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Echte Gefühle: Denken im Film

Umfangreiche Themenausstellung des cineastischen Sehens in den Kunst-Werken Berlin.



Bevor die achte Biennale für zeitgenössische Kunst Ende Mai in den Kunstwerken in der Auguststraße einzieht, widmet sich das KW Institut für Contemporary Art in den nächsten Wochen den Gefühlen im Film. Es ist erstaunlich wie die Ausstellungsräume in den Kunstwerken sich immer wieder verändern können. Mal sind sie spartanisch, ja fast leer eingerichtet, dann wiederum üppig mit Bildern behängt und diesmal zeigen diverse abgetrennte Räume zahlreiche Videos zu Grenzgängen des cineastischen Sehens.

Dennoch war man nicht der Versuchung erlegen, nur Black Boxen aufzustellen, in denen womöglich endlose Filmschleifen gezeigt würden. Vielmehr präsentiert sich in einem Hauptraum ein Sammelsurium an Filmschnipseln, die geschickt angeordnet, unterschiedliche Gefühle im Film sofort auf den ersten Blick erkennen lassen. 72 Ausschnitte aus Filmen von 13 Künstlern werden mal auf kleinen Monitoren, mal jedoch auch überdimensional im selben Raum gegenübergestellt.

In zwei weiteren Stockwerken werden die Filmbilder durch ein Archiv der Gefühle aus Bildern der Filmkunst ergänzt und flankiert, wie sie so nie im Kino laufen könnten. Dazu gehören verfremdete Spielfilmszenen oder Loops aus Werbeclips, die erst durch permanentes Betrachten ihre wahren Gefühle preisgeben. Dennoch wird es vermieden nur Arthouse Filmausschnitte oder reine Kunstfilme zu zeigen. Vielmehr soll die Schnittstelle zwischen Kunst und Film in der Ausstellung sichtbar gemacht werden. Deshalb wurde auch nicht eine spezielle Auswahl zu bestimmten Themen getroffen, sondern Independent Werke neben Mainstream gestellt.

In allen Fällen werden mit den gezeigten Ausschnitten aber zahlreiche Gefühle angesprochen. Weinen, Lachen, Schreien sowie Freude oder Angst werden im Film oft überspitzt dargestellt und prägen unser soziales Verhalten an Hand der Gewohnheiten, die im Film vorherrschen. Im Vordergrund stehen dabei die Protagonisten des Films: Nämlich die Schauspieler. Aber auch durch spezielle Beleuchtung und durch ungewöhnliche Perspektiven der Kameraarbeit lässt sich eine Übersteigerung der Gefühle im Film ausdrücken.

Echte Gefühle: Denken im Film
23. 2.– 27. 4. 2014
Themenausstellung mit künstlerischen Arbeiten von Chantal Akerman, Ed Atkins und Simon Martin, Sue de Beer, Harry Dodge und Stanya Kahn, Loretta Fahrenholz, Christian Jankowski, Jesper Just, Peter Roehr, Roee Rosen, John Smith und Mark Wallinger.

KW Institute for Contemporary Art
KUNST-WERKE BERLIN e.V.
Auguststraße 69
10117 Berlin

Seit seiner Erfindung hat der Film das Denken über das, was die Welt ist und sein kann, beeinflusst. Als Massenmedium, das die Gefühle der Menschen unmittelbar anspricht, prägt es die kollektiven Erfahrungen, sodass Filme nicht nur vor der Folie der Realität betrachtet werden, sondern ihrerseits unser Bild der Wirklichkeit beeinflussen.

ECHTE GEFÜHLE: DENKEN IM FILM widmet sich den Affekten und Emotionen im bewegten Bild. Die Themenausstellung geht der Frage nach, wie Filme Emotionen vermitteln und eine Authentizität erzeugen, an der individuelle und kollektive Erfahrung aufeinandertreffen. Allen voran sind sie es, die geläufige Erfahrungen und gängige Erklärungsmuster bestätigen, verändern oder grundsätzlich in Frage stellen und so zum Denken nötigen.

Dass in der Ausstellung die Grenzen zwischen Kinosaal und Ausstellungsraum ebenso durchlässig werden wie zwischen Filmkunst und Kunstfilm, zwischen professionellem Publikum und neugierigem Laien, ist ausdrücklich erwünscht. Denn der Film dient gleichermaßen der Normierung unserer Phantasien wie ihrer Freisetzung, der Einübung von Verhaltens- und Deutungsmustern wie deren Außerkraftsetzung. Er stellt damit ein außerordentlich wirkmächtiges Medium dar, in dem sich ein graduell oder radikal anderes Denken über die Welt erprobt.

Auf der gesamten Ausstellungsfläche setzen die KW Institute for Contemporary Art das Potenzial des Films in Szene: Die Schau untersucht zum einen, wie Mainstream- und Arthouse-Filme die menschlichen Grundemotionen in Bilder und Narrationen übersetzen und dabei Erwartungen sowohl bedienen als auch kontinuierlich modifizieren. Zum anderen präsentiert die Ausstellung Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die zwar nicht den Massengeschmack bedienen, aber den selben Fragen wie das Kino verpflichtet sind: Wie erzähle ich eine Geschichte? Wie gelingt es, eingespielte Seh- und Denkmuster infrage zu stellen, ohne die Aufmerksamkeit des Betrachters zu verlieren? Diese Arbeiten thematisieren auf je unterschiedliche Weise die Konstruktion von Gefühlen und nutzen das Medium Film, um die Differenz zwischen Film und Wirklichkeit, echtem und gespieltem Gefühl und gleichermaßen deren nicht auflösbare Abhängigkeit voneinander sichtbar zu machen.

ECHTE GEFÜHLE: DENKEN IM FILM wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die KW Freunde.
Link: www.kw-berlin.de

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