. Aber nicht alle Kinder haben dieses Glück. Das “Haus der Springbrunnen” ist ein Heim für die Ausgestoßenen und Verletzten. Vermeintlich sind es schwierige Kinder. Verhaltensauffällig, mitunter machen sie noch ins Bett. Hierher bringt der freundliche Polizeibeamte den 9jährigen Icare, der darauf besteht, dass man ihn Zucchini nennt, so wie es seine Mutter getan hat.

Wo ist seine Mutter? Was ist passiert? Icare weiß es nicht so genau. Er ahnt es, aber er begreift es nicht wirklich. Sie war mal wieder besoffen. Immer, wenn sie zu viel getrunken hat, unschwer zu erkennen an all den herumliegenden Bierdosen, dann zieht er sich auf den Dachboden zurück. Er hat die Klappe zur Leiter fallen lassen, als sie hinaufklettern wollte, um ihn wieder einmal zu verhauen. Da machte es Rumps.

Ein ernstes Thema. Doch “Mein Leben als Zucchini” nimmt die wunden Punkte ernst und vermittelt sie doch so behutsam, dass die Kleinsten sich nicht fürchten müssen. Zucchinis Mutter sieht man nicht, man hört sie nur. Der Zuschauer ist ganz bei dem kleinen Jungen mit den blauen Haaren und den wässrigen Augen, lässt mit ihm den Drachen steigen, den er bemalt hat mit einer Figur, die seinen Vater darstellen soll, der schon lange das Weite gesucht hat.

Zucchini kommt also ins Heim und findet tatsächlich Freunde. Das dauert zwar ein bisschen, aber schnell erkennt er und damit auch der Zuschauer, dass sie alle eine Geschichte haben und dass sie für einander da sein dürfen. Claude Barras behilft sich mit Puppen, die er im Stop-Motion-Verfahren animiert. Bis auf die kleinsten Detail wurde Sorge getragen, dass ihre Welt stimmig und harmonisch ist. Der nette Polizist, Raymond, besucht Icare sogar, auch wenn er von dem Jungen, der nicht gut auf Polizisten zu sprechen ist, weil ein solcher seinen Papa ins Gefängnis gebracht hatte nach einem Überfall, immer wieder eine Wasserbombe abbekommt. Und dann verliebt sich Zucchini in Camille, die Neue in der Gruppe, die zu ihrer Tante ziehen soll, obwohl die das Mädchen ständig beschimpft.

Céline Sciamma, die Regisseurin und Drehbuchautorin von “Girlhood” hat den Roman “Autobiografie einer Pflaume” von Gilles Paris von 2002 hier umgesetzt. Die Welt der Erwachsenen ist voller Grausamkeiten, die das Leben der Kinder stark beeinträchtigen. Es braucht Klugheit und Mut, sich daraus zu befreien und ganz viel Hilfe. Die Hilfe kommt hier sowohl von dem Polizisten, für den ein kleiner Junge nicht nur ein weiterer Fall ist, sondern auch von den Erziehern. Eine Erzieherin bekommt ein Baby und die Racker im Heim sind besorgt, ob sie, die Mutter, es denn lieb haben werde. Ganz gewiss. Auch wenn es Dummheiten macht? Auch, wenn es in die Hosen macht? Wenn es nicht zu weinen aufhört? Die Furcht, die Kinder erlernen, denen Gewalt widerfährt, prägt sie, in dem Sinn ist “Mein Leben als Zucchini” auch ein Film für Erwachsene. Aber sie lernen, dass das Leben sehr viele schöne Momente und Wunder bereithält. Die positive Auflösung überwiegt gewaltig.

Elisabeth Nagy

• "Das Mädchen vom Änziloch - The girl down Loch Änzi" von Alice Schmid (Trailer)

Wie die Preisstifter in einer Pressemitteilung betonen, werden bei der sechsten Ausgabe des EFA Young Audience Awards "als Reaktion auf die momentane Situation in Europa und Beitrag zur Integration" erneut Flüchtlingskinder teilnehmen. In Berlin sind in Zusammenarbeit mit der Yorck Kinogruppe Berliner Schülerinnen und Schüler zusammen mit den Schülerinnen und Schülern von Willkommensklassen zu den Vorführungen eingeladen. Weitere Informationen zu den teilnehmenden Städten und nominierten Filmen unter yaa.europeanfilmawards.eu

Wir haben den Gewinner "Tschick - Goodbye Berlin" von Fatih Akin als UPDATE nachträglich oben farbig mit *Winner markiert.

Quellen: Blickpunkt:Film | EFA YAA 2017

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Am 1. Mai 2017 wurde zum ersten Mal ein Visionär Filmpreis zum gleichnamigen Berliner Festival vergeben, das ausschließlich Nachwuchsfilmemacher von großen Festivals wie Cannes, Venedig, Locarno, Rotterdam oder Karlovi Vari mit ihren herausragenden Werken dem Berliner Publikum präsentierte.

Mit Preisen bedacht wurden folgende Filme:

Audience Award: "A Decent Woman" by Lukas Valenta Rinner (Austria/Korea/Argentina, 2016), der schon in Graz auf dem österreichischen Filmfestival »Diagonale" den Hauptpreis gewonnen hatte. Hier nochmals der Trailer:

Der Festivaljury fiel die Entscheidung sichtlich schwer. In die nähere Auswahl gelangten zwei schwarz-weiß Filme. Mit einer Special Mention der Jury wurde letztendlich "Drum" by Keywan Karimi bedacht. (France/Iran, 2016). Hier der Trailer:

Der Grand Jury Award ging an "Communication & Lies" by LEE Seung-won (South Korea, 2015). Hier der Trailer:

Unsere nochmals überarbeitete Filmkritik:

Das Drama "Communication & Lies" erzählt die Geschichte zweier Menschen, die mit ihrer extremen Psyche alle um sie herum vor den Kopf stoßen und auf einmal miteinander konfrontiert werden.

Das Langspielfilmdebüt des koreanischen Theaterregisseurs Lee Seung-Won, ist eine fast quälend langsam erzählte Charakterstudie mit ungewohnter Dramaturgie. Bereits beim Einstieg wird dem Zuschauer viel zugemutet.

Die Reinigungskraft Sun (Jang Sun) hat in ihrer Vergangenheit großes Leid durchleben müssen und wird nun von der Leiterin eines Lehrinstituts zur Rede gestellt. Doch zu sehen bekommt man die Putzfrau erst acht Minuten später, denn zunächst ist nur die Leiterin frontal im Bild zu sehen, wie sie scheinbar direkt ins Publikum spricht und dabei quasi gegen eine Wand redet. Mit zunehmender Fassungslosigkeit prallt sie nämlich an der Figur der Suns ab, die ein geradezu selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag legt, sich in Lügen und Affären stürzt, was sie für ihre moralbewussten Mitmenschen untragbar macht.

Die Kamera übernimmt dabei zunächst den Blickwinkel der Reinigungskraft und filmt über ihre Schulter wie aus der Ego-Perspektive. Erst später dreht sich Sun trotzig um, wendet ihr Gesicht zur Kamera, gibt die Anschuldigungen zu und verlässt ohne weitere Worte den Raum. Die Kamera folgt ihr nun und lässt sie nicht mehr los. Ein starker Einstieg in ein Drama, das zumindest verwirrt, dafür aber lange nachwirkt.

Auch Kim (Kim Kwon-Hoo), der zweite Hauptprotagonist, ist ein schwer erträglicher Mensch, doch wo Sun extrovertiert auftritt, ist er in sich gekehrt und unterdrückt seine Gefühle. Doch auch er strapaziert die Nerven Fremder, indem er tagtäglich beim Gemeinderat anruft, um sich über die abstrusesten Dinge zu beschweren. Der Großteil davon ist allerdings pure Erfindung.

Diese beiden Menschen begegnen sich eines Tages überraschend und schaffen eine Beziehung. Sie verreisen gemeinsam. Doch da sie beide nur über Halbwahrheiten oder Lügen kommunizieren können, zerbricht ihre Verbindung, was tragische Konsequenzen hat.

Der in Schwarzweiß gedrehte Film macht es dem Publikum nicht einfach. Er zeigt die Figuren in Situationen, für die man anfänglich kaum Verständnis aufbringt. Erst später liest man aus den durch die Zeitsprünge kaschierten Lücken heraus, dass diese beiden Menschen doch unser Interesse näher verdienen. Ihr Verhalten im Verlauf des Filmes, das in einer durchreglementierten Gesellschaft auf Unverständnis und Ablehnung treffen muss, führt sie nicht zurück in die Normalität, sondern führt uns, den Zuschauer, sofern wir die Empathie dafür aufbringen, zu ihnen hin und gibt uns einen kleinen Einblick in ihre Hölle.

W.F. (Quellen: Moviepilot | Visionär)

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Ebenfalls erst am Abend des 7. Mai 2017 geht das 24. Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart zu Ende, sodass uns zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unseres Artikels noch nicht alle Ergebnisse und Fakten vorliegen, wir diese aber am Ende des Textes nachliefern.

Als eines der bedeutendsten Festivals für den Animationsfilm weltweit, stehen aber die Ergebnisse wieder im Mittelpunkt des Interesse der Branche. Klar bestätigt hat sich das diesjährige Programmmotto „Animation Without Borders“ mit Verbindungen von Animationsfilmen, Games, Musik sowie Virtual und Augmented Reality, das auch das Publikum begeisterte.

UPDATE:

Der AniMovie – Preis für den besten Animations-Langfilm ging an "Window Horses" von Ann Marie Fleming (Kanada 2016) Hier der Trailer:

Die Begründung der Jury: Dieser Film ist nicht nur eine mutige Produktion , mit einem mutigen Thema, er öffnet ein Fenster zu Gefühlen, Identitäten, verschiedenen Kulturen und Poesie, die jede Grenze überschreitet. Vielen Dank an Ann Marie, du hast unsere Herzen berührt.

Erstmalig wurden am Samstag, den 6. Mai 2017, die Preise von spotlight - Festival für Bewegtbildkommunikation und Animated Com Award in einer gemeinsamen Award Gala in der Alten Reithalle in Stuttgart verliehen. spotlight ist das bedeutendste Festival für Bewegtbildkommunikation im deutschsprachigen Raum. Die gemeinsame Award Gala bot somit neue Networking-Möglichkeiten zwischen Animationskünstlern, Werbern, Auftraggebern und Filmproduktionen.

Der Animated Com Award International des 24. Internationalen Trickfilm-Festivals 2017 berücksichtigt internationale Beiträge aus dem nichtdeutsprachigen Ausland. Prämiert werden hervorragende animierte Auftragsarbeiten im Bereich der internationalen Werbung.

Gewonnen hat Johnnie Walker mit “Keep Walking” (Kristian Andrews, GB 2016). Die Jury war sehr beeindruckt von dem One-Shot-Storytelling-Ansatz und dessen Ausführung. Silber erhielt YP Dine: “Living Room” (Rob Shaw, USA 2016). Und Bronze ging an Aldi mit “The Amazing Christmas Carrot” (Kylie Matulick, Todd Mueller, USA 2016). Eine Special Mention gab die Jury an „Seed Matters“ (Buck, USA 2016).

Der “Lapp Connected Award” ging an “Shine” von Alexander Dietrich und Johannes Flick. Die Geschichte handelt von Affen-ähnlichen Kreaturen, die die Energie von Glühbirnen aufsaugen, um eine eigene Licht-Show von elektrisierender Intensität zu feiern.

Einen Tag zuvor wurde der neu initiierte und erstmalig vergebene Trickstar Business Award vergeben sowie drei weitere Preise. Der Trickstar Business Award ging an Break Thru Films mit dem Projekt “The Shadows“. Der Deutsche Animationsdrehbuchpreis ging an Juliette Alfonsi und Matthias Drescher „The Journey of the Elephant Soliman“ Die Preise für die besten Animationsserien für Kinder gingen an „Trudes Tier - Das Schöne und die Biest“ (Studio Soi) und „We Bare Bears: Burrito“ (Cartoon Network).

Im Rahmen des 24. Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart fand bei „Animation Comedy“ im Stuttgarter Renitenztheater die Verleihung des Deutschen Animationssprecherpreises statt. Den Trickstar 2017 für den besten Sprecher in einem Animationsfilm erhielt am Donnerstag die Schauspielerin Alexandra Maria Lara. Sie wurde für ihre Sprecherrolle der Rosita im Film „Sing“ (Illumination Entertainment) ausgezeichnet.

Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart – Festival of Animated Film (ITFS) findet vom 2. - 7. Mai 2017 statt. In neun Wettbewerbskategorien werden über 70.000 Euro Preisgeld vergeben. Neben dem Partner Spotlight – Festival für Bewegtbildkommunikation arbeitet das ITFS eng mit der FMX zusammen, Europas größte Fachkonferenz für Animation, Effekte, VR, Games und digitale Medien.

Einer der Publikumshighlights des Trickfilmfestivals war der Film "Mein Leben als Zucchini - My life as a Zucchini" von Claude Barras dessen Trailer und unsere Filmkritik wir bereits oben beim EFA Young Audience Award eingefügt haben.

Das Fazit und die Hauptgewinner des Festivals reichen wir nun an dieser Stelle als UPDATE nach.

Rund 90.000 Besucher waren bis zum Sonntagabend zu Gast in den Innenstadtkinos, dem Open Air auf dem Schlossplatz, der GameZone im Kunstgebäude und bei den zahlreichen weiteren Spielstätten des ITFS, was einen Anstieg von insgesamt 13 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

Die Preisträger des 24. Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart:

Internationaler Wettbewerb:

Grand Prix dotiert mit 15.000 Euro, gestiftet vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart ging an:

"Figury niemozliwe i inne historie II / Impossible Figures and Other Stories II" , (Polen 2016, 14:40 min.) von Marta Pajek.

Die Begründung der Jury: Für sein außergewöhnliches Design und seine cineastische Konstruktion, für seine exzellente Animation und sein beeindruckendes Konzept, verleiht die Jury den Großen Animationsfilmpreis an „Impossible Figures and Other Stories II“ von Marta Pajek aus Polen.

Special Mention:

"L´Horizon de Bene / Bene’s Horizon", (Frankreich 2016, 12:53 min.) von Eloic Gimenez & Jumi Yoon.

Lotte Reiniger Förderpreis für Animationsfilm dotiert mit 10.000 Euro, gestiftet von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg ging an "Untamed" von Juliette Viger, (Dänemark 2015)

Die Begründung der Jury: Für sein atmosphärisches und komplexes Porträt einer Tochter, die mit der Androhung von Gewalt umgehen muss und einem Musiker als Vater, der mit seiner eigenen Depression fertig werden muss.

Special Mention:

"AYNY / My Second Eye" von Ahmad Saleh, (Deutschland, Jordanien, Palästina 2016)

SWR-Publikumspreis dotiert mit 6.000 Euro ging an "Our Wonderful Nature - The Common Chameleon" von Tomer Eshed, (Deutschland 2016)

Amazon Audience Award dotiert mit 5.000 Euro ging an "Asteria" von Alexandre Arpentinier, Mathieu Blanchys, Lola Grand, Tristan Lamarca, Thomas Lemaille und Jean-Charles Lusseau de École Supérieure des Métiers Artistiques (ESMA, Frankreich 2016)

Young Animation – Preis für den besten Studentenfilm dotiert mit 2.500 Euro, gestiftet von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LfK) und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg ging an "Happy End" von Jan Saska, (Tschechische Republik 2015)

Special Mention:

"Kastaars" von Jasmine Elsen, (Belgien 2016)

Tricks for Kids – Preis für den besten Kurzfilm für Kinder dotiert mit 4.000 Euro gestiftet von Studio 100 Media GmbH ging an "Når jeg hører fuglene synge / When I Hear the Birds Sing" von Trine Vallevik Håbjørg, (Norwegen 2016)

Link: www.itfs.de

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