Skip to content

Gewinner der Kurzfilmfestivals in Leipzig & Dresden

Kurzsüchtig in Leipzig und Filmfest Dresden haben ihre Kurzfilmpreise bekannt gegeben. UPDATE mit einer Filmkritik zu "GABI", dem Dresdner Publikumspreis.



In Leipzig wurden bei Kurzsüchtig am 2. April 2017 Iring Freytag, Viktor Stickel und Linus Stetter von der Filmakademie Baden Württemberg für "CHILD" mit dem Trickfilm-Publikumspreis ausgezeichnet. Das 10 Minuten lange Werk war schon im letzten Jahr mit dem Baden-Württembergischen Filmpreis 2016 in der Kategorie bester Kurzfilm prämiert worden.

In dem Film geht es um Ressourcenverbrauch, Technikglaube, Hybris und Zerstörung, Sinn oder Unsinn von Arbeit, die Reise des Helden, das Leben und das Altern – all dies wird in ‚Child’ zu Ur-Metaphern destilliert: Ein Menschenkind wächst heran, tritt kraftstrotzend in die Welt und rodet, rodet den Wald und findet keine Ruhe, bis nicht der letzte Baum gefällt ist oder eine Naturgewalt das Unterfangen beendet. Hier der Teaser:



Synopsis:
Ein Kind muss die Geborgenheit seiner Hütte verlassen, um Holz für das erloschene Feuer zu beschaffen. Als jetzt Heranwachsender entdeckt er einen Baum, der als Feuerholz dienen soll. Als er den Baum aus der Erde reißt, wird er zum Mann und kann dem Wald nicht widerstehen, der sich vor ihm ausbreitet. Überwältigt von der Vielzahl der Bäume beginnt er, jeden einzelnen auszureißen. Der letzte Baum bricht ihm das Kreuz – nicht aber seinen Willen, möglichst viel Brennholz nach Hause zu bringen. Zum alten Mann geworden, erkennt er, dass die Kraft nicht ausreicht, um auch nur mit einem einzigen Stamm zurück zu kehren. Frei von allen Lasten trifft er auf den Baum aus seiner Jugend.

KATEGORIE ANIMATION:
• Jurypreis für "PINK CUTS PINK" von Alma W. Bär
• Nachwuchspreis Sächsischer Filmverband für "Wider Das Vergessen" von Carsten Lerch
• Lobende Erwähnung für "Eine Villa mit Pinien" von Jan Koester
• Publikumspreis für "CHILD" von Iring Freytag, Viktor Stickel und Linus Stetter.

KATEGORIE DOKUMENTATION:
• Jurypreis für "Imbiss" von Christoph Eder & Jonas Eisenschmidt
• Lobende Erwähnung für "Medanit" von Sarah Noa Bozenhardt
• Publikumspreis für "ÜBER DRUCK" von Sebastian Binder

KATEGORIE EXPERIMENTAL:
• Lobende Erwähnung für "Atlas of the Wounded Buildings" von Thadeusz Tischbein
• Publikumspreis für "Kaltes Tal" von Florian Fischer & Johannes Krell

KATEGORIE FIKTION:
• Jurypreis für "Stell dich tot" von William Laboury
• Lobende Erwähnung für "Die Last der Erinnerung" von Albert Meisl
• Publikumspreis für "Obst & Gemüse" von Duc Ngo Ngoc

Link: kurzsuechtig.de

+++++++++++



Das 29. Filmfest Dresden, das mit rund 21.500 Besuchern auch einen Zuwachs an Fachbesuchern verzeichnen konnte, vergab am 8.4.2017 im Kleinen Haus des Staatsschauspiel Dresden neun »Goldene Reiter« und vier Sonderpreise mit Preisgeldern von insgesamt 66.000 Euro. Der Kurzfilm „Cipka - Pussy“ von Renata Gąsiorowska (Polen) wurde sogar mehrfach preisgekrönt.

Hier der Trailer, der leider nur direkt auf der Website von Vimeo anzusehen geht:


Synopsis:
Geschlossene Gesellschaft: Frauenabend! Das junge Mädchen möchte sich körperlichen Freuden widmen – nackt, aber solo. Dezidiert schaltet sie den Lüstling von Gegenüber aus, den die Gunst der Stunde lockte. Doch außer Kontrolle gerät ihr erotisches Rendezvous mit sich selbst trotzdem, denn Cipka (polnisch für Pussy) hat durchaus ein Eigenleben. Ein vergnüglich-rasanter Zeichenanimationsfilm aus der renommierten Filmhochschule Łódź – gezeichnet auf Weiß in glamourösem Rot und lasziven Blau.

INTERNATIONALER WETTBEWERB:
• Goldener Reiter Animationsfilm International (7.500 Euro) und Arte Kurzfilmpreis
Cipka - Pussy“ von Renata Gąsiorowska (Polen, 2016)
Begründung: „Gesellschaftliche Tabus sollten thematisiert und mit einem Lachen begegnet werden. Dank seines originellen graphischen Stils und einer anmutig fließenden Animationstechnik, hatte die Jury großen Spaß, dieser einträchtigen Verbindung einer Frau mit ihrem Körper zu folgen.“

Lobende Erwähnung
A nyalintás nesze - The noise of licking“ von Nadja Andrasev (Ungarn, 2016)

• Goldener Reiter Kurzspielfilm International (7.500 Euro)
Painting with History in a Room Filled with People with Funny Names 3“ von Korakrit Arunanondchai (Thailand, 2015)
Begründung: „Die Jury ist beeindruckt von der freien und chaotischen Kraft dieses totalen Kunstwerks, das wir dem ‚expanded cinema’ zuschreiben. Der mutige Künstler dahinter verschwendet keine Zeit auf Etiketten und Konventionen. Er hat ein anarchisches Liebesgedicht geschaffen, in dem er seinen Blick auf die Seiten und Facetten einer komplexen Gesellschaft richtet.“

• Goldener Reiter der Jugendjury International (2.000 Euro)
Planemo“ von Veljko Popović (Kroatien, 2016)
Begründung: „Einzigartige Bilder und starke Metaphern lassen den Zuschauer in die außergewöhnliche Situation des Protagonisten eintauchen. Ein Schlüsselereignis führt zu schwerwiegenden Veränderungen in der Beziehung zu seiner Umwelt. Umgesetzt wird diese Situation durch die stimmungsvolle Komposition aus innovativen 3D Animationen und realen Aufnahmen.“

Lobende Erwähnung
Empire of Evil“ von Harald Hund (Österreich, 2016)

• Goldener Reiter des Publikums International (3.000 Euro)
Home“ von Daniel Mulloy (Kosovo / Großbritannien, 2016)

NATIONALER WETTBEWERB:
• Goldener Reiter Animationsfilm National
Ein Aus Weg“ von Hannah Stragholz und Simon Steinhorst

• Lobende Erwähnung
Wegzaubern“ von Betina Kuntzsch (Deutschland, 2015)

• Goldener Reiter Kurzspielfilm National
Ela - Szkice na Pożegnanie (Ela - Sketches on a Departure)“ von Oliver Adam Kusio

• Goldener Reiter des Publikums National
GABI“ von Michael Fetter Nathansky (Deutschland, 2017, 30 Min.) Hier der Teaser:



Der mittellange Spielfilm über die burschikose Fliesenlegerin Gabi ist an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf entstanden und wurde auch zu den Ende April stattfindenden "Sehsüchten" nach Potsdam eingeladen. Auf der diesjährigen 67. Berlinale begeisterte er zudem das Publikum der Sektion »Perspektive Deutsches Kino«.

Filmkritik:
Am Ende, und man kann bei “Gabi” ruhig mit dem Ende anfangen, ist es nur ihr Blick. Sie schaut ihren Mann an, schaut ihn nur an, und wer nicht ganz taub ist, versteht. Die Konfrontation, und wenn es auch nur ein Blick ist, ist nicht nur das Ziel, sondern auch Teil der Entwicklung. Am Anfang, also am Anfang sind wir, also die Kamera, ihr nur hinterhergelaufen. Ihr Azubi Marco ebenso. “Ej, dreh dich mal um”, “Ej, red mit mir”. Gabi stämmig und groß, sie hat ihren eigenen Betrieb, sie verlegt Fliesen, und sie hat einen Azubi, 'ne halbe Portion.

Michael Fetter Nathansky, der mit seinem Abschlussfilm an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, “Gabi”, seinen Bachelor macht, vermeidet dabei ins Absurde zu gleiten. Mit durchaus heiterer Stimmung zeigt er ganz ernst die Situation mit der Gabi umgehen muss. Sie schuftet körperlich und man denkt, so wie sie aussieht, schafft sie das mit links. Dann kommt sie nach Hause, nur um ihren Mann mit 'ner anderen zu erwischen. Auch das steckt sie scheinbar locker weg. Ihr Vater ist im Pflegeheim und bedarf trotzdem Hilfe. Ihre Schwester hat derweil ihre eigenen Sorgen. Gabi schafft alles und innerlich kommt da nichts nach. Wahrscheinlich ist der Kontakt zu Marco noch am inspirierendsten.

Marco probt mit ihr nämlich, das mit seiner Freundin 'Schluss' machen. Das ist schwieriger als es sich anhört. Er ist einfach kein Herzloser. Also probiert er jeden Tag eine andere Variante des Rollenspiels. Gabi hat sich darauf eingelassen, sie spielt dabei mit und stellt fest, das macht Spaß. Das funktioniert. Im Rollenspiel kann sie die Gefühle ausspielen, die sie normalerweise gar nicht zulässt. Und der Zuschauer spielt auch mit. Der Zuschauer wird, nach der ersten Verwirrung sogar ihr Komplize. Es ist eine wahre Freunde, ihr dabei zuzuschauen. Sie spielt mit dem Spiel und den Reaktionen und ist sich sowohl der Wirkung als auch der Auswirkung bewusst. Herrlich.

Michael Fetter Nathansky (“Eintagsfliege”), Jahrgang 1993, konnte für seinen Film, allemal sein Geschick für die Schauspielführung beweisen. Mit Gisa Flake als Gabi ist die Besetzung ideal gelungen. “Gabi” ist ein ruhiger, bedächtiger Kurzfilm, der nicht auftrumpfen will, sondern sensibilisieren. Mit wenigen Einstellungen, und minimaler Besetzung konzentriert er sich aufs Wesentliche. Als Koproduktionspartner fungierte der RBB, der jährlich für seine “rbb movies” mit den Hochschulen kooperiert.

Elisabeth Nagy

• Mitteldeutsche Filmnacht 2017 (2. Publikumspreis)
Mich vermisst keiner" von Erik Lemke (Deutschland, 2016)

• DEFA-Förderpreis Animation
zu zahm!“ von Rebecca Blöcher (Deutschland, 2017)

• Filmförderpreis der Kunstministerin
Prima Noapte - First Night“ von Andrei Tănase (Deutschland / Rumänien, 2016)

• Goldener Reiter Filmton
Eine Villa mit Pinien“ Music: Ralf Hildenbeutel, Sound: Michał Krajczok (Deutschland, 2016)

• Goldener Reiter der Jugendjury National
Un état d´urgence - State of Emergency“ von Tarek Roehlinger (Deutschland, 2016) Hier der Trailer:



Begründung:
„Mit düsterer und angespannter Atmosphäre zog der Film uns in eine Welt, in der alltägliches Handeln verdächtig ist und verdächtigt wird. Durch seine Aktualität und die bestehende Gefahr wirkt es, als würden Realität und Fiktion miteinander verschwimmen. Unter den Charakteren entsteht ein Konflikt zwischen Freiheit leben und Freiheit verteidigen. Gezeichnet durch Anspannung, Misstrauen und Skepsis strahlt der Film für den Zuschauer eine Intensität aus, die ihn zu einem fesselnden und unvergesslichen Erlebnis macht.“

Link: www.filmfest-dresden.de

  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Print this article!
  • E-mail this story to a friend!

Anzeige